In dieser Arbeit sollen die wichtigsten Positionen und Ansichten Pirandellos zum Kino als neuer Kunstform zusammengetragen werden. In einem zweiten Schritt erfolgt dann eine Bezugnahme auf Walter Benjamins Text über “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”. Anhand einer direkten Gegenüberstellung gilt es dann Schnittmengen und Differenzen der beiden Vordenker der Moderne herauszukristallisieren, um dann in einem abschließenden Teil Benjamins und Pirandellos Analysen der Massenkultur in die Literatur- bzw. Kulturgeschichte einordnen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. Pirandellos Position zum Kino als neuer Kunstform
2.1. Pirandello und das Kino: Etappen einer wechselvollen Beziehung
2.2. Technikskeptizismus und Menschenbild in “Quaderni di Serafino Gubbio Operartore”
2.3. Pirandello über Theater, Literatur, Musik und cinema
3. Walter Benjamin: “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”
3.1. Benjamins Begriffswelt
3.2. Benjamin, die Filmkunst und Pirandello
3.3. Benjamin und Heidegger
4. Zwei Skeptiker und Vordenker der Massenkultur: Ist das Kino/der Film eine neue Kunstform?
5. Brecht und die Kulturindustrie: weitergehende Überlegungen zur Massenkultur im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit
6. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Haltung von Luigi Pirandello gegenüber dem aufkommenden Medium Film im Kontext der Moderne und stellt diese den kulturtheoretischen Analysen von Walter Benjamin gegenüber. Ziel ist es, Schnittmengen und Differenzen in der Wahrnehmung der Massenkultur sowie der Technisierung von Kunst herauszuarbeiten und in die kulturgeschichtliche Debatte einzuordnen.
- Pirandellos persönliche und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kino.
- Walter Benjamins Analyse des Kunstwerks im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit.
- Der Vergleich der filmtheoretischen Positionen zwischen Pirandello, Benjamin und Heidegger.
- Die Kritiken an der Massenkultur und der Kulturindustrie (u.a. Brecht, Adorno/Horkheimer).
Auszug aus dem Buch
2.1. Etappen einer wechselvollen Beziehung
Die Beziehung Pirandellos zum Kino als neuer Kunstform ist eine Geschichte der Widersprüchlichkeiten. Hin- und hergerissen zwischen Anziehung, Faszination, Abscheu und Enttäuschung von den großen Bildschirmen der Massenkultur erweist sich Pirandello als zutiefst wankelmütig. Ein Schritt vor, zwei zurück und drei zur Seite - das bleibt Pirandellos Marschroute bis zu seinem Tod.
Seine wechselvollen Ansichten lassen sich in vier Phasen gliedern: in eine erste von 1908 bis zum Ende des ersten Weltkrieges; in eine zweite der Nachkriegsära bis circa 1928 auf die eine kurze Übergangsperiode (1928-1930) folgt und schlußendlich seine letzten sechs Lebensjahre bis 1936.
Wichtig ist es bei einer solchen Betrachtung die Folie der italienischen Kinogeschichte aufzulegen, um Pirandello nicht bezuglos durch den historischen Raum irren zu lassen. Nach Frankreich, Deutschland und Großbritannien steigt Italien mit dem ersten Spielfilm “La Presa di Roma, 20 Settembre 1870” von Filoteo Albertini, der 1905 zu sehen ist, spät ins Kinogeschäft ein. Bis 1931 entstehen in Italien fast 10000 Streifen. Pirandellos erlebt also im Alter von 38 Jahren, die Geburt des neuen Massenmediums. Als Schriftsteller, als Mann des Worts, sind seine Eindrücke bis hinein in den ersten Weltkrieg negativ geprägt. Pirandello hadert mit den “schermi commerciali”, einer auf Massenwirksamkeit und Massenerfolg orientierten cinematografia. Er hält das cinema für “incompatibile con l`arte”, unvereinbar mit Kunst überhaupt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Zielsetzung der Hausarbeit sowie der geplanten Gegenüberstellung der Positionen von Pirandello und Benjamin zur Massenkultur.
2. Pirandellos Position zum Kino als neuer Kunstform: Analyse der vier Phasen von Pirandellos Beziehung zum Kino und seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Filmindustrie.
3. Walter Benjamin: “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”: Untersuchung von Benjamins Begriffen der Aura und des Kultwerts sowie seiner philosophischen Sicht auf Film und Moderne.
4. Zwei Skeptiker und Vordenker der Massenkultur: Ist das Kino/der Film eine neue Kunstform?: Synthese der unterschiedlichen Ansätze von Pirandello und Benjamin bezüglich des Kunststatus des Films.
5. Brecht und die Kulturindustrie: weitergehende Überlegungen zur Massenkultur im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit: Erweiterung der Debatte um Bertolt Brecht sowie die kritischen Thesen von Horkheimer und Adorno.
6. ZUSAMMENFASSUNG: Abschließende Reflexion über die Bedeutung der Debatten für die Mediengesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Luigi Pirandello, Walter Benjamin, Filmtheorie, Massenkultur, Moderne, technische Reproduzierbarkeit, Kino, Aura, Kulturindustrie, Bertolt Brecht, Adorno, Horkheimer, Kunst, Ästhetik, Medienkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung bedeutender Denker des frühen 20. Jahrhunderts mit der Entstehung des Kinos als Massenmedium.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Ästhetik der Filmkunst, die Auswirkungen der technischen Reproduktion auf die Kunstwahrnehmung und die soziologische Kritik an der Kulturindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der Positionen Pirandellos und Benjamins zur Rolle des Kinos sowie die Einordnung dieser Theorien in einen breiteren diskursiven Kontext.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine komparative Literatur- und Theorieanalyse, die sich auf primäre Texte der Autoren sowie einschlägige Forschungsliteratur stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Pirandellos filmische Phasen, Benjamins Aura-Begriff, den Vergleich mit Heidegger sowie die kritischen Ansätze von Brecht, Adorno und Horkheimer.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Massenkultur, technische Reproduzierbarkeit, Aura, Filmindustrie und moderne Ästhetik geprägt.
Wie bewertet Pirandello das Verhältnis von Kunst und Kino?
Pirandello zeigt eine schwankende Haltung, pendelt zwischen der Ablehnung des Kinos als rein kommerziellem Medium und einer Faszination für dessen neue stilistische Möglichkeiten.
Inwieweit unterscheiden sich Benjamin und Heidegger in ihrer Filmkritik?
Während beide die Entfremdung durch moderne Technik kritisieren, setzt Benjamin auf die politisch-ästhetische Durchdringung des Mediums, während Heidegger die Technik als Verlust der Wahrheit im ursprünglichen Sinne deutet.
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- Marcus Fiebig (Author), 2001, Pirandello und Benjamin - zwei Skeptiker der Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8551