This article discuss the nutrition taboos in modern societies on an theoretical basis. In the line with the structuralistic perspective which aims to analyse an social phenomenon as an symbolic system it is suggested that those things are rejected which shows an anbiguous character. On this foundation the author explains the reason for eatable and non eatable foodcombinations and shows how and why our disgustion can be provocated. At the end it is discussed if the social change of our consuming behaviour contradict the theoretical point of view.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Grundlagen und Begrifflichkeit
I.1 Tabu als Begriff
I.1.1 Ursprung
I.1.2 Der Begriff Heute
I.2 Begründung der Theoriewahl
I.3 Strukturalismus
I.3.1 Der Begriff
I.3.2 Ursprung und Hintergrund der Theorie
I.3.2.1 Gründervater Levi-Strauss
I.3.2.2 Über Klassifikation und Wahrnehmung
I.3.3 Die strukturale Analyse
II Die Anwendung der Theorie
II.1 Nahrungstabus unter dem Gesichtspunkt der strukturalen Analyse
II.2 Strikte Tabus auf bestimmte Tierarten
II.3 Beschaffung, Zubereitung und Kombination von Lebensmitteln
II.3.1 Problemstellung
II.3.2 Von Obst, Gemüse und uneindeutigen Früchten
II.3.2.1 Unsere Kategorisierung von pflanzlich organischen Lebensmitteln
II.3.2.2 Die Fremde Frucht
II.3.2.2 Beschränkte Kombinationsmöglichkeiten
II.3.2.3 Ausnahmen bestätigen die Regel
II.3.3 Über Unreinheit und Moral
II.3.3.1 Körperausscheidungen im Essen
II.3.3.2 Die „unreine“ Weiswurst
II.4 Die moralische Bedeutung von Esstabus
III Schluss
III.1 Zusammenfassung
III.2 Diskussion
III.2.1 Sozialer Wandel und Struktur
III.2.2 Kritik und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, warum in modernen Gesellschaften bestimmte Substanzen als ungenießbar abgelehnt werden, obwohl sie ernährungsphysiologisch unbedenklich sind. Ziel ist die Anwendung der strukturalistischen Theorie, um Nahrungstabus als Teil eines Zeichensystems zu entschlüsseln, das kognitive Ordnung durch binäre Kategorisierungen schafft.
- Analyse von Nahrungstabus durch den Strukturalismus
- Kategorisierung von Nahrungsmitteln (Obst/Gemüse, nah/fern)
- Moralische Hintergründe von Essverboten
- Umgang mit Grenzfällen und kognitiven Anomalien
- Sozialer Wandel und die Beständigkeit tiefenstruktureller Codes
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Problemstellung
Beispiele für o.g. Nahrungstabus lassen sich leicht finden: Nehmen wir das bekannte Haar in der Suppe, ein Knorpel in der Weiswurst, ein Fingernagel im Kartoffelbrei, eine Gräte in einem Fischstäbchen oder die Kombination von Bananen mit Tomatensoße. Für die meisten der hier aufgezählten Phänomene, wenn man sie als solche betrachtet, fällt auf den ersten Blick eine Erklärung leicht. Sie werden gemieden, weil sie für uns „schmutzig“ , „unhygienisch“ oder „schwer verdaulich“ erscheinen. Natürlich gibt es grundlegend Regeln der Auswahl von Speisen, die unter Bezug auf Vergiftungsgefahren, Infektionsrisiken oder Unverdaulichkeit gerechtfertigt werden können. Die oben genannten Meidungen müssen wir aber ganz klar unter Mary Douglas Kategorie der Ästhetik untersuchen (Menell, S. 23). Keines dieser Lebensmittel würde aus ernährungsphysiologischen Gründen gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen. Vielmehr müssen wir uns hier fragen, warum diese Dinge für uns unhygienisch oder schmutzig erscheinen. Und auch in diesem Fall lässt sich aus strukturalistischer Perspektive unsere Abneigung dieser Lebensmittel mit unserer Abneigung gegenüber Unordnung erklären. Schmutz könnte man dann als eine Art Unordnung definieren. Das heißt darüber hinaus, dass wir nur dort ein Gefühl von Ekel gegenüber Schmutz entwickeln können, wo es auch eine Ordnung, ein symbolisches System gibt unter dessen Klassifikationen eine Sache erst unordentlich erscheint.
Dem ästhetischen Aspekt des Essens wäre dann zuzurechnen, dass er auch strukturbildenden Regeln unterworfen ist. Die Erklärung jeder Regel dieser Art ließe sich wiederum nur dadurch finden, dass man untersucht, welchen Beitrag sie zur Schaffung der Struktur leistet (Douglas, 1974, S.84).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Nahrungstabus als kulturelle Konventionen und Vorstellung der strukturalistischen Analyse als theoretisches Instrument.
I Grundlagen und Begrifflichkeit: Definition des Tabubegriffs und Hinführung zum Strukturalismus nach Levi-Strauss sowie dessen Bedeutung für die Klassifikation und Wahrnehmung.
II Die Anwendung der Theorie: Übertragung der Theorie auf konkrete Beispiele wie Tiertabus, pflanzliche Kategorien, "unreine" Lebensmittel und die moralische Dimension von Esstabus.
III Schluss: Zusammenfassung der Kernergebnisse, kritische Reflexion des strukturalistischen Ansatzes hinsichtlich sozialen Wandels und Fazit zur Relevanz der Methode.
Schlüsselwörter
Nahrungstabu, Strukturalismus, Levi-Strauss, Mary Douglas, kognitive Ordnung, Klassifikation, kulturelle Konventionen, Ernährungspsychologie, soziale Normen, binäre Schematisierung, Nahrungsmittelkultur, Ästhetik des Essens, Anomalien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Essverbote und Nahrungstabus durch strukturalistische Theorien erklärt werden können, anstatt sie nur als rein biologische oder hygienische Entscheidungen zu betrachten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kategorisierung von Nahrung, die Bedeutung von "Sauberkeit" und Ekel, die Symbolik von Tieren in der Gesellschaft sowie der Zusammenhang zwischen Essnormen und moralischen Wertvorstellungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Nahrungstabus als Teil einer unbewussten kulturellen Ordnung fungieren, die durch binäre Klassifikationssysteme gesteuert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die strukturale Analyse angewandt, die Elemente eines Systems nicht nach ihrem direkten Inhalt, sondern nach ihrer Stellung und Relation innerhalb des gesamten Zeichensystems beurteilt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung der Theorie auf verschiedene Ebenen, von der Einteilung der Tierwelt über die Klassifizierung von Obst und Gemüse bis hin zu Grenzfällen wie "unreinen" Lebensmitteln und Körperausscheidungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Nahrungstabu, kognitive Ordnung, strukturalistische Analyse, kulturelle Klassifikation und soziale Symbolik.
Warum wird die Kanufrucht als Beispiel für "kulturelle Fremdheit" verwendet?
Sie dient als Beispiel für eine kognitive Anomalie, da sie in das binäre Raster (Obst/Gemüse, roh/gekocht) der deutschen Kultur nicht eindeutig einzuordnen war und daher abgelehnt wurde.
Welche Rolle spielt die Weiswurst für die Argumentation?
Die Weiswurst dient als Fallbeispiel für die "klassifikatorische Anomalie". Ein Knorpel in der Wurst erinnert an das "tote Tier" und durchbricht die künstlich geschaffene Ordnung der entfremdeten Mahlzeit, was Ekel auslöst.
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- Dipl. Soz. Tobias Lohmann (Author), 2006, Nahrungstabus in der modernen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84700