Herrschaft und Kommunikation: Die politische Öffentlichkeit im Zeitalter der Spätaufklärung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

61 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Herrschaft als kommunikativ dynamischer Prozess

2. Ausdehnung und Träger der neuen Öffentlichkeit

3. Aufklärung und Obrigkeit: Herrschaftskritik in der Öffentlichkeit

4. Unruhen und aufgeklärte Öffentlichkeit

5. Grenzen, Weite und Ambivalenz der politischen Öffentlichkeiten: ein Fazit

6. Anlage: Unruhen, Aufruhr, Aufstände in deutschen Zeitschriften der Spätaufklärung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Literatur

1. Herrschaft als kommunikativ dynamischer Prozess

Es scheint sich – nicht nur aufgrund der neuen Kultur-Politik-Geschichtsschreibung – fast von selbst zu verstehen, Herrschaft als „kommunikativ-dynamischen Prozess“ zu verstehen. Das zugrundeliegende Modell besitzt eine Reihe sinnvoller Elemente. Es unterscheidet analytisch verschiedene „Figurationen des Kommunikationsphänomens“ und bezieht sie aufeinander: In-formation, Medium und Öffentlichkeit. Letztere aber als kommunikativen Raum aufzufassen, der „Vorgänge und Handlungen auch in einseitiger, zufälliger oder gewollter Informations-übermittlung sichtbar macht“, führt zu einem diffusen Begriff, der beliebige „Orte“ zu For-men der Öffentlichkeit macht – vom Straßenauflauf, einer Zunft, einer Behörde, einer Lese-gesellschaft bis zum Militär.[1] Hier soll dagegen ein deutlich engerer Begriff von Öffentlich-keit verwendet werden. Ihre Teilnehmer kommunizieren bewusst, mit gemeinsamen Kom-munikationsabsichten, allen zugänglichen Formen und vor allem mit allen interessierenden Inhalten; Öffentlichkeit reflektiert und bewertet die transportierten Inhalte. Dies trifft sich zumindest mit einer weiteren Prämisse des Modells, das Kommunikation als von beiden Seiten aktive Beziehung von Sender und Empfänger beschreibt. Herrschaft wird damit zum Aushandlungsprozess. Dies geschieht in Abgrenzung zum Herrschaftsbegriff Max Webers, der Herrschaft bekanntlich als Chance zum Befehlsgehorsam definierte.[2] Allerdings wird damit der bewusst eng gehaltene Herrschaftsbegriff Webers mit dem bewusst amorph gehal-tenen Begriff der Macht verwischt. Begibt man sich in das Begriffsfeld „soziale Macht“ ist der relationale Charakter dieser Beziehung wie die Bedeutung von Kommunikation ohnehin immanent.[3] Dies gilt im übrigen auch für Weber, der Macht parallel zu sozialen Beziehungen im allgemeinen definiert. Diese werden grundsätzlich als relational und sinnhaft aufgefasst und setzen damit Kommunikation voraus.[4]

Kommunikation ist in mehrfacher Hinsicht Bedingung von Herrschaft bzw. Macht. Dem Modell droht dennoch Gefahr aus zweierlei Richtung. Dass Herrschaft sich erst durch ein funktionierendes Kommunikations- und Verkehrsnetz konstituierte, ist als Forschungsrahmen sinnvoll, als „These“ jedoch ist es trivial.[5] Wenn man Aushandlungsprozesse als fundamental ansieht, darf die Nachricht bzw. die Information nicht hinter den Medien zurückstehen. Hier muss Kommunikation vor allem als sozialer Prozess verstanden werden, in dem Akteure, Handlungstypen, abweichendes Verhalten wie Sanktionen definiert, normiert oder „institu-tionalisiert“ werden. Zugleich ist Kommunikation als Akt unmittelbarer Beziehungen Teil der Sanktionsmechanismen selbst: Kommunikation kann beleidigen, deklassieren wie würdigen und erheben. Sie besitzt positive wie negative Sanktionselemente. Die zweite Gefahr besteht in einer zu starken Annäherung von Kommunikation und Herrschaft. Fasst man letztere als „offene prozessuale Aushandlungspraxis“, in der die „Funktionalität der Kommunikation fundamentale Dimension“ gewinnt, droht eine Verschmelzung der Begriffe.[6]

Trotz dieses Einflusses auf Machbeziehungen kann ein operationalisierbarer Kommunika-tionsbegriff nicht mit Macht oder Herrschaft synonym gebraucht werden: Letztere besitzen kognitive wie materielle Voraussetzungen, die jenseits kommunikativer Zusammenhänge existieren (Sanktionen bzw. Anreize werden zwar von kommunikativen Prozessen beeinflusst, existieren aber auch jenseits einer zeichenhaften Vermittlung. So ist eine öffentliche Züch-tigung sicher ein kommunikativer Akt, der körperliche und seelische Schaden des Deliquen-ten aber bleibt per se; Folter besteht aus dem Zeigen der Instrumente wie dem Zufügen von Schmerz; Gefängnisse symbolisieren die Vollzugsgewalt der Obrigkeit, ihre Mauern und Gitter aber isolieren die Gefangenen real. Macht bzw. Herrschaft beruht auf Kommunikation. Aber: Macht ist mehr als Kommunikation. Macht existiert mitunter ohne Kommunikation.[7] Vor allem aber existiert Kommunikation in relativer Unabhängigkeit von Herrschaft. Ohne das Gesamtmodell aus dem Auge zu verlieren, soll deshalb eine Ebene im Mittelpunkt stehen: die neue politische Öffentlichkeit im Zeitalter der Aufklärung. Hier geht es vor allem darum, die Spannweite, die Facetten und Kanäle, aber auch die Grenzen des öffentlichen Raumes zu erfassen.

Herrschaftsrelevante Kommunikation erfolgt immer „im Dreieck“: Herrschende und Beherr-schte kommunizieren miteinander, aber auch stets untereinander. Neben der vertikalen steht eine horizontale Kommunikation der „aufgeklärten“ Herrschaftssubjekte. Diese kann zu einer Neudefinition angemessener Herrschaftszwecke und –formen bis hin zur Ablehnung etablier-ter Herrschaft überhaupt führen. R. Bendix schlug deshalb vor, die „intellektuelle Mobilisie-rung – das Anwachsen eines Lesepublikums und einer von wissenschaftlichen Berufen abhän-gigen weltlichen Bildungselite – als selbständige Ursache des sozialen Wandels zu betrach-ten“, der letztlich zur „Neukonstituierung legitimer Herrschaft“ führte und „Könige“ durch „Volk“ ersetzte.[8] Zudem verdanke der Quellenbegriff Öffentlichkeit „seine Entstehung dem Kampf der Untertanen gegen die Bevormundung durch die absolutistischen Landesväter“ und sei „ein Produkt des Mentalitätenwandels der Aufklärungszeit und des beginnenden bürger-lichen Liberalismus“.[9]

Für die Aufklärung ist öffentliche Kommunikation zentral. So ist für Kant ein Kernelement von Freiheit die Freiheit „von seiner Vernunft in allen Stücken öffentlichen Gebrauch zu machen“. Die Öffentlichkeit ist dabei unbegrenzt, die Meinungsfreiheit jedoch nicht. „Ich antworte: der öffentliche Gebrauch seiner Vernunft muß jederzeit frei sein, und der allein kann Aufklärung unter Menschen zu Stande bringen; der Privatgebrauch derselben aber darf öfters sehr enge eingeschränkt sein, ohne doch darum den Fortschritt der Aufklärung sonder-lich zu hindern. Ich verstehe aber unter dem öffentlichen Gebrauche seiner eigenen Vernunft denjenigen, den jemand als Gelehrter von ihr vor dem ganzen Publikum der Leserwelt macht.“[10] Hier wird Kommunikation gefordert und zugleich beschränkt.

Die Grundhaltung der aufgeklärten Öffentlichkeit scheint jedoch klar: „Dies gilt zunächst für die bewusst versachlichten, von herrschaftlicher Repräsentation distanzierten Redeformen, mit denen die Aufklärer ihr Leitthema die Veränderung der Lebenswelt zur neuen Glückse-ligkeit der Vernunft, öffentlich verkündeten. Sie greifen das traditionale Gefüge der ständi-schen und nach einiger Zeit auch die höfische Gesellschaft mehr oder minder vehement an, und sie begegnen der Willkür des absolutistischen Fürsten und seines Staates mit den Ideen des Naturrechts. Die neue Öffentlichkeit aufgeklärter Redner und Schriftsteller entsteht also zum einen in deutlicher Opposition zur gegebenen Gesellschaftshierarchie. (...) Zum anderen entsteht sie auch in deutlicher Distanz zum absolutistischen Staat und anderen Obrigkeiten des 18. Jahrhunderts (...).“[11] Die „politische Öffentlichkeit“, vor allem die bürgerlichen Sozietäten, versetzte durch ihre „vernünftige, fundierte und vor allem öffentlich geäußerte Kritik (...) das absolutistische System in einen letztlich letalen Legitimationsnotstand“.[12] Zudem hätten Aufklärer Macht selbst als kommunikativen Prozess reflektiert.[13] Der Zusam-menhang von aufklärerischer Kommunikation und Herrschaft scheint eindeutig – in seiner deutlichen Wirkung und seiner herrschaftsgefährdenden Ausrichtung.

Kaum etwas kann dies besser illustrieren als die Französische Revolution. Die Tiefendimension dieser Umwälzung wird – neben den politischen Gruppierungen – in den „Grundsatzerklärungen, Parolen, Leitbegriffe(n) und Symbole(n), also im weitsten Sinne sprachlich-zeichenhafte(n) Äußerungen“ gesehen. Die Kultur der Revolution war somit gekennzeichnet von einer „freien Diskussion aufgeklärter Privatleute, aus deren Meinungs-wettstreit die ‚Wahrheit’ von selbst als Siegerin hervorgehen würde. (...) Zum anderen bestand die demokratische Kultur der Französischen Revolution in einer neuartigen Öffentlichkeit und ihrem Kommunikationssystem: einem Netzwerk von Versammlungen und Clubs, von Zeitungen, Flugschriften, Bildflugblättern, Liedern und anderen Medien der Informationsvermittlung und Meinungsbildung (...).“[14] Das Modell scheint bestätigt. Die Aufklärung entfaltete ihre herrschaftskritische, ja revolutionäre Wirkung ja erst in Verbindung mit einer qualitativ neuen politischen Öffentlichkeit.[15]

Selbst das Musterbeispiel Frankreich weist allerdings darauf hin, dass das Verhältnis von Öffentlichkeit, Aufklärung und Herrschaft keine lineare Kausalität verkörpert. Es soll deshalb nach Ausdehnung, Inhalt und Wirkung der politischen Öffentlichkeit gefragt werden. Vor allem sollen die Grenzen dieser Dynamik Beachtung finden, auch als Begrenzung von Kommunikation – inhaltlich wie medial. Untersuchungsgegenstand ist „Deutschland“.

2. Ausdehnung und Träger der neuen Öffentlichkeit

Der Befund scheint eindeutig: Das 18. Jahrhundert brachte eine explosionsartige Ausweitung von Teilnehmern und Formen gesellschaftlicher Kommunikation. Dies ermöglichte eine qua-litativ neue Öffentlichkeit im Zeichen der Aufklärung; zugleich war es ein Ergebnis des auf-geklärten Bildungs- und Informationsanspruchs. Die neuen Formen – Sozietäten, Salons, Lesegesellschaften, Leihbüchereien, Buch- und Zeitschriftenmarkt, Zeitungen – sind gut be-kannt.[16] Diese hätten in den letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts in allen Teilen Deutsch-lands zu einer „tiefgreifenden intellektuellen Mobilisierung“ geführt.[17]

Wenigstens einige prägnante Daten sollen genannt sein: Die Gesamtproduktion deutsch-sprachiger Schriften wird für das 18. Jahrhundert auf 175000 geschätzt, davon 2/3 seit 1760. Dies dürfte eine Verdopplung gegenüber dem 17. Jahrhundert dargestellt haben. Mittels der zahlreichen Publikationen, vor allem der Zeitschriften sollen etwa 300000 gebildete Leser erreicht worden sein.[18] Die Anzahl der pro Jahr gedruckten Schriften soll Ende des Jahr-hunderts rund 4000 Bände erreicht haben und sich zwischen 1786 und 1800 verdoppelt haben. Ein Zeichen für die gestiegene Nachfrage ist auch die Zunahme an Buchhandlungen. In den letzten 10 Jahren des 18. Jahrhunderts soll sich deren Anzahl um 125 auf rund 500 erhöht haben.[19] Vor allem aber die Presse sei hier von Bedeutung: Durch sie „gelangten die großen Debatten des 18. Jahrhunderts noch in den kleinsten Ort. Dies ist ihr wesentlichstes Verdienst: das Gedankengut der Aufklärung wird auch in der Provinz popularisiert und gewinnt dadurch an großer Breite.“[20]

Eine erste Einschränkung muss bei der Verteilung der neuen Kommunikationsformen ge-macht werden, der „Topographie“ der aufgeklärten Öffentlichkeit. In der Frühaufklärung wird dies noch deutlicher wie das Problem, dass Aufklärung zunächst ein regionales Phänomen darstellte.[21] Die entsprechenden „Institutionen“ literarischer Distribution waren aber auch am Ende des Jahrhunderts noch ungleich verteilt. Während Berlin als Zentrum einer aufgeklärten Öffentlichkeit gelten kann, strahlte dies nur begrenzt auf das Umland aus. In der Mark Bran-denburg – mit der Ausnahme einer öffentlichen Bibliothek in Prenzlau – entsprechende Einrichtungen nur im Besitz von Pfarrern oder Adligen. Lesegesellschaften gab es abgesehen von Berlin seit 1785 auch in Frankfurt, Calbe, Oranienburg, Kremmen, Brandenburg und zwei in Prenzlau. Auf dem Lande war bisher nur eine Lesegesellschaft für Schulhalter in Kränzlin bei Neuruppin nachweisbar.[22] Selbst für Preußen insgesamt bleibt die Zahl von Städten, in denen Zeitungen gedruckt und zugleich „kollektive Leseeinrichtungen“ existierten, überschaubar: neben Berlin Breslau, Halle, Königsberg, Magdeburg.[23] Der kulturelle Kontext führte zu sehr unterschiedlichen Kommunikationsformen mit lokaler Prägung. So fand die Auseinandersetzung der Breslauer städtischen Gesellschaft mit den Gedanken der Aufklärung – trotz Lessings „Kriegsabenteuer“ – nicht nur verzögert statt; sie unterschied sich auch er-heblich von anderen Städten wie Berlin oder Leipzig. Eine ständische Öffnung der Kommu-nikationsformen sei bis 1800 nicht nachweisbar. In lediglich einer Lesegesellschaft und einer „Aufklärungsgesellschaft“, ergänzt um zahlreiche private Zirkel kommunizierten an die 100 Bürger, zumeist Beamte, Lehrer oder Theologen. Dabei stand wohl Lokal- und Tagespolitik im Vordergrund, das „aufgeklärte Diskursideal“ wurde hier eher vernachlässigt. Dabei zeigt die Innenperspektive der Stadt durchaus eine angeregte Diskussion zeitgenössischer Gedan-ken und eine Umsetzung in städtische Politik. Eine Rückkopplung an umfassendere Kommu-nikationsebenen erfolgte – immerhin in einer Stadt von gewisser Bedeutung – jedoch kaum.[24] Dies heißt jedoch nicht, dass die Kommunikationsräume völlig abgeschottet waren. Die Bres-lauer nahmen Elemente umfassenderer Debatten, vor allem in Wirtschaft und Bildung auf, und wurden in den zentralen Medien durchaus wahrgenommen. Von einer wirklichen Aus-strahlung und Rückkopplung der Diskurse kann man aber kaum sprechen.[25]

Betrachten wir die Angebotsseite inhaltlich. Auch unter inhaltlichem Aspekt kam es zu einer Veränderung. Während 1740 noch 38% der Schriften theologischer Natur waren, erschienen 1800 nur noch 14% . Einen Aufschwung nahm die haus- und landwirtschaftliche sowie technische Literatur von 1740 3% auf 1800 14% der Schriften. Noch deutlicher erscheint die quantitative Verbreitung der schöngeistigen Literatur. Ihr Anteil von 6% im Jahre 1740 wuchs auf 22% der Buchproduktion 1800. Ausgehend von diesen Zahlen kann man sagen, dass sich die Buchproduktion von der Gelehrsamkeit hin zur belehrenden Unterhaltung und Vermitt-lung praktischen Wissens wandelte.

Bedeutete dies also ein Zunahme der politisch-orientierten kritischen Schriften? Absolut gesehen ohne Zweifel. Allerdings ist wenig über ihren Anteil bekannt. Die Verteilung der Buchproduktion nach Sachgebieten, die sich an den Leipziger Messekatalogen ablesen lässt, ist zu unspezifisch, um eine detaillierte Aussage machen zu können. Das Spektrum an Buch-angeboten war sehr vielfältig und bewegte sich zwischen wissenschaftlichen Werken, Enzy-klopädien, Hauswirtschaftsbüchern und Schauerromanen. „Dieser Reichtum an Lesestoff stellte offensichtlich ein kunterbuntes Durcheinander dar.“[26] Darin konnten die dezidiert politischen Schriften leicht untergehen. Gerade die starke Zunahme der „schönen Künste und Wissenschaften“ spricht eher für eine tendenzielle Abnahme der politischen Schriften im Gesamtspektrum. Die wichtigen juristischen Schriften sanken ja von knapp 13 % auf etwa 5 %. Immerhin gab es im Bereich der Philosophie und der Staatswissenschaften eine leichte Zunahme auf 3,66 bzw. 4 % der Buchproduktion.[27] Über den Anteil politischer Schriften und vor allem deren Tendenz sagt das aber wenig. Auch wenn die kritischen Ansätze zugenom-men haben, zeigen die Rezensionen in den politischen Zeitschriften, dass ein relevanter Teil eher deskriptiv ausgerichtet war. Um eine Vorstellung vom Anteil politischer und politisch-kritischer Bücher zu bekommen, wurden als Stichprobe die Rezensionen des Jahrgangs 1783 in der Allgemeinen Deutsche Bibliothek ausgewertet. Von den mehr als 730 Titeln konnten 4,6% offensichtlich politisch relevanten Inhalten zugeordnet werden (41 Stück). Davon waren aber gerade 14 Titel (1,9%) kritisch-räsonnierend. Sicherlich wurden hier nicht alle politi-schen Informationen erfasst, die in verschiedenen Themenfeldern „versteckt“ sein konnten.[28] Politische Aussagen waren in Debatten über Kindstötungen oder die Auflösung von Klöstern zu finden, ohne aber zentral zu sein. Immerhin konnte eine mehrbändige Edition von Rou-sseaus philosophischen Werken besprochen werden. Der Rezensent beklagt jedoch heftig die Auswahl und Übersetzung: „Vom ächten Rousseau wird man hier hin und wieder einen Ge-danken, aber nur lauter zusammengeflicktes, nicht den wahren Geist, die wahre Stärke, und den wahren Zusammenhang finden. (...) Schade für den Beutel der Käufer!“[29] Übersetzungen zeigen durchaus, dass der Adressat unterhalb der klassischen Bildungsschichten lag; aller-dings boten diese auch Raum für konkurrierende Interpretationen.[30] Sollten die ermittelten Zahlen einigermaßen zutreffend sein, würde dies kaum mehr als 100 (wenigstens teilweise) politisch orientierte Neuerscheinungen Mitte der 80er Jahre bedeuten. Diese dürften damit kaum mehr als den Kreis der „Gebildeten“ erreicht haben.

Sicher lag der Verbreitungsgrad der Bücher noch deutlich über den Verkaufszahlen, da man einen hohen Multiplikatoreffekt einbeziehen muss durch Lesegesellschaften und Leihbi-bliotheken. Allerdings ist es eher unwahrscheinlich, dass dieser Effekt bei allen Gattungen und Inhalten identisch war. Abgesehen von eher elitären Lesezirkeln scheint im Bestand der Leihbibliotheken die „leichte“ Unterhaltungsliteratur a la Ritterroman dominiert zu haben.[31] Die reflektierend politischen Schriften dürften aufgrund ihrer Sprache und ihrer oft juristi-schen Diktion deutlich weniger nachgefragt wesen sein.

Im Gesamtspektrum der Informationen bleiben politische Nachrichten eine quantitativ wenig relevante Gruppe. Gilt dies auch für die Tagespresse? Immerhin sollen Zeitungen in der zwei-ten Hälfte des 18. Jahrhunderts einen erheblichen Teil der 6-7 Millionen erwachsener männ-licher Deutscher erreicht haben – wenn nicht die Mehrheit. Die Zeitungen sollten als Kommu-nikationsform nicht unterschätzt werden, vor allem als Informationsquelle der unteren Mittel-schichten und der Unterschicht.[32] Über das „Einfallstor“ des „gelehrten Artikels“ sollen sich die Zeitungen im Verlaufe des 18. Jahrhunderts politisiert haben, beschleunigt dann durch die Revolution.[33] Hier ist zunächst eine quantitative Einschränkung zu machen. Die Mehrzahl der wohl 200 bis 250 Blätter verfügte wohl nur über Auflagen von 350 bis 600 Exemplaren. Dem standen Spitzenauflagen von mehreren Tausend gegenüber.[34] Auch die Druckorte von Zeitun-gen sind sehr unterschiedlich verteilt. Während Regionen wie Thüringen, die Städte an Rhein und Main über zahlreiche Druckorte verfügten, waren die „Flächenstaaten“ hier quantitativ deutlich im Nachteil.[35] Dies bedeutet nicht nur, dass die Gesamtzahl schwer zu ermitteln ist; Zeitungen waren wohl auch sehr unterschiedlich verbreitet.

Zudem blieb auch hier das im engeren Sinne Politische eher am Rande. Dies zeigt auch eine Untersuchung norddeutscher Presseerzeugnisse. Unabhängig von der jeweiligen Zensurpraxis blieben Alltagsthemen „weiterhin die wichtigsten und oft einzigen Inhalt der Blätter“. Neben der Vermittlung „bürgerlicher“ Moralvorstellungen standen praktische Lebenshilfen. Im poli-tischen Bereich waren aus didaktischen Gründen historische Analogien beliebt. Diesen wurde mitunter ein – je nach politischem Standort – „stilisierter Republikanismus oder Monarchis-mus“ gegenübergestellt. „Die Darstellung der historischen Vergleiche soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass politischen Beiträge nur eine unwesentliche Rolle für die inhaltliche Gestaltung zukam.“[36] Gerade in volksaufklärerischen Periodika dominierten praktische The-men, meist aus Medizin und Ökonomie; politisches bildet die Ausnahme. Selbst wenn dies zum Repertoire gehörte, bleibt der Anspruch beschränkt: „Es ist nicht die Meynung, dass wir (...) über Staatssachen räsonniren wollen – Nein! Wir wollen diese nur manierlich erzählen und über solche Dinge urtheilen, die wir verstehen, über Ackerbau, Viehzucht, Wiesewachs, Nützliches und Schädliches (...) etc.“[37] Die Beschränkung politischer Themen zeigt sich auch in den Zeitschriften, den eigentlichen Trägern von Diskurs und „Räsonnement“, die in den 1770er bis 1790er Jahren 300000 bis 500000 Leser erreicht haben sollen. Allerdings ist auch diese Schätzung nicht unproblematisch.[38] Eine Ursache der geringen Lebensdauer der meisten Zeitschriften war ja geringer Absatz. Quantitativ blieb das Politische jedenfalls eine Rand-erscheinung.[39]

Auch wenn 1789 als Zäsur für einen Umbruch der Öffentlichkeit umstritten ist, scheinen politische Informationen durch die Berichterstattung über „die Ereignisse in Frankreich“ eine neue Dimension erreicht zu haben. Folgt man den Forschungen von Rolf Reichardt konnte die Mehrzahl der deutschen Bevölkerung „authentisch und aktuell“ fast alles von der Franzö-sischen Revolution erfahren. Unter dem Einfluss der Revolution habe sich die Entwicklung der deutschen politischen Presse und eines modernen Meinungsjournalismus deutlich ver-stärkt. Die von der Aufklärung angebahnte „Fundamentalpolitisierung“ bürgerlicher und unterbürgerlicher Schichten und die Entwicklung einer politischen Öffentlichkeit habe sich damit beschleunigt. Selbst für Intellektuelle wie F.H. Jacobi bedeutete dies einen neuen Fo-kus: „Die französischen Händel haben mich ganz in das politische Fach geworfen; ich lese jetzt fast nichts anderes.“[40] Diese Bemerkungen sagen aber noch nichts darüber aus, welche Art von Informationen dominierten.

Wie steht es mit der Kommunikationsabsicht zwischen „reiner“ Information und bewer-tendem Räsonnement? Sicher kann auch der puren „Nachricht“ eine Wertung innewohnen. Dennoch fällt bei der Untersuchung zweier preußischer Zeitungen zum Beginn der Revolution auf, dass referierte Fakten einen erheblichen Anteil einnehmen. Die Anteile „nackter Tatsa-chendarstellungen“ nahmen immerhin 34,2 bzw. 24,4% der Berichte ein; die referierenden Beiträge mit eingestreuten Fremdwertungen zudem 42,8 bzw. 28,3%. Für das reine Räson-nement blieben dann nur 5,1 bzw. 7,8%, für eine Mischform 17,9 bzw. 28,3%. Auch wenn die Mischformen vom Umfang her dominieren, sind die referierenden Formen von erheblicher Bedeutung. Bemerkenswert ist auch die inhaltliche Tendenz, die Auswahl der Nachrichten. Immerhin nehmen „völlig unpolitische Sachverhalte, welchen für den Verlauf Französischen Revolution keine Relevanz zukommt“ 22,7 bzw. 22,2% der Berichte ein. Den Großteil nehmen politisch relevante Sachverhalte ein, die Ausdruck des politischen Alltags sind, aber aus heutiger Sicht keine besondere Bedeutung haben (48,9 bzw. 36,7%). Aus heutiger Sicht bedeutende politische oder wirtschaftliche Ereignisse betreffen dagegen nur 9,3 bzw. 15%. Wesentlich revolutionäre Akte, die aber nicht mit Gewaltakten verbunden, waren, nahmen sogar nur 3,2 bzw. 0,6% der Berichte ein; Meldungen über Aufruhr und Gewalt dagegen 16 bzw. 25,6%.[41] Dies ist sicherlich auch ein Ausdruck der „häufigen Verbindung von Politik und Sensation“.[42] Dies ist auch Ausdruck eines neuen Rezeptionsstils, der „extensiven“ Lektüre. Allerdings sah sich gerade die „Volksaufklärung“ der „Exempellehre“ verbunden, welche die moralische Unterrichtung des wenig gebildeten Publikums über Beispiele bevorzugte.[43]

Hier mag manche Differenzierung notwendig sein.[44] In der Flut der Beiträge bleiben aber politische Inhalte – abgesehen von der Zensur – in mehrfacher Hinsicht eingeschränkt. Zwei Tendenzen zeichnen sich somit ab: Innerhalb der sich stark entwickelnden Öffentlichkeit spielten politische Themen im engeren Sinne eine untergeordnete Rolle. Politische Infor-mationen bedeuten keineswegs Informationen in kritischer oder aufklärerischer Absicht.

Diese Einschränkungen könnte für unterschiedliche Leserkreise zudem nochmals unter-schiedlich gelten. Nähern wir uns deshalb dem Problem von der Seite der Leser.

Um Kommunikation erfassen zu können, kann nicht bloß die Angebotsseite betrachtet werden. Somit erscheint ein Herangehen über Alphabetisierungsraten und entsprechende Leserzahlen sinnvoll. Konservative Schätzungen sprechen von etwa 10 % Lesern selbst für Ende 18. Jahrhundert[45] ; andere gehen für 1770 von 15 % der Bevölkerung als potentiellen Lesern aus, für 1800 von 25 %. Das Analphabetentum sei nur langsam zurückgegangen.[46] Neuere Regionalstudien gehen jedoch von Alphabetisierungsraten zwischen 14 und 98% aus.[47] Dies scheint – einschließlich der regionalen, sozialen und geschlechtsspezifischen Unterschiede – auch für andere Teile Europas gegolten zu haben. Zudem zeigen im Reich nicht nur städtische Zentren wie Berlin, Koblenz oder Köln sehr hohe Zahlen; dies wird auch für ländliche Regionen angenommen. Selbst in Regionen mit geringer Lehrerdichte wie Ostpreußen soll die Fähigkeit der Bauern, mit dem Namen zu unterschreiben von 10 % (1750) über 25 % (1765) auf 40 % (1800) gestiegen sein.[48] Dennoch bleiben regionale Unterschiede. Während in den mittleren und westlichen Provinzen Preußens seit Mitte 18. Jahrhundert ein beachtlicher Alphabetisierungsstand der männlichen Bevölkerung nachweisbar ist, gab es in den östlichen Provinzen noch hohen Analphabetismus. Hinzu kommen deutliche Unterschie-de auf lokaler Ebene.[49] Zudem gibt es deutlich skeptischere Befunde: „Schon in den meisten kleineren Ackerbürgerstädtchen sah es anders aus. Zwei ostdeutsche Beispiele: 1820 konnten von 900 zunftmäßig organisierten Tuchmachermeistern in Grünberg (Schlesien) ein Drittel ihren Namen gar nicht, ein weiteres nur unbeholfen schreiben; 1848 vermochten von 53 Einwohnern der ostpreußischen Kleinstadt Osterode 31 eine solche Signatur nicht zu leisten. Mit der Lesefähigkeit stand es eher noch schlechter: Von einem Viertel der Bevölkerung als möglichem Publikum konnte in den zahllosen Marktflecken und Provinzstädten sicher nicht die Rede sein. Vor allem aber hatten sich auf dem mehr oder minder platten Lande die Verhältnisse kaum gegenüber früheren Zeiten verbessert (...).“[50]

Die Ausdehnung der Lesefähigkeit in Mittel- und Unterschichten belegen allerdings auch zahlreiche Zeitgenossen. Die Schlussfolgerung: „Im Laufe des 18. Jahrhunderts führte eine Verknüpfung von materiellen und kulturellen Kräften zumindest in West-, Nord- und Mit-teleuropa dazu, dass die Zahl der Gebildeten und der Selbstbewussten stark zunahm. Das Ergebnis war die Bildung eines kollektiven, eigenständig existierenden Wesens, das sich selbst als die ‚Öffentlichkeit’ sah – unabhängig, kritisch und als oberster Richter über kul-turelle (und vielleicht sogar politische) Angelegenheiten.“[51] Die implizite Annahme, dass mit einer „Revolution durch das Lesen“eine übergreifende Öffentlichkeit entstand, geht aber zu weit. Die Belege zeigen zumeist eine Dichotomie bei der Aufzählung der Leserkreise. Regen-ten und Minister stehen Holzspaltern und Bauern gegenüber, gelehrten Bürger dem Hand-werker. Wenn die Wissenschaften das Bedürfnis „aller gebildeten Menschenklassen“ gewor-den sein sollen, so gilt nicht nur ein „wenigstens oberflächlich“ als Einschränkung, sondern auch die „Gebildeten“ wie die Klassen. Zudem schwang oft die Behauptung mit, dass die „Lesewut bei Volksklassen“ die „sonst wenig oder nichts lasen“, sich auch jetzt nicht darauf richte, um sich zu bilden, sondern um sich zu unterhalten.[52]

Diese Distanz zwischen intellektueller Aufklärung und neuem Lesepublikum konnte durch volksaufklärerische Tendenzen sicherlich gemindert werden. Sie konnte sich aber auch verstärken. In ländlichen Regionen konnten hochdeutsch predigende Pfarrer durchaus eine neue Kluft zur Bevölkerung aufbauen. Oft blieb eine „starke Dissonanz zum Gewohnten“ bestehen.[53] Eine Vermittlung gegenüber anderen kulturellen Schichten erfolgte durchaus, bewahrte aber eine deutliche Distanz zur aufgeklärten Öffentlichkeit im engeren Sinne. Auch der oben zitierte Nikolai nahm in den Verfassern populärer Romane, den „Postillenschreibern, und der moralischen Wochenblätter“ eine Gruppe von Autoren an, die für ein breites Publi-kum adäquat schreiben.[54] Dennoch blieben hier andere Formen vorherrschend wie „historisch, moralisch und politisch abgefasste Belustigungen für alle Stände“, die mitunter im Niveau auf „Dorfschenkenton“ abrutschen konnten und dann das Missfallen der „Gebildeten“ fand: „Auf dem Titel verspricht er ein Buch für alle Stände; gleichwohl geräth man bey dem Lesen oft auf die Vermuthung, er habe nur für den niedrigsten Pöbel, der aber dergleichen Schriften nicht liest, schreiben wollen.“[55] Nicht nur in diesem groben Sinne populäre Autoren mussten mit scharfer Kritik der im engeren Sinne aufgeklärten Öffentlichkeit rechnen.

Vor allem aber ist ein methodischer Einwand gegenüber den Alphabetisierungszahlen notwendig: Die Aussagekraft angesichts der Methode, die Unterschriftsfähigkeit der Bevöl-kerung zu messen, bleibt begrenzt. Immerhin korreliert dies nur teilweise mit dem Schulbe-such. Es sagt nur aus, dass der Status des Lebens und Schreibens in der „einfachen“ Bevöl-kerung deutlich gewachsen war wie die elementare Lese- und Schreibfähigkeit. Die elemen-tare Lese- und Schreibfähigkeit darf nicht mit der Fähigkeit verwechselt werden, Teil einer aufgeklärten politischen Öffentlichkeit zu sein. Zurecht wurde gefordert, dass die Stadien der Alphabetisierung berücksichtigt werden müssten.[56] Besser noch müsste von unterschiedlichen Rezeptions- und Diskursfähigkeiten gesprochen werden. In neuen Leserkreisen wird eher zur „Unterhaltung“ gelesen. Politische Informationen nahmen die „neuen Leser“ – wenn über-haupt – über Zeitungen, Flugschriften und die tradierten mündlichen Kommunikationsformen auf. Angesichts der Funktion der zeitgenössischen Zeitungen, die „Nachricht“ in den Vordergrund zu stellen, wird die Reflexion über etwas vom schriftlichen in den mündlichen Bereich verwiesen. Unter den „statistisch“ Alphabetisierten waren zahlreiche „Halbalphabe-ten“, die eher vertrauten Rezeptionsgewohnheiten folgten und für die volkstümliche Tradi-tionen der Kalender, Haus- und Volksbücher wichtig blieben.[57]

Im Rahmen der Volksaufklärung entstanden hier schon Bemühungen, den neuen Rezipienten gerecht zu werden: „Ein Lesebuch, zumal für’s Landvolk, muß zwar nützlich, aber auch leicht zu lesen seyn.“ Die Realität sah aber oft anders aus: „Gewiß keine angenehme Lection für’s Landvolk.“ Zudem gibt es bereits vor der Revolution Vorbehalte der Publizisten, wenn ihre Kollegen vereinzelt in Fragen des „Gehorsams gegen die Obrigkeit“ nicht „vorsichtig genug“ waren.[58] Ist diese Skepsis gegenüber dem Lesevermögen der unteren Mittelschichten und Unterschichten ein reines Vorurteil des Bildungsbürgers? Immerhin brachten es volkstüm-liche Kalender, populär-pädagogische Schriften wie Rochows „Der Kinderfreund“ (200 Auf-lagen, über 100000 Exemplare) oder R.Z. Beckers „Not- und Hülfsbüchlein für Bauersleute“ (über 1 Million Exemplare) auf „Bestsellerhöhe“ und gelten als Beleg für die Erweiterung der Leserschichten.[59] Beckers Projekt zeigt aber gerade die Grenzen: Bereits die Ausweitung des Titels auf die „Bürgersleute“ verweist auf Probleme beim ursprünglichen Pub-likum. Beckers Erfolg beruhte vor allem auf einer geschickten Werbestrategie bei den Obrig-keiten, die er-hebliche Teile der Auflagen kaufen und kostenlos verteilen ließen.[60] Dies sagt zudem einiges über die politische Ausrichtung und deren Wahrnehmung bei den Landesherren.

[...]


[1] Pröve, Ralf: Herrschaft als kommunikativer Prozess: das Beispiel Berlin-Brandenburg.- in: Wissen ist Macht: Herrschaft und Kommunikation in Brandenburg-Preußen 1600-1850/ hrsg. v. Ralf Pröve u. Norbert Winnige.- Berlin: Berlin Verlag, 2001, S. 15.

[2] Pröve 2001, S. 12 f. Löffler, Ursula: Kommunikation zwischen Obrigkeit und Untertanen: zum Aufgabenprofil dörflicher Amtsträger in der Frühen Neuzeit.- in: Wissen ist Macht: Herrschaft und Kommunikation in Brandenburg-Preußen 1600-1850/ hrsg. v. Ralf Pröve u. Norbert Winnige.- Berlin: Berlin Verlag, 2001, S. 102.

[3] Es sei nur auf Arbeiten von Keohane/ Nye, Emerson oder A. Wendt verwiesen.

[4] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie.- Tübingen: Moor, S. 13.

[5] Pröve 2001, S. 16. vgl. auch Körber im gleichen Band.

[6] Pröve 2001, S. 15 f.. Löffler betont innerhalb des Aushandlungsprozesses ein „deutliches Machtgefälle“ zwischen den Ebenen. Löffler 2001, S. 101 f. Herrschaft ist dann relational und kommunikativ; Macht dagegen existiert als Eigenschaft. Dies ist konzeptionell kaum haltbar.

[7] Zu den zahlreichen Facetten, auf den Macht beruhen kann vgl. Sofsky, Wolfgang/ Paris, Rainer: Figurationen sozialer Macht: Autorität, Stellvertretung, Koalition.- Frankfurt/ M.: Suhrkamp, 1994, S. 10.

[8] Bendix, Reinhard: Könige oder Volk: Machtausübung und Herrschaftsmandat, Zweiter Teil.- Frankfurt/ M.: Suhrkamp, 1980, S. 38 f.

[9] Pröve 2001, S. 14.

[10] Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?. DB Sonderband: Kant: Werke, S. 1696 (vgl. Kant-W Bd. 11, S. 55).

[11] Grimminger, Rolf: Aufklärung, Absolutismus und bürgerliche Individuen: Über den notwendigen Zusammen-hang von Literatur, Gesellschaft und Staat in der Geschichte des 18. Jahrhunderts.- in: Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Literatur 1680-1789/ hrsg. v. Rolf Grimminger.- München: dtv, 1980, S. 31.

[12] Würgler, Andreas: Das Modernisierungspotential von Unruhen im 18. Jahrhundert: Ein Beitrag zur Entstehung der politischen Öffentlichkeit in Deutschland und der Schweiz.- in: GG, 21 (1995), S. 197.

[13] Fischer, Daniela: Nicolaus, Hieronymus Gundling 1671 – 1729: Der Blick eines frühen Aufklärers auf die Obrigkeit, die Gesellschaft und die Gebildeten seiner Zeit.- Trier (Dissertation), 2002, Einleitung u. S. 189 ff.

[14] Reichardt, Rolf: Die städtische Revolution als politisch-kultureller Prozess: Archäologie einer demokratischen Kultur.- in: die Französische Revolution/ hrsg. v. Rolf Reichardt.- Köln: Komet: o.J., S. 38 f.

[15] Weis, Eberhard: Der Durchbruch des Bürgertums 1776- 1847 [Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4].- Berlin: Propyläen, 1981, S. 88.

[16] Einen konzisen Überblick bietet Im Hof, Ulrich: Das Europa der Aufklärung.- München: Beck, 1993, S. 95 ff.

[17] Bendix 1980, S. 229.

[18] Diese Zahl wird immer wieder ohne Überprüfung übernommen. So bei Schiewe, Jürgen: Öffentlichkeit: Entstehung und Wandel in Deutschland.- Paderborn u.a.: Schöningh, 2004, S. 147 u. 143. Die Zahl beruht wohl ursprünglich auf einer Schätzung durch Jean Paul. vgl. Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels.- Müchen: C.H. Beck, 1999, S. 216.

[19] Wehler, Hans-Ulrich: Deutsche Gesellschaftsgeschichte 1700 bis 1815.- München: Beck, 1987, S. 305.

[20] Böning, Holger: Aufklärung und Presse im 18. Jahrhundert.- in: Jäger, Hans-Wolf (Hrsg.): „Öffentlichkeit“ im 18. Jahrhundert.- Göttingen 1997, S. 163.

[21] Grimminger 1980, S. 40 f.

[22] Neugebauer, Wolfgang: Brandenburg im absolutistischen Staat. Das 17. und 18. Jahrhundert.- in: Geschichte Brandenburgs/ hrsg. v. Ingo Materna und Wolfgang Ribbe.- Berlin: Akademie Verlag, 1995, S. 367. In kleineren Orten wie Oranienburg gab es immerhin eine Leihbücherei. Wittmann 1999, S. 211.

[23] 1791 kamen noch kurzzeitig Erlangen und Bayreuth hinzu. Koch, Ursula/ Nawratil, Ute/ Schröter, Detlef: Französische Revolution und preußische Zeitungsberichte.- in: Französische Revolution und deutsche Öffentlichkeit: Wandlungen in Presse und Alltagskultur am Ende des 18. Jahrhunderts/ hrsg. v. Holger Böning.- München u.a.: Saur, 1992 S. 200.

[24] Brenker, Anne-Margarete: Breslau und Brandenburg-Preußen zwischen 1740 und 1800: Thesen zur Kommunikation mit einer neueroberten Provinzhauptstadt- in: Pröve/ Winnige 2001, S. 125. Ausnahmen sind der erwähnte Lessing, der in Breslau wohl „gelitten“ hat, der jüdische Händler E.M. Kuh, der 5000 Gedichte hinterließ, die 1792 post mortem veröffentlicht wurden. Diese waren aber wohl vor allem Ausdruck einer Identitätskrise in einer kulturell feindlichen Umwelt. Jasper, Willi: Lessing: Aufklärer und Judenfreund.- Berlin, München: Propyläen, 2001, S. 137 ff.

[25] So fanden sich in den „Zeitschriften der Aufklärung“ 68 Titel mit Bezug zu Breslau. Oft waren dies Rezensionen hier herausgegebener Bücher, einmal sogar durch Wieland. Die meisten Titel blieben aber lokal orientiert und eher belanglos wie ein Fall von „Quacksalberei“ oder Beiträge des Gymnasialrektors, dessen Methoden verschiedentlich kritisiert wurden. Es kommen Informationen über den Theaterspielplan oder die (seltenen) Schriften der 1774 gegründeten „Patriotischen Gesellschaft“ wie vereinzelte Gedichte Kuhs hinzus

[26] Bendix 1980, S. 227.

[27] Schiewe 2004, S. 148.

[28] So in Reisebeschreibungen, theologischen oder den zahlreichen medizinischen und pädagogischen Schriften. Zudem könnten noch eine Reihe von Schriften zur Stellung der Juden hinzuzuzählen sein. Vgl. Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 52-56 (1783).

[29] Allgemeine Deutsche Bibliothek, 54 (1783), Bd. 2, S. 426.

[30] Mit einem Beispiel aus der Revolutionsbibliothek. Reichardt, Rolf E.: Das Blut der Freiheit: Französische Revolution und demokratische Kultur.- Frankfurt/ M.: Fischer, 2002, S. 296 u. 302.

[31] Wittmann 1999, S. 212 ff. Zum Multiplikator vgl. Wehler 1987, S. 305.

[32] Schiewe 2004, S. 147 u. 143; Ungern-Sternberg, Wolfgang v.: Schriftsteller und literarischer Markt.- in: Deutsche Aufklärung bis zur Französischen Literatur 1680-1789/ hrsg. v. Rolf Grimminger.- München: dtv, 1980, S. 134 ff. Reichardt 1992, S. 138.

[33] Böning 1997, S. 155.

[34] Böning 1997, S. 152.

[35] Vgl. Siegert, Reinhart: Zur Topographie der Aufklärung in Deutschland 1789: Methodische Überlegungen an Hand der zeitgenössischen Presse.- in: Französische Revolution und deutsche Öffentlichkeit: Wandlungen in Presse und Alltagskultur am Ende des 18. Jahrhunderts/ hrsg. v. Holger Böning.- München u.a.: K.G. Saur, 1992, S. 47 ff. Eine Karte zu Zeitungsdruckorten S. 86.

[36] Hier wurden u.a. 50 von etwa 70 erschienenen Wochen- und Intelligenzblättern im norddeutschen Raum ausgewertet. Möllney, Ulrike: Norddeutsche Öffentlichkeit und Französische Revolution.- in: Französische Revolution und deutsche Öffentlichkeit: Wandlungen in Presse und Alltagskultur am Ende des 18. Jahrhunderts/ hrsg. v. Holger Böning.- München u.a.: K.G. Saur, 1992, S. 156 u. 159.

[37] So im „räsonnirenden Dorfkonvent“ von 1786; zit. nach Böning, Holger: Zeitungen für das „Volk“.- in: Böning 1992, S. 476. Böning bietet zahlreiche Beispiele über die praktische Orientierung der Themen. 1789 gab es nur zwei volksaufklärerische Perodika, die auch politisch informieren wollten. Ebenda, S. 468 ff., 481 u. 488.

[38] Diese Ausrichtung der Zeitschriften war den Zeitgenossen bewusst. Vgl. Hirsch, Frank H.: Aufklärerische Adelskritik im Spiegel der Zeitschriften.- Saarbrücken 2004 [Magisterarbeit, Universität Saarbrücken], S. 23 f. diese Schätzung geht von einer durchschnittlichen Auflage von 1000 aus. Dies mag für die gedruckten Exemplare etwa zutreffen. Die geringe Lebensdauer der Zeitschriften spricht aber für oft geringeren Absatz.

[39] So betrafen von gut 30000 Artikeln im „Index“132 das Thema Adel, 79 die Freiheit, 19 die Gleichheit, 72 die Stände. Hirsch 2004, S. 28. Man kann ergänzen: 14 zur Obrigkeit; 48 zur Leibeigenschaft.

[40] So in einem Brief an G. Forster v. 12.11.1789; Reichardt, Rolf: Probleme des kulturellen Transfers der Französischen Revolution in der deutschen Publizistik 1789 – 1799.- in: Französische Revolution und deutsche Öffentlichkeit: Wandlungen in Presse und Alltagskultur am Ende des 18. Jahrhunderts/ hrsg. v. Holger Böning.- München u.a.: K.G. Saur, 1992, S. 91, 109 u. 138. Reichardt 2002, S. 300. Mit einem ähnlichen Tenor für Preußen Koch, Nawratil, Schröter 1992, S. 201.

[41] Es wurde hierbei 493 Einzelbeiträge aus den Berlinischen Nachrichten bzw. der Schlesischen Privilegierten Zeitung aus dem Zeitraum Mai bis August 1789 zu Frankreich ausgewertet. Koch/ Nawratil/ Schröter 1992, S. 206 – 212. Auch der Umfang bedeutender politischer Informationen und revolutionärer Bestrebungen ohne Gewalt summiert sich nur auf 17,9 bzw. 25,5%.

[42] Möllney 1992, S. 54.

[43] Dies bereits bei Gottsched. Ruppert, Wolfgang: Volksaufklärung im späten 18. Jahrhundert.- in: Grimminger 1980, S. 246; vgl. auch Böning 1992, S. 482.

[44] Eine etwas anderes Bild vermittelt Reichardt. In der „Deutschen Revolutionsbibliothek“ seien die 43,6% politischer Vorgänge weniger auf bloße Sensationsberichte als auf grundsätzliche Zeugnisse der Revolution ausgerichtet gewesen. Reichardt 2002, S. 297-299.

[45] Jasper 2001, S. 220 mit Zitat Winckler 1986.

[46] Ungern-Sternberg 1980, S. 136 unter Berufung auf Rudolf Schenda. Blanning, T.C.W.: Das Alte Europa 1660 – 1789: Kultur der Macht und Macht der Kulturen.- Primus, 2006, S. 114.

[47] Würgeler 1995, S. 207; Koch, Nawratil, Schröter 1992 S. 201.

[48] Verschiedene Beispiele bei Blanning 2006, S. 113 – 115.

[49] Winnige, Norbert: Alphabetisierung in Brandenburg-Preußen 1600-1850: Zu den Grundlagen von Kommuni-kation und Rezeption.- in: Pröve/ Winnige 2001, S. 66 f. u. S. 56 ff. mit zahlreichen Vergleichsdaten.

[50] Wittmann 1999, S. 190 f.

[51] Die Beispiele bei Blanning 2006, S. 131 f., die Schlussfolgerung S. 133.

[52] Zitate aus den Beispielen Blannings 2006, S. 132.

[53] Ruppert 1980, S. 342 u. 359. Im ländlichen Brandenburg rissen junge Pfarrer mit hochdeutschen Predigten und neuen Methoden neue Gräben der Verständlichkeit auf. Neugebauer 1995, S. 369.

[54] Ungern-Sternberg 1980, S. 139.

[55] Rezension in: allgemeine Deutsche Bibliothek, 54 (1883), S. 514.

[56] Wittmann 1999, S. 190.

[57] Ruppert 1980, S. 342, 348; zur bäuerlichen Bevölkerung vgl. S. 359.

[58] Hier in der Frage der Verminderung von Feiertagen, über die das Landvolk murrte. Rezension eines „Lesebuchs für das Landvolk“ aus dem Jahre 1782.- in: Allgemeine Deutsche Bibliothek, 54 (1783), S. 367. Ansonsten wurden explizit politische Themen hier ohnehin vermieden.

[59] Wehler 1987, S. 305.

[60] Wittmann 1999, S. 193 f.; Ruppert 1980, S. 347 f.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Herrschaft und Kommunikation: Die politische Öffentlichkeit im Zeitalter der Spätaufklärung
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Herrschaft und Kommunikation in der Frühneuzeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
61
Katalognummer
V86874
ISBN (eBook)
9783638027441
Dateigröße
725 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herrschaft, Kommunikation, Zeitalter, Spätaufklärung, Herrschaft, Kommunikation, Frühneuzeit
Arbeit zitieren
Constanze Sowart (Autor:in), 2007, Herrschaft und Kommunikation: Die politische Öffentlichkeit im Zeitalter der Spätaufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86874

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