Die vorliegende Studie untersucht das Verhalten von Mädchen und Jungen bei Gruppenarbeiten im Rahmen des forschend- entdeckenden Lernens. In diesem Zusammenhang geht es darum, ob es und welche Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Laufe der Unterrichtseinheit sichtbar werden. Die heutige Forschung besitzt keine statistisch abgesicherten Fakten über das Verhalten von Jungen und Mädchen bei Gruppenarbeiten im Rahmen des forschend- entdeckenden Lernens.
In den 50er Jahren wurde die koedukative Schule zum allgemeinen Schultyp und gilt seitdem als pädagogische Errungenschaft. Doch schon in den 80er Jahren wurden stimmen über die Benachteiligung von Mädchen im koedukativen Bildungssystem laut. Man begann in den 90er Jahren Mädchen gezielter zu fördern. In vielen Bereichen sind nun die Jungen die Benachteiligten in der Schule. Wie auch die Schulleistungsstudien PISA und TIMMS aufgezeigt haben, schneiden Jungen heute in vielen Bereichen schlechter ab. Statistisch gesehen fallen die Jungen öfter durch, haben schlechtere Schulabschlüsse und sind in Gymnasien unter-, aber in Sonderschulen überpräsentiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist forschend- entdeckendes Lernen?
3. Belege der Geschlechterforschung
3.1 Die Entwicklung der Frauenbewegungen
3.2 Geschlechterunterschiede
3.3 Geschlechterstereotype
4. Interaktionsstudien
5. Das Untersuchungsdesign
5.1 Der Verlauf der Untersuchung
5.2 Die Untersuchungspopulation
5.3 Die Auswertungsmethoden
6. Ergebnisse
6.1 Verteilung der vergebenen Codierungen in Gruppe 1
6.2 Verteilung der vergebenen Codierungen in Gruppe 2
6.3 Verteilung der vergebenen Codierungen in Gruppe 4
7. Fragestellungen und Hypothesen
8. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das geschlechtsspezifische Verhalten von Schülern bei Gruppenarbeiten im forschend-entdeckenden Lernen, um Unterschiede in Interaktionsstrukturen und Arbeitsweisen zu identifizieren und Ansätze für eine geschlechtergerechte Förderung zu entwickeln.
- Verhalten von Mädchen und Jungen in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen
- Einfluss des forschend-entdeckenden Lernens auf die Interaktion
- Geschlechtsrollenerwartungen und deren Wirkung im Unterricht
- Qualitative Analyse von Gruppeninteraktionen mittels Videoanalyse
- Ableitung von Schlussfolgerungen für Gender Mainstreaming in der Schule
Auszug aus dem Buch
3.2 Geschlechterunterschiede
Bevor ich mich mit den gegenwärtigen Befunden zu Geschlechterunterschieden in Erlebens- und Verhaltensbereichen beschäftige, möchte ich auf die Frage eingehen, wie sinnvoll es ist, sich wissenschaftlich wie politisch mit Geschlechterunterschieden zu beschäftigen. Kommt es dadurch nicht zu einer Unterstützung der Kategorisierung und einer einseitigen Blickrichtung auf die Unterschiede, anstatt auf die immer deutlicher werdenden psychologischen Gemeinsamkeiten aufmerksam zu machen? Die folgenden Sichtweisen zu diesem Thema zeigen, dass die Analyse der Geschlechterunterschiede seit Jahrzehnten ein viel diskutiertes Thema darstellt. Denn das Thema ist sowohl wissenschaftlich als auch gesellschaftspolitisch wichtig. Bei der Untersuchung von Geschlechterunterschieden ist es wichtig, die dazugehörigen Determinanten und Erklärungsansätze für geschlechtstypisches Verhalten zu durchleuchten. Wichtig ist die Erkenntnis, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, und dass Erwartungen, die an Personen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit gestellt werden, entscheidend für die soziale Interaktion und individuelle Entwicklung sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Studie führt in die Thematik der geschlechtsspezifischen Benachteiligung im schulischen Kontext ein und formuliert das Ziel, das Verhalten von Mädchen und Jungen bei Gruppenarbeiten im forschend-entdeckenden Lernen zu untersuchen.
2. Was ist forschend- entdeckendes Lernen?: Dieses Kapitel definiert den Begriff des forschend-entdeckenden Lernens als didaktisch bedeutsame Methode und Abgrenzung zum rezeptiven Lernen, wobei der Unterrichtsprozess als Problemlösungsstrategie beschrieben wird.
3. Belege der Geschlechterforschung: Es wird ein Überblick über die Entwicklung der Frauenbewegungen, aktuelle Konzepte der Geschlechterforschung sowie empirische Befunde zu psychologischen Geschlechterunterschieden und Stereotypen gegeben.
4. Interaktionsstudien: Das Kapitel präsentiert Studien, die den Zusammenhang zwischen verschiedenen Unterrichtsformen und den Interaktionsstrukturen von Jungen und Mädchen in der Schule beleuchten.
5. Das Untersuchungsdesign: Hier werden der methodische Aufbau der Studie, die teilnehmende Schulklasse sowie die gewählte qualitative Videoanalyse als Auswertungsinstrument beschrieben.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Videoanalyse für die drei untersuchten Gruppen (reine Mädchengruppe, gemischte Gruppe, reine Jungengruppe) werden detailliert aufgeschlüsselt.
7. Fragestellungen und Hypothesen: Basierend auf den erhobenen Codierungen werden spezifische Forschungsfragen zur Interaktion, zum Antwortverhalten und zur Aufgabengestaltung formuliert.
8. Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse: Die zentralen Befunde werden diskutiert, Unterschiede im Verhalten der Gruppen reflektiert und die Bedeutung für eine geschlechterspezifische Förderung sowie Gender Mainstreaming hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, forschend-entdeckendes Lernen, Geschlechterforschung, soziale Konstruktion, Gruppenarbeit, Interaktionsanalyse, Geschlechterunterschiede, Rollenerwartungen, qualitative Inhaltsanalyse, Geschlechterstereotype, schulische Interaktion, Koedukation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Verhalten von Mädchen und Jungen bei Gruppenarbeiten im Rahmen des forschend-entdeckenden Lernens.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschlechterforschung, der Analyse von Interaktionsprozessen im Unterricht und der Anwendung des forschend-entdeckenden Lernens.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist es, Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern in verschiedenen Gruppenkonstellationen aufzuzeigen, um Ansätze für eine gezielte, geschlechtsspezifische Förderung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasserin nutzt eine qualitative Videoanalyse und eine qualitative Inhaltsanalyse der aufgezeichneten Gruppenarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen zum forschend-entdeckenden Lernen, einen historischen Überblick zur Frauenbewegung und Geschlechterforschung sowie die Darstellung und Diskussion des konkreten Untersuchungsdesigns und der Ergebnisse.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Gender Mainstreaming, Interaktionsanalyse, Geschlechterstereotype, soziale Konstruktion und forschend-entdeckendes Lernen.
Wie unterscheidet sich die Interaktion in gemischten Gruppen von homogenen Gruppen?
Die Studie zeigt, dass sich die Jungen in gemischten Gruppen dominanter verhalten und öfter anderweitige Gespräche initiieren, während Mädchen in diesen Konstellationen häufiger zur Arbeitsteilung neigen.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft im forschend-entdeckenden Lernen?
Die Lehrkraft fungiert als Moderatorin, die den Schülern ermöglicht, Probleme selbstständig zu erkennen und zu lösen, wobei sie bei Bedarf steuernd in den Erkenntnisprozess eingreift.
- Quote paper
- Maria Arroyo (Author), 2006, Eine Videostudie zum Verhalten von Mädchen und Jungen bei Gruppenarbeiten im Rahmen des forschend-entdeckenden Lernens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86053