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Reflexion über das literarische Chanson

Title: Reflexion über das literarische Chanson

Essay , 1975 , 5 Pages

Autor:in: Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)

Didactics for the subject German - Genres
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Summary Excerpt Details

Der Begriff Chanson kann in Deutschland keine literarische Gattung bezeichnen, wie etwa die Begriffe Sonett, Ode, Gazel etc., die eine feste Sprachstruktur meinen, oder auch nur die Begriffe Volkslied und Ballade, die bei aller Mannigfaltigkeit immerhin gewisse Stilgemeinsamkeiten aufweisen. Texte verschiedenster literarischer Herkunft (zum Beispiel Balladen, Bänkellieder des Volkes und der Salons, lyrische Volkslieder, SchmunzeIlyrik, Couplets) können durch den Vortrag des «Interpreten» zum Chanson «kreiert» werden.

Erste literaturwissenschaftliche Beschreibung des Chansons als Gattung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Reflexion über das literarische Chanson

1.1. Grundlegende Definitionsproblematik und Vortragscharakter

1.2. Typologie des dargestellten Objekts

1.3. Bauformen und Kehrreimstrukturen

1.4. Einfluss von Musik und Mimik auf den Vortrag

1.5. Die psychologische Grundsituation der Vortragssituation

1.6. Zusammenfassende Betrachtung zur Kompliziertheit der Gattungsbezeichnung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Definitionsschwierigkeiten und die spezifische Wirkungsweise des literarischen Chansons in Deutschland, wobei der Fokus nicht auf dem fixierten Text, sondern auf der psychologischen Vortragssituation und dem Zusammenspiel von Interpret, Raum und Publikum liegt.

  • Analyse der Abgrenzungsproblematik des Begriffs "Chanson" gegenüber literarischen Gattungen.
  • Differenzierung der inhaltlichen Haupttypen (Selbstdarstellung, Handlung, Reflexion, Stimmung).
  • Untersuchung der strukturellen Bauformen und der Funktion des Kehrreims.
  • Bedeutung der mimischen und musikalischen Elemente für die Vortragsgestaltung.
  • Bedeutung des intimen Rahmens für die Entfaltung des literarischen Chansons.

Auszug aus dem Buch

Reflexion über das literarische Chanson

Sehr viel ist von Yvette Guilbert bis zu dem vorzüglichen Buch von Budzinski über das literarische Chanson gesagt worden, über seine Geschichte, seine Stoffe, seine Interpreten, sein Podium. Dennoch konnte es bisher niemand in seiner Vielgestaltigkeit fassen und seine besondere Wirkung beschreiben oder gar erklären. Beginnen wir mit ein paar negativen Feststellungen:

Der Begriff Chanson kann in Deutschland keine literarische Gattung bezeichnen, wie etwa die Begriffe Sonett, Ode, Gazel etc., die eine feste Sprachstruktur meinen, oder auch nur die Begriffe Volkslied und Ballade, die bei aller Mannigfaltigkeit immerhin gewisse Stilgemeinsamkeiten aufweisen. Texte verschiedenster literarischer Herkunft (z. B. Balladen, Bänkellieder des Volkes und der Salons, lyrische Volkslieder, SchmunzeIlyrik, Couplets) können durch den Vortrag des «Interpreten» zum Chanson «kreiert» werden.

Häufig wird dem literarischen Chanson die seit Nestroy deutlich ausgeprägte Sprachstruktur des Couplets zugeschrieben, wobei man an die Vorliebe des Chansons für den Refrain denkt2. Wäre das berechtigt, so brauchten wir nur noch eine der beiden Bezeichnungen. Der Begriff Chanson lässt sich aber nicht auf irgendwelche Stoffe, Stimmungen, Aussagen oder Sprachstrukturen festlegen. Wie leicht nachzuprüfen ist, kann es von ernsten wie heiteren, groben wie diffizilen, seriösen wie frivolen Dingen auf viele Weisen sprechen, mit und ohne Refrain.

Die Texte des Chansons sind oft literarisch recht dürftig. Die künstlerische Wirkung des «literarischen» Chansons beruht in erster Linie auf der Vortragsgestaltung des Interpreten mit Hilfe von Musik und Mimik im weitesten Sinne. Das weist wiederum darauf hin, dass wir mit dem Begriff Chanson in Deutschland nicht eine literarische Gattung meinen - sondern eher einen besonderen Vortragsstil, eine Form des Kontaktes zwischen Solist und Publikum durch Sprache, Musik und Mimik.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Reflexion über das literarische Chanson: Dieses Kapitel erörtert die Schwierigkeit, das Chanson als literarische Gattung zu definieren, und identifiziert es stattdessen als einen spezifischen, auf Musik und Mimik basierenden Vortragsstil innerhalb eines intimen Rahmens.

Schlüsselwörter

Literarisches Chanson, Vortragsstil, Interpretation, Selbstdarstellung, Couplet, Kehrreim, Vortragssituation, Mimik, Musik, Sprachstruktur, Publikum, Intimität, Genredefinition, Darstellungsformen, Künstlerische Wirkung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Definition und die Wesensmerkmale des literarischen Chansons in Deutschland, wobei die Abgrenzung zu festen literarischen Gattungen zentral ist.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die Struktur des Vortrags, die Funktion des Kehrreims, die Rolle des Interpreten sowie die Bedeutung der psychologischen und räumlichen Interaktion zwischen Solist und Publikum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass das Chanson nicht durch eine feste Textstruktur, sondern primär durch die Vortragssituation und das Zusammenspiel von Sprache, Musik und Mimik bestimmt wird.

Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?

Die Arbeit betrachtet das Chanson nicht philologisch-textorientiert, sondern aus einer theater- und vortragswissenschaftlichen Perspektive, die die Situation des Auftritts in den Vordergrund stellt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung von vier Inhaltstypen, die Analyse von zwei Bauformen sowie die psychologische Untersuchung der Vortragssituation in intimen Räumen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vortragsstil, Interaktion, Vortragssituation, Couplet-Struktur und die Rolle des Interpreten charakterisiert.

Wie unterscheidet der Autor zwischen horizontaler und vertikaler Bauform?

Die horizontale Bauform orientiert sich auf das Lied-Ende hin, während die vertikale Bauform sich auf das Ende der einzelnen Strophen durch den Kehrreim konzentriert, wobei die vertikale Form überwiegt.

Warum spielt der intime Raum eine so entscheidende Rolle für das literarische Chanson?

Das literarische Chanson lebt vom engsten mimischen Kontakt zum Hörer; größere Räume oder politische Massenveranstaltungen würden laut Autor den Charakter des Genres verändern und es in Richtung des „Songs“ verschieben.

Inwiefern beeinflusst die "Gespaltenheit" des Interpreten das Chanson?

Die meist reflektierte und bewusste Haltung des Interpreten führt dazu, dass das Chanson selten nur gesungen wird, sondern in einer Mischung aus Sprechgesang und melodramatischer Rezitation vorgetragen wird.

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Details

Title
Reflexion über das literarische Chanson
Author
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author)
Publication Year
1975
Pages
5
Catalog Number
V82653
ISBN (eBook)
9783638894029
ISBN (Book)
9783668313804
Language
German
Tags
Reflexion Chanson
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Wolfgang Ruttkowski (Author), 1975, Reflexion über das literarische Chanson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82653
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