Im Rahmen des Seminars 'Filmwissenschaft: Filmgeschichtsschreibung' sollte kritisch untersucht werden, auf welche unterschiedlichen Arten Filmgeschichte geschrieben wird. In der vorliegenden Arbeit soll dargestellt werden, wie das Österreichische Filmmuseum und das Österreichische Filmarchiv mit Filmgeschichte umgehen und diese schreiben. Dabei sind die unterschiedlichen Geschichten der jeweiligen Institutionen sowie deren unterschiedliche Definition als ‚Museum’ und als ‚Archiv’ zu beachten. Schwierig an der Arbeit war meiner Meinung nach, konkrete Unterschiede in der Darbietung von Filmen heraus zu arbeiten. Das Österreichische Filmmuseum konzentriert sich im Gegensatz zu anderen Filmmuseen, auf die Vorführung von Filmen, bevorzugt Retrospektiven, im Unsichtbaren Kino in Wien. Im Filmmuseum in Berlin, um ein Beispiel zu bringen, dominiert der Ausstellungsraum vor der Filmvorführung. Das Österreichische Filmarchiv auf der anderen Seite, ist für die Institution eines Archivs besonders aktiv in der Öffentlichkeit präsent. Auch hier ist die Vorführung von Filmen in Form von Retrospektiven ein dominierendes Merkmal, Filmgeschichte darzustellen. Dennoch sind bei beiden Institutionen Unterschiede in der Art, Filmgeschichte zu schreiben, anzumerken. Das erste Kapitel der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit dem Österreichischen Filmarchiv. Neben der Diskussion des Begriffs ‚Archiv’ soll kurz dessen Geschichte dargestellt werden. Weiters werden die wichtigsten Aufgaben und die Repräsentation in der Öffentlichkeit herausgearbeitet. Hier soll auch verglichen werden, wie sich die Institution selbst sieht und wie sie von der Öffentlichkeit gesehen wird.
Das zweite Kapitel geht mit der Geschichte und Funktion des Filmmuseums ähnlich vor. Auch hier werde ich die Aufgaben und Aktivitäten des Filmmuseums in Zusammenhang mit dessen Definition als ‚Museum’ bringen. Außerdem führe ich einen kurzen Vergleich mit dem Filmmuseum Berlin an, in dem Film und Filmgeschichte auf völlig andere Weise als in Wien dargestellt wird.
Im dritten Kapitel soll explizit verglichen werden, auf welche Art die beiden vorgestellten Institutionen mit Filmgeschichte umgehen, diese in der Öffentlichkeit präsentieren und so letztlich auch daran mitschreiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Filmarchiv Austria
1.1. Definition des Begriffs ‚Archiv’
1.2. Definition und Geschichte des Filmarchivs Austria
2. Das Österreichische Filmmuseum
2.1. Definition des Begriffs ‚Museum’
2.2. Definition und Geschichte des Österreichischen Filmmuseums
3. Resümee: Unterschiede zwischen Filmarchiv und Filmmuseum in der Filmgeschichtsschreibung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die unterschiedlichen Ansätze des Österreichischen Filmmuseums und des Filmarchivs Austria bei der Vermittlung und Dokumentation von Filmgeschichte. Dabei wird analysiert, wie die institutionsspezifischen Definitionen als „Archiv“ oder „Museum“ sowie die individuellen Präsentationsformen die Wahrnehmung und Schreibweise von Filmgeschichte beeinflussen.
- Vergleichende Analyse der Institutionen Filmarchiv Austria und Österreichisches Filmmuseum.
- Untersuchung der theoretischen Definitionen von „Archiv“ versus „Museum“.
- Diskussion der Bedeutung von Film als audiovisuelles Gedächtnis der Nation.
- Gegenüberstellung von Präsentationsformen, wie dem „Unsichtbaren Kino“ und nationalen Filmgeschichtsschreibungen.
- Einordnung der Rolle von Institutionen bei der Konstruktion von Filmgeschichte.
Auszug aus dem Buch
Das Konzept des Unsichtbaren Kinos
Zum 25-Jahr-Jubiläum des Filmmuseums wurde 1989 das "Unsichtbare Kino" nach dem Konzept von Peter Kubelka eröffnet. Darunter versteht man einen völlig in schwarz gehaltenen Kinosal, der die höchstmögliche Konzentration auf das filmische Ereignis selbst ermöglichen soll. Dem Schwarzen Kino von Peter Kubelka liegt eine besondere Theorie der Filmwahrnehmung zugrunde. Er stellt darin die Frage nach dem Wesentlichen des Mediums und kritisiert unsere üblichen Sehgewohnheiten bei der Rezeption eines Films im Kino. Ein prunkvoller Kinosaal mit seiner Effektbeleuchtung, dem Vorhang und weiteren an das Theater angelehnten Einrichtungsmerkmalen will ‚gesehen’ werden, verschwindet aber während des Films in der Dunkelheit. Damit wird für Kubelka der Film zu etwas dem Saal nicht zugehörigem. Der Film würde sich dem Saal aufdrängen, dieser muss aber unsichtbar sein, um eine alleinige Konzentration auf den Film zu ermöglichen.
Heidrun Unterweger, die in ihrer Diplomarbeit die Wirkung des Unsichtbaren Kinos untersucht, meint dazu: „Peter Kubelka geht davon aus, dass in den sogenannten ‚Kino Theatern’ die Dunkelheit nur ein rein zufälliges Moment, sozusagen ein Gebrechen sei.“
„Der Zuschauer sollte keinerlei Gefühl bekommen für die Größe des Zuschauerraumes, er sollte nur die beleuchtete Leinwand sehen, in Dunkelheit isoliert.“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt das Ziel der Untersuchung dar, die unterschiedlichen Herangehensweisen des Österreichischen Filmmuseums und des Filmarchivs Austria an die Filmgeschichtsschreibung kritisch zu hinterfragen.
1. Filmarchiv Austria: Dieses Kapitel definiert den Archivbegriff, skizziert die Geschichte des Filmarchivs Austria und beleuchtet dessen Rolle als „audiovisuelles Gedächtnis der Nation“.
2. Das Österreichische Filmmuseum: Hier werden die Definition eines Museums, das Konzept des Filmmuseums sowie die spezifische Präsentationsform des „Unsichtbaren Kinos“ nach Peter Kubelka erläutert.
3. Resümee: Unterschiede zwischen Filmarchiv und Filmmuseum in der Filmgeschichtsschreibung: Das Resümee fasst die zentralen Diskrepanzen zwischen der archivarischen Bewahrungsfunktion und der musealen Ausstellungsfunktion bei der Vermittlung von Filmgeschichte zusammen.
Schlüsselwörter
Filmgeschichte, Filmarchiv Austria, Österreichisches Filmmuseum, Filmgeschichtsschreibung, Archiv, Museum, audiovisuelles Gedächtnis, Filmkultur, Retrospektive, Unsichtbares Kino, Filmkonservierung, Medienarchiv, Filmrezeption, Kinogeschichte, Institutionenforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen und institutionellen Unterschieden, wie das Österreichische Filmmuseum und das Filmarchiv Austria Filmgeschichte betreiben und vermitteln.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Fokus stehen die Definitionen von Archiv und Museum, die Bewahrung von Nitro-Filmmaterial, die Bedeutung des Films für die nationale Identität und die verschiedenen Inszenierungsformen des Kinos.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich die unterschiedliche institutionelle Ausrichtung (Archiv vs. Museum) auf die Art und Weise auswirkt, wie Filmgeschichte für die Öffentlichkeit geschrieben und präsentiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Selbstdarstellungen der Institutionen sowie einem vergleichenden Ansatz der Präsentationsformen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Filmarchivs Austria und des Filmmuseums Wien inklusive deren Geschichte, Definitionen und einer Gegenüberstellung zu ausländischen Institutionen wie dem Filmmuseum Berlin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Filmgeschichte, Archiv, Museum, audiovisuelles Gedächtnis, Filmkultur, Filmrezeption und institutionelle Filmgeschichtsschreibung.
Was unterscheidet das „Unsichtbare Kino“ von einem herkömmlichen Kinosaal?
Das „Unsichtbare Kino“ ist komplett in Schwarz gehalten und darauf ausgelegt, jede Ablenkung durch die Architektur des Raumes zu eliminieren, um die Konzentration ausschließlich auf die Leinwand zu lenken.
Welche Diskrepanz stellt die Autorin fest?
Die Autorin bemerkt eine Diskrepanz zwischen der Selbstdarstellung der Institutionen als lebendige Archive und dem tatsächlichen, oft nostalgisch geprägten Blick eines eher älteren Publikums bei den Filmvorführungen.
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- Angelika Kreitner (Author), 2007, Österreichisches Filmmuseum und Filmarchiv Austria - Unterschiede in der Filmgeschichtsschreibung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88177