Vor dem Hintergrund steigender Insolvenzzahlen, einem immer schnelllebigeren Wettbewerb sowie dem Eintreten einiger spektakulärer Unternehmenszusammenbrüche, gewinnt das Risikomanagement zunehmend an Bedeutung. Dies ist vornehmlich damit zu erklären, dass die steigenden Insolvenzzahlen vielfach auf ein mangelhaftes oder auch fehlendes Risikomanagement zurückzuführen sind.
Unternehmen sind einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt und müssen lernen zielgerichtet mit vorhandenen sowie potentiellen Risiken umzugehen, um möglichen Insolvenzen und Unternehmenskrisen vorzubeugen. Vor diesem Hintergrund sah sich der Gesetzgeber veranlasst, mit dem KonTraG (Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich) ein Gesetz einzuführen, welches zu einer geeigneten Risikovorsorge verpflichtet. Dieses Gesetz ist zwar vornehmlich für Aktiengesellschaften konzipiert, besitzt jedoch Ausstrahlungswirkung auf andere Gesellschaftsformen, wie z.B. die GmbH.
Häufig bedeutet die Thematik des Risikomanagements Neuland für die Unternehmen und führt eher zu Zurückhaltung, jedoch sollte Risikomanagement als eine Chance gesehen werden um eine langfristige Bonität zu sichern und gegenüber Krisen vorzubeugen. Folglich sollte das Risikomanagement zur langfristigen Existenzsicherung beitragen.
Wichtig für den Umgang mit Risiken ist die Ausgestaltung des Risikomanagementprozesses. Von besonderer Bedeutung sind hier die Quantifizierung und die Steuerung von Risiken. In der Literatur existiert eine Vielzahl von Kennzahlen von denen einige mehr, andere weniger gut zur Erfüllung dieser Funktionen geeignet sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2. Theoretische Grundlagen zum Risikomanagement
2.1 Management und Controlling
2.2 Wertorientierte Unternehmensführung und Steuerungskonzepte
2.2.1 DCF-Methode
2.2.2 Economic Value Added-Ansatz
2.2.3 Kritische Würdigung
2.3 Risikomanagement und Risikocontrolling
2.3.1 Risikobegriff
2.3.2 Überblick über mögliche Risiken
2.3.3 Definition und Bedeutung des Risikomanagements
2.3.4 Risikocontrolling
2.4 Der Risikomanagementprozess
2.4.1 Risikoidentifikation
2.4.2 Risikoquantifizierung
2.4.3 Risikosteuerung und -überwachung
3. Risikokennzahlen
3.1 Theoretische Grundlagen zu Kennzahlen
3.1.1 Kennzahlenbegriff
3.1.2 Kennzahlenarten
3.1.3 Beziehungen zwischen Kennzahlen
3.1.4 Kennzahlenaufgaben
3.2 Kennzahlen als Instrument im Rahmen des Risikomanagements
3.3 Anforderungen an Risikokennzahlen
3.4 Statistische Streuungsmaße
3.5 At Risk-Kennzahlen
3.5.1 Value at Risk
3.5.2 Cash Flow at Risk
3.5.3 Methoden zur Ermittlung von at Risk-Kennzahlen
3.5.3.1 Varianz-Kovarianz-Ansatz
3.5.3.2 Historische Simulation
3.5.3.3 Monte-Carlo-Simulation
3.5.4 Methodenvergleich
3.6 Kritische Beurteilung der at Risk-Kennzahlen
3.7 Lower Partial Moment (LPM) und Conditional Value at Risk (CVaR)
3.8 Discounted Risk Value (DRV)
3.9 Risk Adjusted Performance Measures (RAPM)
3.9.1 Sharpe- und Treynor-Ratio
3.9.2 Return on Value at Risk (RoVaR) und Shareholder Return on Shareholder Risk (SROSR)
3.9.3 Return on Risk adjusted Capital (RORAC)
3.9.4 Risk adjusted Return on Capital (RAROC)
3.9.5 Corporate Value on Discounted Risk Value (CVODRV)
3.10 Kritische Beurteilung der RAPM
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit hat zum Ziel, die Eignung verschiedener Kennzahlen zur Messung und Steuerung von Unternehmensrisiken zu untersuchen und dabei insbesondere die Verbindung zwischen Risiko und wertorientierter Unternehmensführung aufzuzeigen. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Unternehmen Risikokennzahlen in den Risikomanagementprozess integrieren können, um sowohl gesetzliche Anforderungen (wie das KonTraG) zu erfüllen als auch eine nachhaltige Unternehmenswertsteigerung sicherzustellen.
- Theoretische Grundlagen des Risikomanagements und dessen Notwendigkeit in unvollkommenen Märkten.
- Detaillierte Analyse des Risikomanagementprozesses von der Identifikation bis zur Überwachung.
- Kritische Untersuchung verschiedener Kennzahlentypen: einfache Streuungsmaße, At Risk-Kennzahlen (wie VaR und CFaR) sowie risikoadjustierte Performance-Maße (RAPM).
- Methodenvergleich zur Risikoquantifizierung, insbesondere Varianz-Kovarianz-Ansatz, historische Simulation und Monte-Carlo-Simulation.
Auszug aus dem Buch
3.5.3.1 Varianz-Kovarianz-Ansatz
Beim Varianz-Kovarianz-Ansatz handelt es sich um ein analytisches Verfahren, das auf folgenden Annahmen basiert:
Risikoparameter sind normalverteilt. Eine standardisierte Normalverteilung ist gekennzeichnet durch einen Erwartungswert von μ = 0 und einer Standardabweichung von σ = 1. Ist nun eine Ergebnisvariable normalverteilt, so kann diese durch Transformation in eine standardisierte Normalverteilung überführt werden. Für eine solche Normalverteilung existieren dem Konfidenzniveau (α) entsprechende Fraktile (Z-Werte).
Der Einfluss der Risikoparameter auf die Entwicklung des Portfolios, bzw. den Cash Flow erfolgt linear (Delta-Normal-Ansatz). D.h., dass sich einem Risikoparameter zugeordnete Marktwerte/Cash Flows in einem festen Verhältnis zu dem Risikoparameter verändern.
Veränderungen der Risikoparameter entsprechen den Veränderungen der Vergangenheit aus der die Datengrundlage stammt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung des Risikomanagements vor dem Hintergrund steigender Insolvenzen dar und definiert die Zielsetzung der Untersuchung.
2. Theoretische Grundlagen zum Risikomanagement: Hier werden zentrale Begriffe des Managements, des Controllings und der wertorientierten Unternehmensführung sowie der Ablauf des Risikomanagementprozesses erläutert.
3. Risikokennzahlen: Dieses Hauptkapitel bietet eine umfassende Analyse verschiedener Kennzahlen zur Risikomessung und -steuerung, unterteilt in Streuungsmaße, At Risk-Ansätze und risikoadjustierte Performance-Maße.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Anwendbarkeit der untersuchten Kennzahlen für Industrie- und Handelsunternehmen.
Schlüsselwörter
Risikomanagement, Risikocontrolling, Risikokennzahlen, Value at Risk, Cash Flow at Risk, Monte-Carlo-Simulation, Historische Simulation, Varianz-Kovarianz-Ansatz, Wertorientierte Unternehmensführung, Kapitalkosten, Risikotragfähigkeit, risikoadjustierte Performance-Maße, KonTraG, Insolvenzprävention, Diversifikationseffekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die systematische Messung und Steuerung von Risiken in Unternehmen mithilfe quantitativer Kennzahlen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Risikomanagement, die Risikoquantifizierung sowie der Einsatz wertorientierter Kennzahlen zur Performancesteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kennzahlen zur Risikomessung effektiv eingesetzt werden können, um den Unternehmenswert zu sichern und zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und verdeutlicht die methodischen Ansätze zur Risikoermittlung anhand von praktischen Beispielen und Berechnungsmodellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, den Risikomanagementprozess und eine detaillierte, kritische Betrachtung verschiedener Kennzahlenkategorien wie At Risk-Maße und RAPM.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Risikomanagement, Value at Risk, RORAC, RAROC, risikoadjustierte Performance und Unternehmenswertsteigerung.
Warum ist das KonTraG für diese Arbeit relevant?
Das KonTraG wird als gesetzlicher Ausgangspunkt für die Verpflichtung von Unternehmen zur Einrichtung von Risikovorsorgesystemen angeführt.
Wie unterscheidet sich der CFaR vom VaR?
Während der VaR primär auf Marktwerte und kurzfristige Risiken im Finanzwesen ausgerichtet ist, wurde der CFaR an die Bedürfnisse von Industrieunternehmen angepasst, um periodenbezogene Cash Flows und längere Planungszeiträume zu erfassen.
- Quote paper
- Diplom-Kaufmann Hendrik Hellwig (Author), 2007, Kennzahlen zur Risikomessung und -steuerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88874