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Psychiatrie im Nationalsozialismus

Eine akteurszentrierte Policy-Analyse

Title: Psychiatrie im Nationalsozialismus

Thesis (M.A.) , 1999 , 100 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Dr. Katja Gesche (Author)

Politics - History of Political Systems
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Behandlung - und somit zumeist Misshandlung - vom psychisch Kranken im Nationalsozialismus. Unterschieden wird zwischen den Phasen Agenda-Setting, Programmformulierung, Durchführung und Folgen. Schwerpunkt ist die Frage, welche Personenkreise in welcher Phase dieser Aktionen handlungsanleitend waren.

Im ersten Teil wird verglichen, welche Argumente für Unfruchtbarmachung und Tötung von psychisch Kranken von Seiten der nationalsozialistischen Weltanschauung ausgingen und welche von den wissenschaftlichen, speziell den medizinischen Kreisen verbreitet wurden.

Danach wird analysiert, wie die aufgekommenen Forderungen in politische Programme und Gesetze eingebunden wurden; das Hauptaugenmerk gilt dabei den beteiligten Personen und Gruppen. Waren es nur und explizit die Nationalsozialisten, die die Tötung von „minderwertigen“ Menschen guthießen, oder waren es doch eher die „unpolitischen“ Wissenschaftler, die Mediziner - und hier vor allem die Psychiater - selbst, die die Politikformulierung vorantrieben? Sind diese beiden Gruppen klar zu trennen?

Der dritte Teil bildet den Schwerpunkt der Analyse und befasst sich mit der Durchführung der Krankenmorde; neben den Organisationen, die daran beteiligt waren, stellt sich auch hier vor allem die Frage, wer das Verfahren vorantrieb, und ob es von den Medizinern oder anderen Gruppen Widerstand gegen die Tötungen gab. Auch ist hier ebenso in dem zweiten Teil die Frage interessant, wie sich die Machtstellung der nationalsozialistischen Führung – vor allem Hitlers – auf die Programme und deren Durchführung auswirkte. Welche Ziele wurden hier verfolgt? Welche Rolle spielten die Rassenhygieniker, um eugenische Maßnahmen in die staatlichen Ziele zu integrieren?

Danach beschäftigt sich die Arbeit mit den Auswirkungen, die die nationalsozialistische Politik in diesem Bereich nach dem Krieg hatte, und wie mit den Problemen des damaligen Unrechts und dem der Verhinderung psychischer Krankheit danach umgegangen wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

1.1 Einleitung

1.2 Methode

I. Politikformulierung

2. Agenda-Setting (und Zieldefinition)

2.1 Personen der Wissenschaft und deren Thesen

2.1.1 Haeckel

2.1.2 Schallmayer

2.1.3 Ploetz

2.1.4 Binding & Hoche

2.2 Das nationalsozialistische Menschenbild und dessen Rezeption der Ras senhygiene

2.2.1 Hitler – Mein Kampf

2.2.2 Alfred Rosenberg

2.3 Reaktion auf die rassenhygienischen Forderungen

- Juristen

- Mediziner

- Kirche

- Bevölkerung

2.4 Resümee : Welche Personen und Gruppen waren die Hauptakteure beim Agenda – Setting ?

3. Programmformulierung

3.1 Gesetzesentwürfe vor 1933

3.2 Strukturelle Einflußfaktoren im Dritten Reich

3.3 Wechselwirkungen zwischen Psychiatrie und Rassenhygiene

3.4 Resümee: Welche Personen und Gruppen waren die Hauptakteure der Programmformulierung?

II. Implementation

4. Durchführung

4.1 Die Durchführung der Verbrechen an den Kranken

4.1.1 Der neue Alltag in der Psychiatrie

4.1.2 Zwangssterilisation

4.1.3 Kindereuthanasie

4.1.4 AktionT4

4.1.5 Sonderaktionen und „wilde Euthanasie“

4.1.6 Reaktionen und Widerstand

4.2. Resümee: Welche Personen und Gruppen waren Hauptakteure bei der Planung und Durchführung der Verbrechen an psychisch Kranken?

III Output

5. Nach 1945

5.1 Das Output der NS-Programme

5.2 Strafen und Konsequenzen

5.3 Entschädigungen

5.4 Psychiatrie in der BRD zwischen 1945 und heute

6. Fazit

6.1 Zusammenfassung und Bewertung

6.2 Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht auf Basis einer akteurszentrierten Policy-Analyse den Prozess der Psychiatrie im Nationalsozialismus von der theoretischen Fundierung durch Rassenhygieniker bis hin zur praktischen Umsetzung der Krankenmorde. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welche sozialen und politischen Gruppen sowie Einzelpersonen die verschiedenen Schritte initiierten und ausführten, wobei die Autorin die These vertritt, dass Wissenschaftler hierbei die treibende Kraft waren.

  • Agenda-Setting und rassenhygienische Theorien
  • Programmformulierung und der Einfluss wissenschaftlicher Eliten
  • Die Rolle der Psychiatrie und des medizinischen Personals
  • Die Implementation von Zwangssterilisation und Euthanasie
  • Strukturelle Kontinuitäten und Aufarbeitung nach 1945

Auszug aus dem Buch

2.1.4 Binding und Hoche

Im Jahre 1920 veröffentlichten Alfred Hoche, Freiburger Ordinarius für Neuropathologie, und der Leipziger Strafrechtslehrer Karl Binding ein nur 62 Seiten schmales Büchlein mit dem Titel “Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens”, das in den folgenden Jahren der Diskussion um die Tötung Kranker anheizte und radikalisierte.

Binding geht in dieser Abhandlung von dem rechtspositivistischen Ansatz aus, das alle Rechtsgüter - auch das Leben - von ihrem Wert für die Gemeinschaft abhängig gemacht werden (vgl. Schmuhl 1991, 115). Nach dieser Annahme kann der Wert eines menschlichen Lebens in bestimmten Fällen so gering werden, daß es keinen Rechtsbruch mehr darstellt, dieses Leben zu beenden. Zwar steht bei Binding der individuelle Wert eines Lebens noch über dem für die Gemeinschaft – dies gilt auch für „die kränksten und gequältesten und nutzlosesten Menschen“ (Binding/Hoche 1920 S. 28) - doch lasse sich das Töten eines unheilbar Kranken durch Mitleid mit dessen Schicksal rechtfertigen. “Unser Mitleiden steigert sich über sein richtiges Maß hinaus bis zur Grausamkeit. Dem Unheilbaren, der den Tod ersehnt, nicht die Erlösung durch den sanften Tod zu gönnen, das ist kein Mitleid, das ist sein Gegenteil.” (Binding/Hoche 1920, S.41).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Einführende Darlegung der Relevanz einer Aufarbeitung der Psychiatrie im Nationalsozialismus und der methodischen Herangehensweise.

2. Agenda-Setting (und Zieldefinition): Analyse der wissenschaftlichen Vorläufer des Rassenwahns und der Bedeutung von Sozialdarwinismus und Rassenhygiene im Kaiserreich und der Weimarer Republik.

3. Programmformulierung: Untersuchung der politischen Einbettung rassenhygienischer Konzepte in staatliche Strukturen vor und nach der Machtübernahme 1933.

4. Durchführung: Detaillierte Betrachtung der praktischen Implementierung von Zwangssterilisation und der verschiedenen Phasen der Euthanasie-Programme, einschließlich der Kindereuthanasie und Aktion T4.

5. Nach 1945: Reflexion über die Nachwirkungen, die Aufarbeitung in der BRD, Entschädigungsfragen und die Situation der Psychiatrie nach 1945.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Akteuren und die Bedeutung der Policy-Analyse für das Verständnis der Verbrechen.

Schlüsselwörter

Psychiatrie, Nationalsozialismus, Rassenhygiene, Euthanasie, Zwangssterilisation, Sozialdarwinismus, Policy-Analyse, Krankenmorde, Medizingeschichte, Aktion T4, Eugenik, Verantwortung, Wissenschaft, Politikformulierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht aus politikwissenschaftlicher Perspektive, wie und durch wen die Verbrechen an psychisch Kranken im Nationalsozialismus geplant und umgesetzt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle der Rassenhygiene, die Rolle der medizinischen Fachkreise, politische Entscheidungsstrukturen im NS-Staat und die Kontinuität der Euthanasie-Ideologie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Krankenmorde nicht allein von den Nationalsozialisten initiiert wurden, sondern tief in wissenschaftlichen, insbesondere medizinischen Diskursen der vorangegangenen Jahrzehnte verwurzelt waren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt das Modell der "Policy-Analyse" (Policy-Cycle), um die verschiedenen Stadien von Agenda-Setting, Programmformulierung und Implementierung systematisch zu analysieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Politikformulierung, in der die theoretischen Grundlagen analysiert werden, und die Phase der Implementation, die die konkreten Mordaktionen und Zwangsmaßnahmen umfasst.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Psychiatrie, Rassenhygiene, Euthanasie, Zwangssterilisation, Sozialdarwinismus, Policy-Analyse und Krankenmorde sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Ärzte?

Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Ärzte und Psychiater keine bloßen Befehlsempfänger waren, sondern maßgebliche Vordenker und Vollstrecker, die das Rassenhygiene-Paradigma als wissenschaftlich notwendig begründeten.

Gibt es einen Bezug zur heutigen Situation?

Ja, die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Notwendigkeit, auch heute wachsam gegenüber biologistischen Denkmustern zu sein, und bewertet kritisch die Ansätze der modernen Humangenetik.

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Details

Title
Psychiatrie im Nationalsozialismus
Subtitle
Eine akteurszentrierte Policy-Analyse
College
University of Heidelberg  (Institut für Politische Wissenschaft)
Grade
2,0
Author
Dr. Katja Gesche (Author)
Publication Year
1999
Pages
100
Catalog Number
V85836
ISBN (eBook)
9783638900782
ISBN (Book)
9783638903820
Language
German
Tags
Psychiatrie Nationalsozialismus Drittes Reich Medizingeschichte Policy-Analyse Gesundheitswesen Krankenmorde Euthanasie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Katja Gesche (Author), 1999, Psychiatrie im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85836
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