Frauenfußball ist eine sehr junge Sportart, die praktisch noch in den Kinderschuhen steckt. Seit 1970 erst ist es auch Mädchen und Frauen in Deutschland erlaubt diesen Sport auszuüben. Es gab zwar vorher schon Bemühungen seitens der Frauen Fußball zu spielen, jedoch wurde dies durch die Verbände, allen voran dem DFB, verboten. Fußball war also eine sehr lange Zeit nur Männern vorbehalten. Bis der Frauenfußball wie heute zu Normalität wurde, mußten einige Barrieren gebrochen werden.
Viele Frauen wurden für ihre Leidenschaft zum Fußball belächelt oder gar beschimpft. Dies ist zum Teil heute noch so, was die Vorurteile über Fußballerinnen klar erkennen lassen. Aber warum drängen Frauen in diese Sportart? Wieso lassen sie Beleidigungen über sich ergehen, um dem runden Leder nachzujagen? Mit welchen Problemen werden sie konfrontiert? Stimmt es, daß Fußballerinnen eine männliche Ausstrahlung haben und viele von ihnen homosexuell veranlagt sind? Dies sind Fragen, die diese Arbeit versucht zu durchleuchten.
Der Männerfußball, einst Elitesport, wandelte sich im Lauf der Jahre zum Massensport. Heute wird er vornehmlich von Mitgliedern der unteren Mittel- und Unterschicht ausgeübt (Heinemann, 1998, S. 201). Über die Schichtenzugehörigkeit von Fußballerinnen sind bisher noch keine empirischen Untersuchungen durchgeführt worden. Diese Staatsexamensarbeit geht auch der Frage nach der sozialen Herkunft der fußballspielenden Frauen auf den Grund.
Um die oben genannten Fragen zu analysieren, wurde ein Fragebogen speziell für Fußballerinnen entwickelt. Dieser wurde in drei thematische Blöcke unterteilt. Der erste Teil fragt nach der Kinder- und Jugendzeit der Sportlerin, der zweite Teil befaßt sich mit der Zeit als Seniorin und in einem dritten Teil sollen demographische Fragen beantwortet werden. Die Auswertung dieses Fragebogens wird den größten Teil der Arbeit darstellen.
Doch bevor die empirische Studie dargelegt wird, sind einige Grundlagen zu erläutern. Zum einen die Sozialisation von Frauen im Sport, zum anderen die Geschichte des Frauenfußballs und dessen Organisation. Leider ist das Thema „Frau und Sport“ in der Literatur noch längst nicht ausreichend durchleuchtet worden. Auch zum „Frauenfußball“ findet man nicht besonders viele Autoren, die sich diesem Thema annehmen.
Nach den Grundlagen wird der Kern der Arbeit, die explorative Studie zum Frauenfußball, dargestellt und diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN
2.1 Geschlechtsspezifische Sozialisation
2.1.1 Zum Begriff der Sozialisation
2.1.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation – Entwicklung und Stand der Forschung
2.1.3 Zum Zusammenhang von weiblicher Sozialisation und Sport
2.2 Entwicklung des Frauenfußballs
2.3 Organisation des Frauenfußballs
3 DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG
3.1 Fragestellungen
3.2 Untersuchungsmethodik
3.2.1 Personenstichprobe
3.2.2 Ablauf der Untersuchung
4 ERGEBNISSE
4.1 Kindheit und Jugend der Fußballerinnen
4.1.1 Fußballspielen außerhalb von Vereinen
4.1.2 Mädchenfußball im Verein
4.2 Die Fußballzeit in Frauenmannschaften
4.2.1 Die fußballerische Laufbahn der Spielerinnen
4.2.2 Der Verein
4.2.3 Der Trainings- und Spielalltag
4.2.4 Mannschaft und Trainer/Trainerin
4.2.5 Engagement über die eigene Sporttreiben hinaus
4.2.6 Motive für das Fußballspielen
4.2.7 Familie, Freunde und Bekannte
4.2.8 Freizeitbeschäftigungen außer Fußball
4.2.9 Medien
4.2.10 Frauenfußball und seine Vorurteile
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Sozialisation von Fußballerinnen und analysiert deren fußballerische Laufbahn, soziale Herkunft sowie den Trainings- und Spielalltag in einem Verein. Zentrales Forschungsinteresse ist dabei das Verständnis der Motivation und der Hindernisse, mit denen Frauen in dieser traditionell als männlich wahrgenommenen Sportart konfrontiert sind.
- Sozialisationstheoretische Grundlagen von Frauen im Sport
- Entwicklung und organisationale Strukturen des Frauenfußballs in Deutschland
- Empirische Analyse des Sportengagements in Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter
- Untersuchung von Vorurteilen gegenüber Fußballerinnen und deren Umgang damit
- Einfluss von Familie und sozialem Umfeld auf die sportliche Karriere
Auszug aus dem Buch
Die Fußballzeit in Frauenmannschaften
Nachdem im vorangegangenen Kapitel die Angaben der Befragten zu ihnen als Jugendfußballerinnen ausgewertet und diskutiert wurden, soll im folgenden die Zeit als Seniorin beleuchtet werden. Der Begriff Seniorin ist hier nicht in Form von „alter Frau“ zu verstehen. Hiermit sind Fußballerinnen ab dem 17. Lebensjahr gemeint. Das folgende Kapitel ist so aufgeteilt, daß zuerst auf die fußballerische Entwicklung und dann auf den Trainings- und Spielalltag der Befragten eingegangen wird. Danach folgt eine Analyse der Motive des Sporttreibens der Frauen. Des weiteren werden natürlich auch die Vorurteile, mit denen Fußballerinnen zu kämpfen haben, näher betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der wachsenden Beliebtheit des Frauenfußballs und Definition der Forschungsfragen zur Faszination und Karrieregestaltung.
2 THEORETISCHER BEZUGSRAHMEN: Erläuterung der geschlechtsspezifischen Sozialisationstheorien und der historischen Entwicklung des Frauenfußballs.
3 DARSTELLUNG DER EMPIRISCHEN UNTERSUCHUNG: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, der Stichprobe und des Ablaufs der schriftlichen Befragung.
4 ERGEBNISSE: Detaillierte Analyse des Sportengagements von der Kindheit bis zur Zeit in Frauenmannschaften, inklusive der Auswertung von Motiven und Vorurteilen.
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Reflexion der Studienergebnisse, kritische Würdigung der Methodik und Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Schlüsselwörter
Frauenfußball, Sozialisation, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Sportsoziologie, Empirische Studie, Vereinssport, Motivation, Leistungsbereitschaft, Trainer-Spieler-Verhältnis, Vorurteile, Identitätsbildung, Sportengagement, Karriere, Mädchenfußball, Vereinsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedingungen und Erfahrungen von Fußballerinnen im Verein und beleuchtet deren sportlichen Sozialisationsprozess in einer männlich dominierten Sportart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Themen sind die geschlechtsspezifische Sozialisation, die historische und organisatorische Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland sowie die empirische Auswertung des sportlichen Alltags der Spielerinnen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, was Frauen am Fußball fasziniert, wie ihre sportliche Karriere verläuft und mit welchen sozialen und strukturellen Problemen sie im Vereinsleben konfrontiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Querschnittsuntersuchung mittels einer schriftlichen postalischen Befragung von 207 Fußballerinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Einleitung zur Sozialisation und Frauenfußball-Historie sowie in die detaillierte Darstellung und Diskussion der empirischen Ergebnisse zu Training, Mannschaftsumfeld, Motivation und Vorurteilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Frauenfußball, Sozialisation, Vereinsstruktur, Motivation, Sportengagement und Identitätsbildung.
Welche Rolle spielt die Familie beim Einstieg in den Fußball?
Die Studie zeigt, dass eine frühe Förderung durch die Eltern die sportliche Karriere positiv beeinflusst und dass ein späterer Einstieg häufig mit weniger familiärer Unterstützung verbunden ist.
Wie gehen Fußballerinnen mit den gängigen Vorurteilen um?
Viele Fußballerinnen sind sich der Vorurteile bewusst, interpretieren jedoch ihre Sportart für sich neu und distanzieren sich teilweise von vergleichenden Beurteilungen mit dem Männerfußball.
Was sagen die Ergebnisse zum sozialen Umfeld der Spielerinnen aus?
Das soziale Umfeld, insbesondere die Mannschaft, hat einen hohen Stellenwert; für die meisten Befragten ist die Geselligkeit und der Zusammenhalt im Verein ein wesentlicher Motivationsfaktor.
Gibt es Unterschiede in der Professionalisierung zwischen den Ligen?
Ja, insbesondere in den höheren Ligen wie der Bundesliga ist die Vorbereitung intensiver, während in den unteren Ligen das Gemeinschaftsgefühl und die Geselligkeit gegenüber dem leistungssportlichen Charakter dominieren.
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- Melanie Rother (Autor), 2004, Frauenfußball. Weibliche Sozialisation, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90350