Nach drastischen Einbußen im Passagierverkehr in Folge der Terroranschläge vom 11. September 2001, der SARS-Epidemie in Asien und der allgemein schlechten Wirtschaftsentwicklung haben die Fluggesellschaften sich mittlerweile erholt und sind in den letzten Jahren erstmals wieder so viele Passagierkilometer wie zu Beginn des Jahrtausends geflogen. Entsprechend sind die Orderbücher der Flugzeughersteller gut gefüllt, wobei Aufträge nun auch wieder weiter in die Zukunft hinein vergeben werden .
Doch darf die Erholung nicht darüber hinweg täuschen, dass sich die Rahmenbedingungen für die Flugzeugindustrie in den kommenden Jahren grundlegend ändern werden. Neue Kundengruppen mit neuen Anforderungen und eine absehbare Verschärfung der Umweltschutzauflagen stellen die Branche vor neue Herausforderungen.
Die beiden dominierenden Anbieter in diesem Markt, Airbus und Boeing, haben unterschiedliche Ansichten und Vorstellungen darüber, wie dynamisch sich die Nachfrage in den nächsten Jahren gestalten wird :
Boeing behauptet, dass die großen zentralen Flughäfen (Hubs) zukünftig aufgrund einer steigenden Präferenz der Passagiere für Punkt-zu-Punkt Verkehr deutlich entlastet werden können. Airbus dagegen geht von einem starken Wachstum des Hub-to-Hub-Verkehrs und damit auch einer Tendenz zu großräumigeren Flugzeugen aus.
In der vorliegenden Arbeit werden nun die Fragen beantwortet, wie Airbus und Boeing auf dem Markt für Großraumflugzeuge konkurrieren, welche Reaktionen die Ankündigung eines neuen Flugzeugtyps hervorruft und wie sich der Wettbewerb über verschiedene Produktgruppen hinaus gestaltet.
Zum Einstieg in das Themengebiet der wettbewerblichen Interaktion ist zunächst die Klärung grundlegender Begriffe essentiell. So werden im ersten Kapitel (nummeriert mit Kapitel 2) nach einem Framework von Smith, Ferrier und Ndofor wettbewerbliche Akteure und Reakteure sowie deren Aktionen und Reaktionen definiert. Im Anschluß werden kontextabhängige Faktoren, also branchen- sowie unternehmensspezifische Gegebenheiten von Aktionen und Reaktionen, vorgestellt (Kapitel 2.2., 2.3.).
In der darauf folgenden Darstellung der „co-opetition“ wird die Ausgestaltung der Kooperation unter Wettbewerbern eingeführt (Kapitel 2.4.) und in Kapitel 2.5. ein Erklärungsbeitrag der Interaktionstheorie diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1. Wettbewerbliche Interaktion: Framework von Smith, Ferrier und Ndofor
2.2. Unternehmensinterne Faktoren
2.3. Kontextabhängige Faktoren
2.4. Co-opetition
2.5. Erklärungsbeitrag der Interaktionstheorie
3. Die Flugzeughersteller
3.1. Marktüberblick und Marktteilnehmer
3.2. Der Markt für Großraumflugzeuge: A380 versus Boeing 787 Dreamliner
4. Wettbewerbliche Interaktion unter Flugzeugherstellern
4.1. Datenquellen
4.2. Datenanalyse
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die wettbewerbliche Interaktion zwischen Airbus und Boeing im Segment der Großraumflugzeuge, analysiert deren Reaktionen auf Marktneuheiten und beleuchtet die Dynamik dieses Duopolmarktes unter Anwendung der Interaktionstheorie.
- Grundlagen der wettbewerblichen Interaktion nach dem Framework von Smith, Ferrier und Ndofor
- Strukturelle Rahmenbedingungen und Marktteilnehmer der Flugzeugindustrie
- Strategische Reaktionen bei der Einführung neuer Flugzeugtypen (z.B. A380 vs. 787)
- Einfluss von Unternehmensgröße und Kontextfaktoren auf das Wettbewerbsverhalten
- Bedeutung von Ankündigungen und Prognosen für den Wettbewerb
Auszug aus dem Buch
4.2. Datenanalyse
Die Flugzeugherstellerbranche eignet sich hervorragend zur Validation der Interaktionstheorie. Trotz duopolistischer Struktur sind weder Airbus noch Boeing bereit, Marktanteile abzugeben. Die beiden Marktführer stehen seit der Gründung des Airbus Konsortiums 1970 in hartem Wettbewerb zueinander.
Stetige Innovation und Imitation sind wie schon oben erwähnt die Kräfte, welche das Marktgleichgewicht zerstören und wiederherstellen. Flugzeughersteller handeln innovativ, indem sie beispielsweise neuartige Produktionsverfahren entwerfen, andere Materialien zum Bau ihrer Flugzeuge verwenden, ihre Jets mit unterschiedlicher Anzahl an Turbinen ausstatten, sparsamere Triebwerke einsetzen, technologische Neuerungen im Cockpit lancieren oder einen neuen Flugzeugtyp konstruieren.
Airbus baut derzeit beispielsweise den A350 (Erstauslieferung für 2013 geplant), um der neuen Boeing 787 Dreamliner (Erstauslieferung bereits für 2008 geplant) sowie in einer weiteren Variante der 777 vor allem auf Langstrecken Konkurrenz zu machen.
Airbus sah die 787 erst als Kopie ihres bestehenden und äußerst erfolgreichen A330 an, entschloss sich dann aber dennoch, ein halbes Jahr nach Bekanntgabe des Programmstarts der 787, der „Kopie“ ein Original entgegenzusetzen. Auf die strategische Aktion von Boeing, welche mit der 787 eine Treibstoffersparnis von rund 20 Prozent gegenüber heutigen Flugzeugen mit gleicher Transportleistung verspricht und dies mit neuen Verbundwerkstoffen in Kombination mit sparsameren Triebwerken und verbesserter Aerodynamik erreichen will, reagierte Airbus beim Bau des A350 unmittelbar, indem der Rumpf nun erstmals aus Kunststoffmaterial gefertigt wird, um ebenfalls Gewicht und damit Treibstoff zu sparen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Erholung der Luftverkehrsbranche nach Krisen und führt in die wettbewerbliche Fragestellung zwischen den dominierenden Anbietern Airbus und Boeing ein.
2. Grundlagen: Erläutert theoretische Konzepte wie das Interaktions-Framework von Smith et al., Unternehmensfaktoren und das Konzept der Co-opetition.
3. Die Flugzeughersteller: Gibt einen Marktüberblick über die Branche der Flugzeugbauer und analysiert spezifisch den Wettbewerb um Großraumflugzeuge.
4. Wettbewerbliche Interaktion unter Flugzeugherstellern: Führt eine empirische Analyse der Wettbewerbsdynamik zwischen Airbus und Boeing basierend auf Datenquellen durch.
5. Fazit und Ausblick: Fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert den zukünftigen Wettbewerbsdruck, insbesondere durch neue Marktteilnehmer wie China.
Schlüsselwörter
Wettbewerbliche Interaktion, Airbus, Boeing, Großraumflugzeuge, A380, 787 Dreamliner, Strategisches Management, Interaktionstheorie, Luftverkehr, Duopol, Innovation, Imitation, Marktanteile, Wettbewerbsintensität, Flugzeughersteller.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, warum und wie die beiden großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing in einem wettbewerbsintensiven Duopol strategisch miteinander interagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Theorie der wettbewerblichen Interaktion (Competitive Dynamics), die Struktur des Luftfahrtmarktes sowie empirische Beobachtungen zu Innovation und Imitation bei Flugzeugneuentwicklungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Wettbewerb zwischen Airbus und Boeing im Bereich der Großraumflugzeuge zu verstehen, insbesondere im Hinblick darauf, wie Ankündigungen neuer Flugzeugtypen gegenseitige strategische Reaktionen auslösen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine qualitative empirische Analyse, die Fachliteratur zur Interaktionstheorie mit aktuellen Zeitungsberichten und Marktprognosen verknüpft, um das Verhalten der Akteure zu validieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der wettbewerblichen Interaktion, der Vorstellung des Marktkontextes für Flugzeughersteller und der praktischen Datenanalyse der Rivalität zwischen den beiden Hauptkonkurrenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind wettbewerbliche Interaktion, Airbus, Boeing, Duopol, A380, 787 Dreamliner und strategische Innovation.
Warum spielt die Ankündigung eines neuen Flugzeugs eine so große Rolle?
Die Branche ist durch hohe Investitionskosten und lange Entwicklungszeiten geprägt; Ankündigungen dienen dazu, Kundeninteressen frühzeitig zu sichern und Konkurrenten strategisch unter Druck zu setzen.
Wie reagiert die Branche auf die Bedrohung durch neue Konkurrenten aus China?
Laut Fazit wird die etablierte duopolistische Struktur durch den aufkommenden Wettbewerb aus China, der von niedrigeren Kosten und einem starken Heimatmarkt profitiert, zunehmend infrage gestellt.
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- Geza Brugger (Author), 2007, Competitive Dynamics: Wettbewerbliche Interaktion am Beispiel des Luftverkehrs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90059