Diese Arbeit stellt eine Analyse des "Althochdeutschen Tatian" dar. Zu Beginn soll deshalb das Althochdeutsche eingeführt werden, um es sowohl historisch als auch geographisch einzuordnen und auf die Besonderheiten der Sprache hinzuweisen. Anschließend wird der "althochdeutsche Tatian", der das Zentrum dieser Hausarbeit ausmacht, analysiert und dessen Inhalt dafür zunächst skizziert, um einen Einblick in die Thematik zu liefern. Dann nimmt die Arbeit Bezug auf den "Codex Sangallensis", da dieser die textliche Grundlage für die darauffolgende Synopse bildet. Die syntaktischen Abweichungen, die im ersten Schritt lediglich aufgelistet werden, werden im Anschluss auf eine mögliche Systematik hin untersucht und es wird geklärt, inwiefern aus dem Vergleich des Althochdeutschen mit dem Lateinischen syntaktische Regeln abgeleitet werden können.
Für die Analyse dieses Werkes spricht zunächst die Seltenheit einer derartig umfangreichen Überlieferung, die an sich bereits Interesse auslöst. Außerdem ist die Aufteilung der Tatian-Bilingue, die aus einer linken lateinischen und einer rechten althochdeutschen Spalte besteht, besonders geeignet dafür, den Text auf Hinweise bezüglich syntaktischer Regeln des Althochdeutschen zu untersuchen. Dies liegt darin begründet, dass Abweichungen im direkten Vergleich zueinander offensichtlich werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Althochdeutsche
3. Der althochdeutsche Tatian
3.1 Inhalt
3.2 Die Handschrift „Codex Sangallensis 56“
4. Abweichungen zwischen der Vorlage und der Übersetzung
4.1 Ermittlung der syntaktischen Abweichungen
4.2 Analyse der Abweichungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht syntaktische Strukturen im althochdeutschen Tatian anhand der Edition von Eduard Sievers, um durch den Vergleich mit der lateinischen Vorlage des Codex Sangallensis Charakteristika des Althochdeutschen abzuleiten und die Systematik syntaktischer Abweichungen zu erforschen.
- Historische Einordnung des Althochdeutschen
- Analyse des Tatian als Evangelienharmonie
- Bedeutung und Problematik der Überlieferung im Codex Sangallensis
- Untersuchung syntaktischer Differenzen gegenüber dem Lateinischen
Auszug aus dem Buch
4.1 Ermittlung der syntaktischen Abweichungen
In diesem Kapitel sollen die Abweichungen zunächst ermittelt und in knapper Weise erläutert werden, um einen Überblick über die Differenzen zwischen dem Lateinischen und dem Althochdeutschen zu schaffen.
Die erste und vermutlich auffälligste Abweichung, die in der Gegenüberstellung der beiden Texte auffällt, ist das Fehlen von Artikeln in der lateinischen Vorlage, die in der althochdeutschen Übersetzung hinzugefügt wurden.
Latein: „vita“ (I,3) „angelus“ (II,9)
Althochdeutsch: „thaz lib“ (I,4) „thie engil“ (II,9)
Allerdings zeigt die Untersuchung der von Sievers bearbeiteten Handschrift, dass der Artikel nicht obligatorisch vor jedes Substantiv gesetzt werden muss.
Latein: „lux in tenebris“ (I,4)
Althochdeutsch: „thaz lioht in fintarnessin“ (I, 4)
Eine weitere Abweichung, die den Syntax beeinflusst, ist die Stellung der Pronomen, die im Althochdeutschen immer vor dem Substantiv zu stehen scheinen.
Latein: „salutationis tuae“ (IV,4) „anima mea“ (IV,5) „spiritus meus“ (IV, 5)
Althochdeutsch: „thines heilizinnes“ (IV,4) „min sela“ (IV,5) „min geist“ (IV,5)
Auch bezüglich der Genitivstellung lassen sich Abweichungen zur lateinischen Vorlage feststellen.
Latein: „civitatem Iuda“ (IV, 1) „angelus domini“ (I,4)
Althochdeutsch: „Iudeno burg“ (IV,1) „gotes engil“ (I,4)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, Eingrenzung auf den althochdeutschen Tatian und Definition der Forschungsabsicht zur syntaktischen Analyse.
2. Das Althochdeutsche: Historische und geographische Kontextualisierung des Althochdeutschen als früheste Vorstufe des Deutschen unter Berücksichtigung der Problematik der Dialektvielfalt.
3. Der althochdeutsche Tatian: Einführung in das Werk des Tatian als Evangelienharmonie und Untersuchung der Bedeutung des Codex Sangallensis 56 für die Forschung.
4. Abweichungen zwischen der Vorlage und der Übersetzung: Identifikation und systematische Analyse syntaktischer Unterschiede zwischen der lateinischen Vorlage und der althochdeutschen Übersetzung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Bestätigung, dass trotz der Problematik des unbekannten lateinischen Originals charakteristische syntaktische Strukturen ableitbar sind.
Schlüsselwörter
Althochdeutsch, Tatian, Syntax, lateinische Vorlage, Codex Sangallensis, Evangelienharmonie, Sprachgeschichte, Textlinguistik, Wortstellung, Christianisierung, Übersetzung, Grammatik, Sprachvergleich, Mittelalter, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse syntaktischer Phänomene des Althochdeutschen anhand der Übersetzung des Tatian.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die sprachgeschichtliche Einordnung des Althochdeutschen, die Gattung der Evangelienharmonie sowie der Vergleich lateinischer und althochdeutscher Satzstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aus den syntaktischen Abweichungen zwischen lateinischer Vorlage und althochdeutscher Übersetzung systematische Regeln für den althochdeutschen Satzbau abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende textlinguistische Analyse (Synopse) der Handschrift des Codex Sangallensis 56 durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Skizzierung des Tatian, die Vorstellung der Handschrift sowie die konkrete Ermittlung und Analyse syntaktischer Abweichungen wie Artikelgebrauch, Pronomen- und Genitivstellung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Althochdeutsch, Tatian, Syntax, Sprachvergleich und Codex Sangallensis.
Warum ist der Codex Sangallensis für die Untersuchung so wichtig?
Er dient als textliche Grundlage für die Synopse, da seine bilingue Aufmachung einen direkten zeilengenauen Vergleich zwischen lateinischer Vorlage und althochdeutscher Übersetzung ermöglicht.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor hinsichtlich der syntaktischen Abweichungen?
Der Autor schließt, dass die Abweichungen nicht beliebig sind, sondern auf eine eigenständige, sich entwickelnde deutsche Sprachstruktur hindeuten, auch wenn keine originale lateinische Vorlage vorliegt.
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- Kim Eileen Beckmannn (Author), 2018, Synopse des "Althochdeutschen Tatian". Ermittlung syntaktischer Phänomene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901898