Skinheads als Träger rechtsextremer Ideologie


Hausarbeit, 2003
24 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort und Einleitung

2 Der Begriff „Rechtsextremismus“ und seine Verwendung
2.1 Die amtliche Verwendung
2.2 Die wissenschaftliche Verwendung
2.3 Kernelemente rechtsextremer Einstellung

3 Jugend(sub)kultur vs. Jugendkulturen
3.1 Der Abschied vom Subkultur-Begriff
3.2 Jugendkulturen

4 Skinheads in England
4.1 Die erste Generation
4.2 Die zweite(n) Generation(en)
4.3 Die dritte Generation

5 Skinheads in Deutschland
5.1 Die erste Generation
5.2 Die zweite Generation
5.3 Die dritte Generation

6 Fazit

7 Literaturangabe

1 Vorwort und Einleitung

Das Thema Skinheads in Verbindung mit rechtsextremer Ideologie ist ein medial, politisch und wissenschaftlich weit ausgeschlachtetes Feld. Oft wird dabei stigmatisierend und ungenau bzw. wissentlich falsch argumentiert. Doch geht es in dieser offen geführten Diskussion leider nicht um eine gute und genaue Darstellung, denn es erhält nur der- oder diejenige respektvolle Anerkennung, der/die das komplexe Phänomen möglichst einfach erklärt und zu dessen Behebung auch möglichst einfache Strategien anbietet, vor allem muss es weiter als Randgruppenproblem erscheinen, damit die Schuld nicht den normalen Bürger treffen kann.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, diesen Themenkomplex anzureißen, der in der wissenschaftlichen (in der politischen und medialen sowieso) Betrachtung bis jetzt immer zu kurz oder gar nicht behandelt wurde. Skinhead-Rock bzw. Rechts-Rock als Phänomen und Problem gibt es seit geraumer Zeit in antifaschistischer Literatur, doch fehlt es an ausgereifter wissenschaftlicher Forschung. Doch wie soll den Ursachen des Phänomens rechter Jugendkulturen auf den Grund gegangen werden, wenn ihre verbindenden Elemente wie Musik und Kleidung nicht betrachtet werden oder ihnen keinen Stellenwert zugewiesen wird.

Da die komplette Aufarbeitung der Thematik den Rahmen dieser wissenschaftlichen Jahresarbeit sprengen würde, soll sich diese Darstellung auf die Entwicklung der Skinhead-Kultur und des Skinhead-Rock in England und Deutschland, die in einer breiten rechten Jugendkultur endete, reduzieren.

Dabei soll im ersten Abschnitt dieser Arbeit der Begriff Rechtsextremismus geklärt werden, da er in seiner unterschiedlichen Verwendung oftmals zu Irritationen führt. Des Weiteren sollen Hauptelemente rechtsextremer Ideologie herausgearbeitet werden.

Im zweiten Abschnitt soll kurz in die Subkultur-Diskussion eingeführt werden. Ziel soll es sein, später klären zu können, ob es sich heute noch um eine Subkultur handelt oder ob andere Erklärungsmuster angewendet werden müssen.

Im dritten Teil dieser Arbeit soll der Fokus auf die Skinhead-Szene in England gelegt werden. Hierbei möchte ich darstellen, wie sich die Szene entwickelt hat und woraus sie entstanden ist. Genauer betrachtet werden soll dabei auch die Musikkultur, die entscheidende Tendenzen in der Entwicklung der Skinhead-Szene verdeutlichen soll.

Im vierten und letzten thematischen Teil soll die Entwicklung der deutschen Skinhead-Szene skizziert werden. Auch hier unter besonderer Betrachtung der Musik.

Im Anschluss möchte ich gern mein persönliches Fazit dieser Arbeit ziehen, dabei soll das Dargestellte bewertet und in Verbindung mit aus Platzmangel nicht angesprochenen Themen gebracht werden. Weiterhin sollen Schwierigkeiten bei der Erstellung dieser Arbeit aufgezeigt werden.

Wichtig ist mir noch eine Anmerkung. Da diese Arbeit den Fokus auf Skinheads und deren Musik als Träger rechtsextremer Ideologie hat, kann der Eindruck erweckt werden, als sei der Skinhead-Kult ein durchgehend rechtsextremer. Dem möchte ich hiermit vehement widersprechen, da ich selbst aus meiner jahrelangen politischen Arbeit weiß, dass es genauso antirassistische, antifaschistische, anarchistische, unpolitische und auf Spaß orientierte Skinheads gibt, die in der Betrachtung der gesamten Skinhead-Szene trotz ihrer kleinen Anzahl nicht vergessen und verschwiegen werden dürfen.

2 Der Begriff „Rechtsextremismus“ und seine Verwendung

In der gesellschaftlichen Diskussion, sei sie wissenschaftlich, behördlich oder journalistischer Art, wird der Begriff Rechtsextremismus sehr inflationär und oft synonym mit den Worten rechtsradikal, rechtsgerichtet, neofaschistisch etc. verwendet. Für die genaue Betrachtung ist es daher wichtig die verschiedenen Bedingungen der Verwendung des Begriffs herauszustellen und den Bezugsrahmen für diese Arbeit zu bestimmen.

2.1 Die amtliche Verwendung

Seit den 1970er Jahren wird in der Amtssprache auch vom Rechtsextremismus gesprochen, diese Verwendung löste zum Teil den Begriff Rechtsradikalismus ab. Mit der Neueinführung sollte eine Differenzierung zwischen verfassungsfeindlich (extremistisch) und gerade noch verfassungskonform (radikal) möglich werden[1].

Der Gebrauch der Worte orientiert sich am Extremismus-Modell. Dieses verortet in einer eindimensionalen Sichtweise an den Rändern der Demokratischen Mitte erst den Rechtsradikalismus, der nicht verfassungswidrig aber auch nicht gesellschaftlicher Konsens ist, und am äußersten Rand den Rechtsextremismus, der sich gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richtet[2]. Die Beurteilung extremistisch ist dennoch nicht gleichbedeutend mit der Bezeichnung verfassungsfeindlich oder –widrig, dieses Urteil steht nur den Verfassungs- und Verwaltungsgerichten zu. Demnach handelt verfassungswidrig, wer planungsvoll kämpferisch die freiheitlich demokratische Grundordnung beseitigen will[3].

An der vorherrschenden Praxis gibt es reichlich Kritik. So werden laut STÖSS Rechts- und Linksextremismus unkritisch gleichgesetzt und der Rechtsextremismus als ein Randproblem der Gesellschaft dargestellt. Eine Erklärung des Extremismus der Mitte ist nach NEUGEBAUER unmöglich[4].

Der Extremismus-Begriff ist folglich lediglich ein beschränkter Arbeitsbegriff, der weder wissenschaftlich sein will, noch die Gesellschaft exakt abbilden kann. Er ist ein Modell, das den Grenzbereich der Demokratie darstellen will. Er zielt dabei nur auf Verhalten und Bestrebungen und grenzt die Einstellung, auf Grund der Meinungsfreiheit, kategorisch aus[5].

2.2 Die wissenschaftliche Verwendung

Der Rechtsextremismusbegriff wird auf wissenschaftlicher Ebene auf verschiedene Arten und Weisen definiert. Er misst nicht nur äußeres Verhalten, sondern beschreibt auch Inhalte, Strukturen von Einstellungen und deren Verbreitung in der Gesellschaft[6].

Dennoch gibt es keine Einheitlichkeit des Begriffs in der Wissenschaft, seine Bedeutung ist je nach wissenschaftlichen Fachbereich und deren Erkenntniszielen unterschiedlich. Betrachtungen finden gesellschaftlich-institutionelle Rahmenbedingungen auf der Makroebene, kollektive Akteure z.B. Parteien und Organisationen auf der Mesoebene und rechtsextreme Meinungsstrukturen auf der Mikroebene[7].

In der Politikwissenschaft ist Rechtsextremismus eine Sammelbezeichnung für verschiedene gesellschaftliche Erscheinungen (rechtsgerichtet, undemokratisch und inhuman). Er hat dabei einen engen verfassungsrechtlichen Bezug.

Die Psychologie versteht Rechtsextremismus als ein geschlossenes Überzeugungssystem.

Die soziologische Sichtweise fokussiert erstens auf den ökonomischen und sozialen Kontext und betrachtet zweitens alltägliche Mentalitäten und Orientierungsmuster. In der sozialwissenschaftlichen Forschung wird stark zwischen rechtsextremen Verhalten und rechtsextremer Einstellung unterschieden. Das Verhalten ist nicht zwingend eine Äußerung der inneren Einstellung, sondern spiegelt vielmehr auch das vorherrschende Milieu der Person bzw. des Personenkreises wieder. Einstellung und Verhalten existieren relativ unabhängig voneinander[8]. Durch die Betrachtung des Verhaltens, das einerseits zielgerichtet politisch und andererseits protestbehaftet oder lediglich gewaltorientiert sein kann, wird gelegentlich eine Einteilung in latenten und manifesten Rechtsextremismus vorgenommen[9]. Die Einstellung wird nach Inhalt, Struktur und Verbreitung in der Gesellschaft beurteilt. Das Ziel ist hier objektive Ursachen und subjektive Gründe für das Einstellungsmuster zu finden. Der Rechtsextremismusbegriff erfreut sich dennoch keiner Einheitlichkeit in den Sozialwissenschaften. Jede Studie definiert ihre Begriffe selbst und steckt den Rahmen ihrer Bedeutung damit ab[10].

2.3 Kernelemente rechtsextremer Einstellung

Die Ideologie der Ungleichheit, die auf Grund von körperlichen, geistigen und ethnischen Unterschieden eine Ungleichwertigkeit von Menschen ableitet, ist als grober Überbau rechtsextremer Einstellungen anzusehen[11]. Grob meint hier, dass verschiedene Teilaspekte (Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus, etc.) in ihr zusammengefasst und ausgedrückt werden.

Der Nationalismus beinhaltet die Betonung des eigenen Volkes als biologische Herkunfts- oder/und als homogene Kulturgemeinschaft. Die Erhaltung und Stärkung der eigenen Nation sei das oberste Prinzip menschlichen Handelns und Denkens. Jede individuelle Entscheidung muss ihr untergeordnet werden. Autoritäre Züge sind somit ebenfalls ein Aspekt rechtsextremer Einstellung. Für das Überleben des Volkes wird ein totalitär geführter Staat befürwortet. Dies zeigt eine vorhandene Bereitschaft zur Unterwerfung unter einen Stärkeren, andererseits aber auch die Neigung zur Beherrschung vermeintlich Schwächerer[12].

Eine Zuspitzung nationalistischer Denk- und Handlungsstrukturen ist der Rassismus. Er disqualifiziert die Eigenschaften anderer so genannter Volksgruppen als minderwertig und deshalb nicht erhaltenswert. Eine abscheuliche Folge ist die Verneinung des Lebens anderer Menschen auf Grund ihrer Zugehörigkeit und Abstammung[13].

Dem Antisemitismus, einer prinzipiell rassistischen Einstellung, ist ein eigener Stellenwert zuzuordnen, da er fester Bestandteil rechtsextremer Ideologie ist. Die feindliche Haltung gegenüber Juden und Jüdinnen ist nicht nur vordergründig einer Abwertungslogik geschuldet, sondern vielmehr auch ein Ausdruck verhärteter Stereotypenbildung.

Einstellungen und Handlungen, die nicht-deutschen oder nicht-weißen Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand verwehren, werden als wohlstandschauvinistisch bezeichnet. Die Motive sind hierbei eher sozioökonomisch als ethnisch begründet[14].

Ein weiterer wichtiger Aspekt rechtsextremer Einstellung ist die Gewaltakzeptanz bzw. die Neigung zur Gewalt als Handlungsoption. Bei der Betrachtung ist große Vorsicht geboten, da Gewaltakzeptanz einem weiten Spektrum von Einstellungssegmenten folgt und sie somit kein sicherer Indikator für eine politisch rechts verortete Orientierung sein kann. Rechtsextremen wird lediglich eine hohe Gewaltakzeptanz konstatiert. Sie ist aber kein notwendiges Grundelement, da die wissenschaftliche Betrachtung sich somit auf gewaltbereite Rechtsextremisten beschränken würde[15].

[...]


[1] vgl. Stöss S. 18f

[2] vgl. Stöss S. 18f; vgl. Fuchs u.a. S. 18

[3] vgl. Miteinander e.V. u.a. S. 29; vgl. Neugebauer S. 14

[4] vgl. Stöss S. 19f; vgl. Neugebauer S. 19

[5] vgl. Stöss S. 19f

[6] vgl. Miteinander e.V. u.a. S. 31

[7] vgl. Fuchs u.a. S. 16

[8] vgl. Miteinader e.V. u.a. S. 33

[9] vgl. Stöss S. 22f

[10] vgl. Miteinander e.V. u.a. S. 31f

[11] vgl. Pfahl-Traughber S. 14

[12] vgl. Miteinander e.V. u.a. S. 22ff und vgl. Stöss S. 26f

[13] vgl. Stöss S.26f

[14] vgl. Stöss S.26f

[15] vgl. Fuchs u.a. S.31ff

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Skinheads als Träger rechtsextremer Ideologie
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Kinder- und Jugendforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V85415
ISBN (eBook)
9783638013253
ISBN (Buch)
9783638916790
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Skinheads, Träger, Ideologie, Einführung, Kinder-, Jugendforschung
Arbeit zitieren
Diplom Pädagoge Matthias Schütze (Autor), 2003, Skinheads als Träger rechtsextremer Ideologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85415

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