Als Carl Benz 1886 das Automobil erfand, hatte er wohl nicht damit gerechnet, in diesem Zuge eine Innovationsleistung zu erbringen, die das Verkehrswesen in der Folgezeit weltweit revolutionieren sollte.
Nach anfänglichen Schwierigkeiten begann spätestens in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts der unaufhaltsame Siegeszug eines Fahrzeugs, das alle bis dahin bekannten und weitläufiger genutzten Fortbewegungsmittel zu Lande in den Aspekten Mobilität, Flexibilität und Individualität in den Schatten stellte. Das Automobil wuchs heran zum Statussymbol aller Teile der bestehenden Gesellschaft. In unserer heutigen Zeit ist es sowohl aus praktischen als auch aus ideellen Gründen nicht wegzudenken.
Dieser Siegeszug des Autos wäre wohl ohne die entsprechende Werbung für das Produkt gänzlich anders verlaufen. In jedem Fall bestimmte die Reklame in ihrer Eigenart nicht unerheblich das Kaufverhalten des Konsumenten, wurde umgekehrt aber auch von dessen Ansprüchen bestimmt.
Diese Arbeit nun hat zum Ziel, den Verlauf der Geschichte der Automobilwerbung in Deutschland seit der Erfindung durch Benz bis in die neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts darzustellen. Dies soll nicht auf der Grundlage einer kunsthistorischen Schilderung der jeweiligen Werbeobjekte geschehen, sondern vor deren technikgeschichtlichem Hintergrund, somit also den zeitgenössischen Anforderungen, Bedürfnissen und Bedingungen durch Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Geschichte der Automobilwerbung
1. Die Anfänge - Von der Erfindung bis zum Ersten Weltkrieg
2. Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus
3. Die fünfziger Jahre
4. Die sechziger und siebziger Jahre
5. Die achtziger und neunziger Jahre
III. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die historische Entwicklung der Automobilwerbung in Deutschland von der Erfindung durch Carl Benz bis in die 1990er Jahre nachzuzeichnen. Dabei wird nicht nur die kunsthistorische Komponente betrachtet, sondern der Fokus auf den technikgeschichtlichen Kontext sowie die wechselseitigen Einflüsse von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gelegt.
- Chronologische Analyse der Werbestrategien
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf das Kaufverhalten
- Wandlung des Automobils vom Luxusobjekt zum Statussymbol
- Rolle der Werbung in verschiedenen politischen Epochen
- Anpassung der Werbemedien an den technischen Fortschritt
Auszug aus dem Buch
Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus
Im goldenen Zeitalter der zwanziger Jahre begann in Deutschland ein Siegeszug des Automobils. Der eigene Wagen erscheint als wichtigstes Attribut gehobener Bevölkerungsschichten (Abb. 4).
In ihm wurde die Krone der Fortbewegung und der Inbegriff des Privilegs, sich individuell frei und schnell bewegen zu können, gesehen. In der Reklame für die Fahrzeuge waren im Allgemeinen zwei verschiedene Linien zu erkennen. Einerseits repräsentiert das Auto den Besitzstand des Halters, analog zu Pferdezucht und Reitsport. So stellt es das schnellste und beste Pferd im Stall dar, gepflegt von einem Chauffeur, der dem Stallknecht im Range gleichsteht. Die Werbung wandte sich in diesem Fall in erster Linie nicht an den Autofahrer, sondern an dessen Halter und deren Gefährtinnen (Abb. 5). Die zweite Linie betonte wiederum die sportliche Seite des Fahrens und das demnach freie und unabhängige Dasein des Wagenbesitzers und –fahrers. Alternative Verkehrsmittel, so beispielsweise Kutsche, Eisenbahn oder Schiff wurden zum einen als einschränkend für die Individualität dargestellt, zum anderen würden sie dem Passagier jede Verantwortung und Steuerungsmöglichkeit nehmen und ihn so fremden Gefahren ausliefern, ohne das er etwas dagegen unternehmen könne.
Die Werbung war stets Spiegel der Gesellschaft, da sie nur so das wirklich vom Konsumenten Gewünschte zu bieten vermag. „Werbung ist Zeitgeschichte“. In diesem Zuge half die Reklame, hier insbesondere die Autoreklame, mit, in den zwanziger Jahren ein neues, selbstbewusstes und dynamisches Frauenbild, wie es sich bereits vor dem Krieg angekündigt hatte, zu schaffen und zu verbreiten, indem sie die Frau als für des männlichen Konsumenten Kaufentscheidung maßgeblich erkannte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Siegeszug des Automobils als Statussymbol und definiert das Ziel der Arbeit, die Automobilwerbung vor ihrem technikgeschichtlichen Hintergrund chronologisch darzustellen.
II. Die Geschichte der Automobilwerbung: Dieses Hauptkapitel gliedert sich in fünf zeitliche Abschnitte, die von den Anfängen der Werbung bis zur Situation nach der Wiedervereinigung reichen.
1. Die Anfänge - Von der Erfindung bis zum Ersten Weltkrieg: Das Kapitel beschreibt den Wandel der Automobilwerbung von einer anfänglichen Skepsis der Hersteller hin zu einer professionellen Vermarktung über Zeitungsannoncen und Plakate.
2. Die Weimarer Republik und der Nationalsozialismus: Hier wird der Kontrast zwischen dem dynamischen, prestigeträchtigen Image des Autos in den zwanziger Jahren und der durch Propaganda geprägten, eher nüchternen Autowerbung im Nationalsozialismus dargelegt.
3. Die fünfziger Jahre: Der Fokus liegt auf dem Wiederaufbau und der Etablierung des Kleinwagens als wichtigstem Fortbewegungsmittel in einer Zeit knappen Kapitals.
4. Die sechziger und siebziger Jahre: Dieses Kapitel behandelt den Wohlstand und die Modellvielfalt der Nachkriegszeit sowie den Umgang der Werbeindustrie mit der Ölkrise.
5. Die achtziger und neunziger Jahre: Es wird die Hinwendung zu ökologischen Aspekten, gesteigertem Komfort und der neuen Marktsituation nach der deutschen Wiedervereinigung beleuchtet.
III. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert die ungebrochene Faszinationskraft des Automobils und die Fähigkeit der Werbung, sich stetig an die sich wandelnden gesellschaftlichen Bedürfnisse anzupassen.
Schlüsselwörter
Automobilwerbung, Technikgeschichte, Marketingstrategien, Statussymbol, Zeitgeschichte, Konsumgesellschaft, Industrielle Entwicklung, Werbeplakate, Fahrzeugbau, Wirtschaftswandel, Markenimage, Automobilgeschichte, Mobilität, Zielgruppen, Gesellschaftlicher Wandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und Gestaltung der Automobilwerbung in Deutschland über den gesamten Zeitraum von der Erfindung des Automobils 1886 bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der technische Wandel des Produkts Auto, die sozioökonomischen Rahmenbedingungen sowie die psychologischen Aspekte, wie die Werbung das Konsumentenverhalten und das Image des Automobils beeinflusst hat.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine chronologische Darstellung, die aufzeigt, wie Werbeobjekte nicht losgelöst, sondern immer vor dem Hintergrund der jeweiligen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen zu verstehen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen chronologisch-historischen Ansatz, wobei er sich auf Literaturquellen und die Analyse historischer Werbeanzeigen und Plakate stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert fünf epochenbezogene Abschnitte: von der Pionierzeit vor dem Ersten Weltkrieg, über die Goldenen Zwanziger und die NS-Zeit, die Phase des Wiederaufbaus in den fünfziger Jahren, die Zeit der Ausdifferenzierung in den sechziger und siebziger Jahren bis hin zur ökologisch geprägten Werbung ab den achtziger Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Automobilwerbung, Technikgeschichte, Markenimage, Konsumgesellschaft und soziokulturellen Wandel definieren.
Wie veränderte sich die Rolle der Frau in der Autowerbung?
Besonders ab den zwanziger Jahren begann die Werbung, Frauen aktiv als eigenständige Konsumentinnen oder als maßgebliche Beeinflusserinnen der Kaufentscheidung anzusprechen und ein dynamisches Frauenbild zu propagieren.
Wie reagierte die Autowerbung auf die Ölkrise in den siebziger Jahren?
Die Werbeindustrie reagierte zunächst eher verzögert, da die Entwicklungszyklen neuer Modelle lang waren; der Fokus verschob sich erst später hin zu effizienteren und sparsameren Fahrzeugmodellen.
Welche Bedeutung hatte die deutsche Wiedervereinigung für die Autowerbung?
Die Wiedervereinigung wird als positives Ereignis für die Branche gewertet, da ein zuvor geschlossener Markt in den freien Wettbewerb eintrat und die Markenkommunikation durch neue Medien ein großes, kompetentes Publikum erreichte.
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- Jens Wittig (Author), 2005, Die Geschichte der Automobilwerbung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83654