Die vorliegende Arbeit untersucht Clemens Brentanos Märchen Gockel und Hinkel1 dahingehend, ob sich darin arabeske Textstrukturen erkennen lassen und wie sich diese äußern. Zudem wird die Frage beantwortet, aus welchen Gründen Brentano dem Märchen diese arabeske Struktur verliehen hat.
Um mit dem Begriff der Arabeske vernünftig arbeiten zu können, muss vorab seine Bedeutung geklärt werden. Hierzu wird zunächst Friedrich Schlegels Verständnis von Arabesken dargestellt, wobei insbesondere gezeigt wird, wie er es schafft, den Begriff auf die Literatur zu übertragen.
Daraufhin werde ich Clemens Brentanos Verständnis des Arabesk-Begriffs erörtern und bereits andeuten, in welcher Form die Arabeske in seinen Werken zum Ausdruck kommt.
Um die These, dass es sich bei Brentanos Schöpfung um ein Märchen mit einer arabesken Textgestalt handelt, zu belegen, wird Gockel und Hinkel anschließend dahingehend untersucht, wie sich die Arabesken in dem Werk äußern und welchen Zweck sie haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2. Zum Begriff der Arabeske
2.1 Der Begriff der Arabeske bei Friedrich Schlegel
2.2 Der Begriff der Arabeske bei Clemens Brentano
3 Die arabeske Textstruktur in Gockel und Hinkel
3.1 Die arabeske Textstruktur in der Urfassung
3.1.1 Die Handlung als arabesker Rahmen
3.1.2 Die Erzählung als Rahmen
3.1.2 Die arabeske Verschlüsselung der Herzlichen Zueignung
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Clemens Brentanos Märchen „Gockel und Hinkel“ hinsichtlich seiner arabesken Textstrukturen und erforscht, wie sich diese äußern und warum Brentano dem Werk diese spezifische Form verliehen hat. Dabei wird insbesondere die Verbindung zwischen vordergründiger Handlung und tieferliegenden Sinnebenen analysiert.
- Theoretische Fundierung des Arabesken-Begriffs bei Friedrich Schlegel und Clemens Brentano.
- Analyse der Urfassung von „Gockel und Hinkel“ im Hinblick auf ihre arabeske Textgestalt.
- Untersuchung der wellenförmigen Handlung als arabesker Rahmen der Menschheitsgeschichte.
- Deutung der ineinander verschachtelten Erzählebenen am Schluss des Märchens.
- Interpretation der „Herzlichen Zueignung“ als arabeske Verschlüsselung autobiographischer Elemente.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Handlung als arabesker Rahmen
Von einem „geradlinigen Handlungsablauf“ kann man bei Gockel und Hinkel nun wirklich nicht sprechen. Durch zeitliche Rückwendungen (vgl. EF 6 / 90ff) und Vorausdeutungen in der Erzählung (vgl. EF 15) wird das Geschehen ziemlich verstrickt geschildert.
Wenn man die Handlung des Märchens in chronologischer Reihenfolge betrachtet, fällt zunächst auf, dass sie „dem Auf und Ab einer Wellenbewegung“ folgt: Dem ersten Unglück, der Entlassung Gockels aus seiner „Stelle als Fasanen- und Hühnerminister“ (EF 6) durch den König Eifrasius, folgt ein Neubeginn im Stammschloss des Gockel-Geschlechts, mit der Hoffnung auf eine erfolgreiche Hühnerzucht.
Hinter der wellenförmigen Handlung (auf Unglück folgt stets Glück und umgekehrt) des Märchens steckt jedoch noch mehr. Denn wenn man sie genauer untersucht wird bemerkbar, dass sich hinter der erzählerischen Oberflächenstruktur des Textes noch eine Tiefendimension verbirgt.
In einem raffinierten Referenzgeflecht wird nämlich auf geschichtliche Ereignisse und die christliche Menschheitsgeschichte angespielt: „Die Entlassung Gockels verweist z.B. auf die Entlassung des Freiherrns vom Stein durch den preußischen König (1808), aber sie ist gleichzeitig Sinnbild der Verbannung der ersten Menschen aus dem Paradies“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und definiert das Ziel, die arabeske Textstruktur in Clemens Brentanos „Gockel und Hinkel“ nachzuweisen und zu untersuchen.
2. Zum Begriff der Arabeske: Das Kapitel erörtert die Definitionen von Friedrich Schlegel und Clemens Brentano, um eine theoretische Grundlage für die Analyse der literarischen Arabeske zu schaffen.
3 Die arabeske Textstruktur in Gockel und Hinkel: In diesem Hauptteil wird die Anwendung des Arabesken-Konzepts auf die Erzählstruktur, die inhaltlichen Ebenen und die „Herzliche Zueignung“ des Werks praktisch dargelegt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass es sich bei dem Werk durch die verschlungene Stoff- und Formkomposition zweifelsfrei um eine arabeske Textstruktur handelt.
Schlüsselwörter
Clemens Brentano, Gockel und Hinkel, Arabeske, Romantik, Kunstmärchen, Friedrich Schlegel, Textstruktur, Rahmenerzählung, Erzählebenen, Menschheitsgeschichte, Herzliche Zueignung, Verschlüsselung, Literaturwissenschaft, Märchenanalyse, Autobiographik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Märchen „Gockel und Hinkel“ von Clemens Brentano auf das Vorhandensein und die Ausgestaltung arabesker Textstrukturen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten gehören der romantische Arabesken-Begriff, die Analyse erzählerischer Strukturen sowie die Verschränkung von Handlungsebenen und autobiographischen Verweisen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die These zu stützen, dass Brentanos Märchen durch eine spezifische arabeske Textgestalt gekennzeichnet ist, die sowohl in der Urfassung als auch in der Spätfassung auftritt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine werkimmanente Textanalyse angewandt, die durch den Rückgriff auf zeitgenössische Literaturtheorie und sekundärliterarische Deutungen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Untersuchung der Handlungsstruktur als „arabesker Rahmen“, der Analyse der Erzählsituationen und der Entschlüsselung der „Herzlichen Zueignung“.
Welche Schlüsselbegriffe sind für die Arbeit essentiell?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Arabeske, romantisches Kunstmärchen, Erzählebenen und die „Herzliche Zueignung“ als strukturelles Element.
Wie definiert Friedrich Schlegel die Arabeske laut der Arbeit?
Schlegel überträgt den ursprünglich aus der bildenden Kunst stammenden Begriff der Arabeske auf die Literatur, wobei er sie als eine „poetische Gattung“ und ideale Formmöglichkeit versteht.
Welche Bedeutung hat die „Herzliche Zueignung“ für die Spätfassung?
Sie fungiert nicht nur als Widmung, sondern bildet durch eine „Methode der Verschlüsselung“ einen Rahmen, der das Binnenmärchen mit autobiographischen Inhalten verknüpft.
Warum spielt das Ende der Erzählung eine so große Rolle für die Argumentation?
Am Ende bricht der Ich-Erzähler die Illusionsbildung auf, was zur Verknüpfung zweier Erzählebenen führt und den arabesken Charakter des Werkes unterstreicht.
- Citation du texte
- Johannes Steinmeyer (Auteur), 2007, Die arabeske Textstruktur in Clemens Brentanos "Gockel und Hinkel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81422