1. Einleitung
Das Siglo de Oro bezeichnet die klassische Epoche der spanischen Kultur, die das 16. und 17. Jahrhundert umfasst. Diese Blütezeit Spaniens ist geprägt durch ein außergewöhnliches und umfangreiches kulturelles Schaffen auf allen Gebieten der verschiedenen Künste, allen voran der Literatur, aber auch im Bereich der Malerei und Architektur. Neue literarische Gattungen wurden geschaffen, welche die abendländische Literatur nachhaltig beeinflussten. Insbesondere der spanische Roman erlebte im goldenen Zeitalter eine Phase des glanzvollen Aufstiegs und brachte Werke hervor, die heute zu den berühmtesten der spanischen Literatur zählen. Gleichzeitig erlebte Spanien die größte territoriale Ausdehnung seines Machtgebiets und behauptete damit seine Vormachtstellung innerhalb Europas. Der geläufige Terminus „Siglo de Oro“ wird von spanischen Historikern jedoch häufig vermieden, da gerade das 17. Jahrhundert auch mit Machtverlust und dem Niedergang des spanischen Imperiums einherging.
Als Gegenstand der Hausarbeit wird die Darstellung der wichtigsten literarischen Gattungen fiktionaler Prosa, des Ritterromans, des Schäferromans und des Schelmenromans unter Berücksichtung der soziokulturellen und politisch-historischen Hintergründe, sowie der literarischen Kommunikationssituation in der damaligen Zeit dienen. Anhand einer Fallstudie zum pikaresken Roman Lazarillo de Tormes als gesellschaftskritisches Werk, dass sich trotz Zensur und Inquisition durchsetzen konnte, soll zudem bewiesen werden, dass sich literarische Tradition und innovativer Charakter durchaus vereinbaren lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zeitliche Abgrenzung
2.1. Polithistorische Hintergründe
2.1.1. Renaissance:
2.1.2. Barock:
2.2. Soziokulturelle Hintergründe / Bedeutung der Literatur
3. Fiktionale Prosa des Siglo de Oro:
3.1. Vorgeschichte der fiktionalen Prosa:
3.2. Die Gattung des Romans
3.2.1. Publikum:
3.2.2. Kritik und Zensur
4. Der Ritterroman (novela de caballerías)
4.1. Charakteristische Merkmale
4.2. Ursprünge / Literarische Vorbilder: Amadís de Gaula
4.3. Entwicklung des Genres: Don Quijote
5. Der Schäferroman (novela pastoril)
5.1. Ursprünge / Literarische Vorbilder
5.2. Charakteristische Merkmale
5.3. Das Werk „Diana“
5.4. Die Entwicklung des Genres
6. Exkurs: Die Moriskenerzählung und der byzantinische Roman
6.1. Die Moriskenerzählung
6.2. Der Byzantinische Roman
7. Der pikareske Roman (la novela picaresca)
7.1. Literarische Vorbilder/Ursprünge
7.2. Charakteristische Merkmale
8. Fallstudie: Lazarillo de Tormes
8.1. Ursprünge
8.2. Inhalt
8.3. Formaler Aufbau
8.4. Stilistische Merkmale
8.4.1. Das satirische und groteske Element im Lazarillo
8.4.2. Der Ehrbegriff
8.5. Der Strukturwandel des pikaresken Romans durch Mateo Alemán
8.6. Entwicklung des pikaresken Romans
8.7. Weitere pikareske Romane
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die wesentlichen Gattungen der fiktionalen Prosa während des spanischen „Siglo de Oro“ unter Einbeziehung der soziokulturellen und politisch-historischen Kontexte, um aufzuzeigen, wie sich literarische Tradition und innovativer Charakter trotz staatlicher Repression vereinen lassen.
- Analyse der Hauptgenres: Ritterroman, Schäferroman und pikaresker Roman.
- Untersuchung des soziokulturellen Umfelds, insbesondere des Einflusses von Inquisition und Zensur.
- Fallstudie zum Lazarillo de Tormes als gesellschaftskritisches Werk.
- Diskussion über den Strukturwandel und die Entwicklung der Schelmenliteratur.
- Vergleich der Gattungen hinsichtlich ihrer Erzählweise und ihres Bezugs zur Realität.
Auszug aus dem Buch
8.2. Inhalt
Nach dem Tod seines wegen Diebstahls verurteilten Vaters vertraut seine Mutter, die ein Verhältnis mit dem farbigen Stallknecht Zayde beginnt, den jungen Lazarillo einem Blinden als Führer an. Dieser stellt sich jedoch bald als geiziger, aber geschäftstüchtiger Schurke heraus, der den armen Müllerssohn Lazarillo sehr schlecht behandelt. Während dieser Zeit erfährt Lazarillo das eigenverantwortliche Leben als Angehöriger der Unterschicht und lernt, sich mit List und Tücke im harten Kampf des Lebens zu behaupten. Ein Kleinkrieg mit wechselnden Siegern beginnt, bei dem anhand ausgewählter Begebenheiten wechselseitige Überlistungen geschildert werden, wie zum Beispiel in der Geschichte vom Knappsack, vom Weinkrug und von den Trauben und der Wurst. Um sich für die üble Behandlung zu rächen, schmettert Lazarillo den Gauner schließlich gegen einen Steinpfeiler und überlässt den Schwerverwundeten seinem Schicksal.
Damit endet das erste Kapitel und die prophetischen Vorahnungen des Blinden leiten zum weiteren Geschehen über: Lazarillo begibt sich bald darauf in die Dienste eines Geistlichen in Maqueda, kommt jedoch vom Regen in die Traufe, da dieser Herr sich als noch geiziger entpuppt, als der vorherige. Insgesamt dient Lazarillo neun Herren, fünf von diesen präsentieren sich als nicht gerade würdige Vertreter des geistlichen Standes. Vom Hunger getrieben plündert Lazarillo mit Hilfe eines Kesselflickers eine alte Truhe, das von ihm selbst bezeichnete „Brotparadies“, was letztendlich zum Zerwürfnis führt. Lazarillo ist hin- und hergerissen zwischen dem moralischen Bewusstsein und seiner großen Hungersnot: Obgleich er die Gebete zur Heilung und Gesundung der Kranken verrichtet, fleht er insgeheim Gott an, möglichst viele Menschen sterben zu lassen, um sich wenigstens auf dem Leichenschmaus satt essen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Siglo de Oro als kulturelle Blütezeit Spaniens und Vorstellung der untersuchten literarischen Gattungen.
2. Zeitliche Abgrenzung: Darstellung der historischen Periodisierung der Epoche anhand politischer Wendepunkte und kultureller Entwicklungen.
3. Fiktionale Prosa des Siglo de Oro: Überblick über die Ursprünge der spanischen Novellistik sowie die Rolle von Publikum, Zensur und Kritik.
4. Der Ritterroman (novela de caballerías): Analyse der Merkmale, Vorbilder wie Amadís de Gaula und die parodistische Entwicklung durch Don Quijote.
5. Der Schäferroman (novela pastoril): Untersuchung der idealisierten Hirtenwelt als utopische Flucht aus der Realität und Bedeutung der Diana.
6. Exkurs: Die Moriskenerzählung und der byzantinische Roman: Kurze Betrachtung dieser Gattungen hinsichtlich ihrer historischen Bezüge und zentralen Motive.
7. Der pikareske Roman (la novela picaresca): Definition der Figur des pícaro und Abgrenzung zu anderen Gattungen durch den Fokus auf soziale Realität.
8. Fallstudie: Lazarillo de Tormes: Detaillierte Untersuchung des Lazarillo als Prototyp des Schelmenromans, seiner formalen Merkmale und der gesellschaftlichen Satire.
Schlüsselwörter
Siglo de Oro, Spanische Literatur, Ritterroman, Schäferroman, Pikaresker Roman, Lazarillo de Tormes, Inquisition, Zensur, Don Quijote, Schelmenroman, Antiheld, Soziale Satire, Renaissance, Barock, Ehrbegriff.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit analysiert die bedeutendsten Gattungen der spanischen fiktionalen Prosa im 16. und 17. Jahrhundert, dem sogenannten Siglo de Oro, und untersucht deren soziokulturelle Hintergründe.
Welche literarischen Gattungen stehen im Zentrum der Analyse?
Im Fokus stehen der Ritterroman, der Schäferroman und der pikareske Roman (Schelmenroman).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie spanische Autoren trotz der Einschränkungen durch Zensur und Inquisition literarische Tradition mit innovativen, gesellschaftskritischen Inhalten verbinden konnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit folgt einer chronologischen und genre-orientierten Vorgehensweise und nutzt den Roman Lazarillo de Tormes als Fallstudie für den pikaresken Roman.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der Gattungsmerkmale, Ursprünge und Entwicklungen sowie eine tiefgehende Fallstudie zum Lazarillo de Tormes.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Siglo de Oro, Pikaresker Roman, Inquisition, Zensur, gesellschaftliche Satire und Antiheld.
Warum spielt die Inquisitionsbehörde in der Literatur des Siglo de Oro eine zentrale Rolle?
Die Inquisition übte staatliche Kontrolle über Inhalte aus, was viele Autoren dazu zwang, sich in die Anonymität zu flüchten oder ihre Texte moralisch anzureichern, um einer Zensur zu entgehen.
Inwiefern unterscheidet sich der pikareske Roman von anderen Gattungen der Epoche?
Im Gegensatz zur idealisierten Welt des Ritter- oder Schäferromans stellt der pikareske Roman die harte, soziale Realität der unteren Schichten ohne heldenhafte Verklärung dar.
Warum wird der Lazarillo de Tormes als gesellschaftskritisches Werk bezeichnet?
Der Roman nutzt die satirische Figur des Antihelden, um Missstände in Kirche, Adel und Justiz sowie die hohle Fassade des zeitgenössischen Ehrbegriffs zu entlarven.
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- M.A. (Magistra Artium) Julia Brenner (Author), 2004, Fiktionale Prosa im Siglo de Oro, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/82763