1.Einleitung
Dass es in vielen armen Ländern der Erde Straßenkinder gibt, ist jedem bewusst, doch dass dieses Phänomen auch in Deutschland sehr große Formen angenommen hat, versuchen die meisten Menschen zu verdrängen.
Warum auch sollten Kinder in Deutschland, in einem doch sehr wohlhabenden Land, auf der Straße leben?
Das Ziel meiner Arbeit ist es herauszufinden, in wie weit sich die Straßenkinder Deutschlands von denen der Dritten Welt unterscheiden. Natürlich ist jedem bewusst, dass die Schicksale der Kinder in der Dritten Welt sehr viel dramatischer sind als die der Kinder in Deutschland, doch in dieser Arbeit soll der Blick vor allem darauf geworfen werden, aus welchen Gründen Kinder in Deutschland auf der Straße landen. Sind es eher materielle oder emotionale Gründe? Und haben die Kinder das Leben selbst gewählt oder wurden sie dazu gezwungen? Es gibt gegenüber Straßenkindern viele Vorurteile. Sie werden oft als Menschen „zweiter Klasse“, faul, asozial, minderwertig, verschmutzt und gewaltbereit angesehen. Man geht ihnen gerne aus dem Weg und verschließt die Augen vor diesem Problem. Doch welche Hintergründe die Schicksale dieser Jugendlichen haben, wird dabei oft außer Acht gelassen. Daher möchte ich den Schicksalen der Straßenkinder auf den Grund gehen und ihren Lebensalltag und die damit verbundenen Schwierigkeiten erläutern, um damit vielleicht einige Vorurteile aus dem Weg zu räumen oder zumindest genauer verstehen zu können, warum diese Kinder oft keine andere Wahl haben, als ihr Leben nach solch einem Muster zu gestalten.
Es ist zu erwähnen, dass ich keine Zahlen in meiner Arbeit nennen werde, da es kaum Quellen gibt, die Statistiken und Prozentzahlen enthalten. Es ist sehr schwierig, die Zahl der Straßenkinder in Deutschland festzulegen, da viele anonym leben, doch in den meisten Quellen wird von ca. 5000 Kindern gesprochen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Definition
3. Auslöser und Ursachen der Straßenkindheit
3.1. Erklärungsansätze
3.1.1. Medizinisch-psychiatrischer Ansatz
3.1.2. Sozialisationstheoretischer Ansatz
3.1.3. Psychologisch-pädagogisches Konzept
3.1.4. Sozialstruktureller Ansatz
3.1.5. Etikettierungsansatz
3.2. Andere Faktoren
3.2.1. Familienkonflikte
3.2.2. soziale Benachteiligung
3.2.3. Medien
4. Der Lebensalltag deutscher Straßenkinder
4.1. Kriminalität
4.1.1. Gewalt und Delinquenz
4.1.2. Drogen
4.1.3. Prostitution
4.2. Gesundheit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Straßenkindheit in Deutschland, wobei der Fokus auf den Ursachen für die Flucht auf die Straße sowie der Analyse des Lebensalltags dieser Jugendlichen liegt. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Hintergründe der Betroffenen zu entwickeln und verbreitete gesellschaftliche Vorurteile kritisch zu hinterfragen.
- Ursachenanalyse des Weglaufens (familiär, sozialstrukturell, individuell)
- Abgrenzung der deutschen Straßenkindheit von der Situation in der Dritten Welt
- Untersuchung der Rolle von Kriminalität und Drogen im Straßenalltag
- Analyse der gesundheitlichen Situation und der Prostitution als Lebensstrategie
- Hinterfragung gesellschaftlicher Stigmatisierung gegenüber Straßenkindern
Auszug aus dem Buch
4.1.1. Gewalt und Delinquenz
Für Gewaltanwendung auf der Straße gibt es mehre Gründe. Der am häufigsten vorkommende Grund für Delinquenz ist die Tatsache, dass die „Straßenkinder“ unter sehr schlechten materiellen Verhältnissen leben müssen und keine andere Wahl haben, als zu klauen oder Gewalt anzuwenden, um ihre Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und Kleidung zu befriedigen.
Andererseits kann die Delinquenz oder Gewalt eine Folge von materiellen Wünschen sein, da die „Straßenkinder“ in ihren Familien Luxus und Geld nicht kannten.
Ein weiter Grund ist der Drang nach Abwechslung und Aktion der Jungendlichen, welcher durch Mutproben, Nervenkitzel und Selbstdarstellung befriedigt werden kann. Außerdem sein nach Aichhorn Beziehungslosigkeit und fehlende Zuneigung der Schlüssel für Aggressivität und Gewalt.
Darüber hinaus fällt es Kindern, die kaum etwas zu verlieren haben leichter, gewisse Grenzen, wie auch Gewalt, zu überschreiten. Ein zu diesem Thema befragtes „Straßenkind“ gab folgende, sehr viel aussagende Antwort:„ Je schneller ich wieder in den Knast komme, desto besser für mich. Wo soll ich denn sonst hin? Ist doch eh alles egal.“9
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das existierende, aber oft verdrängte Problem der Straßenkinder in Deutschland und stellt die Forschungsfrage nach den Ursachen für diesen Lebensweg.
2. Definition: Dieses Kapitel diskutiert die Schwierigkeit einer einheitlichen Begriffsbestimmung von „Straßenkindern“ und beleuchtet die Problematik der Abgrenzung zur Situation in der Dritten Welt.
3. Auslöser und Ursachen der Straßenkindheit: Hier werden wissenschaftliche Erklärungsansätze sowie familiäre, soziale und mediale Faktoren untersucht, die zur Entscheidung für ein Leben auf der Straße führen.
4. Der Lebensalltag deutscher Straßenkinder: Das Kapitel widmet sich der Realität auf der Straße, insbesondere den Themen Kriminalität, Drogenmissbrauch, Prostitution und dem gesundheitlichen Zustand der Kinder.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Flucht auf die Straße in Deutschland primär durch fehlende emotionale Geborgenheit motiviert ist und die Jugendlichen vor große Hürden bei der gesellschaftlichen Reintegration stellt.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Deutschland, Lebensbewältigung, Jugendhilfe, Familienkonflikte, soziale Benachteiligung, Kriminalität, Drogenkonsum, Prostitution, Kinderarmut, Ausreißer, Gesellschaft, Vorurteile, Sozialisation, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Straßenkindern in Deutschland, wobei insbesondere die Beweggründe für das Verlassen des Elternhauses und der tägliche Überlebenskampf analysiert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Ursachen der Straßenkindheit, den Risiken wie Kriminalität und Drogen sowie den Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der betroffenen Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Hintergründe zu ergründen, warum Kinder in Deutschland auf der Straße landen, und dabei Vorurteile abzubauen, um ein differenzierteres Verständnis für ihre Lebenslage zu schaffen.
Welche methodischen Ansätze werden zur Erklärung herangezogen?
Die Autorin betrachtet das Phänomen aus verschiedenen Perspektiven, darunter medizinisch-psychiatrische, sozialisationstheoretische, psychologisch-pädagogische, sozialstrukturelle und etikettierungstheoretische Ansätze.
Was steht im Zentrum des Hauptteils?
Der Hauptteil analysiert den Lebensalltag auf der Straße, wobei er detailliert auf die Zusammenhänge zwischen materieller Not, familiären Spannungen und dem Abrutschen in Kriminalität oder Prostitution eingeht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Straßenkindheit, Lebensbewältigung, Familienkonflikte, soziale Ausgrenzung und die Abgrenzung zum Phänomen in ärmeren Ländern.
Warum wird der Begriff „Straßenkind“ trotz der Kritik verwendet?
Die Autorin begründet die Verwendung des Begriffs damit, dass es schwierig ist, die Betroffenen in Untergruppen zu kategorisieren, und der Begriff zudem auf die Dringlichkeit des Handlungsbedarfs hinweist.
Welche Rolle spielt die Familie als Ursache für die Flucht?
Familiäre Konflikte, autoritäre Erziehungsstile, Missbrauch und mangelnde emotionale Geborgenheit werden als Hauptursachen für den Entschluss identifiziert, das Zuhause zu verlassen.
Inwiefern beeinflussen Medien die Entscheidung für das Leben auf der Straße?
Medien können ein verzerrtes Bild von Freiheit und Abenteuer vermitteln, das die Gefahren des Straßenlebens wie Armut und Drogen ausblendet und so das Weglaufen indirekt als Problemlösung suggeriert.
Welchen Stellenwert hat die Prostitution in der Lebensstrategie der Jugendlichen?
Sie dient häufig als Mittel zur Existenzsicherung in einer Notlage, kann aber auch eine psychologische Funktion als Kompensation für fehlende Zuneigung oder als Form der Missbrauchsverarbeitung einnehmen.
- Quote paper
- Mirka Fuchs (Author), 2006, Straßenkindheit - Lebensbewältigung von Straßenkindern in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83220