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Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine anthropologische Inkonsistenz zu den unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea

Titre: Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine anthropologische Inkonsistenz zu den unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea

Dossier / Travail , 2007 , 31 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Volker Petzold (Auteur)

Histoire globale - Protohistoire, Antiquité
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Der Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Gabenkonzept von Marcel Mauss. In dem Konzept wird deutlich, dass vor allen Dingen archaische Gesellschaften vom Gütertausch geprägt sind. Mauss sieht es als System einer totalen Leistung an, die gleichzeitig ökonomische, juristische, moralische, ästhetische, religiöse, mythologische und soziologische Aspekte aufweist. Dabei sind diese totalen Leistungen Basisaktivitäten, die in einer obligatorischen Dreierverpflichtung münden, nämlich in der Verknüpfung des Gebens, Nehmens und Erwiderns. In diesem Zusammenhang spricht Mauss allerdings noch von einer vierten Verpflichtung, Opfergaben an Götter und Geister zu richten. Er erwähnte dies nur nebenbei, ohne daraus eine ausführliche Analyse zu gestalten. Bemerkenswert ist, dass Mauss hinsichtlich dieser zwanghaften Dreierverpflichtung versuchte, in der gegebenen Sache einen Geist oder Seele zu sehen, die sie zwingt, zur gebenden Person zurückzukehren. Zur Frage, was nun unveräußerliche Güter sind bzw. welche Waren nicht in den Zirkulationslauf eingehen dürfen, ist der Kernbestandteil dieser Arbeit. Gerade diese vierte Verpflichtung ist es, die religiöse Bezüge repräsentieren, im welchem Sachen oder Dinge nicht veräußert werden. Beispiele hierfür sind besondere heilige Objekte und bestimmte Kupferplatten. Im Fokus dieser unveräußerlichen heiligen Objekte werden Interpretationen aufgestellt, dahingehend, dass solche Objekte im Wesentlichen Identitäten und Identitätsunterschiede stiften, die in der Zeit kontinuierlich ihren Wert und ihre Wirkung behalten. Dadurch entstehen auch Hierarchien, die zur Produktion und Reproduktion der Gesellschaft dienen und dabei Interaktionen zwischen Individuen und Gruppen bedingen. Solche Objekte, die man behält, können aber trotzdem zirkulieren, in der Art, dass der symbolische Wert und die imaginäre Macht, die in den heiligen Gegenständen innewohnen, an andere weitergeleitet wird. Man behält also, um zu geben bzw. geben zu können. Im Mittelpunkt dieser zu untersuchenden unveräußerlichen heiligen Objekte steht der Baruya-Stamm in Neuguinea.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausgangspunkt: das Gabenkonzept von Marcel Mauss

2.1. Kritik an Mauss und Weiterführung seiner Gedankengänge: Erwähnung der vierten Verpflichtung sowie die der Güter, die unveräußerlich sind

2.2. Theorien und Interpretationen über die unveräußerlichen Güter

3. Die unveräußerlichen heiligen Objekte bei dem Baruya-Stamm in Neuguinea

4. Fazit

5. Literatur/ Quellenangaben

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Gabenkonzept von Marcel Mauss kritisch und analysiert, inwiefern das Paradoxon des „Behaltens durch Geben“ bei den unveräußerlichen heiligen Objekten des Baruya-Stammes in Neuguinea angewendet werden kann. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie diese Objekte trotz ihrer Unveräußerlichkeit als soziale und machtpolitische Instrumente fungieren und inwieweit sie Geschlechterverhältnisse sowie die soziale Ordnung legitimieren.

  • Analyse des Mauss'schen Gabenkonzepts und der Kritik durch Levi-Strauss
  • Untersuchung der "vierten Verpflichtung" und unveräußerlicher Güter
  • Darstellung der Rolle heiliger Objekte (kwaimatnie) bei den Baruya
  • Erforschung der geschlechterspezifischen Machtstrukturen und der Rolle der Frau
  • Verbindung von Mythen, Symbolik und sozialer Ordnung

Auszug aus dem Buch

3. Die unveräußerlichen heiligen Objekte bei dem Baruya-Stamm in Neuguinea

Geographisch lebt der Baruya-Stamm auf einer Gebirgskette, der ganz zentral in Neuguinea liegt und zwar in zwei Hochtälern, die auch als Eastern Highlands bekannt sind. Bekannt sind die Baruya wegen ihrem Salzhandel und der Herstellung, welches auch als „Quasi-Geld“ dient. Mit dem Salz werden eine Reihe von Lebensmittel und kostbare Güter besorgt, im Wettbewerb um die Macht mit anderen Stämmen. Die heutigen Baruya jedoch kehren bei Zeremonien oder Riten an den Ort zurück, wo seinerzeit ihre Vorfahren lebten. Bei solchen Anlässen hat nämlich der so genannte Initiationsmeister die Aufgabe, in diese Region namens Menyamya zu pilgern, die einst die Vorfahren beherbergte, „um dort magische Pflanzen zu suchen und eine Handvoll von Ton und von Erde der Vorfahren zu sammeln, die ebenfalls magische Eigenschaften besitzen, d.h. voll von übernatürlichen Kräften und der Macht der Vorfahren sind“ (Godelier 1999:156).

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts mussten ihre Vorfahren aus dieser Region flüchten, weil Feinde das Dorf nieder brannten und einen Teil der Bewohner töteten. Ihre Zuflucht fanden sie in Marawaka bei den Andje. Schließlich, nachdem die Flüchtlinge eine gewisse Zeit lang dort lebten, verjagten auch diese die Bewohner der Marawaka und es entstand ein neuer Stamm, der heute den Namen Baruya trägt. Dort vermehrten sie sich und gewannen an Macht, so dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihre territoriale Expansion sich ausweitete und das Tal der Wonenara besiedelten. Schließlich entschieden sie sich, in dieser Region mit anderen Stämmen, eigentlich ihren Feinden, zu leben, mit ihnen zu kämpfen, Riten durchzuführen und Frauen auszutauschen. Im Hinblick auf den Baruya-Stamm in seiner Sozialstruktur ist zu betonen, dass er keine zentrale Machthierarchie kennt, wie dies auf den Trobriand-Inseln der Fall ist, d.h. keine Chefs oder Häuptlinge, die durch ständiges geben, nehmen und erwidern von Reichtümer und Frauen miteinander wetteifern. Es sind in dem Baruya-Stamm eher diejenigen Männer, „die bedeutender sind als die anderen; [...] deren Macht entweder ererbt ist (wie die der Meister der männlichen Initiationen oder der Initiationen der Schamanen) oder erworben (wie die der großen Krieger, der großen Kasuarjäger, der großen Bauern und der besten Salzhersteller)“ (Godelier 1999:157). Es handelt sich eher um eine Erb- oder Leistungselite.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Gabentauschs nach Mauss und Formulierung der Forschungsfrage nach der Möglichkeit, Dinge zu geben und zugleich zu behalten.

2. Ausgangspunkt: das Gabenkonzept von Marcel Mauss: Systematisierung der Mauss'schen Theorie über die Dreierverpflichtung sowie Einordnung der Kritik von Levi-Strauss.

2.1. Kritik an Mauss und Weiterführung seiner Gedankengänge: Erwähnung der vierten Verpflichtung sowie die der Güter, die unveräußerlich sind: Diskussion des methodischen Empirismus bei Mauss und Einführung des Konzepts der vierten Verpflichtung gegenüber Göttern und Ahnen.

2.2. Theorien und Interpretationen über die unveräußerlichen Güter: Analyse der Thesen von Annette Weiner zur Bedeutung von Objekten für Identitätsstiftung und Kontinuität in Gesellschaften.

3. Die unveräußerlichen heiligen Objekte bei dem Baruya-Stamm in Neuguinea: Anwendung der theoretischen Konzepte auf den konkreten Fall des Baruya-Stammes unter besonderer Berücksichtigung ihrer Kultobjekte und Mythologie.

4. Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Ergebnisse über die Ambivalenz von Gabe und Macht sowie die Notwendigkeit der Unveräußerlichkeit zur sozialen Stabilisierung.

5. Literatur/ Quellenangaben: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Gabenkonzept, Marcel Mauss, Baruya, unveräußerliche Güter, kwaimatnie, Potlatsch, Initiation, Mythen, Macht, soziale Ordnung, Geschlechterverhältnisse, Identität, heilige Objekte, religiöse Praxis, Ethnologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Gabentauschkonzept von Marcel Mauss und hinterfragt, wie bestimmte heilige Objekte innerhalb archaischer Gesellschaften unveräußerlich bleiben, obwohl sie eine zentrale Rolle im sozialen Leben spielen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zu den zentralen Themen gehören das Gaben-Paradoxon, das Verhältnis zwischen Mensch und göttlichen Mächten, die Konstruktion von Identität durch heilige Objekte sowie die geschlechtsspezifische Machtdynamik bei den Baruya.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten: "Ist es möglich, Dinge zu geben und sie zugleich zu behalten?" und wie dieser Mechanismus zur gesellschaftlichen Stabilität bei den Baruya beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historisch-anthropologische Analyse, die theoretische Ansätze von Mauss, Levi-Strauss, Weiner und Godelier nutzt, um ethnographische Fallbeispiele der Baruya zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Kritik an Mauss, der Interpretation von Unveräußerlichkeit sowie der detaillierten Beschreibung der heiligen Kultobjekte (kwaimatnie) der Baruya und deren mythischer Legitimierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Gabenkonzept, Unveräußerlichkeit, Baruya, Machtverhältnisse, Mythos und soziale Ordnung sind die entscheidenden Begriffe.

Welche Rolle spielen Frauen in der Mythologie der Baruya?

Frauen gelten in den Mythen als ursprüngliche Schöpferinnen von Kultur und Leben, deren Macht von Männern durch Gewalt und Diebstahl usurpiert wurde, um eine patriarchalische Ordnung zu etablieren.

Warum gelten die Objekte bei den Baruya als unveräußerlich?

Weil sie als Symbole eine Verbindung zum Göttlichen darstellen und die Identität sowie die kosmische und soziale Ordnung des Stammes verankern, die bei einer Veräußerung in Chaos stürzen würde.

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Résumé des informations

Titre
Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine anthropologische Inkonsistenz zu den unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea
Université
University of Freiburg  (Institut für Ur- und Frühgeschichte)
Cours
Hauptseminar
Note
1,7
Auteur
Volker Petzold (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
31
N° de catalogue
V81930
ISBN (ebook)
9783638885454
ISBN (Livre)
9783638891356
Langue
allemand
mots-clé
Gabenkonzept Marcel Mauss Inkonsistenz Objekte Baruya-Stammes Neuguinea Hauptseminar
Sécurité des produits
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Citation du texte
Volker Petzold (Auteur), 2007, Das Gabenkonzept von Marcel Mauss und seine anthropologische Inkonsistenz zu den unveräußerlichen heiligen Objekte des Baruya-Stammes in Neuguinea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81930
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Extrait de  31  pages
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