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La fin d’une femme

Die Physiognomie der Renée Saccard als narratives Mittel in Émile Zolas "La Curée"

Title: La fin d’une femme

Term Paper , 2007 , 28 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Anne Renner (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Émile Zola gilt als Hauptvertreter des Naturalismus, der dominierenden literarischen Strömung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Naturalismus setzt die durch den Realismus eingeleitete Orientierung an den Wissenschaften und das Ziel der Darstellung der Gesellschaft fort, und verabschiedet sich dabei von der romantischen Idee des autonomen Individuums. Er versteht sich als eine engagierte Kunst, die einen Beitrag zur Bewusstseinsveränderung und der Beseitigung sozialer Missstände leisten kann. Zola stellt ausgiebige Recherchen zu den verschiedenen sozialen Milieus seiner Epoche an, um sie danach literarisch so realistisch wie möglich wiedergeben zu können. Auch die Gesetze der Vererbung studiert er genau, um ihnen sein Personal zu unterwerfen. Diese beiden Komponenten, Milieu und Vererbung, treffen in der Physiognomie der Romanfiguren aufeinander. In der folgenden Analyse verfolge ich die These, dass die physiognomischen Beschreibungen bei Zola strategische Funktionen innerhalb der Narration einnehmen. Dies möchte ich am Beispiel der Renée in La Curée exemplarisch nachvollziehen, indem ich die umfangreichen Beschreibungen Renées und ihrer näheren Umgebung - um mit einem Bild des Romans zu sprechen - sowohl inhaltlich als auch formal unter die Lupe nehme. Als theoretischen Hintergrund für meine Analyse beziehe ich mich auf die Physiologie im Allgemeinen und Zolas Vorstellungen von Literatur im Speziellen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Physiologie als narratives Mittel

3. Zolas literarisches Projekt

3.1. Der experimentelle Roman und der Rougon-Macquart Zyklus

3.2 Charakteristika der narrativen Struktur

4. Analyse der Darstellung Renée Saccards in „La Curée”

4.1 Inhaltsangabe des Romans

4.2 Charakteristika von Zolas Portraittechnik

4.3 Dégénérescence - Die Determinante Erbanlagen

4.4 Die Determinante Milieu

4.4.1 Zwei gegensätzliche Milieus

4.4.2 Der korrumpierende Einfluss des Milieus des Second Empire

4.5 Renées innerer Konflikt

4.6. Renée und Maxime

5. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern physiognomische Beschreibungen im Roman "La Curée" von Émile Zola strategische Funktionen innerhalb der Narration übernehmen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Zola die physische Erscheinung und das Umfeld seiner Protagonistin Renée Saccard nutzt, um ihre Charakterentwicklung, ihren psychischen Zustand und ihre Verstrickung in die Dekadenz des Second Empire abzubilden.

  • Die Rolle der Physiologie in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts
  • Zolas literarisches Projekt und die Anwendung der experimentellen Methode
  • Die Korrelation zwischen den Erbanlagen der Figur und dem sozialen Milieu
  • Die Bedeutung von Körpermerkmalen als narrative Zeichen und Leitmotive
  • Die Analyse des inzestuösen Verhältnisses als Symptom gesellschaftlicher Degeneration

Auszug aus dem Buch

4.3 Dégénérescence - Die Determinante Erbanlagen

Renée wird im Roman durchgehend als eine besonders schöne Frau beschrieben, ihr Körper immer wieder von den anderen Personen bewundert und gelobt. Der Erzählerdiskurs jedoch fügt Renées Schönheit nicht grundlos die Attribute „turbulente“ und „tapageuse“ hinzu. Ihre nervöse und reizbare Natur macht sie besonders empfänglich für den dekadenten Lebenswandel ihres Umfelds. Die innere Unruhe ist eines von vielen physiologischen Symptomen einer erblichen Vorbelastung, die Renée als degeneriertes Individuum ausweisen. Ständig ist sie auf der Suche nach neuen Zerstreuungen und extatischen Erfahrungen. Nach den Theorien Lucas’ und Morels, handelt es sich bei der „dégénérescence“ um eine erblich weitergegebene und sich in jeder Generation steigernde Schwächung des Nervensystems, die bei den betroffenen Individuen zu einem stärkerem Verbrauch der begrenzten Lebensenergie führt. Diese Vorstellung findet sich in La Curée in der Betonung der Temperaturen wieder. Immer wieder ist die Rede davon, dass Renée warm ist, dass sie an einem Fieber leidet, das in Zusammenhang mit ihren Leidenschaften und Trieben steht: „pointes de désirs dont les piqûres l’affolaient [Renée] par instants“. Sowohl Renée als auch Saccard werden verzehrt vom Übermaß ihrer jeweiligen Leidenschaft: „[...] le mari et la femme, ces deux fièvres chaudes de l’argent et du plaisir [...]“.

Das Fieber bietet sich als Symptom an, da es in der Medizin jener Zeit als Aufruhr der Organe gesehen wird, und Vorstellungen von Exzess und Chaos auslöst. Diese innere Überhitzung determiniert Renées Handeln im Roman, und spiegelt sich insbesondere in ihren Augen, genauer gesagt ihrem Blick, wider: „Elle avait dans les yeux une clarté chaude, un ardent besoin de curiosité inassouvie.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Naturalismus und Zolas literarisches Vorhaben, den Menschen durch Vererbung und Milieu zu determinieren.

2. Physiologie als narratives Mittel: Untersuchung der historischen Bedeutung physiologischer Literatur zur Charakterisierung und Interpretation von Menschen im 19. Jahrhundert.

3. Zolas literarisches Projekt: Darlegung der theoretischen Grundlagen des "roman expérimental" und der Bedeutung des Rougon-Macquart-Zyklus.

4. Analyse der Darstellung Renée Saccards in „La Curée”: Kernteil der Arbeit, der die physiognomische Darstellung Renées in Bezug auf Erbanlagen, Milieu und ihren inneren Konflikt untersucht.

5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse, die Zolas effizienten, wenn auch wissenschaftlich teils fragwürdigen Einsatz physiologischer Beschreibungen als narratives Bindeglied bestätigen.

Schlüsselwörter

Émile Zola, La Curée, Naturalismus, Physiognomie, Degeneration, Milieutheorie, Renée Saccard, Second Empire, Narrativik, Inzest, Erbveranlagung, Pathognomik, Literaturwissenschaft, Körpermerkmale, Symbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Émile Zola im Roman "La Curée" physiologische Beschreibungen als erzählerisches Werkzeug einsetzt, um die psychologische Entwicklung und den moralischen Verfall der Hauptfigur Renée Saccard darzustellen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind der literarische Naturalismus, die zeitgenössischen Theorien über Vererbung und Milieu, sowie die Nutzung des menschlichen Körpers als Zeichensystem für den Charakter einer Romanfigur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung verfolgt die These, dass physiognomische Beschreibungen bei Zola nicht bloße Dekoration sind, sondern strategische Funktionen übernehmen, um den deterministischen Prozess einer Figur innerhalb der Narration sichtbar zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin kombiniert literaturwissenschaftliche Methoden mit dem Studium zeithistorischer medizinischer und physiologischer Theorien des 19. Jahrhunderts, um Zolas erzählerische Verfahren zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die spezifische Portraittechnik Zolas, die Auswirkungen von Milieu und Erbanlagen auf Renée Saccard, ihren inneren moralischen Konflikt und ihre inzestuöse Beziehung zu ihrem Stiefsohn Maxime.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Naturalismus, Degeneration, Physiognomie, Milieutheorie und die literarische Analyse von Renée Saccard als Produkt ihrer Umgebung beschreiben.

Inwiefern beeinflusst das „Treibhaus“ das Schicksal von Renée?

Das Treibhaus fungiert als symbolischer Ort der Dekadenz und als „Nährboden der Sünde“, der die degenerative Entwicklung von Renée und Maxime beschleunigt und ihre inzestuöse Beziehung befördert.

Warum spielt der Spiegel am Ende des Romans eine so zentrale Rolle?

Der Spiegel dient Renée im Schlussteil als Medium der Selbstreflexion, durch das sie ihre körperlichen Anzeichen der Degeneration und ihren moralischen Verfall erstmals selbst "lesen" und als Ergebnis ihres Lebensstils erkennen kann.

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Details

Title
La fin d’une femme
Subtitle
Die Physiognomie der Renée Saccard als narratives Mittel in Émile Zolas "La Curée"
College
Free University of Berlin  (Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Mimik, Gestik und Pathognomik
Grade
2,3
Author
Anne Renner (Author)
Publication Year
2007
Pages
28
Catalog Number
V81935
ISBN (eBook)
9783638885492
Language
German
Tags
Literatur Zola Naturalismus 19. Jahrhundert Rougon-Macquardt Physiognomie La Curée Zweites Kaiserreich französische Literatur Frankreich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne Renner (Author), 2007, La fin d’une femme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/81935
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