Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die unterschiedlichen Erzählsituationen in Thomas Hettches Roman "Nox"

Title: Die unterschiedlichen Erzählsituationen in Thomas Hettches Roman "Nox"

Term Paper , 2007 , 20 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sandra Schwab (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Da der Erzähler im Zeitalter geschriebener Texte nicht mehr präsent ist, das heißt, nur als Figur innerhalb der Geschichte überhaupt existiert, kann man ihn auch nur über den Text erreichen. Besonders interessant wird das, wenn der Erzähler kein allwissender Erzähler ist, sondern wenn verschiedene Perspektiven eingenommen werden, durch die der Erzähler das Geschehen bzw. die einzelnen Geschehnisse präsentiert. Da liegt nämlich eine Interpretation des Erzählten durch den Erzähler vor, die wiederum Rückschlüsse auf den Erzähler zulässt und diese auch in gewissem Sinne fordert.
In der vorliegenden Hausarbeit werde ich exemplarisch an Thomas Hettches Roman Nox aufzeigen, wie die Art der Erzählweise durch die besondere Erzählsituation des toten Erzählers auf die Verbindung zwischen Erzähler und Geschichte aufmerksam macht. Der „Treppenwitz“ der Geschichte als Erzählung und als Sammelplural Geschichte im Sinne von Historie wird hier vorgeführt, indem eine einzelne Geschichte in einer historischen Nacht spielt. Zudem wird der Zusammenhang zwischen Sehen, also dem passiven, visuellen Erleben und Erzählen, also der aktiven, lautmalerischen Handlung thematisiert durch die paradoxe Erzählsituation eines auktorialen, weil toten Ich-Erzählers.
Durch einen mehrfachen Wechsel der Erzählperspektive entstehen unterschiedliche Erzählsituationen. Die Abfolge beziehungsweise der Verlauf der Perspektivenwechsel stellt einen bestimmten Prozess dar, den ich hier aufzeigen werde. Die ungewöhnliche Tatsache, dass die verschiedenen Erzählsituationen dennoch immer an einen Erzähler gebunden sind, welcher zwar kurzzeitig zurücktritt, aber immer präsent ist durch die grammatische Erste Person Singular, macht den Roman Nox so interessant für einen erzähltheoretischen Interpretationsansatz.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung des Haupterzählers

2.1 Der Erzähler als Figur innerhalb der Handlung

2.2 Der Erzähler als Stimme

2.3 Der Erzähler im Jenseits

3. Weitere erzählende Instanzen

3.1 Der Hund

3.2 David

4. Zusammenfassung

5. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die erzähltheoretischen Besonderheiten von Thomas Hettches Roman Nox, wobei der Fokus insbesondere auf der paradoxen Erzählsituation eines toten, aber auktorial erzählenden Ich-Erzählers liegt und wie durch diesen Perspektivenwechsel die Verbindung zwischen Erzähler, Geschichte und Historie konstruiert wird.

  • Analyse der Erzählsituation des postmortalen Ich-Erzählers
  • Untersuchung der Bedeutung von Erzählen und Sprache im Kontext von Gewalt und Schmerz
  • Rolle weiterer erzählender Instanzen wie dem Hund und der Figur David
  • Deutung der Verbindung zwischen individueller Geschichte und dem historischen Ereignis des Mauerfalls
  • Reflexion über die Gattungszugehörigkeit und den dekonstruktivistischen Charakter des Romans

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Erzähler als Figur innerhalb der Handlung

Wer ist der Erzähler? Das Erste Wort der Geschichte: „Ich“ (S. 9),1 legt nahe, dass es sich hier um einen Ich-Erzähler handelt, also eine Ich-Erzählsituation2 vorliegt, in welcher die Perspektive auf eine Person, nämlich das Ich, beschränkt ist.

Der zweite Satz wirft da schon mehr Fragen auf: Woher weiß der Ich-Erzähler, der das Messer ja nicht sieht, dass sie es „vor kurzem erst gekauft hat“ (S. 9) und das „das Heft mit großen stählernen Nieten […] aus schwarzen Holz (war)“ (S. 9)?

Der Erzähler berichtet also Dinge, die er zum Zeitpunkt des Geschehens nicht wissen kann. Der Text ist in der Vergangenheit geschrieben, es besteht also die Möglichkeit, dass der Erzähler über etwas berichtet, was sich in seiner Vergangenheit zugetragen hat und über das er in der Zeit zwischen Geschehen und Erzählung mehr erfahren hat. Zum Beispiel könnte er ja später mit der Frau gesprochen haben und diese hat ihm mitgeteilt, dass sie das Messer erst vor kurzem gekauft hatte und wie es aussah und auch, dass es „angenehm schwer“ (S. 9) in der Hand gelegen hatte. Da das Messer jedoch benutzt wurde, um den Ich-Erzähler umzubringen, scheidet diese Möglichkeit – realistisch betrachtet - aus. Zumal in dem folgenden Text noch mehr Begebenheiten erzählt werden, die der Erzähler nicht wissen und – nach seinem Tod – auch eigentlich nicht erzählen kann. Der Ich-Erzähler berichtet also quasi aus dem Jenseits in auktorialem Stil. Dadurch entsteht eine epische Distanz zum Geschehen, die durch einen nüchternen, nahezu emotionslosen Erzählstil verstärkt worden ist: „Noch eine ganze Weile hielt sie das Messer über mir. Schwer und angenehm fühlte sie es in ihrer Hand. Da war ich längst tot.“(S. 10)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die erzähltheoretische Problemstellung des Romans und die Bedeutung der Erzählperspektive.

2. Charakterisierung des Haupterzählers: Analyse der Entwicklung des Erzählers von der personalen Figur hin zum postmortalen, auktorialen Ich-Erzähler.

3. Weitere erzählende Instanzen: Untersuchung der Rollen von Hund und David als zusätzliche, den Haupterzähler beeinflussende erzählende Instanzen.

4. Zusammenfassung: Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse zur Erzählstruktur und der Verbindung von Autor und Erzähler.

5. Fazit: Einordnung des Romans Nox jenseits von Gattungszuschreibungen wie Wenderoman und Reflexion über die Bedeutung der Erzählweise.

Schlüsselwörter

Thomas Hettche, Nox, Erzähltheorie, Ich-Erzähler, Postmortales Erzählen, Auktoriale Perspektive, Narratologie, Geschichte als Historie, Dekonstruktivismus, Erzählinstanz, Wiederholung, Gewalt, Erinnerung, Sprache

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit widmet sich einer erzähltheoretischen Analyse von Thomas Hettches Roman Nox, mit einem speziellen Fokus auf die komplexe und ungewöhnliche Erzählsituation.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Rolle des Erzählers (besonders nach dessen Tod), das Verhältnis von Erzählen und Handeln sowie die Reflexion über Geschichte und individuelle Geschichten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die spezifische Erzählweise des Romans die Verbindung zwischen Erzähler und Geschichte reflektiert und das Verständnis von Historie und Erzählen problematisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine erzähltheoretische Analyse durchgeführt, die den Roman auf Basis narratologischer Konzepte untersucht und in einen literaturwissenschaftlichen Kontext einbettet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Charakterisierung des Haupterzählers, den Bruch durch dessen Tod, die Rolle des Hundes sowie der Figur David als weitere erzählende Instanzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören Erzähltheorie, postmortales Erzählen, auktorialer Ich-Erzähler, Dekonstruktivismus und die Verschränkung von Geschichte und Historie.

Wie unterscheidet sich die Jenseitige Welt von der realen Welt im Roman?

Die reale Welt ist die Ebene des Geschehens, während die Jenseitige Welt den Ort darstellt, an dem der bereits tote Erzähler auktorial überblickt und durch den Hund eine metanarrative Einordnung erfährt.

Warum spielt der Hund eine zentrale Rolle für den Erzähler?

Der Hund agiert als Beobachter und Vermittler, der den Erzähler dazu auffordert, sich zu erinnern, und als instanzübergreifende Figur die Bedeutung des Erzählens als solches verdeutlicht.

Excerpt out of 20 pages  - scroll top

Details

Title
Die unterschiedlichen Erzählsituationen in Thomas Hettches Roman "Nox"
College
University of Mannheim  (Universität Mannheim)
Course
Proseminar Erzähltheorie
Grade
2,0
Author
Sandra Schwab (Author)
Publication Year
2007
Pages
20
Catalog Number
V87000
ISBN (eBook)
9783638019637
ISBN (Book)
9783638920414
Language
German
Tags
Erzählsituationen Thomas Hettches Roman Proseminar Erzähltheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sandra Schwab (Author), 2007, Die unterschiedlichen Erzählsituationen in Thomas Hettches Roman "Nox", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87000
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  20  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint