Der Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Gabenkonzept von Marcel Mauss. In dem Konzept wird deutlich, dass vor allen Dingen archaische Gesellschaften vom Gütertausch geprägt sind. Mauss sieht es als System einer totalen Leistung an, die gleichzeitig ökonomische, juristische, moralische, ästhetische, religiöse, mythologische und soziologische Aspekte aufweist. Dabei sind diese totalen Leistungen Basisaktivitäten, die in einer obligatorischen Dreierverpflichtung münden, nämlich in der Verknüpfung des Gebens, Nehmens und Erwiderns. In diesem Zusammenhang spricht Mauss allerdings noch von einer vierten Verpflichtung, Opfergaben an Götter und Geister zu richten. Er erwähnte dies nur nebenbei, ohne daraus eine ausführliche Analyse zu gestalten. Bemerkenswert ist, dass Mauss hinsichtlich dieser zwanghaften Dreierverpflichtung versuchte, in der gegebenen Sache einen Geist oder Seele zu sehen, die sie zwingt, zur gebenden Person zurückzukehren. Zur Frage, was nun unveräußerliche Güter sind bzw. welche Waren nicht in den Zirkulationslauf eingehen dürfen, ist der Kernbestandteil dieser Arbeit. Gerade diese vierte Verpflichtung ist es, die religiöse Bezüge repräsentieren, im welchem Sachen oder Dinge nicht veräußert werden. Beispiele hierfür sind besondere heilige Objekte und bestimmte Kupferplatten. Im Fokus dieser unveräußerlichen heiligen Objekte werden Interpretationen aufgestellt, dahingehend, dass solche Objekte im Wesentlichen Identitäten und Identitätsunterschiede stiften, die in der Zeit kontinuierlich ihren Wert und ihre Wirkung behalten. Dadurch entstehen auch Hierarchien, die zur Produktion und Reproduktion der Gesellschaft dienen und dabei Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen bedingen. Solche Objekte, die man behält, können aber trotzdem zirkulieren, in der Art, dass der symbolische Wert und die imaginäre Macht, die in den heiligen Gegenständen innewohnen, an andere weitergeleitet wird. Man behält also, um zu geben bzw. geben zu können. Im Mittelpunkt dieser zu untersuchenden unveräußerlichen heiligen Objekte steht der Baruya-Stamm in Neuguinea.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Ausgangspunkt: das Gabenkonzept von Marcel Mauss............
- 2.1. Kritik an Mauss und Weiterführung seiner Gedankengänge: Erwähnung der vierten Verpflichtung sowie die der Güter, die unveräußerlich sind
- 2.2. Theorien und Interpretationen über die unveräußerlichen Güter.
- 3. Die unveräußerlichen heiligen Objekte bei dem Baruya-Stamm in Neuguinea ......
- 4. Fazit..\n
- 5. Literatur/Quellenangaben.......
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert das Gabenkonzept von Marcel Mauss im Lichte der unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea. Sie hinterfragt die anthropologische Konsistenz von Mauss' Theorie, die auf der obligatorischen Dreierverpflichtung von Geben, Empfangen und Erwidern basiert, im Hinblick auf Güter, die nicht im Austausch zirkulieren dürfen.
- Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine Kritik
- Die Bedeutung unveräußerlicher Güter in archaischen Gesellschaften
- Der Mythos und die heiligen Objekte des Baruya-Stammes
- Die Verbindung zwischen Macht und heiligen Objekten
- Die Rolle von Frauen und Männern in der Schöpfungs- und Zivilisierungsgeschichte der Baruya
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Gabe ein und stellt das Gabenkonzept von Marcel Mauss als Ausgangspunkt der Arbeit dar. Sie beleuchtet die Relevanz der Gabe in allen Gesellschaften und die obligatorischen Verpflichtungen, die mit ihr verbunden sind.
Kapitel 2 widmet sich einer detaillierten Betrachtung des Gabenkonzepts von Marcel Mauss. Es analysiert Mauss' Konzept der Dreierverpflichtung sowie die Kritik, die ihm entgegengebracht wurde. Darüber hinaus werden Theorien und Interpretationen über die unveräußerlichen Güter diskutiert.
Kapitel 3 beleuchtet die unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea. Es untersucht die Rolle dieser Objekte in der Kultur und den sozialen Strukturen der Baruya.
Schlüsselwörter
Gabenkonzept, Marcel Mauss, Anthropologie, unveräußerliche Güter, heilige Objekte, Baruya-Stamm, Neuguinea, Mythos, Macht, Schöpfungsgeschichte, Zivilisation, Geschlecht, Dreierverpflichtung, Austausch, Solidarität, Superiorität.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Gabenkonzept von Marcel Mauss?
Es beschreibt den Gütertausch als System einer "totalen Leistung", die auf der Dreierverpflichtung von Geben, Nehmen und Erwidern basiert.
Was sind "unveräußerliche heilige Objekte"?
Dies sind Gegenstände, die nicht getauscht werden dürfen, da sie Identität stiften und eine imaginäre Macht oder religiöse Bedeutung in sich tragen.
Welchen Stamm untersucht die Arbeit als Beispiel?
Im Mittelpunkt steht der Baruya-Stamm in Neuguinea und dessen Umgang mit heiligen Gegenständen.
Was ist die "vierte Verpflichtung" nach Mauss?
Neben Geben, Nehmen und Erwidern nannte Mauss die Verpflichtung, Opfergaben an Götter oder Geister zu richten, was die religiöse Dimension des Tauschs betont.
Wie stiften diese Objekte Hierarchien?
Da die Objekte behalten werden, um Macht zu repräsentieren, erzeugen sie dauerhafte Identitätsunterschiede und soziale Strukturen innerhalb der Gruppe.
- Quote paper
- Volker Petzold (Author), 2007, Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine anthropologische Inkonsistenz zu den unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81930