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Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution in Immanuel Kants staatsrechtlichem Denken

Annäherung an ein widersprüchliches Verhältnis

Title: Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution in Immanuel Kants staatsrechtlichem Denken

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 19 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Matthias Rekow (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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„Ruhe ist die erste Bürgerpflicht.“ So oder ähnlich könnten Leser denken, wenn sie Immanuel Kants Argumentationen zum Widerstandsrecht und zur Revolution, speziell der Französischen Revolution, allgemein lesen. Bei genauerer Lektüre wird jedoch schnell deutlich, dass der Vernunft-, Rechts- und Moralphilosoph Kant – für den Leser von heute sicherlich nicht immer ganz eindeutig – eine differenzierte Position einnahm, die dem Wandel von der Naturrechtsanschauung der Antike und des Mittelalters zum positiven Recht der Neuzeit geschuldet ist.
Um Immanuel Kants Position zu dem problematischen Verhältnis von Widerstand und Revolution in seinen staatsrechtlichen und staatsphilosophischen Ausführungen herauszuarbeiten zu können, ist es notwendig, einen kurzen historischen Abriss zur Entwicklung des Widerstandsrechts und zur Entwicklungsgeschichte der Revolution voranzustellen. Im Anschluss daran wird die Ablehnung des Widerstandrechtes bei Kant – seine Argumentation und die daraus folgenden Konsequenzen für den Staatsbürger – untersucht. Gibt es ein Widerstandsrecht bei Kant? Und wenn ja, wie begründet Kant die Ablehnung des Widerstandsrechts? Dies sind die erkenntnisleitenden Fragen.
Für die bürgerlichen Revolutionen in Europa und Nordamerika war ohne Zweifel die Aufklärung eine wesentliche Triebkraft. Wie aber stand der bedeutendste deutsche Aufklärer Immanuel Kant zu den revolutionären Vorgängen seiner Zeit? Anhand seiner Äußerungen zur Französischen Revolution wird der Frage nachgegangen, ob Revolutionen, erfolgreich oder nicht, rechtmäßig sind? Können Revolutionen überhaupt einen rechtlichen Zustand herstellen? Schließend werden die Wege aufgezeigt, die Kant für eine legale Systemveränderung vorgezeichnet hat. Für die Untersuchung ist eine intensive Arbeit mit den Texten Kants kennzeichnend. Im Hauptseminar, in dessen Rahmen die vorliegende Arbeit entstanden ist, standen hinter der Analyse der Texte Kants immer Fragen nach dessen Aussagen zur Politik, deren Aufgaben und dazu, ob sich aus diesen eine Theorie der Politik nach Kant herauskristallisieren lasse. Die folgenden Ausführungen sollen ein Baustein in der Untersuchung dieser zentralen Fragestellungen des Seminars sein. Nach Zechlin lassen sich drei Erscheinungsformen des Widerstandes, die als individuelle wie auch durch Gruppen und Bewegungen initiierte Auflehnung gegen die herrschende politische Ordnung verstanden werden, unterscheiden – Revolution, Widerstand im engeren Sinne und ziviler Ungehorsam.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution – ein historischer Abriss

3 Die Ablehnung des Widerstandsrechtes und der Revolution bei Kant

3.1 Die Argumentation Kants

3.2 Die Konsequenzen aus der Argumentation Kants

4 Kants Verhältnis zur Französischen Revolution 1789

4.1 Kants Sympathie und Antipathie zur Französischen Revolution

4.2 Eine Frage der Rechtmäßigkeit – die erfolgreiche Revolution?

4.3 Aufklärung als Triebkraft für Systemveränderung

5 Die Kant’schen Wege der legalen Systemveränderung

6 Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Immanuel Kants differenzierte Position zum komplexen Verhältnis von Widerstand und Revolution innerhalb seines staatsrechtlichen Denkens zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Kant die Ablehnung des Widerstandsrechtes theoretisch begründet, wie er die Französische Revolution bewertet und welche Wege er für eine legale Systemveränderung aufzeigt.

  • Historische Entwicklung des Widerstandsrechts und des Revolutionsbegriffs
  • Kants systematische Argumentation gegen ein Widerstandsrecht
  • Kants ambivalentes Verhältnis zur Französischen Revolution 1789
  • Die Rolle der Aufklärung für gesellschaftliche Veränderungen
  • Kants Modell der legalen Reform statt gewaltsamer Revolution

Auszug aus dem Buch

Die Argumentation Kants

Sein ablehnendes Denken bezüglich des Widerstandsrechtes und der Revolution gegenüber dem positiv gesetzten Recht begründet Kant mit Hilfe von vier Grundgedanken, dem: 1) logischen Argument; 2) Rückfallargument; 3) Faktizitätsargument und 4) Glückseligkeitsargument. Eine zentrale Stellung in der Gesamtargumentation Kants nimmt die logische Argumentation ein. Hierbei geht er von einer nicht teilbaren Staatsmacht aus: „Unbedingte Unterwerfung des Volkswillens (der an sich unvereinigt, mithin gesetzlos ist), unter einem souveränen [...] Willen, ist Tat, [...], und so zuerst ein öffentliches Recht begründet. – Gegen diese Machtvollkommenheit noch einen Widerstand zu erlauben (der jene oberste Gewalt einschränkete), heißt sich selbst widersprechen“. Die unbedingte Notwendigkeit eines souveränen gesetzgebenden Willens wird von Kant unterstrichen, denn nur dieser kann aufgrund der ihm innewohnenden Gewalt positives Recht begründen. Dies entspricht der „Wesensgesetzlichkeit“ des zeitgenössischen absoluten Staates. Maßt sich das Volk in Berufung auf das Widerstandsrecht die Stellung des Souveräns an, entsteht ein logischer Widerspruch zum eigentlichen Souverän, denn dies bedeutet die Einsetzung zweier Souveräne.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung legt das erkenntnisleitende Interesse dar, Kants staatsphilosophische Position zu Widerstand und Revolution anhand historischer und textimmanenter Analyse zu untersuchen.

2 Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution – ein historischer Abriss: Dieses Kapitel zeichnet die begriffliche Entwicklung von Widerstand und Revolution von der Antike bis zum modernen Revolutionsbegriff nach.

3 Die Ablehnung des Widerstandsrechtes und der Revolution bei Kant: Hier werden die vier Kernargumente Kants (logisch, Rückfall, Faktizität, Glückseligkeit) analysiert, die seine strikte Ablehnung eines aktiven Widerstandsrechts gegen die Staatsgewalt begründen.

4 Kants Verhältnis zur Französischen Revolution 1789: Das Kapitel beleuchtet Kants Begeisterung für die Ideale der Französischen Revolution bei gleichzeitiger Ablehnung der Revolution als gewaltsames Mittel, was er durch seine Differenzierung zwischen Revolution und Reform sowie dem Begriff der Evolution zu lösen sucht.

5 Die Kant’schen Wege der legalen Systemveränderung: Hier werden die von Kant favorisierten Möglichkeiten der Reform von oben, der Freiheit der Feder und des öffentlichen Protests als rechtmäßige Alternativen zur Revolution dargestellt.

6 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert Kants Position, welche Gewalt und Bürgerkrieg ablehnt und stattdessen auf ein Reformmodell sowie die politische Klugheit setzt, um dem vernunftgemäßen Ziel der Menschheit näherzukommen.

Schlüsselwörter

Immanuel Kant, Widerstandsrecht, Revolution, Französische Revolution, Rechtsphilosophie, Staatstheorie, Aufklärung, Gesellschaftsvertrag, Reform, Souveränität, Vernunft, Gesetzgebung, Evolution, politische Philosophie, Rechtmäßigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Position Immanuel Kants zu den Themen Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution, insbesondere im Kontext der Französischen Revolution.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Felder umfassen die staatsrechtliche Begründung des Widerstandsverbots, die Ambivalenz Kants gegenüber revolutionären Umbrüchen und seine Theorie der legalen Reform.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie Kant seine Ablehnung des Widerstandsrechts begründet und wie sich dies mit seiner positiven Bewertung der Ideale der Französischen Revolution in Einklang bringen lässt.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine intensive Textanalyse der relevanten Schriften Kants sowie eine historische Einordnung, um die staatsphilosophischen Argumentationslinien nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert Kants vier Grundargumente gegen das Widerstandsrecht, seine Deutung der Französischen Revolution als "Evolution" und seine Konzepte für eine legale Systemveränderung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Rechtsphilosophie, Widerstandsverbot, Aufklärung, Reformmodell, Volkssouveränität und vernunftgemäße Staatsverfassung.

Warum hält Kant den Widerstand für logisch widersprüchlich?

Kant argumentiert, dass eine oberste Staatsgewalt existieren muss, um Recht zu begründen; ein Recht auf Widerstand würde bedeuten, den Souverän durch eine zweite, konkurrierende Instanz zu ersetzen, was einen logischen Widerspruch darstellt.

Was versteht Kant unter "Reform von oben"?

Damit ist die Pflicht des Staatsoberhauptes gemeint, Gebrechen der Staatsverfassung aus eigener Einsicht und durch aufgeklärte Gesetzgebung zu korrigieren, anstatt auf gewaltsame Umwälzungen von unten zu warten.

Wie bewertet Kant die Französische Revolution?

Kant beurteilt sie ambivalent: Er sympathisiert mit ihren Freiheitsidealen als moralischem Zeichen der Menschheit, verurteilt jedoch die Form des gewaltsamen Umsturzes und bezeichnet sie eher als eine "Evolution" zu einer rechtmäßigen Verfassung.

Welche Rolle spielt die "Freiheit der Feder" für Kant?

Sie ist für Kant das einzige "Palladium der Volksrechte", da sie den öffentlichen Diskurs ermöglicht, der notwendig ist, um Irrtümer der Obrigkeit aufzuzeigen und reformerische Prozesse friedlich anzustoßen.

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Details

Title
Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution in Immanuel Kants staatsrechtlichem Denken
Subtitle
Annäherung an ein widersprüchliches Verhältnis
College
Dresden Technical University  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Kant und die Politik
Grade
1,7
Author
Matthias Rekow (Author)
Publication Year
2008
Pages
19
Catalog Number
V89572
ISBN (eBook)
9783638040440
ISBN (Book)
9783638949200
Language
German
Tags
Widerstand Widerstandsrecht Revolution Immanuel Kants Denken Kant Politik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Rekow (Author), 2008, Widerstand, Widerstandsrecht und Revolution in Immanuel Kants staatsrechtlichem Denken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89572
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