Aristoteles' Topik. Definitionstheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aristoteles' Kategorien
2.1 Synonym und Homonym
2.2 Die Vierteilung des Seienden
2.3 Die Kategorien
2.4 Transitivitat

3 Aristoteles'Definitionstheorie
3.1 Die fiinf Prinzipien einer Definition
3.2 Die richtige Gattung
3.3 Eigentumlichkeit
3.4 Hinreichende Definition
3.5 Richtiges Definieren

4 Hintergrund der Definitionstheorie

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Topik ist das funfte von sechs Buchern des Organon, einer Sammlung von Aristoteles' Schriften. In diesem Gesamtwerk ist Aristoteles' Entwicklung der Grundlagen der Logik festgehalten. Unter Logik ist das Untersuchen und Entwickeln von Methoden und Prinzipen zu verstehen, welche vernunftiges Schlussfolgern ermoglichen sollen. Nach Aristoteles' Auffassung existierte zu jener Zeit eine solches systematisches Arbeiten noch nicht. Daher gestaltete er urn 330 v. Chr. seine eigene Lehre, die als Werkzeug, die deutsche Ubersetzung des Wortes Organon, fur Logik und Wissenschaft dienen sollte (vgl. Bassham 2018: 78).

In der Topik selbst beschaftigt sich Aristoteles mit dem Thema des Fuhrens eines Streitgespraches. Topik ist hierbei von dem griechischen Wort topos abgeleitet, was ubersetzt Ort heifit, und bezeichnet den Angriffspunkt in einem Streitgesprach. Die Topik soil es den Parteien demnach in einem Disput ermoglichen, ihre Position systematisch zu verteidigen, wahrend sie die fehlerhafte Argumentations- oder Darstellungsweise ihres Gegenubers angreifen konnen, indem sie Aristoteles' einzelne Topoi befolgen und anwenden. Diese Topoi sollen in jedem beliebigen Streitgesprach universell verwendet werden konnen (vgl. Rapp 2004: 7ff.).

Die Topik selbst setzt sich aus acht Buchern zusammen. Das erste Buch setzt sich mit den Grundbegriffen der dialektischen Argumentation und dem Gegenstand der Topik auseinander. Darauf folgen die Topoi zur Relation des Akzidens, die Topoi des Vergleichs, die Topoi zur Relation der Gattung und die Topoi zur Relation der eigentumlichen Eigenschaft. Buch sieben und acht beziehen sich auf die Topoi zur Synonymie und die Topoi zur Anordnung von Argumenten und Strategien (vgl. ders.: 10f.). Die folgende Ausarbeitung allerdings bezieht sich auf das sechste Buch der Topik und somit auf Aristoteles' Defmitionstheorie. Ziel dieser Ausarbeitung ist es den Inhalt der Defmitionstheorie zusammenfassend herauszuarbeiten, ihre Bedeutung herauszustellen, sowie sie in einen Kontext mit der Topik als Gesamtwerk zu bringen.

Im Folgenden wird zunachst auf die Kategorien des Aristoteles eingegangen, dem ersten Buch des Organon. Die Kategorienschrift ist fur viele Ausfuhrungen Aristoteles' grundlegend, da sie eine hierarchische Klassifizierung und spezielle Termini vorstellt, auf die Aristoteles wiederholt eingeht. Darauf folgend wird auf den Inhalt der Defmitionstheorie eingegangen und dieser erlautert. Zuletzt wird in dieser Ausarbeitung untersucht, welche Erkenntnisse die Forschung zur Entstehung der Topik und der Defmitionstheorie gewinnen konnte.

2 Aristoteles' Kategorien

2.1 Synonym und Homonym

Homonymie bezeichnet etwas, das sich in seiner Bezeichnung von seiner Art und Beschaffenheit unterscheidet. So kann man von einer Zeichnung eines Menschen behaupten, dass sie einen Menschen darstellt. In ihrer Art allerdings ist sie grundverschieden von dem, was der Begriff Mensch aussagt, namlich unter anderem aus Fleisch und Blut seiend. Sie sind demnach wortgleich, also durch das gleiche Wort beschrieben, aber besitzen keine identischen Defmitionen. Synonymie hingegen bezeichnet etwas, das sowohl in seiner Bezeichnung, als auch in seiner Art und Beschaffenheit gleich ist. So sind beispielsweise Peter von gegenuber und Hannah als Synonyme zu bezeichnen, da sie unter anderem beide aus Fleisch und Blut beschaffen und gleich in ihrer Art und Gattung sind (vgl. Aristoteles Kategorien: la, 1-10). Synonym ist in seiner Bedeutung nach Aristoteles also leicht abweichend von unserem heutigen Verstandnis von dem Ausdruck.

Des Weiteren verdeutlicht Aristoteles, dass Synonymie nur dort vorkommen kann, wo iiber das Hypokeimenon, das Zugrundeliegend oder auch die Substanz, etwas ausgesagt wird. Das heifit, dass nur innerhalb einer Gattung synonym pradiziert werden kann. Deutlicher sichtbar wird dies anhand eines Beispiels: Wenn iiber den Mensch Lebewesen ausgesagt wird, so bekommt er nicht nur den Namen Lebewesen sondern auch dessen Bedeutung. Denn alle Eigenschaften, die auf Lebewesen zutreffen, treffen auch auf Mensch zu (vgl. ders.: 2a, 18-25).

Homonymie kommt hingegen dort vor, wo etwas in einem Zugrundeliegenden ist. Dort kann namlich das Zugrundeliegende einen Namen oder eine Beschreibung pradiziert bekommen, dadurch andert sich jedoch nicht seine Bedeutung. Wenn ich beispielsweise vor Scham errote, so ist dieses Erroten in einem Zugrundeliegenden, namlich in mir, und kann nicht unabhangig von mir existieren. Jedoch ist es nichts, das iiber mich ausgesagt wird, da es mich in meiner Bedeutung wer und was ich bin nicht verandert. Man kann nicht sagen, dass Erroten etwas sei, was iiber mich ausgesagt wird (vgl. ders.: 2a, 26-34).

Zudem sind sowohl synonyme als auch homonyme Pradikationen immer bei der ersten Substanz zu finden oder gar nicht. Denn die erste Substanz ist das Grundlegende fur alle Einordnungen und Unterordnungen. Als Beispiel formuliert hiefie das, dass es nicht sein kann, dass Mensch iiber Jonas ausgesagt wird, Lebewesen iiber Mensch, aber Lebewesen nicht iiber Jonas. Ebenso kann das Erroten nicht zugleich im Menschen sein, aber nicht in Jonas (vgl. ders.: 2a-2b, 35-7).

2.2 Die Vierteilung des Seienden

Aristoteles legt bei seiner Vierteilung des Seienden zwei Eigenschaften zugrunde; im Hypokeimenon sein und iiber ein Hypokeimenon ausgesagt werden. Kurz gesagt bedeutet Ersteres, dass jene Sache nicht auBerhalb eines Zugrundeliegenden, einer anderen Sache, existieren kann. Ein Beispiel hierfiir ist Liebe, die nicht auBerhalb von Lebewesen existieren kann. Zweiteres bedeutet, dass jene Sache oder jene Begrifflichkeit iiber eine andere Sache ausgesagt wird. So kann beispielsweise iiber den Menschen gesagt werden, dass er ein Lebewesen ist. Diese beiden Eigenschaften zugrundelegend ergeben sich somit vier Kombinationsmoglichkeiten, die Vierteilung des Seienden:

1. Kombinationsmoglichkeiten: X wird nicht iiber etwas ausgesagt und X ist auch nicht in etwas. Dies trifft auf Dinge fur X zu, die unabhangig von etwas existieren und nicht iiber etwas ausgesagt werden. Unter dieses Feld fallen individuelle Gegenstande, Dinge mit einer Wesenheit, zum Beispiel Hannah. Sie sind als erste Substanz zu benennen und fallen unter Aristoteles' Kategorie der Substanz.
2. Kombinationsmoglichkeiten: X wird nicht iiber etwas ausgesagt, X ist allerdings in etwas. In diesem Fall ist das rot Seiend ein Beispiel fur X, wahrend etwas eine Blume ist. Uber Blumen wird nicht ausgesagt, dass sie von einer roten Farbe bestimmt werden, das Rot kann aber nicht unabhangig von einem Hypokeimenon, in diesem Fall einer Blume, existieren. Dies ist der Fall fur alle individuellen Eigenschaften aus nicht-substanziellen Kategorien, die fur X eingesetzt werden.
3. Kombinationsmoglichkeiten: X wird uber etwas ausgesagt und X ist in etwas. Ein Beispiel fur X ist das Wissen. Wissen ist nicht substanziell, es kann also nicht auBerhalb von etwas existieren, zum Beispiel dem Geist. Es ist aber etwas, das uber den Geist ausgesagt werden kann, es charakterisiert ihn. So wie Wissen fallen somit auch alle anderen Arten und Gattungen in nicht-substanziellen Kategorien unter diese Gruppe der allgemeinen Eigenschaften.
4. Kombinationsmoglichkeiten: X wird uber etwas ausgesagt, X ist aber nicht in etwas. Dies trifft beispielsweise auf Lebewesen zu. Denn Lebewesen kann beispielsweise uber Mensch ausgesagt werden, die Gattung Lebewesen befmdet

sich aber nicht im Mensch oder etwas anderem. Es kann ohne in einem Zugrundeliegenden sein zu mussen sein. Somit fallen hierunter Arten und Gattungen. Sie werden auch als zweite Substanz beschrieben (vgl. Aristoteles Kategorien: la-lb, 20-9).

2.3 Die Kategorien

Urn das Verhaltnis zwischen dieser Vierteilung und Aristoteles' zehn Kategorien zu verdeutlichen, bedarf es zunachst der Erklarung jener Kategorien:

1. Die erste Kategorie bezeichnet die des Wesens, oder auch der Substanz. Unter diese Kategorie fallen Dinge wie die Gattung Lebewesen, die Arten Mensch und Tier, aber auch Individuen wie Hans und Peter aus der Nachbarstrafie.
2. Die zweite Kategorie bezeichnet das Wieviel, oder auch die Quantitat. Darunter fallen zum Beispiel >«/ drei Liter, oder auch zehn Meter.
3. Die dritte Kategorie bezeichnet das Wie-beschaffen, oder auch die Qualitat. Darunter fallen zum Beispiel die Farbe, aber auch das Rote, sowie das ganz bestimmte Rot von seiner Hose.
4. Die vierte Kategorie bezeichnet das In-Bezug-auf, oder auch der Relation. Beispiele hierfur sind grofier, kleiner, oder auch doppelt.
5. Die funfte Kategorie bezeichnet das Wo, oder auch den Ort. Beispiele hierfur sind in der Kuche, draufien oder auch in Rom.
6. Die sechste Kategorie bezeichnet das Warm, oder auch die Zeit. Darunter fallen zum Beispiel heute, oder gestern.
7. Die siebte Kategorie bezeichnet das Liegen, oder auch der Lage. Darunter fallen zum Beispiel stehen oder sitzen.
8. Die achte Kategorie bezeichnet das Haben, oder auch den Besitz. Beispiele hierfur sind bebeint oder mitFlossen.
9. Die neunte Kategorie bezeichnet das Tun, oder auch das Handeln. Hierzu zahlen schlagen, werfen, oder auch schneiden.
10. Die zehnte Kategorie bezeichnet das Widerfahren, oder auch das Leiden. Darunter fallen zum Beispiel geschlagen werden, geworfen werden oder auch geschnitten werden (vgl. Aristoteles Kategorien: lb-2a, 24-4).

Wie bei der Vierteilung zu Beginn bereits ersichtlich wurde, wird primar zwischen Substanzen, der erste Kategorie, und nicht-substanziellen Kategorien, den Akzidenzien, unterschieden. Hierbei steht besonders die erste Kategorie, die Kategorie der Substanz, im Vordergrund, die sich in Individuen der ersten Substanz und Arten und Gattungen der zweiten Substanz aufteilen. Die zehn Kategorien bilden die Basis fur die Einteilung in eine Vierteilung des Seienden (vgl. ders.: 2a, 10-18).

2.4 Transitivitat

Wie in dem Abschnitt iiber Synonymie und Homonymie angedeutet, ist die Pradikation der Kategorien transitiv. Aristoteles beschreibt dies wie folgt: „Wenn eines iiber etwas anderes ausgesagt wird wie iiber ein Zugrundeliegendes, dann wird alles, was iiber das, was ausgesagt wird, ausgesagt wird, auch iiber das Zugrundeliegende ausgesagt." (Aristoteles iibersetzt durch Rath Kategorien: lb, 9-11) Dies bedeutet so viel wie, wenn man iiber Peter aussage, dass er ein Mensch sei und iiber den Menschen aussage, dass er ein Lebewesen sei, dann muss auch iiber Peter ausgesagt werden, dass er ein Lebewesen sei.

Ebenso verhalt es sich mit den Pradikationen. Das heifit beispielsweise, dass wenn davon ausgegangen wird, dass ein Lebewesen lebt, muss auch davon ausgegangen werden, dass der Mensch und Peter lebende Dinge sind. Diese Transitivitat der Pradikationen verlauft hierbei nicht bikonditional, sondern zum Individuum hin. So kann beispielsweise nicht geschlussfolgert werden, dass alle Lebewesen rote Haare haben, nur weil Peter rote Haare hat (vgl. Aristoteles Kategorien: lb, 15-19).

3 Aristoteles' Definitionstheorie

3.1 Die fiinf Prinzipien einer Definition

Aristoteles' Auffassung nach sind Defmitionen ein Mittel zur Bestimmung des Wesens eines Gegenstandes. Sie geben also eine Erklarung, was etwas ist (vgl. von Kutschera 2019: 104f.) Davon ausgehend besteht die Kunst des richtigen Defmierens grundlegend aus fiinf Teilen. Zunachst muss gepriift werden, ob eine Definition wahr oder falsch ist. Eine falsche Definition ist eine fehlerhafte Definition. Definiert man beispielsweise den Menschen, so muss die Definition auch wahr sein fur alle Menschen. Ist ein Teil der Definition falsch, angreifbar oder fehlerhaft, so ist es auch die Definition als Ganzes und somit unbrauchbar (Aristoteles Topik: 139a-139b, 24-3). Des Weiteren muss das Definiendum, das was definiert werden soil, vom Definiens, das was etwas definiert, in die richtige Gattung gesetzt werden. Ihm wird im Anschluss der artbildende Unterschied angefiigt. Wird das Definiendum in eine falsche oder in keine Gattung gesetzt, obwohl es in einer ist, so fiihrt das zu einer fehlerhaften Definition. So ware beispielsweise fehlerhaft definiert, wurde man Hannah als braunhaarig defmieren, ohne sie vorher anderweitig zu bestimmen und in eine Gattung wie Lebewesen, Mensch oder Frau zu setzen. Braunhaarig gibt den artbildenden Unterschied an. Ebenfalls fehlerhaft ware die Zuordnung von Hannah in die Gattung Pflanze oder andere (vgl. ders.: 139a, 27-31).

AuBerdem muss eine Definition eigentumlich sein. Dies bedeutet, dass sie zum einen typisch fur das Definiendum sein muss, aber auch dass es nur eine Definition pro Definiendum geben kann (vgl. ders.: 139a, 31-32). Aristoteles betont jedoch, dass jederzeit eine Definition durch eine andere zu ersetzen ist, wenn sich eine bessere finden lasse (vgl. ders.: 151b, 12-18).

Des Weiteren muss eine Definition hinreichend sein, urn das Definiendum zu beschreiben. Es muss aus einer Definition hervorgehen, was das Besondere und Einmalige des Definiendums ist, also worin es sich von anderen Dingen unterscheidet. Zu sagen, dass ein Hund ein Lebewesen sei, ware unzureichend definiert (vgl. ders.: 139a, 33-34).

Indessen sind unniitze Formulierungen in einer Definition, die nicht dazu beitragen ein Definiendum genauer zu defmieren als die bereits angegebenen Ausdrucksweisen es tun, ebenso fehlerhaft wie eine zu geringe Definition. Alles in einer Definition Hinzugefiigte ist iiberfliissig. Gleicherweise handelt es sich urn eine fehlerhafte Definition, wenn eine unklare Ausdrucksweisen verwendet wurde. Es ist das Ziel die klarste Ausdrucksweise zu verwenden, urn prazise defmieren zu konnen. Aristoteles ordnet diese beiden Aspekte des Definierens der Frage unter, ob richtig definiert worden sei (vgl. ders.: 139a-139b, 34-18).

3.2 Die richtige Gattung

Bei der Bestimmung eines Definiendums ist zuerst zu bezeichnen, was es ist. Damit ist gemeint, dass die Zuordnung in Gattungen und Arten, erfolgen muss, sofern moglich, bevor das Definiendum naher bestimmt wird. Grund dafiir ist, dass eine Gattung mehr Aussagekraft iiber einen Gegenstand hat als ein artbildender Unterschied. So beschreibt die Klassifizierung eines Zebras als Tier das Zebra besser als die Aussage, dass es schwarz-weiB ist (vgl. Aristoteles Topik: 142b, 23-29).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Aristoteles' Topik. Definitionstheorie
Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V903858
ISBN (eBook)
9783346206695
ISBN (Buch)
9783346206701
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles, Topik, Definitionstheorie, Antike, Philosophie, Kategorie
Arbeit zitieren
Sontje Neldner (Autor), 2019, Aristoteles' Topik. Definitionstheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903858

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