Das Schulsystem von Afghanistan. Entwurf eines Interviewleitfadens


Hausarbeit, 2018

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schule in Afghanistan
2.1 Geographie und Eckdaten des Landes
2.2 Kurzer Exkurs: Taliban und die Bedeutung für das Schulsystem
2.3 Schulsystem in Afghanistan und seine Schwierigkeiten

3. Leitfadengestütztes Interview
3.1 Einordnung in die Sozialforschung
3.2 Erstellung des Interviewleitfadens
3.3 Vorbereitung auf das Interview

4. Reflexion zur Erstellung meines Interviewleitfadens

5. Literaturverzeichnis

Anhang: Bestandteile des Interviews

1. Einleitung

Schlagzeilen wie: „Flüchtlinge passen nicht zum deutschen Ausbildungssystem.“ (Welt, 2017) machen stutzig. Jedoch häufen sich solle Aussagen innerhalb der Medien. Nicht nur das, denn auch innerhalb der Kollegien kommen einem immer wieder solche Aussagen zu Ohren. Gab es noch vor einigen Semestern keine Seminare zur Flüchtlingsthematik, so steigt die Nachfrage nach diesen immer mehr. Ein Thema welches in Deutschland, nicht nur in Bezug auf die Bildungspolitik, eine immer breitere Öffentlichkeit findet. Es scheint so als hätte jeder seine Meinung zur Thematik, und auch hier gehen die Meinungen und Emotionen sehr weit auseinander.

Diese Vermutungen und subjektiven Feststellungen, gehen der vorliegenden Arbeit voraus. Zunächst soll das Schulsystem Afghanistans mit seinen dazugehörigen Problemen dargestellt werden. Hier ergeben sich automatisch große Unterschiede zum deutschen Schulsystem. Dieser Themenblock soll zur Sensibilisierung beitragen. Ziel ist es darauf aufmerksam zu machen, dass die großen Unterschiede für ein starkes Erleben der Andersartigkeit, bei Geflüchteten sorgen können.

Des Weiteren wird die theoretische Grundlage geschaffen, auf welcher versucht wurde ein leitfadengestütztes Interview zu entwickeln. In diesem zweiten Thementeil findet sowohl eine Einordnung in die Sozialwissenschaft statt, als auch die Erstellung des Interviewleitfadens mit all seinen Aspekten und die Vorbereitungen, die vor dem Start eines solchen Interviews getroffen werden müssen. Auf den letzten Aspekt, das Transkribieren, eines Interviews wird bewusst nicht eingegangen, da sie für die vorliegende Arbeit nicht relevant erscheint.

Im letzten Teil der Hausarbeit, soll subjektiv reflektiert werden. Es werden Grenzen und Erfahrungen geschildert, die während der Entwicklung des Leitfadens gemacht wurden. Zu guter Letzt, wird ein Fazit gezogen, indem ein kleiner Ausblick gegeben wird, was (aus subjektiver Sicht) wünschenswert für die Zukunft wäre.

2. Schule in Afghanistan

In diesem Abschnitt werden die im Impulsreferat dargestellten Aspekte, zur Schule in Afghanistan, nochmals kurz aufgefasst.

2.1 Geographie und Eckdaten des Landes

Es erscheint sinnvoll sich zunächst mit der geographischen Lage von Afghanistan zu beschäftigen. Wie in Abbildung 1 ersichtlich ist Afghanistan umgeben von seinen Nachbarländern. Afghanistan ist in 34 Provinzen aufgeteilt. Jede dieser Provinzen wird von einem eigenen Gouverneur (waali) verwaltet. Innerhalb der Provinzen sind unterschiedlichen Situationen nicht nur bezüglich der Schule, sondern auch der Sicherheitslage vorzufinden. Wobei sich diese zwei Punkte keineswegs ausschließen, sondern in wechselseitiger Beziehung stehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Afghanistan mit seinen Nachbarländern und Provinzen (https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Afghanistan,_administrative_divisions_-_de_-_colored.svg [Eingesehen am 30.7.2018])

In Afghanistan gibt es zwei offizielle Amtssprachen Dari und Paschtu (vgl. Auswärtiges Amt, 2018). Des Weiteren ist die Rede von anderen Sprachen und unzähligen Dialekten (vgl. Auswärtiges Amt, 2018).

Diese Vielfalt bezieht sich nicht nur auf Sprachen, sondern auch auf die Ethnien der Bevölkerung. Die zwei größten ethnischen Gruppen werden in Paschtunen und Tadschicken unterteilt (vgl. Auswärtiges Amt, 2018). Auch hier gibt es eine Vielzahl an anderen, kleineren Ethnien.

In Bezug auf die Religionszugehörigkeit kann von Vielfalt nicht die Rede sein. Denn 99,9% der Bevölkerung sind Muslime (80% Sunniten und 19% Schiiten) (vgl. Auswärtiges Amt, 2018). Die restlichen 1% sind nur mit Sonstige betitelt. In der Tat ist über die Existenz von Christen in Afghanistan nichts bekannt bzw. sind keine Informationen hierzu zu finden (vgl. Auswärtiges Amt, 2018).

2.2 Kurzer Exkurs: Taliban und die Bedeutung für das Schulsystem

Dieses Kapitel soll lediglich als kurzer Exkurs dienen, um beispielhaft darzustellen mit welchen Konflikten und Problemen das Schulsystem in Afghanistan zu kämpfen hat. Dies hat natürlich noch viel weitreichendere Auswirkungen, die aufgrund des Rahmens der vorliegenden Arbeit nicht behandelt werden. Da Afghanistan ein Land darstellt was seit jeher von Konflikten geprägt wird, ist die Erwähnung unverzichtbar.

Aufgrund von politischen Konflikten in Afghanistan (ca.1980-1990), kam es zu starken Fluchtbewegungen nach Pakistan. Dort beheimatet war die JUI (Jam-iyat-i -Ulama´-i Islam), diese galt als Mutterorganisation der Taliban (vgl. bpb, 2011). Die Flüchtlinge wurden dort von den Schulen der JUI aufgenommen und wurden so zur Kaderschmiede der Taliban (vgl. bpb, 2011).

Die Taliban besetzte in der Zeit von 1996-2001 weite Teile des Landes. ,, In den von ihnen beherrschten Gebieten setzten die Taliban unerbittlich ihre Verhaltensvorschriften durch.“ (bpb, 2011) Alle Lebensbereiche waren von diesen Verhaltensvorschriften betroffen, einige betrafen insbesondere das Schulsystem. Das Ausüben (fast aller) Sportarten wurden verboten, das Fernsehen und Musik hören/machen wurde untersagt. Insbesondere traf das Regime der Taliban die weibliche Bevölkerung. Frauen wurden weitgehend aus der Öffentlichkeit verbannt (vgl. bpb, 2011). „Die Taliban schlossen alle Mädchenschulen und verboten Frauen zu arbeiten.“ (bpb , 2011)

Daraus ergeben sich zahlreiche (noch aktuelle) Probleme, für ein Schulsystem was Bildung ermöglichen soll.

2.3 Schulsystem in Afghanistan und seine Schwierigkeiten

Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben, hat das Schulsystem in der Gegenwart immer noch mit dem früheren Einfluss der Taliban zu kämpfen. Zwar befindet sich das Schulsystem seit 2001im Aufbau, jedoch macht die Verschlechterung der Sicherheitslage ein stabiles Schulsystem unmöglich (vgl. HRW, 2017).

Seit 2001 wird theoretisch auf das seitdem gültige Schulsystem gebaut. Teil dieses Schulsystems ist unter anderem eine Schulpflicht, welche mit dem Alter von 6 Jahren beginnt und insgesamt neun Jahre andauert (vgl. NUFFIC, 2015). Die Bildung soll bis hin zur Universität kostenlos sein. Für staatliche Schulen muss kein Schulgeld aufgebracht werden (vgl. USDOS, 2016). Für private Schulen allerdings werden hohe Summen verlangt, die eine Durchschnittsfamilie kaum aufbringen kann (vgl. HRW, 2017). Eine weitere Tatsache ist der geschlechtergetrennte Unterricht.

Es gibt verschiedene Bildungswege, die einem den Zugang zur Universität ermöglichen können.

- Allgemeinbildung

Die Allgemeinbildung beginnt mit dem Besuch der Grundschule. Nach 6 Jahren Grundschulbesuch, ermöglicht dieser den Besuch einer dreijährigen unteren Sekundarstufe. Wenn diese abgeschlossen ist, kann an der dreijährigen oberen Sekundarschule der Zugang zu Universität erworben werden.

Das Curriculum der Grundschule beinhaltet Mathematik, Physik, Kalligrafie, Kunst, Religion sowie Dari oder Paschtu (je nach Religion) (vgl. ÖRK, 2016).

In der unteren Sekundarschule kommen Unterrichtsfächer wie Naturwissenschaften und Fremdsprachen hinzu (Deutsch, Französisch, Englisch und Russisch) (vgl. ÖRK, 2016).

In der oberen Sekundarschule können die Schüler zwischen weiteren Fächern wie z.B. Geschichte, Islamstudien oder berufsorientierte Fächer wie Landwirtschaft, Erziehung oder Wirtschaftskunde wählen. (vgl. NUFFIC, 2015)

- Islamische Bildung

Die islamische Bildung kann in den Schulstufen 1-12, 10-14 oder 13-14 erfolgen. Das bedeutet der Weg zu islamischen Bildung steht einem auch noch nach einem allgemeinbildenden Zweig offen. Ein Zeugnis der islamischen Bildung macht den Zugang zur Universität ebenfalls möglich.

Der Schwerpunkt des Unterrichts liegt auf dem Koranstudium. Hierbei geht es um Auswendiglernen und Rezitieren des Korans.

- Berufsbildung

Eine technische Berufsausbildung kann entweder nach der unteren Sekundarschule oder der oberen Sekundarschule aufgenommen werden. Die Berufsschule endet nach der 14. Schulstufe mit einem Berufsausbildungszertifikat (vgl. NUFFIC, 2015). In der Regel ist eine Vollzeitausbildung mit 60 Prozent Praxisanteil vorgesehen. Der Mangel an ausgebildeten Fachkräften und schlecht ausgestattete Berufsschulen verhindert dies jedoch oftmals (vgl. BQ-Portal, 2016).

- Nichtschulische Bildung

In den Provinzen oder weniger sicheren Regionen ist der Unterricht gemeinschaftlich z.B. über die Moscheen organisiert. Im Zentrum steht hier die Vermittlung religiöser Inhalte.

Darüber hinaus gibt es Alphabetisierungs- und Berufskurse, die ca. 3 Monate dauern (vgl. BQ-Portal, 2016). Des Weiteren bilden Handwerksbetriebe nach dem Motto: learning by doing aus, diese Art der Ausbildung ist unreglementiert und endet ohne jegliches Zertifikat (vgl. BQ-Portal, 2016).

Wie bereits erwähnt, ist dies die theoretische Grundstruktur nach der vorgegangen werden sollte. In der Praxis sieht das häufig anders aus. Im folgenden Abschnitt soll auf die Punkte eingegangen werden, die es schwierig machen ein funktionierendes Schulsystem überhaupt durchzusetzen.

Die zuvor beschriebene Schulpflicht, wird und kann oft aus den vielfältigsten Gründen nicht eingehalten werden.

Es gibt zwar staatliche Schulen, die räumliche wie auch personelle Ausstattung ist aber sehr ungenügend (vgl. HRW, 2017). Es mangelt an Lehrkräften und nicht selten beträgt die Klassengröße zwischen 50-60 Kinder/Jugendliche (vgl. kn-MiSCH, 2017). Die Räumlichkeiten sind häufig auf einen sehr geringen Standard. Human Right Watch berichtet sogar über fehlende Begrenzungsmauern, Toiletten und Wasseranschlüsse (vgl. HRW, 2017). Ein ehemaliger afghanischer Schüler berichtet über ,,unerträglich warme Temperaturen.“ (kn-MiSCH, 2017) im Sommer und dass es im Winter keine Heizungen gab. Laut ihm fehlte es an: ,,(…)Räumen, Tischen, Büchern und anderen wichtigen Dingen.“ (kn-MiSCH, 2017)

Die Lage an den privaten Schulen hingegen ist besser, jedoch für viele Familien keine Alternative. Da sie für die durchschnittliche Familie in Afghanistan zu teuer ist (vgl. kn-MiSCH, 2017).

Zudem müssen viele afghanischen Kinder und Jugendliche, zum Lebensunterhalt ihrer Familie beitragen. Dies verhindert oft ganz oder zumindest teilweise den regelmäßigen Besuch einer Schule (vgl. ÖRK, 2016).

Die Sicherheitslage und Infrastruktur des Landes, macht die Lage noch prekärer. Denn die Schulwege (vor allem in den ländlichen Provinzen) würden oft stundenlange Anreisen in Anspruch nehmen (vgl. HRW, 2017). Berichten zur Folge melden Behörden: „…das mittlerweile landesweit mehr als 1.000 Schulen wegen Gefechten dauerhaft geschlossen seien.“ (taz, 2017) Die Schulwege sind nicht nur meist viel zu lang, sondern auch gefährlich.

Die Zahlen der Schulbesuche und Alphabetisierungsrate sprechen für sich. ,,Nach Angaben der Regierung gehen 3,5 Millionen Kinder nicht zur Schule, 85 Prozent davon Mädchen. Nur 37 Prozent der weiblichen Jugendlichen können lesen und schreiben, gegenüber ihre männlichen Altersgenossen.“ (HRW, 2017)

Womit man zu einem weiteren Problem gelangt. Hierbei geht es um den Stellenwert von Mädchen und Frauen in der Bildung. Das Regime der Taliban verbot, Frauen den Zugang zur Bildung und Arbeit (vgl. bpb, 2011). Dies hat bis heute Auswirkungen auf die Schule. Es fehlt an weiblichen, ausgebildeten Lehrkräften. Diese Tatsache macht es den Mädchen noch schwerer Bildung zu erlangen (vgl. HRW, 2017). Denn aus soziokulturellen Gründen, lehnen es viele Familien ab ihre Töchter, von einem Mann unterrichten zu lassen. Die Geschlechtertrennung zieht sich also nicht nur durch die Klassenstruktur, sondern betrifft auch die Lehrkräfte. Die frühe Verheiratung schränkt die Bildungschancen von Mädchen weiter ein (vgl. HRW, 2017). ,,Mädchen müssen zu Hause bleiben, weil in ihrem Umfeld diskriminierende Ansichten vorherrschen, die ihrer Erziehung keinen Wert bzw. keine Berechtigung zumessen. (…) Sobald sie verlobt oder verheiratet sind, werden die Mädchen häufig gezwungen, die Schule abzubrechen.“ (HRW, 2017)

Zusammenfassend kann man festhalten, dass Schule in Afghanistan unter vielseitigen Schwierigkeiten versucht wird zu ermöglichen. Dies jedoch aufgrund unzähliger Probleme häufig nicht funktioniert.

3. Leitfadengestütztes Interview

Im folgenden Kapitel soll es um den Prozess gehen, wie ein leitfadengestütztes Interview entwickelt werden kann. Anhand von forschungsbezogenen Literatur (siehe Literaturverzeichnis) und den Grundinformationen zum afghanischen Schulsystem, die im vorherigen Kapitel geschildert wurden, stellt dies den Versuch ein Leitfadengestütztes Interview zu entwickeln dar.

3.1 Einordnung in die Sozialforschung

Das leitfadengestützte Interview ist der qualitativen Sozialforschung zuzuordnen (vgl. Flick, 2006). Nach Flick gibt es wesentliche Kennzeichen qualitativer Forschung. Diese sind:

- Gegenstandsangemessenheit von Methode und Theorie

Der Untersuchungsgegenstand gibt vor, welche Methode man auswählt. Dieser wird in seiner Komplexität und Ganzheit im alltäglichen Kontext untersucht. (vgl. Heistinger 2006, S.2)

- Berücksichtigung und Analyse unterschiedlichster Perspektiven

Die qualitative Sozialforschung berücksichtigt, dass sich gegenstandsbezogene Sicht- und Handlungsweisen unterscheiden, „… weil damit unterschiedliche subjektive Perspektiven und soziale Hintergründe verknüpft sind.“ (Heistinger 2006, S.2)

- Reflexivität des Forschers oder Forscherin und der Forschung

Die Reflexion eines Forschers oder Forscherin wird mit Hilfe eines Protokolls o.Ä. festgehalten. Dieses kann Handlungen und Beobachtungen im Feld beinhalten. Ebenfalls werden dort Eindrücke, Irritationen, Gefühle und Einflüsse dokumentiert. Diese Daten fließen in die Interpretation der Forschung mit ein. (vgl. Heistinger 2006, S. 2)

Die gemeinsame Hauptintention der qualitativen Sozialforschung ist nach Flick: „…Lebenswelten von innen heraus zu beschreiben.“ (Flick 1996, 28 ff.)

Durch die weitverbreitete Methode des Interviews wird genau dies versucht (vgl. Heistinger 2006, S. 3). Ein Interview dient als wissenschaftliche Befragung (vgl. Zierer 2013, S.63), dass sich durch das Prinzip der Offenheit und der Kommunikation (vgl. Flick 1996, S. 28 ff.) auszeichnet. Die wissenschaftliche Befragung grenzt sich durch ihre Zielgerichtetheit und theoriegeleitete Kontrolle von einer alltäglichen Befragung ab (vgl. Flick 1996, S. 28 ff.). Es gibt mündliche, als auch schriftliche Interviews. Diese können per Internet, Face-to-Face, telefonisch oder in jeglicher schriftlichen Form erfolgen. (vgl. Zierer 2013, S. 63) Die Person oder Personen können mittels Fragebogen, Leitfaden oder Stegreiferzählung befragt werden.

Das leitfadengestützte Interview ist formell der teilstandardisierten Befragung zuzuordnen. Es basiert auf vorformulierten Fragen zu einem Themenbereich, die Frage- oder Antwortmöglichkeiten beinhalten. Das Leitfadeninterview wird eingesetzt um Sichtweisen von Personen zu dokumentieren oder zu vergleichen (vgl. VWA o. Datum, S. 1). Das Vorverständnis bzw. Vorwissen zum Themenbereich des Interviewers ist entscheidend für die Fragestellung (vgl. Zierer 2013, S. 65; VWA o. Datum, S. 1). Der Leitfaden soll nur als Orientierungshilfe dienen, und genug Flexibilität im Interviewprozess gewährleisten. Daraus ergibt sich die Freiheit, innerhalb des Interviews Fragen wegzulassen oder zu verändern bzw. anzupassen. Werden mehrere Personen befragt dient der Interviewleitfaden dazu, die Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu garantieren. (vgl. Zierer 2013, S. 65f.)

Es gibt eine Vielzahl an spezifischen Theorieansätze zur Befragungen. „Eine einheitliche Theorie zur Befragung liegt bislang -nicht zuletzt aufgrund der Vielfalt an Befragungsformen und -methoden- nicht vor.“ (Schnell et al 2011, zit. n. Zierer, 2013, S. 63) Sogenannte Kosten-Nutzen-Modelle beschäftigen sich beispielweise mit Antwortverweigerung und -verzerrung (vgl. Zierer 2013, S 63). Darüber hinaus machen solche Ansätze darauf aufmerksam, dass eine sinnvolle Interpretation nur dann möglich ist, wenn die Intentionen und die soziale Interaktion der Akteure (so weit wie möglich) bekannt ist. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist auch die Vorbereitung eines Interviews. Ist dieses sorgfältig vorbereitet, so kann dies zu einer Verringerung von Antwortverzerrungen und -verweigerungen beitragen. Die Erhebungssituation ist dadurch jedoch nicht vollständig kontrolliert oder reduziert, da sie von Komplexität und Interaktion geprägt ist. (vgl. Schnell et al 2011, zit. n. Zierer, 2013, S. 64)

3.2 Erstellung des Interviewleitfadens

Der erste Schritt zum Erstellen einer Befragung liegt in der Themenfindung, um dieses dann durch die Fragenauswahl weiter einzugrenzen. (vgl. Zierer 2013, S.70) Durch die behandelten Themen im Seminar Förderung von Flüchtlingskindern und -jugendlichen an Schule: Herausforderungen und Chancen, entwickelten sich einige Fragen und Erkenntnisse. Im Zuge des Seminars wurde immer mehr klar, wie anders sich die Schule für geflüchtete Menschen in Deutschland anfühlen musste. Außerdem kam der Aspekt der Traumatisierung hinzu und immer wieder kam (in mir) die Frage auf: Sorgt diese Andersartigkeit für eine Fortführung der Traumatisierung? Hinzukamen die Schlagzeilen und die Berichte aus den Medien oder von bekannten Lehrkräften, wie schlecht sich Geflüchtete in das System einfügen würden. Umso intensiver man sich mit dem Themenfeld beschäftigt, umso logischer erscheint die Schlussfolgerung, dass dies vielfältige Gründe haben kann.

Dies ist also der Ausgangspunkt für den Interviewleitfaden. Das Ziel ist es den Unterschied (so wie ihn ein Afghane wahrnimmt) zwischen den Schulsystemen von Afghanistan und Deutschland herauszuarbeiten. Und durch die Erkenntnisse dieses Interviews, Rückschlüsse auf ein Erleben von Andersartigkeit in seiner Stärke ausmachen zu können.

- Aufbau des Interviews

Zunächst sollen die Bestandteile des Interviews und dessen Aufbau skizziert werden. Diese können im Anhang eingesehen werden. Ein Bestandteil ist das Beiblatt, in dem wichtige Informationen über den Interviewten nach dem Interview festgehalten werden (vgl. VWA o. Datum, S. 2). Des Weiteren besteht die Möglichkeit ein Handblatt zu entwerfen, auf dem Zweck, Name und Telefonnummer oder Email (im Falle von Rückfragen) der Person die das Interview führt steht (vgl. Heistinger 2006, S. 8). Dieses Handblatt kann je nach Interviewverlauf ausgegeben werden, falls der Eindruck entsteht, dass es zu Rückfragen kommen könnte. Da die Subjektivität und Reflexivität ein wichtiger Bestandteil der Methode ist, kann es sinnvoll sein, einen Selbstbeobachtungsbogen zu entwerfen. Dieser kann direkt nach oder wenn möglich, während dem Interviewgeschehen mit Notizen oder kurzen Anmerkungen ausgefüllt werden. Dies ermöglicht sehr zeitnah aktuelle Emotionen, Eindrücke, Verunsicherungen oder Beobachtungen festzuhalten und später in die Reflexion mit einfließen zu lassen. (vgl. Heistinger 2006, S. 12)

Der Interviewleitfaden besteht aus Deckblatt und Leitfaden (vgl. VWA o. Datum, S. 2). Das Deckblatt beinhaltet Auskünfte zur Institution, zum Seminar, zum Dozent oder Dozentin, der durchführenden Person und das Thema. Der nächste Schritt ist das Entwerfen des Leitfadens. Dieser beinhaltet nach bestimmten Kriterien entworfene Fragen (darauf wird im nächsten Abschnitt eingegangen). Hierfür gibt es Empfehlungen was Umfang etc. betrifft. Einer dieser Empfehlungen schlägt vor, fünf bis sieben Aspekte eines Themas zu behandeln, mit jeweils ein bis zwei Fragen dazu. Insgesamt sollten allerdings nicht weniger als zwölf und höchstens fünfzehn Fragen gestellt werden. (vgl.VWA o. Datum, S. 2) Die Orientierung an diesen Empfehlungen liegt, bei dem im Anhang vorzufindenden Interviewleitfaden, immer an der unteren Grenze der Vorgaben. Dies kann durch die Orientierung und Anpassung an dem zu Interviewten begründet werden (ausführlicher beschrieben wird dies im nächsten Abschnitt).

- Überlegungen zur Formulierung der Fragen

Bevor es um die nähere Ausführung der Überlegungen geht, werden zunächst die Vorüberlegungen geschildert. Das Interview wurde entworfen, ohne eine bestimmte Person im Blick zu haben. Die einzigen Grundinformationen die es gab, waren dass ein afghanischer, männlicher unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF) zum Schulsystem in Afghanistan interviewt werden sollte. Durch die geringen Informationen und ohne Kenntnis einer bestimmten Person entstand der Interviewleitfaden in seiner jetzigen Form.

Nachstehend folgt die Begründung zur Auswahl der Interviewfragen. Nähere Ausführungen sind auch hier ersichtlich im leitfadengestützten Interview im Anhang.

Es gibt einige Kriterien, welche die Fragen eines leitfadengestützten Interviews erfüllen sollten. Eines dieser Kriterien ist, dass sie offen und erzählanregend formuliert werden sollen. Geschlossene Fragen, die ausschließlich mit einem „Ja“ oder einem ,,Nein“ zu beantworten sind, sollten vermieden werden. Außerdem sollen die Fragestellungen in einer einfachen und klaren Sprache gestellt werden. Ein Kriterium besagt, dass die Frage möglichst kurz und präzise sein soll. (vgl. Zierer 2013, S. 76) Hinzukommt das sie alltagsnah sein soll, sich also auf eine konkrete Situation, die der Interviewte gut kennt bezieht (vgl. VWA o.Datum, S.2). Des Weiteren sollten die Fragen angepasst an den Interviewten und seine Situation sein. Zu persönliche Details sollten nicht abgefragt werden. (vgl. Zierer 2013, S.76) In Bezug auf Personen mit Fluchterfahrungen, gilt dies als logische Schlussfolgerung. Denn traumatische Erfahrungen können jederzeit zu sogenannten Flashbacks führen. Hierbei kann ein lautes Geräusch, dass z.B. an eine Kriegserfahrung erinnert, genügen. (vgl. Kanz 2017, S. 101) Während der Entwicklung des Leitfadens, galt es stets zu beachten nicht zu weit unter der Oberfläche zu kratzen. Weshalb versucht wurde die Fragen möglichst oberflächlich zu halten. Ebenfalls sollte vermieden werden Suggestivfragen zu stellen, die aufgrund von enthaltenen Wertungen eine Antwort nahelegen (vgl. Zierer 2013, S.76).

Der Einleitungssatz mit seiner Einleitungsfrage soll für eine angenehme Atmosphäre sorgen. In diesem Einleitungssatz wird das Ziel des Interviews und der Nutzen geschildert. Man versichert dem zu Interviewenden Vertraulichkeit, und bedankt sich für seine Zeit und Bereitschaft an dem Interview teilzunehmen. Eine kurze Vorstellung der eigenen Person erfolgt ebenfalls. Die Einstiegsfrage soll möglich offen und einfach gefasst sein, so dass es nicht schwer fällt zu antworten. Die Abschlussfrage soll dann den Hinweis geben, dass das Interview jetzt enden wird. Sie dient der Nachfrage und möglichen Ergänzungen von Seiten des Interviewten. (vgl. Zierer 2013, S. 76)

Die Fragen sind im Leitfaden strukturell aufgebaut. Das bedeutet es gibt sogenannte Aufwärmfragen, danach folgen komplexere Fragen (vgl. Zierer 2013, S 76). Hierbei wird von leicht zu schwerer vorgegangen. Doch auch hier liegt die Orientierung eher bei durchgehend einfachen Fragen.

Die Entscheidung weniger Fragen einzubauen, beruht auf Empfehlungen, dass ein Interview (vor allem wenn keine Praxiserfahrung vorhanden) nie länger als eine Stunde gehen soll (vgl. Heistinger 2006, S. 12). Ebenso wurden einfache Fragen ausgewählt, und solche die sich nicht zu sehr unterscheiden, weil der zu Interviewende nicht bekannt war. Die Schlussfolgerung daraus bestand darin, sich an den Regeln für die leichte Sprache zu orientieren. Somit sollten sprachliche Barrieren überwunden werden und ein Interview was zum Erzählen anregt (trotz möglicher Sprachbarrieren) entstehen.

- Leichte Sprache

In diesem Absatz soll das Regelwerk der Leichten Sprache kurz umrissen werden. Dies soll in erster Linie der Begründung dienen, weshalb diese für den Interviewleitfaden dient. Ein entscheidender Aspekt ist, dass die Leichte Sprache sich für Menschen eignet „…die nicht so gut Deutsch sprechen.“ (Leichte Sprache o. Datum, S. 1)

Da es bei dem Konzept der Leichten Sprache, eher um das Verfassen von Texten geht, sollen hier nur die entscheidenden Aspekte für den Leitfaden genannt werden. Grundüberlegung ist es, dem Interviewten den Leitfaden zum besseren Verständnis vorzulegen und somit auch mit Hilfe der Leichten Sprache auszugestalten. Diese empfiehlt kurze Sätze zu schreiben, für jeden Satz eine neue Zeile zu beginnen und immer nur eine Aussage pro Satz darf enthalten sein. Fremd- oder Fachwörter sollen vermieden werden. Außerdem orientiert man sich an einem einfachen Satzbau. Beispiel hierfür wäre: „Der Hund bellt die ganze Nacht.“ oder „Die ganze Nacht bellt der Hund.“; hier wäre der erste Satz von der Satzstruktur empfehlenswert und einfacher verständlich. Ebenfalls verwendet man die selben Worte für die gleichen Dinge. Hierfür dient als Beispiel: Tablette bleibt Tablette und wird nicht zu einer Pille. Wenn möglich sollten Abkürzungen vermieden werden. Ebenso sollte man auf bildliche Sprache oder Redewendungen verzichten, da diese meist schwerer verstanden werden. Die Sprache sollte eine positive Färbung enthalten, z.B. anstatt „nicht krank“, dann „gesund“. (vgl. Einfache Sprache o. Datum, S. 1ff.) Die Leichte Sprache empfiehlt bei unbekannten Personen die Sie-Anrede zu benutzten (vgl. Leichte Sprache o. Datum, S. 19). So entstand die Schlussfolgerung, einen Leitfaden mit „Du“ und „Sie“ zu schreiben, damit am Interviewtag situationsabhängig entschieden werden kann.

Was die Form des Textes betrifft sollte dieser in nur eine Schriftart verfasst sein und eine einfache, gerade Schrift aufweisen, darunter zählt beispielsweise Verdana, Arial, Tahoma usw (vgl. Leichte Sprache o. Datum, S. 22). Gleichermaßen ist ein Text einfacher zu lesen und zu verstehen, wenn dieser linksbündig verfasst wird und ab einer Schriftgröße von ca. 14 formatiert ist (vgl. Leichte Sprache o. Datum, S.23f.). Ein entscheidender Punkt, der zur Entscheidung beitrug den Interviewleitfaden bei Verständnisproblemen vorlegen zu können, rührt daher, dass die Leichte Sprache die Empfehlung gibt mit Bildern zu arbeiten. Bilder fungieren als spracharmer Vermittler. (vgl. Leichte Sprache o. Datum, S. 33).

Einer der wichtigsten Punkte der Leichten Sprache ist, dass nur jemand für den die Leichte Sprache gedacht ist, auch beurteilen kann ob die Sprache leicht genug ist (vgl. Leichte Sprache o. Datum, S.35). Im Falle des Interviewleitfadens, entschied ich mich für meine Nachbarin mit Migrationshintergrund. Diese lebt seit vielen Jahren in Deutschland, hat aber wie sie selbst sagt immer noch große Probleme mit der deutschen Sprache. Insbesondere mit dem Schreiben und Lesen, somit diente sie als geeignete Prüferin. Nach einigen Korrekturen war der Leitfaden fertig.

3.3 Vorbereitung auf das Interview

Zur Vorbereitung des Interviews gehört die abschließende Überprüfung des erstellten Materials. Natürlich gehören hierzu auch Überlegungen hinsichtlich Räumlichkeiten oder der Kontaktaufnahme. Die technische Ausrüstung muss beschafft und vorab getestet werden. (vgl. VWA o. Datum, S.4) Es ist sinnvoll den Interviewleitfaden einzuüben, beziehungsweise so vertraut mit ihm zu sein, dass man wenig ablesen muss und flexibel mit den Fragen umgehen kann (vgl. Heistinger 2006, S.12). Die Gestaltung der Interviewsituation hängt mit den Räumlichkeiten zusammen, eine ungestörte Wohlfühlatmosphäre wirkt einladender (vgl. VWA o. Datum, S. 4). Ein Beispiel hierfür wäre ein ruhiger Raum, mit angenehmer Raumtemperatur und einer bequemen Sitzmöglichkeit.

Im Idealfall findet nach der Kontaktaufnahme ein Probeinterview statt und mögliche Schwächen des Leitfadens können überarbeitet werden (vgl. VWA o. Datum, S. 3).

Nach dem das überarbeitete Interview erfolgreich abgeschlossen wurde, folgt üblicherweise das Transkribieren des Gesagten. Allerdings wird in der vorliegenden Arbeit auf die weitere Ausführung dieses Schrittes verzichtet, da es zu einem Interviewgeschehen nicht kam. Diese Arbeit soll lediglich den Prozess bis hin zum Interviewtag beschreiben und darlegen. Ein unabdingbarer und letzter Teil stellt somit die Reflexion des eigenen Tuns und dem Prozess der Entwicklung eines solchen Leitfadens dar.

4. Reflexion zur Erstellung meines Interviewleitfadens

Der abschließende Teil der vorliegenden Arbeit, ist eine sehr subjektive Reflexion, in der ich meine Erfahrungen festhalten möchte, die ich während dem entwerfen des Leitfadens gemacht habe. Hierbei wird es um Unsicherheiten, viele Fragen und Grenzen gehen.

Beginnen möchte ich mit der Kritik und den Grenzen der Methode, der Befragung. Die Wissenschaft gibt auch mehrere Kritikpunkte bzw. Grenzen der Methode vor (Zierer 2013, S. 73.f.). Tatsächlich konnte ich immer wieder während des Entwicklung des Instruments (und vor allem während dem Abfassen dieser Arbeit) feststellen, dass ich auf ähnliche Probleme stieß. Die Gütekriterien zur Befragung, sind sehr umfangreich. Kurz gesagt, muss das Vorgehen immer nachvollziehbar bleiben und die Interpretation muss empirisch abgesichert und nachvollziehbar sein. (vgl. Zierer 2013, S. 73) Das war schon der erste Punkt, an dem ich gedanklich Schwierigkeiten bekam, denn die Interpretation wird von vielen Aspekten beeinflusst.

Ich als Befrager und meinem gewählten Befragungsstil sorge, schließlich schon für eine gewisse Beeinflussung. Dazu kommt der Befragte, der je nach Bereitschaft den Interviewverlauf stark beeinflusst. In diesem Fall kenne ich weder den zu Interviewenden, noch seine sprachlichen Kenntnisse, die eng mit der Interviewbereitschaft bzw. vielmehr der Möglichkeit am Interview teilnehmen zu können beeinflussen. Das Befragungsinstrument spielt hierbei auch eine große Rolle, denn die Formulierung der Fragen und der Aufbau des Leitfadens, beeinflussen auch die Antworten. Durch den Rahmen, der vorgegeben ist, wird automatisch auch ein Rahmen für mögliche Antworten geschaffen. Die konkrete Befragungssituation, kann ebenfalls stark beeinflussend wirken. Damit sind Dinge gemeint, wie die Beziehung zwischen den Beteiligten, ob Dritte anwesend sind, Raum und Zeit etc. Zusammenfassend kann man hierzu festhalten, dass dieses Risiko der Verzerrung nicht komplett auszuschließen ist. Jedoch durch intensive Auseinandersetzung und Vorbereitung mit dem Thema bzw. Instrument minimierbar ist.

Immer wieder hatte ich mit Verunsicherungen zu kämpfen. Die bestimmt auch meiner Unerfahrenheit geschuldet waren, aber auch der Tatsache das ich immer versucht habe eine möglichst gute Passung zu erzielen. Das war natürlich schwer, weil ich weder wusste wen ich interviewen musste, noch welche Deutsch-Sprachkenntnisse derjenige besitzt. Letztendlich habe ich den Interviewleitfaden nach besten Wissen und Gewissen entworfen. Durch das enge Zeitfenster und organisatorischen Problemen, war es dann nicht möglich einen afghanischen Schüler zu interviewen. So habe ich den Interviewleitfaden lediglich auf theoretischen Annahmen basierend entworfen.

Doch selbst hier war ich mir oft unsicher, ob der Aufbau den Kriterien entspricht, da ich versucht habe das Interview sehr kurz und einfach zu halten. Im Endeffekt entschied ich mich dafür es an die von mir erwartete Situation anzupassen. Die logische Schlussfolgerung für mich war, den Bogen möglichst einfach, kurz und verständlich zu halten. Wobei wir schon wieder bei der nächsten Frage wären, die in mir aufkam. Was ist denn wirklich einfach? Oder ist es vielleicht schon zu einfach und der Befragte fühlt sich verspottet? Diesen Gedanken versuchte ich durch die Bilder auf dem Leitfaden zu lösen, und diesen in zweifacher Ausführung mit zum Interview zu nehmen. Falls die Sprachbarriere zu groß wäre, würde der Bogen in großer Schrift, basierend auf den Regeln der Leichten Sprache und mit den Bildern, vielleicht helfen können das mich der Befragte besser versteht. Aber selbst bei den Bildern, fragte ich mich immer wieder ob mein Gegenüber diese wirklich so deuten würde wie ich. Würde er das Gebäude mit der Aufschrift „school“, überhaupt als Schule identifizieren. Durch die Beschäftigung mit der Schule in Afghanistan wusste ich, dass die Schulgebäude oft nicht so aussahen und nicht jeder Englischunterricht hatte. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden, in der Hoffnung, dass es helfen könnte und dem allgemeinen Bild von „Schule“ am nächsten kommt. Immer wieder hatte ich mit solchen Eventualitäten zu tun. Wobei ich glaube das sich einige während dem Interview entweder gelöst hätten oder dazu geführt hätte das man nach dem Probeinterview nochmal überarbeitet hätte.

Am schwersten fiel mir die Entwicklung des Fragebogens, aufgrund der Fragen. Ich empfand es als schwer, Fragen die unterschiedlich, gleichzeitig leicht verständlich und kurz sind zu entwickeln. Außerdem hoffte ich die Fragen dass die Fragen nicht zu persönlich sind und für Flashbacks sorgen könnten.

Die Verunsicherungen wurden nicht weniger, wenn ich an das eigentliche Interviewgeschehen dachte. Ich hatte noch nie ein Interview entworfen, geschweige denn eines durchgeführt. Als es dann eine reelle Chance gab, jemanden zu interviewen, fiel ich wortwörtlich aus allen Wolken. Denn ich hatte mit einem Kommilitonen gesprochen der einen Afghane schulisch betreute und darum gebeten, dass ich ihn interviewen darf. Nachdem der Kommilitone den Schüler kennengelernt hatte und auch meinen Interviewbogen kannte, stießen wir auf ein Problem. Der afghanische Schüler, war in Afghanistan nie in der Schule. In Deutschland angekommen, trat er seinen ersten Schulbesuch überhaupt an. Laut Angaben war dieser Schüler minderjährig und hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nie einen geregelten Schulbesuch gehabt.

Womit ich zum Fazit meiner Arbeit kommen möchte. In diesem Moment wurde mir klar, dass mein Fragebogen zu Hälfte hinfällig gewesen wäre. Hier möchte ich wieder den Bogen zum ersten Teil meiner Arbeit schlagen. Afghanistan ein von Konflikten geprägtes Land, in dem Kinder und Jugendliche zwischen Krieg und Flucht aufwachsen müssen. In solchen Momenten erkennt man was für ein Privileg es ist Bildung zu erfahren und weitergeben zu können. Durch diese Arbeit bleibt mir immer im Hinterkopf, dass man nicht zu vorschnell urteilen darf. Außerdem sehe ich es als unabdingbar, dass der Bevölkerungen und insbesondere Lehrkräften über die Zustände berichtet wird. Denn ich kann mir gut vorstellen das dieses häufige (bis durch die mediengetragene) Unverständnis auch daher rührt, dass einem der Bezug und die Informationen fehlen. Für mich jedenfalls hat diese Arbeit einen enormen Beitrag geleistet, um Unterschiede zu erkennen und mit möglichen Reaktionen besser umgehen zu können, weil ich sie (eher) verstehen kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Schulsystem von Afghanistan. Entwurf eines Interviewleitfadens
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
25
Katalognummer
V901940
ISBN (eBook)
9783346200877
ISBN (Buch)
9783346200884
Sprache
Deutsch
Schlagworte
afghanistan, entwurf, interviewleitfadens, schulsystem
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Carmen Büchler (Autor), 2018, Das Schulsystem von Afghanistan. Entwurf eines Interviewleitfadens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901940

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