Dem Thema der Rundfunkarbeit deutscher Emigranten im Exil, darunter auch den Radioreden von Thomas Mann wird in der Forschungsliteratur weitgehend wenig und wenn, dann meist oberflächliche Beachtung beigemessen. Die nachstehende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Radioreden unter dem Gesichtspunkt des Mediums Rundfunk als Propagandamittel.
Eingangs bietet sie im 2.Kapitel eine Einbettung in die politische Ausgangssituation Thomas Manns´, indem sie anhand wichtiger Stationen sein politisches Engagement in der Entwicklung, die zu den Radioreden, dem eindringlichsten Produkt seines politisch-publizistischen Schaffens, führte, liefert. Das 3.Kapitel beleuchtet die spezielle Rolle des Auslandsrundfunks in der Kriegsführung des 2. Weltkrieges. Welche Funktion erfüllte der Rundfunk als Propagandamittel, was sollte erreicht werden und wo stieß er an Grenzen? Im 4.Kapitel geht die Verfasserin speziell auf die britische monopolisierte Radiostation BBC als maßgebliches Propagandaorgan Großbritanniens 3 ein, über dessen Äther Thomas Mann seine Radioansprachen „Deutsche Hörer!“ 1940-1945 an die Deutschen verschickte.
Beginnend bei den strukturierten Rahmenbedingungen, in denen der BBC wirkte über eine Betrachtung der Empfangssituation in Deutschland bis hin zur Rolle Thomas Manns´ im BBC als deutscher Exilant.
Die nachstehende Hausarbeit stellt nicht den Anspruch einer vollständigen Auseinandersetzung mit den Radioreden „Deutsche Hörer!“ von Thomas Mann. So werden Inhalte/ Form der Radioansprachen sowie Wirkung, die sie bei den Deutschen in der Rezeption hervorriefen, nicht berücksichtigt. Ziel dieser Arbeit ist es, Thomas Manns´ Radioreden „Deutsche Hörer!“ anhand der näheren Beleuchtung der politischen Bedeutung des Mediums Rundfunk aus dem Exil als Propaganda- und Kriegsmittel im „psychological warfare“ des 2. Weltkriegs einmal mehr in das Blickfeld der Betrachtung zu rücken. Dies geschieht durch ein Literaturstudium mehrerer Quellen, aus denen zusammengetragen ein klares Bild herausgearbeitet werden soll. Das Schlagwort Radio-/ Ätherkrieg, wie es oft verwendet wird, rechtfertigt und zeigt die Wichtigkeit einer Auseinandersetzung mit den Radioreden unter dieser Zielsetzung.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. THOMAS MANN: DER WEG ZUM BBC – KOMMENTATOR
2.1. Kein politisches Engagement bis 1914
2.2. Beginn der Karriere als politischer Publizist
2.3. Umdenkprozess nach dem 1.Weltkrieg
2.4. Warnung vor heraufziehendem Nationalsozialismus
2.5. „Botschafter eines anderen, besseren Deutschlands im Exil“
2.6. Politisches Wirksamwerden in den USA
2.7. Entstehung der Rundfunkreden „Deutsche Hörer“
3. RUNDFUNK ALS MITTEL PSYCHOLOGISCHER KRIEGSFÜHRUNG
3.1. Definition von Auslandsrundfunk und Entwicklung
3.2. Funktion und Intention
3.3. Grenzen der Wirkung
4. DIE BBC IM BRITISCHEN PROPAGANDAAPPARAT
4.1. Organisationsstruktur
4.2. Staatlicher Einfluss
4.3. Der deutsche Dienst und seine Programmstruktur
4.4. Grundsätze und Strategie
4.5. Monitoring Service
4.6. Empfangssituation in Deutschland und Einsatz von Störsendern
4.7. Thomas Mann als Exilant beim BBC
5. ZUSAMMENFASSUNG
6. SCHLUSSBEWERTUNG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Thomas Manns Radioreden „Deutsche Hörer!“ unter dem Fokus des Auslandsrundfunks als Instrument der psychologischen Kriegsführung im Zweiten Weltkrieg. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welche Rolle das Medium Rundfunk als Propagandamittel einnahm und welche strukturellen sowie praktischen Rahmenbedingungen bei der BBC für diese Exilpublizistik maßgeblich waren.
- Thomas Manns Weg vom unpolitischen Ästheten zum Exil-Kommentator
- Der Auslandsrundfunk als Instrument der psychologischen Kriegsführung
- Strukturen und Arbeitsweise der BBC im britischen Propagandaapparat
- Die „Strategie der Wahrheit“ und ihre propagandistische Wirkung
- Rahmenbedingungen und Empfangssituation in Deutschland
Auszug aus dem Buch
3.1. Definition von Auslandsrundfunk und Entwicklung
„Unter Auslandsrundfunk zu verstehen ist die öffentliche und drahtlose Ausstrahlung von Programmen mittels elektromagnetischer Wellen mit primärer Zielrichtung in einen Staat jenseits der eigenen Grenzen.“
Die primäre Zielgerichtetheit ins Ausland nimmt die Abgrenzung zu nationalen Rundfunkdiensten vor, die auch oft grenzüberschreitend empfangen werden können. Die drahtlose Ausstrahlung schließt andere Verbreitungsmöglichkeiten aus. Sie kann nicht generell verhindert werden. Die Ausstrahlung erfolgt mittels elektromagnetischer Wellen -transnational vorrangig über Kurzwellen-, wodurch ebenfalls die Möglichkeit der generellen Verbreitung im Zielgebiet besteht. Der öffentliche Charakter von Rundfunkprogrammen manifestiert sich in der öffentlichen Ausstrahlung, wie sie von jedermann empfangen werden können. Auslandsrundfunk impliziert sowohl Hörfunk als auch Fernsehen. Diese Arbeit bezieht sich im folgenden nur auf Hörfunk.
Historisch betrachtet gab es zunächst die vor 1933 gegründeten, offiziellen Rundfunksender. 1933-1939 traten erste Formen antifaschistischer Rundfunkarbeit deutscher Emigranten auf, deren Basis zumeist auf Initiative politischer Gruppen beruhte. Die dritte Gruppe bilden die Rundfunkeinrichtungen, die während des Krieges gegründet wurden und zusehends perfektionistisch betrieben wurden. Zwischen Kriegsbeginn und –ende nahm die Zahl der Staaten, die einen Kurzwellensender betrieben, von 26 auf 55 zu.
Solange sich die Exilpublizistik auf gedruckte Veröffentlichungen beschränkte, hatte sie mit Ausnahme von geschmuggelten Tarnschriften kaum eine Chance auf Erreichbarkeit des Zielpublikums in Deutschland. Für Radiowellen stellen Staatsgrenzen kein Hindernis dar, so dass mit der Entdeckung des Mediums Rundfunk die Hoffnung auf eine Breitenwirkung der Propaganda einherging.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Autorin legt die Thematik und Zielsetzung der Arbeit dar, die den Fokus von rein inhaltlichen Aspekten auf die medien- und propaganda-spezifische Rolle des Auslandsrundfunks verschiebt.
2. THOMAS MANN: DER WEG ZUM BBC – KOMMENTATOR: Dieses Kapitel zeichnet die politische Entwicklung Thomas Manns nach und erklärt, wie er schließlich zum Kommentator der BBC wurde.
3. RUNDFUNK ALS MITTEL PSYCHOLOGISCHER KRIEGSFÜHRUNG: Hier wird der theoretische Rahmen des Auslandsrundfunks im Zweiten Weltkrieg beleuchtet, einschließlich seiner Funktionen, Intentionen und Wirkungsgrenzen.
4. DIE BBC IM BRITISCHEN PROPAGANDAAPPARAT: Das Kapitel analysiert die Organisationsstruktur, die Zensurvorgaben und die strategischen Grundsätze der BBC als zentrales Instrument der britischen Propaganda.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Die zentralen Ergebnisse der Untersuchung, insbesondere zur Rolle Thomas Manns und der Funktionsweise der BBC, werden hier noch einmal prägnant zusammengeführt.
6. SCHLUSSBEWERTUNG: Die Autorin reflektiert die Relevanz der Arbeit und betont den Erkenntnisgewinn über die Radioreden, die in der Forschung bisher wenig Beachtung fanden.
Schlüsselwörter
Thomas Mann, Deutsche Hörer, BBC, Auslandsrundfunk, Propaganda, Psychologische Kriegsführung, Psychological Warfare, Exilpublizistik, Radio, Nationalsozialismus, Monitoring Service, Kurzwellen, Gegenpropaganda, Strategie der Wahrheit, Zweiter Weltkrieg
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den Radioreden von Thomas Mann („Deutsche Hörer“) und untersucht diese unter dem Aspekt des Rundfunks als Propagandamittel aus dem Exil während des Zweiten Weltkriegs.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die politische Biografie Thomas Manns, die Theorie der psychologischen Kriegsführung über Rundfunk sowie die strukturelle Arbeitsweise und Propaganda-Strategien der BBC.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Fokus auf die journalistisch-publizistische Rolle des Auslandsrundfunks zu legen und die Bedeutung von Manns Reden im „psychological warfare“ der Alliierten gegen das NS-Regime aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem tiefgehenden Literaturstudium verschiedener Quellen, um die politischen und medienpraktischen Hintergründe des Auslandsrundfunks wissenschaftlich aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Entwicklung Thomas Manns, die allgemeine Rolle des Rundfunks im Krieg und eine detaillierte Analyse der BBC als Instrument des britischen Propagandaapparates.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Thomas Mann, BBC, Propaganda, psychologische Kriegsführung, Exilpublizistik und Auslandsrundfunk charakterisiert.
Warum war Thomas Mann eine Ausnahme bei der BBC?
Während andere Exilanten bei der BBC meist anonym blieben, stellte Thomas Mann eine einzigartige Ausnahme dar, da er namentlich zu seinen deutschen Hörern sprechen konnte.
Welche Rolle spielte der Monitoring Service der BBC?
Der Monitoring Service war für das systematische Abhören ausländischer Stationen zuständig, um Informationen schnellstmöglich zu verarbeiten und eine effektive Gegenpropaganda zu ermöglichen.
Wie versuchte das NS-Regime, die Propaganda zu stören?
Neben der Androhung drakonischer Strafen für das Abhören von „Feindsendern“ nutzte das Regime technisch Störsender (Jamming) und förderte die Verbreitung des Volksempfängers, der keine Kurzwelle empfangen konnte.
Was war der Grundsatz „Strategy of Truth“?
Die BBC verfolgte die Strategie, durch eine möglichst objektive und wahre Berichterstattung das Vertrauen der Hörer zu gewinnen, um sich von der NS-Propaganda zu differenzieren und als verlässliche Quelle zu etablieren.
- Citar trabajo
- Bachelor of Arts Silvia Stillert (Autor), 2004, Propaganda via Auslandsrundfunk - Die Radioreden „Deutsche Hörer“ von Thomas Mann aus dem britischen Exil (1940-1945), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87217