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Wolf, Christa - Kein Ort Nirgends: Das Problem von Kunst und Wissen in der Novelle

Título: Wolf, Christa - Kein Ort Nirgends: Das Problem von Kunst und Wissen in der Novelle

Trabajo Escrito , 1988 , 36 Páginas , Calificación: gut

Autor:in: Nina Makedonska (Autor)

Didáctica de la asignatura Alemán - Literatura, Obras
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Nennt man den Namen Christa Wolfs, einer der hervorragendsten DDR-Schriftstellerinnen heute, assoziert man gleich zwei Begriffe- Aktualitaet und Individualitaet, der erste im Sinne von Zeitgenossenschaft, der zweite im Sinne von Originalitaet der poetischen Darstellung und Prinzipien. Ein tiefes Verstaendnis von ihren Buechern ermoeglicht nur die Bekanntmachung mit ihrer Poetik und Aesthetik. Zahlreiche Aeusserungen und Aussagen, die die Schriftstellerin in Interviews und Aessays gemacht hat, gewaehren einen Einblick in ihr "schoepferisches Laboratorium" und machen nicht nur ihre Poetik, sondern auch ihre schriftstellerische Ethik verstaendlich.
In ihren Werken Beschaeftigt sich Christa Wolf immer wieder mit Helden, die ihrer Natur nach aeusserst sensibel und feinfuehlig sind, die sich in kein konventionelles Verhaeltnis zu dieser Welt einordnen wollen, denen jede Anpassung und oberflaechliches Wahrnehmen der Welt fremd sind. Das sind Helden, die sich zu bestaetigen suchen und ihr persoenliches Engagement in allen lebenswichtigen Situationen in den Vordergrund treten lassen. Die Unruhe und Rigorositaet der Ansprueche ans Leben sind ihnen immanent. Sie plaedieren fuer eine neue Ethik des Einzelnen, der immer Verantwortung mit sich tragen muss, Verantwortung gegenueber der Zeit und der Welt. Wie sie in ihrer Rede bei der Verleihung vom Buechners Preis gesagt hat, beunruhigen sie immer "die untergruendigen Verflechtungen vom Schreiben und Leben, von Verantwortung und Schuld, welche die Person, die schreibend lebt, lebend schreibt, hervorbringen.
Heinrich von Kleist und Karoline von Guenderrode sowohl als historische Figuren als auch als Protagonisten ihrer Erzaehlung "Kein Ort. Nirgends" entsprechen voellig diesem schoepferischen Credo der Autorin. Sie gehoeren zu der "Gattung" der "Unruhigen". "Und die Literatur nimmt gerade die Unruhigen an."

Extracto


Inhaltsverzeichnis

I. Einfuehrung

Kunst und Wissen in theoretischem Aspekt

Zu einigen Aspekten der Romantik

II. Der Stoff

Zur Struktur der Novelle

III. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis von Kunst und Wissen sowie die Rolle der künstlerischen Existenz und Geschlechterrollen in Christa Wolfs Novelle "Kein Ort. Nirgends". Ziel ist es, die moralische Verantwortung des Intellektuellen sowie die Spannung zwischen idealistischem künstlerischen Denken und bürgerlichem Rationalismus anhand der historischen Figuren Heinrich von Kleist und Karoline von Günderrode herauszuarbeiten.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen wissenschaftlichem und künstlerischem Denken
  • Untersuchung der gesellschaftlichen Entfremdung und Autonomie des Künstlers
  • Reflektion über die Geschlechterrollen und die spezifischen Herausforderungen für schreibende Frauen
  • Interpretation der Romantik als Projektionsraum für gegenwärtige Lebensprobleme

Auszug aus dem Buch

HEINRICH VON KLEIST

Die Literaturkritiker finden seine Individualitaet, sein Leben und seine Werke raetselhaft. Thomas man sagt von ihm:”Er war einer der groessten, kuehnsten, hoechstgreifenden Dichter deutscher Sprache, ein Dramatiker sondergleichen, ueberhaupt sondergleichen, auch als Prosaist, als Erzaehler,- voellig einmalig , aus aller Hergebrachtheit und Ordnung fallend, radikal in der Hingabe an seine exzentrischen Stoffe bis zur Tollheit, bis zur Hysterie , - allerdings tief ungluecklich , mit Anspruechen an sich selbst, die ihn zermuerbten.”(21, 202). Eine unwahrscheinlich treffende und knappe Charakteristik seines Lebens und seiner Persoenlichkeit ist in diesen Saetzen ausgedrueckt.

Zu dem Zeitpunkt , zu dem sich diese Begegnung verwirklichen sollte, hat er manche wichtige Erfahrungen in seinem Leben gemacht, die tiefe Spuren in seinem Gedaechtnis und in seiner Weltanschauung hinterlassen haben. Eine eigenwillige Natur , die keinen aeusseren, sondern inneren Vorschriften dient, die sich den Konventionen nicht beugt, war er sein ganzes Leben lang. Deshalb kommt der Ausbruch aus der militaerischen Familientradition. “ Ein freier, denkender Mensch bleibt da nicht srehen, wo der der Zufall ihn hinstoesst… Er fuehlt, dass man sich ueber das Schicksal erheben koennte…”(20, 143). Er verzichtet auf den Militaerdienst, denn es war fuer ihn unmoeglich, seine Pflichten als Offizier und als Mensch zu vereinen. Sein Lebensziel ist Vervollkommnung,moeglichst vollkommene Ausbildung aller seiner geistigen Kraefte. So dachte er bis zum Fruehjahr des Jahres 1800, seit er Kannts Philosophie zu studieren begann, die eine tiefe Krise in seinem Denken und Empfinden ausloeste.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einfuehrung: Dieses Kapitel etabliert das theoretische Fundament und die Relevanz der Romantik für die Analyse des Verhältnisses von Kunst, Wissen und gesellschaftlicher Verantwortung.

II. Der Stoff: Hier werden die Charaktere Kleist und Günderrode sowie deren innere Konflikte und künstlerisches Credo im Kontext ihrer Zeit und der Novellenhandlung detailliert betrachtet.

Zur Struktur der Novelle: Dieser Abschnitt analysiert die spezifische "offene Appellstruktur" und die Montage von Dokumentarischem und Fiktionalem als literarisches Verfahren.

III. Zusammenfassung: Die Kernaussagen zur moralischen Rigorosität und zur Suche nach dem "ganzen Menschen" werden hier final gebündelt.

Schlüsselwörter

Christa Wolf, Kein Ort. Nirgends, Heinrich von Kleist, Karoline von Günderrode, Kunst, Wissen, Romantik, Entfremdung, Geschlechterrolle, Subjektivität, gesellschaftliche Verantwortung, Identität, Rationalismus, Idealismus, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Christa Wolfs Novelle "Kein Ort. Nirgends" und untersucht, wie die Autorin das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Schaffen und einer zweckorientierten, rationalistischen Gesellschaft darstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der Kunst gegenüber der Wissenschaft, die moralische Integrität des Individuums, die Selbstverwirklichung und die spezifische Problematik weiblicher Identität im 19. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu zeigen, wie Wolf historische Figuren nutzt, um zeitgenössische Fragen zur gesellschaftlichen Verantwortung und zur drohenden Entfremdung durch einseitigen Fortschrittsglauben zu verhandeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext durch den Einbezug von literaturtheoretischen Essays, Biografien der historischen Figuren und philosophischen Konzepten (etwa von Kant oder Brecht) interpretiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Charakteranalyse von Kleist und Günderrode, der Konfrontation ihrer Lebensentwürfe mit den Vertretern bürgerlicher Vernunft sowie der Untersuchung der formalen Struktur der Novelle.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Kunst, Wissen, Entfremdung, Romantik, Individuum, Gesellschaft, moralische Verantwortung und Identität.

Wie deutet der Autor den Charakter von Heinrich von Kleist in der Novelle?

Kleist wird als eine eigenwillige, zerrissene Natur dargestellt, die an der Unvereinbarkeit seiner künstlerischen Ideale mit der autokratischen preußischen Wirklichkeit scheitert und deren Leben durch tiefe Krisen und die Suche nach dem Absoluten geprägt ist.

Welche Bedeutung kommt der Natur-Metaphorik im Werk zu?

Die Natur dient als Symbol für eine geistige Harmonie und Freiheit, die dem Individuum in der von Konventionen und utilitaristischem Denken geprägten Gesellschaft versagt bleibt.

Final del extracto de 36 páginas  - subir

Detalles

Título
Wolf, Christa - Kein Ort Nirgends: Das Problem von Kunst und Wissen in der Novelle
Universidad
Sofia University St. Klimment Ohridski  (FB Deutsch)
Calificación
gut
Autor
Nina Makedonska (Autor)
Año de publicación
1988
Páginas
36
No. de catálogo
V8857
ISBN (Ebook)
9783638157179
Idioma
Alemán
Etiqueta
Kunst Wissen Romantik Christa Wolf
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Nina Makedonska (Autor), 1988, Wolf, Christa - Kein Ort Nirgends: Das Problem von Kunst und Wissen in der Novelle, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8857
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