Das dieser Arbeit zugrunde liegende Thema, bedient sich der „wissenschaftstheoretischen Brille“ des Kritischen Rationalismus, mit der auf die (hermeneutische) geisteswissenschaftliche Pädagogik geblickt wird. Aufgabenstellung ist:
„Erläutern Sie, warum für eine Erziehungswissenschaft auf der Grundlage des Kritischen Rationalismus die sogenannte „geisteswissenschaftliche Pädagogik“ eine „praktische Pädagogik“, aber keine „Wissenschaft“ ist, indem Sie 1. (…) die Unterscheidung von „Erziehungswissenschaft“ und „praktischer Pädagogik“ kennzeichnen und 2. anhand der Hervorhebung von „Bestandteilen der Praktischen Pädagogik“ analysieren, warum die geisteswissenschaftliche Pädagogik eine solche praktische Pädagogik sein kann.“
Nachdem die Begriffe „Geisteswissenschaftliche Pädagogik“, „(Erziehungs-) Wissenschaft“ und „Praktische Pädagogik“ geklärt und zueinander in Beziehung gesetzt worden sind, wird im Einzelnen untersucht, ob die Inhalte einer Praktischen Pädagogik die einer Geisteswissenschaftlichen Pädagogik sein können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Einbettung des Themas in den Seminarkontext und Erläuterung der Aufgabenstellung
1.2. Begründung der Gliederung
2. Hauptteil
2.1. Die Perspektive und das Wissenschaftsverständnis im Kritischen Rationalismus
2.2. Die Einbettung der Erziehungswissenschaft in den Kritischen Rationalismus
2.3. Geisteswissenschaftliche Pädagogik und wie die empirische Erziehungswissenschaft sie sieht
2.4. Bestandteile der Praktischen Pädagogik in Bezug auf die Geistes-wissenschaftliche Pädagogik
3. Schluss
3.1. Zusammenfassung
3.2. Eigene Stellungnahme
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus der wissenschaftstheoretischen Perspektive des Kritischen Rationalismus, warum die geisteswissenschaftliche Pädagogik als eine praktische Pädagogik, jedoch nicht als Wissenschaft im strengen Sinne klassifiziert wird.
- Wissenschaftsverständnis des Kritischen Rationalismus
- Abgrenzung von Erziehungswissenschaft und praktischer Pädagogik
- Theoretische Grundlagen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik
- Vergleich der Bestanteile praktischer Pädagogik
- Analyse des Theorie-Praxis-Verhältnisses in der Erziehung
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Perspektive und das Wissenschaftsverständnis im Kritischen Rationalismus
Zur begrifflichen Klärung des „Kritischen Rationalismus“ versuche ich, „Rationalismus“ von „Irrationalismus“ und „Kritischen“ Rationalismus von „naivem“ Rationalismus abzugrenzen: Zum Unterschied zwischen Rationalismus und Irrationalismus sei soviel gesagt, dass im Irrationalismus durch Gefühle, Offenbarungen oder Intuitionen Erkenntnisse über die Wirklichkeit gewonnen werden (KROMPHARDT 1979, S. 53), während im Rationalismus mittels der Vernunft versucht wird, rationale Konstrukte zur Erklärung der Wirklichkeit zu entwerfen (GUDJONS 1993, S. 36). Im naiven (auch: übertriebenen, unkritischen) Rationalismus existiert der „Wunsch, nichts zu akzeptieren, was nicht durch Argumente oder die Erfahrung gestützt und bewiesen werden kann“, so beschreibt es zumindest KROMPHARDT mit den Worten Poppers (ebd., S. 54). Wendet man allerdings dieses Prinzip auf die Grundannahmen des Rationalismus (Glauben an die Kraft der Vernunft) an, kommt man schnell zu dem Schluss, dass man das Bekenntnis zum Rationalismus selbst nicht mit Argumenten begründen kann, sondern dass schon der Entschluss für die kritisch-rationale Perspektive auf eine wertende Entscheidung zurückgeht.
Der Kritische Rationalismus ist sich sehr wohl dieser wertenden Entscheidungen bewusst, die sich aber lediglich auf die Wertbasis wissenschaftlichen Vorgehens beziehen (ALBERT in: KÖNIG/ZEDLER 2002, S. 49), nicht jedoch auf die eigentlichen Werturteile (normative Sätze, die innerhalb einer Wissenschaft entstehen). Im Unterschied zum naiven Rationalismus meint man im Kritischen Rationalismus, dass die Bewährung einer Aussage keineswegs ein Wahrheitsbeweis ist. Die Aussage (Hypothese, Gesetzesaussage) kann in der Zukunft immer noch falsifiziert werden (s.u.). Mittels der Vernunft kann man zwar mit Hilfe rationaler Argumente Kritik an Aussagen üben, aber man kann niemals absolute Gewissheit über die Wahrheit gewinnen (KROMPHARDT 1979, S. 56).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die wissenschaftstheoretische Problematik ein und erläutert den Aufbau der Arbeit unter Berücksichtigung des Seminar-Kontexts.
2. Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert das Wissenschaftsverständnis des Kritischen Rationalismus, verortet die Erziehungswissenschaft darin und kontrastiert diese mit der geisteswissenschaftlichen Pädagogik sowie den Strukturen der praktischen Pädagogik.
3. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und reflektiert die Tragweite der unterschiedlichen wissenschaftstheoretischen Standpunkte.
Schlüsselwörter
Kritischer Rationalismus, Erziehungswissenschaft, praktische Pädagogik, geisteswissenschaftliche Pädagogik, Wissenschaftstheorie, Falsifikation, Hermeneutik, Popper, Brezinka, Theorie-Praxis-Transfer, Wahrheit, Erkenntnis, normativ, empirisch, Werturteilsfreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftstheoretischen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen empirischer Erziehungswissenschaft und geisteswissenschaftlicher Pädagogik aus der Sicht des Kritischen Rationalismus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Kernbereichen gehören das Wissenschaftsverständnis Poppers, die Differenzierung pädagogischer Satzsysteme und die Kritik an der geisteswissenschaftlichen Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erläutern, warum die geisteswissenschaftliche Pädagogik nach den Kriterien des Kritischen Rationalismus als praktische Pädagogik und nicht als wissenschaftliches System eingestuft wird.
Welche wissenschaftliche Methode findet Anwendung?
Die Autorin nutzt eine analytische Auseinandersetzung mit wissenschaftstheoretischen Grundlagentexten, insbesondere basierend auf Wolfgang Brezinka und Karl Popper.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung von Seins- und Sollensaussagen sowie den vier Bestandteilen der praktischen Pädagogik im Vergleich zur geisteswissenschaftlichen Tradition.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die konsequente Anwendung der kritisch-rationalen Brille auf pädagogische Theoriebildung aus.
Wie unterscheidet sich die Erziehungswissenschaft von der praktischen Pädagogik laut Brezinka?
Die Erziehungswissenschaft basiert auf empirischen Tatsachenaussagen und ist nicht zweckorientiert, während die praktische Pädagogik normativ-deskriptiv ist und direkt der Anleitung pädagogischen Handelns dient.
Warum wird die geisteswissenschaftliche Pädagogik als nicht wissenschaftlich eingestuft?
Aus Sicht des Kritischen Rationalismus mangelt es ihr an empirischer Prüfbarkeit, zudem vermischt sie unzulässig deskriptive Aussagen mit normativen Werturteilen.
Welche Bedeutung hat das Bild des „Netzes“ in der Arbeit?
Das „Netz“ dient als Metapher für Theorien, mit denen die Wirklichkeit erfasst wird, wobei jedoch stets ein Rest der Realität außerhalb der Maschen verborgen bleibt.
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- Bettina Soethe (Author), 2003, Erziehungswissenschaft im Kritischen Rationalismus. Warum ist die "geisteswissenschaftliche Pädagogik" eine "praktische Pädagogik"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83160