Die vorliegende Expositionsanalyse beschäftigt sich mit Alfred Hitchcocks Strangers on a Train von 1951. Die Analyse basiert auf der überarbeiteten Fassung von 2004 der Warner Bros. Entertainment Inc.. Bearbeitet wurde die amerikanische Version im Format 4:3.
Die Expositionsanalyse soll Aufschluss darüber geben, von welchen technischen und filmischen Elementen Hitchcock Gebrauch macht und inwieweit diese für den Film bzw. für die Exposition wichtig sind. Grundlage hierfür sind die Texte der Filmkritiker Bèla Balàzs und Rudolf Arnheim, welche sich genauer mit dem Medium Film beschäftigt haben. Des Weiteren soll analysiert werden, welche Bedeutung die Exposition für den Verlauf der Handlung und für das weitere Vorgehen der Protagonisten hat.
Die Analyse wird darüber hinaus feststellen, ob alle wichtigen Motive, Personen und Gegenstände vorgestellt und eingeführt werden und ob damit alle Voraussetzungen erfüllt werden die notwendig sind, damit der Zuschauer den Film verstehen kann.
Zum Schluss soll ein Ausblick gegeben werden, in welchem die Bedeutung der Exposition auf den Rest des Films diskutiert wird und welcher zusammenfassend die wichtigsten Aspekte der Exposition wiedergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhaltsangabe des Films Strangers on a Train
3. Angaben zu Strangers on a Train
4. Eingrenzung der Exposition
5. Expositionsanalyse
5.1 Analyse der ersten Subsequenz
5.1.1 Parallelmontage und Kreuzungs-Motiv
5.1.2 Die sichtbare Sprache – Mimik und Gebärden
5.1.3 Die Atmosphäre
5.1.4 Die Bedeutung der sichtbaren Dinge
5.1.5 Kontinuität
5.2 Analyse der zweiten Subsequenz
5.2.1 Die sichtbare Sprache – Mimik und Gebärden
5.2.2 Die Atmosphäre
5.2.3 Die Bedeutung der sichtbaren Dinge
5.2.4 Das Kreuzungs-Motiv
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Exposition von Alfred Hitchcocks Film „Strangers on a Train“ (1951), um aufzuzeigen, mit welchen filmischen und technischen Mitteln der Regisseur den Zuschauer in die Handlung einführt und die Voraussetzungen für das Verständnis des weiteren Filmverlaufs schafft.
- Analyse filmtechnischer Mittel wie Parallelmontage und Einstellungsgrößen
- Untersuchung der Bedeutung von Mimik und Gebärden als „sichtbare Sprache“
- Erforschung der filmischen Atmosphäre als dramaturgisches Element
- Deutung symbolträchtiger Gegenstände (Krawatte und Feuerzeug)
- Untersuchung der raum-zeitlichen Kontinuität und filmischer Rahmungen
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Parallelmontage und das Kreuzungs-Motiv
Die ersten 11 Einstellungen des Films Strangers on a Train umfassen genau 2 Minuten und 18 Sekunden und zeigen Bruno und Guy wie sie, getrennt voneinander und an verschiedenen Eingängen des Bahnhofes, mit dem Taxi ankommen und sich von dort in den Zug begeben, wo sie zum ersten Mal aufeinander treffen. Das Besondere an dieser Sequenz ist, dass man von den Protagonisten zunächst nur die Schuhe und Beine sieht. Der Zuschauer weiß demnach noch nicht, mit wem er es zu tun hat. Weder Gesicht noch Körper sind zu sehen, die Protagonisten sind - sowohl für den Zuschauer als auch für den jeweils anderen – Fremde. Sieht man sich nun die Wege der beiden Männer getrennt voneinander an, so ergeben sich erstaunliche Parallelen. Zunächst sieht man, wie ein Taxi von links in das Bild hinein fährt, anhält, ein Mann in weiß-schwarzen Schuhen steigt aus und geht nach links aus dem Bild hinaus.
Nun folgt eine so genannte Parallelmontage. Dies bedeutet, dass zwei Ereignisse, welche zum gleichen Zeitpunkt stattfinden, hintereinander „montiert“ wurden. Der Regisseur verzichtet hierbei darauf, beide Ereignisse gleichzeitig zu zeigen, indem er zum Beispiel den Bildschirm in zwei Bilder unterteilt. In diesem Fall montiert Hitchcock die Szenen, welche zeitgleich stattfinden, hintereinander und wechselt zwischen den Protagonisten hin und her, um den Effekt der Gleichzeitigkeit zu unterstreichen. Ob dieses Stilmittel funktioniert und die gewünschte Wirkung erzielt wird, soll später entschieden werden. Nachdem nun der Mann mit den weiß-schwarzen Schuhen nach links aus dem Bild abgegangen ist, sieht man, nach einem Szenenwechsel, ein weiteres Taxi von links ins Bild fahren, und der Vorgang scheint sich zu wiederholen, da der andere Mann, diesmal mit schwarzen Schuhen, dieselben Bewegungen vollzieht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Expositionsanalyse, die auf den Theorien von Bèla Balàzs und Rudolf Arnheim basiert und das Verständnis der technischen Elemente bei Hitchcock fokussiert.
2. Inhaltsangabe des Films Strangers on a Train: Dieser Abschnitt gibt eine kurze Zusammenfassung der Handlung des Films wieder, vom zufälligen Zusammentreffen im Zug bis hin zum finalen Kampf auf dem Karussell.
3. Angaben zu Strangers on a Train: Hier werden Unterschiede zwischen der Romanvorlage von Patricia Highsmith und der filmischen Umsetzung durch Hitchcock sowie die bewusste Wahl des Schwarzweiß-Formats thematisiert.
4. Eingrenzung der Exposition: Dieses Kapitel definiert die Exposition als eine Sequenz von 80 Einstellungen, unterteilt in zwei Subsequenzen, deren Gesamtlänge fast zehn Minuten beträgt.
5. Expositionsanalyse: Dieser Hauptteil widmet sich der detaillierten filmwissenschaftlichen Untersuchung der Exposition, gegliedert in Subsequenzen, Bildsprache, Atmosphäre, Objektsymbolik und raum-zeitliche Kontinuität.
6. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, wie Hitchcock durch den Einsatz technischer Mittel bereits in der Exposition Spuren für den gesamten Filmverlauf legt.
Schlüsselwörter
Expositionsanalyse, Alfred Hitchcock, Strangers on a Train, Parallelmontage, Kreuzungs-Motiv, Bèla Balàzs, Rudolf Arnheim, Filmsprache, Mimik, Gebärdensprache, Filmanalyse, Doppelmord, Kontinuität, Objektsymbolik, Schwarzweißfilm
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Exposition des Films „Strangers on a Train“, um aufzuzeigen, wie durch filmische und technische Mittel die Handlung etabliert und die Charaktere eingeführt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Parallelmontage, die Bedeutung von Mimik und Gestik, die Atmosphäre des Films sowie die symbolische Aufladung von Gegenständen wie Krawatten und Feuerzeugen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Hitchcock alle notwendigen Informationen für das Verständnis des gesamten Films bereits in der Exposition kunstvoll und zielgerichtet platziert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die filmtheoretischen Schriften von Bèla Balàzs und Rudolf Arnheim, um die filmische Konstruktion der Exposition methodisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zwei Subsequenzen der Exposition detailliert auf ihre filmische Gestaltung hin analysiert, wobei technische Mittel wie Montage, Beleuchtung und Einstellungsgrößen im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Parallelmontage, Kreuzungs-Motiv, Filmanalyse, Objektsymbolik und die Theorie der „sichtbaren Sprache“.
Welche besondere Bedeutung kommt dem Feuerzeug zu?
Das Feuerzeug dient im Film als zentrales Requisit, das die Verbindung zwischen Bruno und Guy festigt und im weiteren Handlungsverlauf eine entscheidende Rolle für den Mordplan spielt.
Wie unterscheidet sich die zweite von der ersten Subsequenz?
Die erste Subsequenz ist geprägt durch die Anonymität der beiden Männer, während die zweite Subsequenz die persönliche Interaktion und die Heranführung an den Mordplan in Brunos Abteil thematisiert.
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- Jessica Narloch (Author), 2007, Expositionsanalyse - Alfred Hitchcocks Strangers on a Train, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82283