Zur Ikonographie der Geburt Christi in Dijon von Robert Campin


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ikonographie der Geburt Christi in Dijon
2.1 Bildbeschreibung
2.2 Die Darstellung der Geburt Christi
2.3 Die Hebammenepisode
2.4 Hirten, Engel, Ochs und Esel
2.5 Weitere Deutungen
2.5.1 Die Lichtquellen
2.5.2 Der Stall
2.5.3 Landschaft und Landschaftsidentifikation
2.5.4 Kritik

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Besonderheit der von Robert Campin[1] gemalten Darstellung der Geburt Christi (1420 - 1425[2] ) aus dem Musée des Beaux Arts in Dijon ist die gleichzeitige Darstellung verschiedener Überlieferungen, die in Zusammenhang mit eben dieser stehen. So vereint Robert Campin verschiedene Bildtraditionen, deren Motive aus den apokryphen Evangelien des Proto-Jakobus und des Pseudo-Matthäus, der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine oder den Revelationes der heiligen Birgitta von Schweden stammen. Meine Arbeit hat zum Ziel, diese Textvorlagen und ihre Umsetzung in der Geburt Christi näher darzulegen.

Ausgehend von einer Bildschreibung werden die im Bild vorkommenden Figuren und Handlungen im Zusammenhang mit den entsprechenden Textvorlagen erläutert. Dabei soll natürlich auch auf Abweichungen von den Textvorlagen aufmerksam gemacht werden. Zunächst werde ich auf die Geburtsszenerie eingehen und deren Anordnung und Ausgestaltung im Zusammenhang mit den zur Meditationsliteratur gehörigen Revelationes erläutern. Daran schließt die nähere Betrachtung der Hebammenepisode sowie deren apokrypher Textvorlagen an. Dass die campinsche Darstellung der Geburt Christi in der Auswahl der Textquellen als eine Art ikonographisches Pasticcio erscheint, zeigen des Weiteren die aus dem Neuen Testament übernommenen Hirten und Engel, sowie Ochs und Esel, die erstmals im apokryphen Evangelium des Pseudo-Matthäus erwähnt wurden.

Im Anschluss an die ikonographischen Erläuterungen der Hauptszenen soll das Augenmerk auf weitere kleinere Deutungszusammenhänge gelenkt werden, wie beispielsweise die Lichtquellen im Bild, den Stall und die Landschaft. Dies geschieht abschließend jedoch nicht ohne eine gewisse Kritik an teilweise schwer nachvollziehbaren Interpretationen in der Forschungsliteratur.

2. Die Ikonographie der Geburt Christi in Dijon

2.1 Bildbeschreibung

Wie aus dem Bildtitel ersichtlich, handelt es sich bei dieser Tafel von Robert Campin um die Darstellung der Geburt Christi. Diese nimmt den zentralen Raum des Bildvordergrundes ein und ist von weiteren Episoden und Darstellungen flankiert. Im Hintergrund erstreckt sich eine ausgedehnte Stadt- und Gebirgsansicht.

Der offene Stall, in dem die Geburt stattgefunden hat, reicht vom linken Bildrand bis über die Mitte des Bildvordergrundes und ist sehr brüchig. Gerade noch unter seinem Dach am Stalleingang befinden sich Maria und Joseph, die das von einem goldenen Strahlenkranz umgebene, ansonsten nackte Jesuskind anbeten, das vor ihnen auf dem Boden liegt. Maria kniet, trägt ein weißes Gewand und darüber einen langen weißen Mantel mit golden verziertem Saum, auf dem sich in Majuskeln die Aufschrift „SALVE REGIN[A MATER MISERICOR]DIE V[I]TA DVLCEDO ET SPES NOSTRA SALVE AD TE CL[AMAMV]S EXVLES FILII EVE AD TE SVSPIRAMUS GEMENTES ET FLENTES IN HAC LACR[IMARVM VALLE]“[3] befindet. Sie hat langes, gold-braunes Haar, das sie offen trägt und blickt mit geneigtem Kopf ihren Sohn an. Joseph kniet mit einem Bein zur Linken Marias und blickt ebenfalls mit gesenktem Haupt Jesus an. Joseph trägt ein rot-braunes Gewand mit einer dunkelblauen, nach hinten geschlagenen Kapuze. Er hat einen grauen Bart, eine Halbglatze und graues Resthaar. In seiner linken Hand hält er eine weiße Kerze, deren Flamme er mit seiner Rechten schützt.

Am rechten Bildrand befinden sich zwei edel gekleidete Frauen unter freiem Himmel. Die vordere Frau kniet auf dem Boden und kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Sie trägt ein schwarz-goldenes Gewand und ein weißes Kopftuch. Ihre Rechte hebt sie mit verwunderter Gestik und in ihrer linken hält sie ein Spruchband mit der Aufschrift „Azel. Virgo peperit filium.“[4] Die zweite Frau steht aufrecht und ist dem Betrachter zugewandt. Sie trägt ein besticktes rot-grünes Kleid, einen blauen Umhang und ebenfalls ein weißes turbanartiges Kopftuch. Mit einem betrübten Gesichtsausdruck verweist sie mit ihrer linken Hand auf ihre starr herabhängende Rechte. Aus ihrem Kopftuch windet sich ein Spruchband mit der Aufschrift „Salome. [Nullum] credo quin probavero.“[5] Ein weiß gekleideter Engel fliegt vom Stalldach aus zu ihr und überbringt ihr die auf einem Spruchband stehende Botschaft „Tange puerum et sanaberis.“[6]

Durch eine halb geöffnete geteilte Seitentür an der rechten Wand des Stalles wohnen auch drei Hirten der Szene bei. Sie werfen neugierige Blicke auf das Jesuskind und stützen sich aufeinander ab. Der rechte Hirte trägt einen braunen Mantel und ein rotes Kopftuch, seinen Hut hält er vor seiner Brust mit seinen mit dicken Handschuhen bekleideten Händen fest. Der linke Hirte trägt ein weiß-blaues Gewand und einen braunen Mantel, dessen Kapuze er über dem Kopf trägt. In seiner rechten Hand hält er einen Dudelsack. Von dem dritten Hirten, der sich hinter den anderen beiden befindet, sind nur der Kopf mit blauer Kapuze sowie sein Hirtenstab sichtbar.[7]

Im Stallinneren befinden sich von der Hauptszene abgewandt– sichtbar durch die brüchige linke Stallmauer – der Ochse und hinter diesem der Esel (letzterer kaum erkennbar im dunklen Hintergrund des Stalls).

Auf der linken Dachhälfte des Stalls befinden sich drei unterschiedlich farbig gekleidete Engel. Der linke Engel in blauem Gewand, der mittlere in rotem und der rechte in grünem Gewand. Sie sind umgeben von einem Spruchband mit der Aufschrift „Gloria in exelsis deo et in terr[a pax homi]nibus bone vol[untatis].“[8]

Vom Geschehen links im Bildvordergrund führt ein geschlängelter Weg zu der Stadt, die sich im Bildhintergrund befindet. Diese Stadt liegt an einem Fluss oder großem See und erstreckt sich vom rechten Bildhintergrund bis zu dessen Mitte, wo eine Burg die Stadt krönt. Links neben der Stadt erhebt sich eine Gebirgslandschaft mit vereinzelten Häusern, über welcher gerade die Sonne aufgeht.

[...]


[1] Ich verwende in meiner Arbeit den Notnamen Robert Campin, der von den meisten meiner Referenzen in Bezug auf die Geburt Christi in Dijon benutzt wird. Die anhaltenden Diskussionen um die Person(en) Robert Campin und den Meister von Flémalle sind für den Gegenstand dieser Arbeit ohne Belang.

[2] Dies ist die in der für die Arbeit herangezogenen Forschungsliteratur gängig akzeptierte Datierung. Weitere technische Daten: Eichenholztafel, Maße 85,7 x 72 cm. Zu Datierung und technischen Daten siehe vor allem: Comblen-Sonkes, Micheline: Le Musée des Beaux-Arts de Dijon (Bestandskatalog Dijon, Musée des Beaux-Arts), 2 Bde., Brüssel 1986, Bd. 1, S. 159 u. 182-184.

[3] Thürlemann, Felix: Robert Campin. Eine Monographie mit Werkkatalog, München 2002, S. 259. Thürlemann ist aufgrund der Anfangsworte des Salve Regina-Gebets der Meinung, „daß das Werk in erster Linie ein Marienbild ist.“ (Thürlemann 2002, S. 37).

[4] Thürlemann 2000, S. 260.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Die Details der Beschreibung der Hirten folgen: Comblen-Sonkes 1986, S. 164.

[8] Thürlemann 2002, S. 259.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zur Ikonographie der Geburt Christi in Dijon von Robert Campin
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Proseminar: Altniederländische Malerei
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V82473
ISBN (eBook)
9783638874212
ISBN (Buch)
9783656468776
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ikonographie, Geburt, Christi, Dijon, Robert, Campin, Proseminar, Altniederländische, Malerei
Arbeit zitieren
Stephanie Pfeiffer (Autor), 2005, Zur Ikonographie der Geburt Christi in Dijon von Robert Campin, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82473

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