Die Taufe als Grunddatum christlichen Glaubens

Biblische, geschichtliche und persönliche Aspekte


Seminararbeit, 2005
26 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhalt

1 Vorbemerkung

2 Begriffliche Klärungen
2.1 Definition
2.2 Die gottesdienstliche Handlung
2.3 Rechtlicher Status

3 Geschichtliche Entwicklung
3.1 Biblische Grundlagen
3.1.1 Die alttestamentarische Zeit
3.1.2 Das Neue Testament
3.1.2.1 Johannes der Täufer
3.1.2.2 Jesus
3.1.2.3 Die Jünger
3.2 Die Taufe in der Urgemeinde
3.3 Die Apostolische Tradition Hippolyts
3.4 Geschichtliche Meilensteine
3.5 Evangelische Taufpraxis heute

4 Zur Bedeutung der Taufe
4.1 Die Taufe als Gabe Gottes
4.2 Die Taufe als einmalige Handlung
4.3 Die Nachfolge Christi
4.4 Zur Symbolik der Taufe
4.5 Und Gott sprach: Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier [...]
4.6 Taufe und Familie
4.6.1 Was hat die Taufe mit der Familie zu tun?
4.6.2 Rituale
4.7 Kindertaufe vs. Erwachsenentaufe
4.7.1 Für die Glaubenstaufe
4.7.2 Für die Kindertaufe
4.7.3 Schlussfolgerung - Synthese

5 Schlusswort

6 Literaturverzeichnis

1 Vorbemerkung

Das Thema der vorliegenden Arbeit entstand aus einem eher persönlich gehaltenen Gespräch mit der Seminarleitung zum Problem der Kindertaufe im Hinblick auf die baldige Geburt meines eigenen Kindes. Gerade dieser einschneidende Schritt - die Entscheidung für ein Kind zu sorgen und es auf einem richtigem Weg zu begleiten – veranlasste mich bereits im Vorfeld, die Feier der christlichen Taufe tiefgehender zu hinterfragen. In verschiedener Literatur und zahlreichen Gesprächen suchte ich nach Antworten auf die Fragen und Zweifel, die sich relativ schnell auftaten: Was unterscheidet das getaufte Kind von dem der guten Freunde, die noch nie einen Fuß in die Kirche gesetzt haben? Ist es richtig, diese Entscheidung zu treffen, solange das Kind sie nicht bejahen kann? Warum also nicht noch warten? Was soll da warum vor anderen Menschen öffentlich bekundet werden? Welche Rolle spielt eigentlich der Pastor und wer eignet sich überhaupt für das Amt des Paten? Wenn die Taufe als das höchste Sakrament angesehen wird – warum wird im Neuen Testament scheinbar nicht ein einziges Kind getauft? Und was macht das Ganze heute letztendlich überhaupt noch für einen Sinn?

Diese Arbeit soll also Antworten finden und helfen, die Übersicht zu bewahren bzw. zu erlangen. Gerade das Übersichtshafte ist es, das die Arbeit dem Charakter einen einführenden Seminars gerecht werden lassen soll – eine allzu detaillierte und tiefgründige Betrachtung ist im Rahmen desselben nicht möglich. Trotz allem soll und muss jedoch der Spagat zwischen persönlicher und fachwissenschaftlicher Betrachtung erreicht werden, um der Aufgabenstellung gerecht zu werden. Zu diesem Zweck werden die persönlichen Aspekte in die Vorbemerkung und das zusammenfassende Schlusswort verlagert, der Hauptteil der Arbeit wird objektiv-wissenschaftlich gehalten sein.

Entsprechend der obigen Fragestellungen ist die Arbeit in erster Linie nach persönlicher Interessenlage gegliedert und beginnt mit der ganz allgemeinen Beschäftigung mit dem Begriff der Taufe.

Darauf folgt die geschichtliche Entwicklung der Feier derselben, wobei ich besonderen Wert auf die textnahe Arbeit am Neuen Testament legen werde. Zahlreiche Textstellen sollen dies belegen.

Im 4. Kapitel sollen etwas detailliertere Ausführungen zur Bedeutung der Taufe folgen, die verschiedene Aspekte aufgreifen werden, um so die gesuchten Antworten auf die gestellten Fragen (siehe oben) zu finden.

2 Begriffliche Klärungen

Um das Thema einzuleiten und seiner inhaltlichen Fülle gerecht zu werden, sollen an dieser Stelle zunächst einmal begriffliche Klärungen vorgenommen werden, die den Begriff der Taufe inhaltlich abstecken.

2.1 Definition

Bei der Taufe handelt es sich um den allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften gemeinsamen Ritus der Aufnahme in die christliche Gemeinde (Kirche).[1] Die Kirche hat die Aufgabe, das Evangelium weiterzugeben durch das mündliche Wort der Predigt, den Zuspruch an die einzelne Person, sowie durch die Taufe und das Abendmahl. Die beiden letzteren werden Sakramente genannt (bestimmte, göttliche Gnaden vermittelnde Handlungen[2]), derer es in der evangelischen Kirche nur diese zwei gibt.

Das Sakrament der Taufe begründet die besondere, unauflösbare Gemeinschaft des Getauften mit Gott[3] und gilt als christliche Symbolhandlung, welche im Neuen Testament am häufigsten bezeugt ist (siehe Kap. 3.1.). In dieser Handlung ist Jesus Christus durch den Heiligen Geist gegenwärtig[4] und sammelt so seine Gemeinde.

2.2 Die gottesdienstliche Handlung

Die Taufe wird im Rahmen der Taufliturgie unter Namensnennung des Täuflings, Gebet mit Fürbitte, Glaubensbekenntnis und trinitarischer Taufformel (im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes)[5] mit Wasser vollzogen. Jesus nimmt den der Sünde und dem Sterben verfallenen Menschen unwiderruflich in seine Heilsgemeinschaft auf, damit er eine neue Kreatur sei.[6]

In der frühen Kirche und den heutigen Ostkirchen wird der Täufling durch dreimaliges Untertauchen in das Taufbecken getauft, in fast allen christlichen Kirchen und Gemeinschaften abendländischer Tradition geschieht dies durch das dreimalige Begießen des Kopfes, bei den Baptisten durch das Untertauchen des ganzen Körpers.[7]

In der Regel spendet ein Geistlicher (z.B. Pastor) die Taufe. In Ausnahmesituationen, wie z.B. der drohenden Todesgefahr eines Kindes, kann die Taufe von jedem Menschen vollzogen werden, der die Absicht hat, damit das zu tun, was Jesus Christus bzw. die Kirche getan haben will.[8] Hier spricht man von der Nottaufe.

2.3 Rechtlicher Status

Die Taufe begründet auch die Kirchenmitgliedschaft des Getauften in einer bestimmten christlichen Religionsgemeinschaft. Die Beendigung dieser durch Austritt jedoch macht die Taufe nicht ungeschehen[9] und die Kirche ist auch weiterhin zu seelsorgerischer Verantwortung verpflichtet. Es unterscheidet sich aber der kirchenrechtliche Status ausgetretener Personen von dem der Konfessionslosen, die nie einer Kirche angehört haben durch die Tatsache des Getauftseins.[10] Bei einem Wiedereintritt in die Kirche wird die Taufe nicht wiederholt.

Auch begründet die Taufe die Zugehörigkeit zu einer konkreten Ortskirche (Kirchengemeinde, Landeskirche etc.) und diese Mitgliedschaft berechtigt zur Inanspruchnahme kirchlicher Handlungen, zur Teilnahme am Abendmahl, zum Patenamt, zur Wahl als Kirchenälteste.[11] Sie ist ebenfalls rechtliche Voraussetzung für z.B. statistische Erhebungen oder für die Veranlagung zur Kirchensteuer.

3 Geschichtliche Entwicklung

3.1 Biblische Grundlagen

3.1.1 Die alttestamentarische Zeit

Ältere Zeugnisse für Taufhandlungen lassen sich z.B. in der jüdischen Proselytentaufe sehen: Hier ging es um den Übertritt von Menschen der frühen Antike zum Judentum („Proselyten“), was in der Regel durch Taufe symbolisiert wurde. Dies war ursprünglich ein wohl normaler Bestandteil des Judentums, wie folgende Textstelle aus dem Neuen Testament bestärkt: [...] und alle sind auf Mose getauft worden durch die Wolke und durch das Meer.[12] Diese Handlung bedeutete die Identifikation mit dem Judentum und es handelte sich um eine Selbsttaufe auf den Namen Mose (erst Johannes taufte andere Menschen).[13]

Unter den verschiedenen Strömungen des Judentums (z.B. Sadduzäer, Pharisäer, Zeloten...) fand sich auch die sog. Qumrangemeinschaft, die sich offenbar im 2. Jahrhundert v. Chr. in unbewohnter Gegend am Nordwestufer des Toten Meeres nieder gelassen hatte. Diese Gemeinschaft war straff organisiert und verfolgte das Prinzip der sittlichen und körperlichen Reinheit zur Vorbereitung auf die kommende Welt. Dazu gehörten u.a. auch tägliche Waschungen, die sicherlich taufähnlichen Charakter trugen.[14]

3.1.2 Das Neue Testament

Gerade im Neuen Testament ist die Taufe vielfach bezeugt, was die folgenden Textstellen und Beispiele belegen und erläutern sollen.

3.1.2.1 Johannes der Täufer

Johannes der Täufer bildet zu Beginn eines jeden der vier Evangelien einen wichtigen Gegenstand: Er ist der, der Jesus Christus vorangeht („Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.“[15]) und mit Wasser tauft (Ich taufe euch mit Wasser zur Buße...[16]).

Im Markusevangelium wird, wenn auch nur kurz, auf zwei grundlegende Aspekte der Johannestaufe hingewiesen:

- die eschatologische Ausrichtung
- enge Verbindung mit der Umkehr des Menschen[17]

Johannes selbst kann als eschatologische Figur gesehen werden, der als Wegbereiter des Herrn gesandt ist[18], um einen Auftrag auszuführen. Dies alles geschieht im Hinblick auf das Himmelreich, das nah herbeigekommen ist[19]. Ein Prozess wird in Gang gesetzt, der im göttlichen Gericht sowie der Erlösung durch den Messias, Jesus Christus, gipfeln wird.

Zum zweiten Punkt, der Umkehr des Menschen durch die Taufe, ist es wichtig auf den Begriff der Buße zu verweisen. Johannes predigt in der Wüste von Judäa: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nah herbeigekommen.[20] Die enge Verknüpfung von Buße und Endzeit (Punkt 1) wird hier besonders deutlich, denn aufgrund des nahenden Gerichts will Johannes die Menschen zu Umkehr und Buße bewegen. Das Markusevangelium spricht von einer Taufe der Buße[21], die die Menschen rein machen soll von ihren Sünden und Vergebung bringt.

3.1.2.2 Jesus

Nachdem Jesus selbst sich hatte taufen lassen durch Johannes den Täufer, was als Geste der Solidarität mit dem ganzen jüdischen Land und allen Bewohnern von Jerusalem[22] gesehen wird, spielt er natürlich selbst eine entscheidende Rolle in der Entwicklung des Taufgeschehens, zumal der Ursprung der christlichen Taufe in seinem Taufbefehl gesehen werden kann:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes [...][23]

Die Taufe ist hier ein Zeichen dafür, dass der alte Mensch mit Christus gekreuzigt wurde, d.h. ein Begräbnisgleichnis bzw. Symbol für den Tod.

Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft? So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.[24]

Getauft wird also auf den Namen Jesus Christus, was den Täufling selbst mit dem Leib Christi, d.h. der Gemeinde Gottes, verbindet: Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft.[25] Im Galaterbrief ist die Rede von den Getauften die durch eben diese Taufe Christus angezogen haben.[26]

Ob Jesus selbst getauft hat – darüber schweigen die synoptischen Evangelien sich aus. Im Johannesevangelium jedoch wird zweimal eine derartige Tätigkeit erwähnt:

[...]


[1] Brockhaus, Bd. 5: S. 4581

[2] Der kleine Duden Fremdwörterbuch.- Mannheim, Wien, Zürich: Duden, 1991

[3] Brockhaus, Bd. 5: S. 4581

[4] Hüffmeier, Wilhelm (Hrsg.): Zur Lehre und Praxis der Taufe.- Frankfurt am Main: Lembeck, 1995. (Leueneberger Texte; H.2) S. 16

[5] siehe z.B.: Mk 28, 19: Taufet sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes...

[6] Hüffmeier: S. 16

[7] siehe Brockhaus: S. 4581

[8] ebd.

[9] siehe Hüffmeier: S. 23

[10] www.ekd.de/EKD-Texte/taufe/taufe1.html

[11] ebd.

[12] 1. Kor 10, 2

[13] siehe www.evangelikal.de/taufe.html

[14] siehe Groß, Romana: www.judentum-projekt.de/geschichte/altertum/stroemungen/

[15] Mk 1, 2

[16] Mt 3, 11

[17] Beasley-Murray, George R.: Die christliche Taufe. Eine Untersuchung über ihr Verständnis in Geschichte und Gegenwart.- Kassel: J. G. Onken, 1968: S. 53

[18] Mk 1, 2: Wie geschrieben steht im propheten Jesaja: „Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her, der deinen Weg bereiten soll.“

[19] Mt 3, 2

[20] Mt 3, 2

[21] Mk 1, 4

[22] Mk 1, 5

[23] Mt 28, 18-19 (sowie auch Mk 16, 15 und Joh 4, 1-2)

[24] Röm 6, 3-4

[25] 1. Kor 12, 13

[26] Gal 3, 27

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Taufe als Grunddatum christlichen Glaubens
Untertitel
Biblische, geschichtliche und persönliche Aspekte
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Theologie)
Veranstaltung
Was muss man vom christlichen Glauben wissen, um schulischer Bildung zu genügen?
Note
2
Autor
Jahr
2005
Seiten
26
Katalognummer
V87895
ISBN (eBook)
9783638037617
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Taufe, Grunddatum, Glaubens, Glauben, Bildung
Arbeit zitieren
Antje Köpnick (Autor), 2005, Die Taufe als Grunddatum christlichen Glaubens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87895

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