Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Ergebnissen über die kognitive Moralentwicklung von Lawrence Kohlberg, welche an die Arbeit von Piaget über die Entwicklung des moralischen Urteils beim Kinde anknüpfen. Dabei werden sowohl die Vorannahmen und die Theorie von Kohlberg, die Arbeit mit Dilemmata, als auch die praktische Umsetzung, in Form der Just Community, angeschnitten und letztendlich auch kritisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Herleitung, Begründung und Darstellung des Modells
2.1. Theoretische Vorannahmen
2.2. Strukturierung
2.3. Darstellung und Erläuterung des Stufenmodells
2.4. Kritische Reflexion
3. Arbeit mit Dilemmata
3.1. Formen von Dilemmata
3.2. Förderung der moralischen Entwicklung durch Dilemmata
3.3. Grenzen der Methode
4. Gerechtigkeit gestalten in der Gemeinschaft
4.1. Just Community
5. Bedeutung des Modells für die pädagogische Praxis
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Relevanz der kognitiven Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg für die pädagogische Praxis. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des Stufenmodells zu analysieren, die methodische Arbeit mit moralischen Dilemmata zu evaluieren und die praktische Umsetzung in Form der „Just Community“ kritisch zu hinterfragen.
- Kognitive Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg
- Struktur und Stufenmodell der Moralität
- Einsatz und Grenzen der Arbeit mit Dilemmata
- Pädagogische Handlungspraxis der „Just Community“
- Kritische Reflexion der Messbarkeit moralischer Urteilsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
2.1. Theoretische Vorannahmen
Im Jahr 1958 schrieb Lawrence Kohlberg seine Dissertation zum Thema der Moralentwicklung aufbauend auf dem Werk von Piaget über das moralische Urteil beim Kinde. Im Gegensatz zu ihm wollte er aber die Entwicklung bis in das Jugend- und junge Erwachsenenalter hinein untersuchen [vgl. KOH-95, S.124]. Da moralisches Denken selbstverständlich auch Denken ist, liegt nahe, dass es zwischen logischem und moralischen Denken und seiner Entwicklung Parallelen gibt, die nicht von der Hand zu weisen sind. Nachdem ein Kind die Sprache erlernt hat folgen 3 Phasen der kognitiven Entwicklung: intuitives, konkret-operatorisches und formal-operatorisches Denken.
Etwa mit dem 7. Lebensjahr beginnt ein Kind konkret logisch zu denken, d. h. es kann dann logische Schlüsse ziehen und Gegenstände klassifizieren. Im Verlauf der Adoleszenz erreichen die meisten Jugendlichen und Erwachsenen die Stufe des formal-operatorischen Denkens, jedoch nicht alle, einige erreichen diese Phase auch nur teilweise. In dieser Stufe ist es möglich alle vorhandenen Möglichkeiten einer Situation durchzuspielen, Hypothesen zu bilden und diese an der Realität zu messen, es entsteht also ein abstraktes Denkvermögen. Menschen die diese Phase nur zum Teil erreichen können zwar alle tatsächlich vorhandenen Bezüge herstellen, haben aber nicht die Möglichkeit abstrakte Hypothesen aufzustellen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass kein gesunder Erwachsener auf der Stufe des konkret-operatorischen Denkens verharren wird, einige erreichen das formal logische Denken nur teilweise aber die Majorität der erwachsenen Bevölkerung wird auf dieser Stufe vollständig ankommen. Um den Bezug zum moralischen Denken zu bringen, ist zu sagen, dass Personen, die nur konkret logisch denken können niemals über die Stufe 2 der Kohlbergschen Skala hinauskommen werden, sondern am präkonventionellen Denken festhalten werden. Wer die Phase des formal-operatorischen Denkens zum Teil erreicht, kann in der moralischen Denkweise Stufe 3 oder 4 erreichen, denkt also konventionell und nur den Personen die die Stufe des formal logischen Denkens vollständig erklommen haben, ist es möglich die postkonventionelle moralische Denkfähigkeit zu erlangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz moralischer Urteilsbildung anhand alltäglicher Diskursbeispiele und führt in das Ziel der Arbeit ein, Kohlbergs Theorie und deren praktische Anwendung zu untersuchen.
2. Herleitung, Begründung und Darstellung des Modells: Dieses Kapitel erläutert die kognitiven Voraussetzungen, die theoretischen Stufen der Moralentwicklung sowie die soziomoralische Perspektive und Gerechtigkeitsoperationen.
3. Arbeit mit Dilemmata: Hier wird die Methode der Dilemma-Diskussion beschrieben, ihre Formen kategorisiert und die Möglichkeiten sowie Grenzen der Förderung moralischer Entwicklung durch diese Praxis aufgezeigt.
4. Gerechtigkeit gestalten in der Gemeinschaft: Das Kapitel widmet sich dem Konzept der „Just Community“ als pädagogische Umsetzung von Kohlbergs Theorie und dem Bedarf an Rollenveränderungen bei Lehrkräften.
5. Bedeutung des Modells für die pädagogische Praxis: Es wird diskutiert, wie sich das Modell auf schulische Strukturen auswirken kann und mit welchen Herausforderungen bei der Implementierung zu rechnen ist.
6. Fazit: Das Fazit bewertet die Realisierbarkeit der „Just Community“ im deutschen Bildungssystem und stellt die notwendige Professionalisierung der Lehrkräfte in den Mittelpunkt.
Schlüsselwörter
Lawrence Kohlberg, Moralentwicklung, Stufenmodell, Kognitive Entwicklung, Moralische Dilemmata, Just Community, Gerechtigkeitsoperationen, Soziomoralische Perspektive, Pädagogische Praxis, Rollenübernahme, Autonome Moral, Heteronome Moral, Urteilsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie der kognitiven Moralentwicklung nach Lawrence Kohlberg und deren Anwendung in pädagogischen Kontexten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Stufenmodells, der Einsatz von Dilemma-Diskussionen zur moralischen Förderung sowie das Konzept der „Just Community“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Kohlbergs Modell der moralischen Entwicklung praktisch umgesetzt werden kann und welche Herausforderungen dabei entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode nutzt Kohlberg?
Kohlberg nutzt das „Moral Judgment Interview“ (MJI) und die Konfrontation der Probanden mit moralischen Dilemmata, um die Stufe ihrer moralischen Urteilsfähigkeit zu bestimmen.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil stehen die Struktur der Moralstufen, die kritische Reflexion der Messmethoden sowie die Gestaltung einer gerechten Gemeinschaft („Just Community“) im Vordergrund.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Moralentwicklung, Stufenmodell, Dilemmata, pädagogische Praxis und Just Community.
Warum ist das Heinz-Dilemma so wichtig für die Untersuchung?
Das Heinz-Dilemma dient als klassisches Beispiel, um die moralische Argumentation einer Person offenzulegen und ihre Position innerhalb des 6-Stufen-Modells zu identifizieren.
Wie unterscheidet sich die „Just Community“ von einer herkömmlichen Schule?
Im Gegensatz zum gewöhnlichen Unterricht liegt der Fokus auf der gemeinsamen demokratischen Entscheidungsfindung und der aktiven moralischen Auseinandersetzung zwischen Lehrern und Schülern.
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- Kristin Kuchta (Author), 2007, Die Bedeutung des Kohlbergschen Stufenmodells für die pädagogische Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81441