Diese Hausarbeit beleuchtet die Wendenzüge, die Waldemar I. als dänischer König führte. Die Quellenlage zu diesem Thema ist nur in begrenztem Umfang vorhanden, was die Quantität der zu diesem Thema verfassten Literatur deutlich einschränkt. Aufgrund dieser Tatsache werfen sich die Fragen nach den verschiedenen Arten der Quellen und deren Glaubwürdigkeit auf.
Im ersten Abschnitt dieser Arbeit werden die verschiedenen Quellen vorgestellt. Begonnen wird mit der Erläuterung der schriftlichen Quellen, woraufhin ein Blick auf die materiellen Quellen folgt. Diese werden kurz beschrieben, um anschließend ihre Bedeutung für die Forschung darzustellen. Als abschließendes Segment dieses ersten Abschnitts wird die Ortsnamen-Forschung erläutert und ihre Nützlichkeit dargelegt.
Als primäres Ziel soll nun die Darstellung der historischen Begebenheiten und die Frage nach den Voraussetzungen respektive den Motiven des dänischen Königs erarbeitet werden.
Im zweiten Abschnitt wird die historische Situation vor 1159 aufgezeigt. [...]
Unter welchen Voraussetzungen griff Waldemar I. die Wenden an? Welche Motive hegte er dabei und was war der Auslöser dieser gewaltsamen Auseinandersetzungen, die über Jahre andauerten?
Im darauf folgenden Segment werden die Wendenzüge beschrieben, wobei hauptsächlich auf die Werke von Bengt Büttner und Thomas Riis zurückgegriffen wird. [...]
Abschließend wird auf eine Kontroverse hingewiesen, die sich über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat und deren zentrale Fragestellung noch immer nicht vollständig geklärt werden konnte. Es handelt sich um die Datierung der Eroberung Rügens. Sie greift die Frage auf, ob die Insel 1168 oder aber 1169 von den Dänen erobert wurde. Diese Kontroverse wird von Ralf-Gunnar Wehrlich in einem ca. 35 Seiten umfassenden Aufsatz dargestellt. Ich weise darauf hin, dass ich Wehrlichs Darstellung nicht zur Beantwortung der Datierungsfrage verwenden möchte, sondern es sich lediglich um die Darstellung der Kontroverse handelt, da diese unmittelbar die Forschung zu den Wendenzügen betrifft. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Frage nach den Quellen und deren Wert
2.1 Die unterschiedlichen Quellengattungen
2.2. Saxo Grammticus (ca. 1150 bis ca. 1220)
2.3. Helmold von Bosau (1120 – 1177)
2.4. Die materiellen Quellen – Die Hilfe der Archäologie
2.5. Die Ortsnamen als Hilfsmittel der Forschung
3. Die Wendezüge vom Beginn 1159 bis zur Eroberung 1168/69
3.1. Die historischen Begebenheiten vor 1159
3.2. Der Beginn der Wendenzüge – Voraussetzungen und Motive
3.3. Der Verlauf der Wendenzüge
3.4. 1168 oder 1169? – Die Eroberung Arkonas
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Wendenzüge unter dem dänischen König Waldemar I. mit einem besonderen Fokus auf die Quellenlage, die historischen Hintergründe sowie die Motive der Auseinandersetzungen, die in der Eroberung Rügens gipfelten. Zudem wird die wissenschaftliche Kontroverse um die exakte Datierung des Falls von Arkona beleuchtet.
- Analyse der zeitgenössischen schriftlichen und materiellen Quellen
- Darstellung der politischen und religiösen Motive für die militärischen Feldzüge
- Untersuchung des Verlaufs der Wendenzüge und der dänisch-sächsischen Zusammenarbeit
- Diskussion der historischen Kontroverse zur Datierung der Eroberung Rügens
Auszug aus dem Buch
3.2. Der Beginn der Wendenzüge – Voraussetzungen und Motive
Als König Waldemar 1157 die Thronkämpfe mit einem Sieg gegen Svend III. beendete und aus diesen als alleiniger König Dänemarks hervorging, begann die Ära der dänischen Wendenzüge. Das wirft die Frage auf, weshalb Waldemar die Wenden angriff. Welche Gründe und Motive hatte der dänische König, die Wenden anzugreifen? Unter bestimmten Voraussetzungen entwickelten sich die Gründe für die Wendenzüge.
Die Ranen siedelten auf einer Insel und richteten sich daher besonders in Richtung des Meeres aus. Zusätzlich besaßen sie die Fähigkeiten des Schiffbaus, wodurch ihnen das Meer zugänglich wurde.
So kam es schon früh, dass die Ranen auf dem Seeweg zu den dänischen Inseln fuhren und durch Plünderungen die Aufmerksamkeit Waldemars auf sich zogen. Auf der einen Seite waren die Slawen, besonders das Volk der Ranen, kriegerisch und brutal veranlagt, auf der anderen Seite fühlten sie sich, bedingt durch die Ostkolonisation der Sachsen, in ihren Ländereien eingeengt. Während Riis aufführt, dass die Wenden sich durch ihre Plünderungen und Raubzüge Handelswaren beschafften, schreibt auch Büttner, dass besonders die Rügenslawen den Wikingern in Wirtschafts- und Lebensweise ähnelten und durch ihre Orientierung zum Meer dem Handel und der Piraterie eine hohe Bedeutung gaben. Ganz einfach gehalten, kann man sagen, dass es Art und Weise des ranischen Lebens war, sich durch Raubzüge eine Handels- und Lebensbasis zu schaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Hausarbeit, die Quellenlage darzulegen und die historischen Voraussetzungen sowie Motive der Wendenzüge unter Waldemar I. zu untersuchen.
2. Die Frage nach den Quellen und deren Wert: Dieser Abschnitt klassifiziert die verfügbaren schriftlichen Quellen, wie Saxo Grammaticus und Helmold von Bosau, und ordnet ergänzende archäologische sowie ortsnamenkundliche Erkenntnisse ein.
3. Die Wendezüge vom Beginn 1159 bis zur Eroberung 1168/69: Das Kapitel analysiert die historische Ausgangslage vor 1159, die Motive des dänischen Königs, den militärischen Verlauf der Züge und die langanhaltende Datierungskontroverse bezüglich der Eroberung Arkonas.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet den Wert der herangezogenen Quellen und resümiert die Entwicklung der Motive Waldemars I. von reiner Verteidigung hin zu einer expansionistischen Politik.
Schlüsselwörter
Wendenzüge, Waldemar I., Rügen, Arkona, Saxo Grammaticus, Helmold von Bosau, Dänemark, Slawen, Christianisierung, Ostseeraum, Heinrich der Löwe, Quellenkritik, Mittelalter, Landnahme, Geschichtsschreibung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den militärischen Feldzügen des dänischen Königs Waldemar I. gegen die Wenden und die Ranen, die im 12. Jahrhundert stattfanden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse zeitgenössischer Chroniken, die Untersuchung der slawischen Siedlungsgeschichte sowie die politischen und religiösen Gründe für die dänische Expansion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historischen Ereignisse und die sich wandelnden Motive des dänischen Königs bei den Wendenzügen fundiert darzustellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die primär auf der Auswertung und dem Vergleich zeitgenössischer schriftlicher Quellen und ergänzender archäologischer Forschungsergebnisse basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Quellenkritik, die historische Ausgangslage, die Beschreibung der militärischen Verläufe und die wissenschaftliche Kontroverse um die Datierung der Eroberung Arkonas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Wendenzüge, Waldemar I., Arkona, Christianisierung und mittelalterliche dänische Außenpolitik charakterisiert.
Warum gibt es eine Kontroverse um die Datierung der Eroberung von Arkona?
Die Kontroverse besteht zwischen der dänischen Forschung, die Saxo Grammaticus folgt (1169), und der deutschen Forschung, die sich auf Helmold von Bosau stützt (1168).
Wie bewertet der Autor die Objektivität der Quellen?
Der Autor stellt fest, dass Helmold von Bosau als objektiver wahrgenommen wird, während Saxo Grammaticus aufgrund seiner Nähe zum dänischen Königshaus subjektive Tendenzen und eine Glorifizierung des Königtums aufweist.
- Quote paper
- Thilo Pries (Author), 2007, Die Wendenzüge des dänischen Königs Waldemar I. bis zur Eroberung Rügens 1168/69, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87927