Packungsbeilagen stellen in unserem Alltag eine Textsorte dar, mit der wir ständig konfrontiert werden, deren Verständnis uns aber zuweilen schwer fällt. Dies liegt zum einen daran, dass Packungsbeilagen in einer gewissen Fachsprache gestaltet sind. Auch fehlt es dem Patienten an dem nötigen Know-How, um zum Beispiel die Inhaltsstoffe richtig deuten zu können.
So ist zu fragen, wie sinnvoll Packungsbeilagen zum momentanen Zeitpunkt für den Patienten überhaupt sind und ob diese förderlich zur richtigen Anwendung eines Medikamentes sind. Gleichzeitig ergibt sich die Frage, ob die Zielgruppe „Patient“ in der sprachlichen Ausgestaltung der Packungsbeilagen berücksichtigt wird.
Charakteristisch für die Packungsbeilage ist ihre Struktur. Es ist ferner zu klären, welcher Spielraum bei der Gestaltung überhaupt bleibt und wie sich gewisse rechtliche Vorschriften auswirken.
Ziel dieser Arbeit soll es nun sein, eine Analyse der Textsorte „Packungsbeilage“ durchzuführen, wobei dabei immer wieder linguistische mit inhaltlichen Aspekten verknüpft werden. Auch soll versucht werden, deutsche mit französischen Packungsbeilagen zu vergleichen. (an dieser Stelle soll erwähnt werden, dass nicht übersetzte Texte miteinander verglichen werden, sondern Beipackzettel von verschiedenen Medikamenten, deren Texte in der jeweiligen Sprache verfasst sind).
Grundlage bilden verschieden Beipackzettel von deutschen und französischen Medikamenten sowie das deutsche Arzneimittelgesetz, das dieser Arbeit als Anhang hinzugefügt wurde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
2. Grundlagen
2.1 Begriffsklärung
2.3 Rechtliche Vorgaben
2.4 Arzt-Patienten-Beziehung
2.5 Die W-Kette
2.6 Allgemeine Bestimmung und Charakterisierung des Texttyps „Anleitungstexte“
2.7 Adressaten der Packungsbeilage
2.8 Beschreibung der Kommunikationssituation
3. Linguistische Analyse
3.1 Makroebene
3.1.1 Layout
3.1.2 Gliederungsstrukturen
3.2 Mikroebene
3.2.1 Der Wortschatz der Textsorte
3.2.2 Kohärenz
3.3.3 Katapher
3.3.4 Deixis
3.3.5 Die Funktion des Passivs
3.3.6 Leserorientierung/ Zielgruppenorientierung
4. Vergleich Frankreich/ Deutschland
5. Ausblick: Medikamente in Supermärkten
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Textsorte "Packungsbeilage" unter Verknüpfung linguistischer und inhaltlicher Aspekte, um deren Sinnhaftigkeit für den Patienten sowie die Berücksichtigung der Zielgruppe zu prüfen. Dabei wird ein vergleichender Blick auf deutsche und französische Beispiele geworfen, um die sprachliche Ausgestaltung und die Rolle rechtlicher Vorgaben zu beleuchten.
- Linguistische Analyse der Textsorte Packungsbeilage (Makro- und Mikroebene)
- Untersuchung der Kommunikation zwischen Produzent und Patient
- Einfluss rechtlicher Rahmenbedingungen auf die Gestaltung
- Vergleich deutscher und französischer Packungsbeilagen
- Herausforderungen der Leser- und Zielgruppenorientierung
Auszug aus dem Buch
3.3.4 Deixis
In der zu behandelnden Textsorte nimmt die Deixis eine vor allem quantitative, aber auch in der Art der extrem einseitigen Ausprägung, herausragende Stellung ein. Sie tritt nämlich in fast jedem Satz und in einigen davon sogar mehrfach auf. An dieser Stelle liegt ausschließlich die personale Deixis vor, und zwar konkret als Deixis der 2.Person Singular. Als Beispiele können Aussagen wie „Wichtige Informationen für Ihre Gesundheit“, „dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben“ oder auch „demander l´avis de votre médecin“ angeführt werden.
Der Patient wird also permanent direkt angesprochen, wodurch die intendierte „persönliche“ Beziehung des Pharmaproduzenten zum Anwender seines Produktes dauerhaft aufrechterhalten wird. Der massive Einsatz der Deixis kann somit eindeutig als zweckorientiert beziehungsweise pragmatisch betrachtet werden, da an dieser Stelle linguistische Elemente mit den inhaltlichen Absichten korrespondieren.
Auch hinsichtlich der Klassifizierung der Packungsbeilage als Anweisungstext erfüllt die Deixis ihre Funktion, indem sie dafür sorgt, dass dem Patienten Angaben gemacht werden, wie das Medikament zum Beispiel eingenommen werden soll.
Das Verwenden der Deixis ist eng gekoppelt mit den Modalverben, wie zum Beispiel die häufige Verwendung der Verben sollen, müssen oder auch können. Im Französischen erfolgt ebenfalls ein häufiger Gebrauch dieser Verben („peut entrainer des effets…“ „il faut prendre“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung bezüglich der Verständlichkeit von Packungsbeilagen und Definition des Forschungsziels, eine linguistische Analyse der Textsorte durchzuführen.
2. Grundlagen: Erläuterung der Begrifflichkeiten, der rechtlichen Anforderungen, der Arzt-Patienten-Beziehung sowie der theoretischen Einordnung der Textsorte mittels W-Kette und Anleitungstext-Charakterisierung.
3. Linguistische Analyse: Untersuchung der formalen Struktur (Makroebene) sowie der sprachlichen Besonderheiten wie Wortschatz, Kohärenz, Katapher, Deixis und Passivgebrauch (Mikroebene).
4. Vergleich Frankreich/ Deutschland: Gegenüberstellung der Packungsbeilagen beider Länder hinsichtlich ihrer Aufmachung und linguistischer Unterschiede bei der Zielgruppenansprache.
5. Ausblick: Medikamente in Supermärkten: Diskussion der Auswirkungen einer möglichen Liberalisierung des Medikamentenvertriebs auf die notwendige Gestaltung von Packungsbeilagen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Packungsbeilage als fachsprachlich geprägte, aber zunehmend auf den Patienten ausgerichtete Textsorte und Empfehlungen für eine zukünftige, leserfreundlichere Gestaltung.
Schlüsselwörter
Packungsbeilage, Beipackzettel, Arzneimittelgesetz, Linguistische Analyse, Patient, Arzt-Patienten-Beziehung, Anleitungstexte, Fachsprache, Deixis, Kohärenz, Passiv, Leserorientierung, Selbstmedikation, Arzneimittelsicherheit, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die linguistische und inhaltliche Gestaltung von Packungsbeilagen von Medikamenten und hinterfragt, inwiefern diese für den Patienten verständlich und nützlich sind.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die gesetzlichen Vorgaben, die sprachliche Struktur, die Kommunikation zwischen Pharmahersteller und Patient sowie der Vergleich zwischen deutschen und französischen Beipackzetteln.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist eine detaillierte Analyse der Textsorte Packungsbeilage, um aufzuzeigen, wie sprachliche Mittel die Information des Patienten beeinflussen und wo Diskrepanzen zwischen Anspruch und Wirklichkeit bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine linguistische Analyse angewandt, die durch den Vergleich von Textbeispielen und den Bezug auf pragmatische Kategorien (wie die W-Kette) gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Grundlagen) und eine umfangreiche linguistische Untersuchung auf Makro- und Mikroebene, gefolgt von einem Ländervergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Packungsbeilage, Arzneimittelgesetz, Patienteninformation, Textsortenanalyse, Deixis und Leserorientierung.
Warum spielt die Arzt-Patienten-Beziehung eine Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Arzt oft als "Dolmetscher" für komplexe Packungsbeilagen fungieren muss, da die Beipackzettel selbst häufig in einer für Laien schwer verständlichen Fachsprache verfasst sind.
Wie verändert sich der Gebrauch des Passivs in neueren Beipackzetteln?
Es lässt sich ein Trend feststellen, dass das Passiv zunehmend zugunsten einer direkten Anrede (2. Person) abnimmt, was zu einer höheren Dynamik und Patientengerechtigkeit führt.
Welche Unterschiede gibt es bei französischen Packungsbeilagen?
Französische Beipackzettel sind oft kürzer, halten Herstellerinformationen unscheinbarer und verwenden anstelle des Wortes "Packungsbeilage" häufig ein direktes "Attention" zur Hervorhebung.
Was schlägt der Autor für die Zukunft vor?
Es wird empfohlen, die Leserorientierung stärker in den Vordergrund zu rücken, beispielsweise durch den Einsatz von Bildern oder eine vergrößerte Schrift, um den demographischen Wandel zu berücksichtigen.
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- Christine Müller (Author), 2006, Eine linguistische Analyse von medizinischen Beipackzetteln in Deutschland und Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83801