Straßenkindheit - Lebensbewältigung von Straßenkindern in Deutschland


Hausarbeit, 2006

13 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition

3. Auslöser und Ursachen der Straßenkindheit
3.1. Erklärungsansätze
3.1.1. Medizinisch-psychiatrischer Ansatz
3.1.2. Sozialisationstheoretischer Ansatz
3.1.3. Psychologisch-pädagogisches Konzept
3.1.4. Sozialstruktureller Ansatz
3.1.5. Etikettierungsansatz
3.2. Andere Faktoren
3.2.1. Familienkonflikte
3.2.2. soziale Benachteiligung
3.2.3. Medien

4. Der Lebensalltag deutscher Straßenkinder
4.1. Kriminalität
4.1.1. Gewalt und Delinquenz
4.1.2. Drogen
4.1.3. Prostitution
4.2. Gesundheit

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Dass es in vielen armen Ländern der Erde Straßenkinder gibt, ist jedem bewusst, doch dass dieses Phänomen auch in Deutschland sehr große Formen angenommen hat, versuchen die meisten Menschen zu verdrängen.

Warum auch sollten Kinder in Deutschland, in einem doch sehr wohlhabenden Land, auf der Straße leben?

Das Ziel meiner Arbeit ist es herauszufinden, in wie weit sich die Straßenkinder Deutschlands von denen der Dritten Welt unterscheiden. Natürlich ist jedem bewusst, dass die Schicksale der Kinder in der Dritten Welt sehr viel dramatischer sind als die der Kinder in Deutschland, doch in dieser Arbeit soll der Blick vor allem darauf geworfen werden, aus welchen Gründen Kinder in Deutschland auf der Straße landen. Sind es eher materielle oder emotionale Gründe? Und haben die Kinder das Leben selbst gewählt oder wurden sie dazu gezwungen? Es gibt gegenüber Straßenkindern viele Vorurteile. Sie werden oft als Menschen „zweiter Klasse“, faul, asozial, minderwertig, verschmutzt und gewaltbereit angesehen. Man geht ihnen gerne aus dem Weg und verschließt die Augen vor diesem Problem. Doch welche Hintergründe die Schicksale dieser Jugendlichen haben, wird dabei oft außer Acht gelassen. Daher möchte ich den Schicksalen der Straßenkinder auf den Grund gehen und ihren Lebensalltag und die damit verbundenen Schwierigkeiten erläutern, um damit vielleicht einige Vorurteile aus dem Weg zu räumen oder zumindest genauer verstehen zu können, warum diese Kinder oft keine andere Wahl haben, als ihr Leben nach solch einem Muster zu gestalten.

Es ist zu erwähnen, dass ich keine Zahlen in meiner Arbeit nennen werde, da es kaum Quellen gibt, die Statistiken und Prozentzahlen enthalten. Es ist sehr schwierig, die Zahl der Straßenkinder in Deutschland festzulegen, da viele anonym leben, doch in den meisten Quellen wird von ca. 5000 Kindern gesprochen.

2. Definition

Nach der Jubiläumsedition des Brockhauses sind Straßenkinder „auf sich selbst gestellte Kinder (besonders, aber nicht nur in der dritten Welt), die ihren Lebensunterhalt durch Kinderarbeit bestreiten müssen, zum Teil zur Kleinkriminalität als Mittel der Existenzsicherung greifen und unter Ausnutzung ihrer Lage oft auch als Kinderprostituierte ausgenutzt werden“.[1]

Doch diese Definition kann zu Diskussionen führen, da oft behauptet wird, der Begriff „Straßenkinder“ dürfe ausschließlich für Kinder in der Dritten Welt benutzt werden, da das Leben der Straßenkinder in der Dritten Welt weitaus dramatischer sei, als das, der auf der Straße lebenden Kinder in Deutschland und den Unterschied zu der Dritten Welt unzulässig verwische. Doch daraus stellt sich wiederum die Frage, wie die „Straßenkinder“ in Deutschland zu nennen sind. Es ist schwer, einen allgemeinen Begriff zu finden, aber möglich, die Kinder in verschiede Gruppen zu unterteilen. Das wären zum Beispiel Trebegänger, Ausreißer, Stricherkinder, Aussteiger oder Obdachlose. Doch bei dieser Einteilung besteht die Gefahr, dass das Kind einseitig charakterisiert und ausschließlich auf ein Merkmal reduziert würde.

Doch es gibt auch Argumente für die Benutzung des Wortes „Straßenkinder“ in Deutschland. Zum einen, weil die Straßenkindheit in Deutschland ein von der Gesellschaft nicht sehr ernst genommenes Thema ist und die Verwendung dieses Begriffes provokant wirkt und indirekt Handlungsbedarf des Staates oder der Jugendhilfe fordert. Zum anderen müsste der Begriff in Deutschland anerkannt werden, da auch für die deutschen „Straßenkinder“ die Straße der Lebensraum ist und die auf diese angewiesen sind.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es viele Argumente für, sowie gegen die Verwendung des Begriffs „Straßenkind“ gibt, welcher vielseitig diskutiert wird. Ich werde diesen Begriff in meiner Arbeit trotz dessen verwenden, da es schwierig ist, die „Straßenkinder“ in Gruppen einzuteilen oder einen allgemeinen Bergriff zu finden, der alle Kinder, die auf der Straße leben, mit einschließt.[2] [3] [4]

3. Auslöser und Ursachen der Straßenkindheit

In diesem Teil der Arbeit soll erläutert werden, warum Kinder überhaupt auf der Straße leben und warum sie diesen Lebensweg gewählt haben beziehungsweise wählen mussten. Dabei können verschiedene Aspekte eine Rolle spielen, die hier genauer dargestellt werden.

3.1. Erklärungsansätze

Es gibt fünf traditionelle und wissenschaftliche Konzepte, die das Phänomen der „Straßenkindheit“ zu erklären versuchen. Diese sollen hier erläutert und in Bezug gesetzt werden.

3.1.1. Medizinisch-psychiatrischer Ansatz

In diesem Erklärungsansatz, den auch der Wissenschaftler Hosemann unterstützt, wird das „Weglaufen“ als Krankheit der Kinder angesehen und auch als „Wandertrieb“ bezeichnet. Doch heute wehrt man sich gegen eine Verurteilung der Straßenkinder als „krank“.

3.1.2. Sozialisationstheoretischer Ansatz

In diesem Fall wird das „Weglaufen nicht mehr als Krankheit, sondern als Problemlösungsversuch betrachtet. Es wird nicht mehr nur auf das Kind selbst eingegangen, sondern seine sozialen Beziehungen und jeweiligen Konfliktsituationen in Betracht genommen. Auf Grund dessen werden nicht nur individuelle Gefühle und Empfindungen der Kinder betrachtet, sondern sein soziales Umfeld als Ursache hinzugezogen.

Bei diesem Ansatz spielen zwei verschiedene Gruppen eine Rolle. Zum einen die „Wegläufer“ und zum anderen die „Rausgeschmissenen“

3.1.3. Psychologisch-pädagogisches Konzept

Hierbei wird zwar das soziale Umfeld der Kinder in die Ursachensuche mit einbezogen, aber im Gegensatz zum vorherigen Konzept steht immer noch das Individuum im Vordergrund. Der Blick wird vor allem auf die Abnormitäten des Jugendlichen geworfen, welcher als „Ausreißer“ als psychisch gestört und leicht zu beeinflussen dargestellt wird. Außerdem gilt bei diesem Konzept das „Weglaufen“ als Zeichen der Verwahrlosung.

3.1.4. Sozialstruktureller Ansatz

Dieses Konzept sucht die Ursachen für das „Weglaufen“ eines Jugendlichen nicht mehr in seinem sozialen Umfeld oder der Familie, sondern beschäftigt sich viel mehr mit den gesellschaftlichen Einflüssen auf die Jugendlichen. Oft sind die Ziele, die von der Gesellschaft erwartet werden nicht legitim zu erreichen. In diesem Konzept gilt das Weglaufen“ eines Kindes als eine Reaktion auf nicht erreichbare Ziele.

3.1.5. Etikettierungsansatz

Auch bei diesem Modell wird der Blick auf die Gesellschaft geworfen. Dieses Konzept geht davon aus, dass Jugendliche, die von den gesellschaftlichen Normen abweichen, von der Gesellschaft ausgestoßen werden und somit keinerlei Motivation aufweisen, sich in diese zu integrieren. Das „Weglaufen“ wird als eine Art Rebellion und Protest gegen die Normen der Erwachsenen beziehungsweise der Gesellschaft angesehen.[5]

3.2. Andere Faktoren

3.2.1. Familienkonflikte

Die häufigste Ursache für das „Weglaufen“ eines Jugendlichen sind familiäre Konflikte. Dabei können unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen.

[...]


[1] Vgl. Der Brockhaus-Jubiläumsedition; 11.Auflage; Leipzig; 2005

[2] Vgl. Pfennig, Gabriele; Lebenswelt Bahnhof; Luchterhand; 1996; S. 12ff

[3] Vgl. Adick, Christel; Straßenkinder und Kinderarbeit; Frankfurt a.M.; 1997; S. 10ff

[4] Vgl. Degen, Martin; Straßenkinder-Szenebetrachtungen, Erklärungsversuche und sozialarbeiterische Ansätze; Bielefeld; 1995; s. 27ff

[5] Vgl. Adick, Christel; Straßenkinder und Kinderarbeit; Frankfurt a. M.; 1997; S. 13ff

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Straßenkindheit - Lebensbewältigung von Straßenkindern in Deutschland
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Kindheit und Armut in Deutschland
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V83220
ISBN (eBook)
9783638898997
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Straßenkindheit, Lebensbewältigung, Straßenkindern, Deutschland, Kindheit, Armut, Deutschland
Arbeit zitieren
Mirka Fuchs (Autor), 2006, Straßenkindheit - Lebensbewältigung von Straßenkindern in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83220

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