Der Fall der Berliner Mauer im November 1989 ist heute das Symbol für die politische Wende in der DDR. Damals bedeutete die Lossagung von der Planwirtschaft für die Bürger des SED-Staates vor allem Produktvielfalt und freie Auswahl in den Geschäften.
Auch auf dem Pressemarkt kam erst vorerst zu einer starken Belebung. In der Phase der Pressevielfalt, die später noch genauer erklärt werden soll, kam es zu unglaublich vielen Neugründungen und Beteiligungen westdeutscher Verlage an ostdeutschen Zeitungen. Leider war diese Entwicklung nicht von langer Dauer. Der ostdeutsche Pressemarkt litt schon bald nach der Wiedervereinigung unter einer immer stärker werdenden Konzentration, die bis heu-te anhält. In großen Teilen der neuen Bundesländer kann man heute nicht mehr zwischen ver-schiedenen Tageszeitungen wählen.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie es zu einer derartigen Entwicklung kommen konnte, und welche Faktoren dafür ausschlaggebend waren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Pressemarkt der DDR im Wandel
2.1 Wichtige politische Ereignisse zwischen „Wende“ und Wiedervereinigung
2.2 Grundlagen für den Pressewandel in der DDR
2.3 Die Entwicklung verschiedener Pressetypen
2.3.1 Die parteieigenen Zeitungen
2.3.2 Die Zeitungen der Bürgerbewegungen
2.3.3 Die Zeitungen der ehemaligen Blockparteien und Massenorganisationen
3. Die Aufgaben der Treuhand
4. Kritik an der Treuhand
4.1 Verkaufsvolumen
4.2 Vertragspartner
4.3 „Selbst gemachte“ Regeln
4.4 Der Ostthüringer Zeitungskrieg
4.5 Das Bundeskartellamt
5. Die Pressekonzentration in den neuen Bundesländern
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des ostdeutschen Pressemarktes im Zuge der Wiedervereinigung und analysiert die Rolle der Treuhandanstalt bei der Privatisierung der ehemaligen SED-Bezirkszeitungen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie es zu einer massiven Pressekonzentration in den neuen Bundesländern kommen konnte und inwiefern die Verkaufspolitik der Treuhand sowie externe Faktoren für diese Entwicklung verantwortlich waren.
- Transformation des DDR-Mediensystems nach 1989
- Privatisierungsprozesse und Rolle der Treuhandanstalt
- Kritik an der Verkaufspolitik und den Auswahlkriterien
- Konzentrationserscheinungen auf dem ostdeutschen Zeitungsmarkt
- Auswirkungen der Marktveränderungen auf die publizistische Vielfalt
Auszug aus dem Buch
4. Kritik an der Treuhand
Aus der heutigen Sicht lässt sich an der Verkaufspolitik der Treuhand viel kritisieren. So heißt es beispielsweise in dem Buch „Wenn das Blatt sich wendet“:
„Wenn Medienpolitik zu verstehen ist als (...) Politik, die dem Ziel dient, Informations- und Meinungsvielfalt zu sichern und ein plurales Angebot der Massenmedien nach Programm und Inhalt zu gewährleisten, so hat sie im Falle der Zeitungsverkäufe so gut wie nicht stattgefunden.“ (Schneider/Stürzebecher, 44)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Wandel der ostdeutschen Presselandschaft nach der Wiedervereinigung und stellt die zentrale Fragestellung zur Rolle der Treuhandanstalt bei der Entstehung der Pressekonzentration vor.
2. Der Pressemarkt der DDR im Wandel: Dieses Kapitel beschreibt die politischen Umbrüche zwischen 1989 und 1990 sowie die Anpassungsprozesse verschiedener Pressetypen und deren Marktentwicklung.
3. Die Aufgaben der Treuhand: Hier werden der rechtliche Auftrag und die Strategie der Treuhand bei der Veräußerung der ehemaligen SED-Bezirkszeitungen erläutert.
4. Kritik an der Treuhand: In diesem Abschnitt werden verschiedene Kritikpunkte an der Privatisierungspraxis, wie etwa das Verkaufsvolumen, mangelnde Regelbefolgung und spezifische Fallbeispiele, detailliert dargelegt.
5. Die Pressekonzentration in den neuen Bundesländern: Das Kapitel analysiert die langfristigen Folgen der Privatisierung und die Faktoren, die zu einer starken Marktkonzentration und dem Verschwinden vieler Zeitungstitel führten.
6. Schluss: Das Fazit bewertet die Auswirkungen der Verkaufspolitik kritisch und warnt vor den Gefahren einer fehlenden Medienvielfalt für die demokratische Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Treuhandanstalt, Pressekonzentration, DDR, Wiedervereinigung, SED-Bezirkszeitungen, Medienpolitik, Zeitungsmarkt, Privatisierung, Ostdeutschland, Medienvielfalt, Zeitungssterben, Pressefreiheit, Marktstrukturen, Publikation, Zeitungsabonnements.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem grundlegenden Wandel des ostdeutschen Zeitungsmarktes während und nach dem Prozess der deutschen Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Übergang von einem staatlich gelenkten Mediensystem zu einem marktwirtschaftlich orientierten Markt sowie die Auswirkungen der Privatisierung durch die Treuhandanstalt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die zur massiven Pressekonzentration in den neuen Bundesländern führten, und kritisiert die Umsetzung der Privatisierungspolitik durch die Treuhandanstalt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive Analyse, die sich auf Literaturrecherchen, die Auswertung von Zeitungsstatistiken und medienpolitische Analysen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Wandel der Pressetypen, die Aufgaben der Treuhand, die berechtigte Kritik an deren Verkaufspolitik sowie die daraus resultierenden Konzentrationsprozesse am Markt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Treuhandanstalt, Pressekonzentration, SED-Bezirkszeitungen und Transformationsprozess charakterisiert.
Welche Rolle spielten die westdeutschen Verlage beim Markteintritt?
Westdeutsche Verlage nutzten die Umbruchphase für schnelle Kooperationen, Investitionen und Neugründungen, was kurzfristig die Vielfalt erhöhte, langfristig aber den Konzentrationsdruck verschärfte.
Was genau war der „Ostthüringer Zeitungskrieg“?
Dies war ein Fallbeispiel für eine aggressive Expansionsstrategie des WAZ-Konzerns, bei der nach Unstimmigkeiten mit der Treuhand eine neue Zeitung gegründet wurde, um Marktanteile zu sichern.
Inwiefern hat das Bundeskartellamt versagt?
Das Bundeskartellamt hielt sich trotz Aufstockung des Personals weitgehend aus den Verkaufsverhandlungen der Treuhand heraus und konnte die Monopolbildung in den neuen Ländern nicht verhindern.
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- Dipl. Germ. Univ. Nikolai Sokoliuk (Author), 2003, Der Ausverkauf der ostdeutschen Presse bei der Wiedervereinigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86214