Armut regional. Der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungsungleichheit innerhalb einer Stadt


Hausarbeit, 2019

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen fur Armut und Armutsgebiete
2.1 Segregation
2.2 Risikogruppen Armut

3 Folgen von Armut in Bezug auf Bildungschancen

4 MaBnahmen gegen Bildungsungleichheit

5 Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es nicht nur die Schulpflicht, es ist vielmehr auch ein Recht eines jeden Kindes die Schule besuchen zu diirfen, und zwar kostenfrei. Dennoch fallt bei Untersuchungen zum deutschen Schulsystem immer wieder auf, dass Schulerinnen und Schuler unterschiedlich stark ausgepragte Zukunftsperspektiven aufweisen, welche auf eine Bildungsungleichheit zuriickzufuhren sind.

Seit rund 100 Jahren wird stetig daran gearbeitet das Bildungssystem in Deutschland zu verbessern und fur eine Bildungsgleichheit zu sorgen. Zum einen gibt es starke qualitative Unterschiede des Bildungsniveaus zwischen den einzelnen Bundeslandern, was unter anderem damit zusammenhangt, dass die Bildungsentscheidungen groBtenteils den Landern obliegen. So ist es beispielsweise schwierig mit einem Abitur aus Hamburg einen Studienplatz in Bayern zu bekommen, da sich in diesen beiden Bundeslandern das Niveau zum Erreichen des Abiturs stark unterscheidet (vgl. Pauli 2018, S. 1). Zum anderen herrschen aber auch im regionalen Vergleich groBe Unterschiede in Bezug auf die Chancen auf Bildung. Wahrend die Chancengleichheit im Schulsystem bezogen auf das Geschlecht durch stetige Anpassung als mittlerweile gewahrleistet und ausgeglichen angesehen werden kann, sind Kinder mit Migrationshintergrund oder aus Armutsverhaltnissen weiterhin stark benachteiligt gegenuber anderen. Dies wird besonders deutlich, wenn man Kinder unterschiedlicher Familien innerhalb der selben Stadt miteinander vergleicht. (vgl. Allmendinger & Nikolai 2006, S. 1)

Aufgrund dessen setzt sich die folgende Arbeit damit auseinander, welchen Einfluss Armut in der segregierten Stadt auf die Bildungschancen der betroffenen Kinder hat. Hierbei soil herausgearbeitet werden, wie die Gruppe der von Armut betroffenen Familien Zustande kommt, wodurch sie sich kennzeichnen und weshalb die Kinder dieser Familien in ihren Bildungschancen benachteiligt sind. Zeitgleich sollen aber auch Losungsansatze aufgezeigt werden, die das Ziel haben fur eine Bildungsgleichheit und somit fur mehr Fairness im Hinblick auf die Zukunftsperspektiven zu sorgen. Als Ausgangspunkt fur diese Ausarbeitung dienen Recherchen und Statistiken.

2 Ursachen fur Armut und Armutsgebiete

Urn auf die Frage eingehen zu konnen, wie Armut entsteht, muss zunachst der Begriff Armut definiert werden. Armut ist ein relationsbezogener Begriff und wird definiert als Mangel an Mitteln und Moglichkeiten sein Leben so zu gestalten, dass es den Mitteln und Moglichkeiten jener entspricht, die den Durchschnitt einer Gesellschaft darstellen. Demnach ist der Armutsbegriff innerhalb der deutschen Gesellschaft ein anderer als beispielsweise in Entwicklungslandern. (vgl. Hradil 2012, S. 1)

In Deutschland konnen folgend mehrere Faktoren herangezogen werden, an denen Armut gemessen wird, wie zum Beispiel die Kaufkraft der Bevolkerung, die Menge an Sozialgeldempfangern oder auch die Hohe von Kaltmieten. Diese Messungen lassen sowohl Schlusse auf den Armutsstatus von Einzelpersonen zu, konnen aber auch genutzt werden, urn Regionen, Stadte und unterschiedliche Gebiete miteinander zu vergleichen. (vgl. Siems2014, S. 1)

2.1 Segregation

Als Segregation im soziologischen Sinne wird die Absonderung einer Bevolkerungsgruppe verstanden (vgl. Scholze-Stubenrecht et al. 2006, S. 921). Ist also von der segregierten Stadt die Rede, so ist eine Stadt gemeint, die sich in mehrere unterschiedliche Bevolkerungsgruppen in voneinander abgegrenzten Wohnbezirken aufteilt. Eine Durchmischung in diesen Wohnbezirken findet nicht odernurwenigstatt.

Einer der Faktoren, die zu einer Segregation einer Stadt fuhren, ist die sogenannte Gentrifizierung, die immer haufiger gerade in GroBstadten vorkommt. Gentrifizierung ist von dem englischen Begriff gentry abgeleitet, was fur niederer Adel steht. Der Begriff wird verwendet, urn die Entwicklung eines Wohnbezirks mit armeren Bewohnern zu einem Wohnbezirk mit wohlhabenderen Bewohnern zu beschreiben. Die Entwicklung geht einher mit stark veranderten Wohnbedingungen eines Wohnbezirks. In der Regel lauft diese Gentrifizierung nach einem bestimmten Schema ab. Kunstler und andere kreative Menschen siedeln sich in preisgiinstigen Vierteln an, die oftmals auch mit Leerstand von Wohnflache zu kampfen haben. Hierbei wird nicht nur Wohnflache angemietet, sondern auch gewerbliche Immobilien fur beispielsweise Ateliers. Eine Kunstlerszene wertet ein Viertel auf und macht es zudem attraktiver fur andere Menschen auf Wohnungssuche. Der Bezirk entwickelt sich zu einem In-Viertel. Das hat zur Folge, dass Investoren interessiert sind Gebaude oder gar ganze Teile des Bezirks aufzukaufen, hochwertig zu renovieren und neu zu vermieten. Die Klassifizierung zum In-Viertel erhoht die Nachfrage nach Wohnungen dort massiv. Die Mietpreise steigen immens. Geringverdiener, Alteingesessene und auch bisweilen dort ansassige Geschaftsinhaber, die den Bedurfnissen der neuen Bewohner nicht mehr gerecht werden konnen, sind nicht weiter in der Lage die neuen Mietpreise zu zahlen und werden somit verdrangt. Sie sind gezwungen in Bezirke umzusiedeln, in denen die Mietpreise geringer sind. Somit sorgt die Gentrifizierung immer mehr fur eine Segregation der Stadt, in der in jedem Bezirk eine homogene Bewohnerschaft herrscht, in einigen Bezirken mit wohlhabenden Bewohnern, in anderen mit armen Bewohnern. (vgl. Deutsches Institut fur Urbanistik 2011, S. 1)

2.2 Risikogruppen Armut

Grundsatzlich gilt in Deutschland, dass Armut in den Stadten weiter verbreitet ist als auf dem Land beziehungsweise landlicheren Gebieten. Dies ist unter anderem darauf zuriickzufuhren, dass die Hauptrisikogruppen unter Armut zu leiden aus Alleinerziehenden, Arbeitslosen und Migranten besteht. Diese Gruppen sind vermehrtin Stadten angesiedelt. (vgl. Siems 2014, S. 1)

Hinzu kommt, dass die soziale Ungleichheit innerhalb der Stadte nochmals groBer ist als auf dem Land, mit steigender Tendenz. Dies bedeutet, dass sich der durchschnittliche Wohlstand der Gesellschaft weiter nach oben verlagert und die Schwelle zur Armut friiher beginnt. (vgl. ebd.)

3 Folgen von Armut in Bezug auf Bildungschancen

Die soziale Herkunft stellt den wichtigsten Entscheidungstrager fur Bildungschancen dar. Die Entwicklung von Fahigkeiten ist zunachst abhangig vom sozialen Umfeld. Zu Beginn kann hier unterschieden werden zwischen primaren und sekundaren Herkunftseffekten. Unter primaren Herkunftseffekten ist zu verstehen, welche forderliche Wirkung durch die Erziehung zu bestimmten Fahigkeiten ausgeiibt wird. Mit anderen Worten, die Art der Erziehung, gerade der elterlichen, fruhkindlichen Erziehung, nimmt Einfluss darauf, welche Fahigkeiten und in welchem AusmaB das Kind erlernt. Der sekundare Herkunftseffekt beschreibt die Mitbestimmung der Eltern iiber den Bildungsweg des Kindes. Hierzu zahlt einerseits die Entscheidung dariiber, welche weiterfiihrende Schule nach Beendigung der Grundschule besucht werden soil, die trotz Empfehlungsschreiben der Lehrkrafte bei den Eltern liegt. Aber auch die Entscheidung iiber die Wahl einer Grundschule und eines Kindergartens, oder auch die Entscheidung gegen einen Kindergarten, obliegt der Verantwortung der Eltern. (vgl. Solga 2008, S. 2 ff.)

Hieraus lassen sich bereits groBe Unterschiede zwischen den Chancen von herkunftsarmen Kindern und herkunftswohlhabenden Kindern herleiten. So ist es beispielsweise oftmals der Fall, dass Kinder den ihnen vertrauten Bildungsweg bestreiten. Diesen bekommen die Kinder zum einen vorgelebt von ihrer Familie. Familien mit wenig Geld haben meist selbst eine kurze und grundlegende Bildung genossen, manchmal sogar gar keinen Schulabschluss erworben. Zum anderen lebt den Kindern auch das soziale Umfeld einen bestimmten Bildungsweg vor. Gerade durch soziale Segregation, welche durch ein homogenes armliches Umfeld gepragt ist, wird den Kindern ein niedrigerer Horizont aufgezeigt und somit ihre Chancen auf mehr Bildung gemindert. (vgl. Allmendinger & Nikolai 2006, S. 1) Hinzu kommt, dass Eltern durch ihre eigene geringere Bildung meist iiberfordert sind, wenn das Kind doch eine hohere Schulform besucht und das Abitur oder ein Studium anstrebt. Wahrend Eltern mit einem hoheren Bildungsniveau ihre Kinder bei Problemen mit dem Schulstoff unterstiitzen konnen, ist dies den Eltern mit niedrigerem Bildungsniveau meist nicht moglich. Dieser Zustand verdeutlicht sich zunehmend mit der aktuellen Debatte dariiber, dass das deutsche Schulsystem darauf ausgerichtet sei, dass Eltern in der Pflicht seien den schulischen Bildungsweg der Kinder aktiv zu begleiten und sie bei ihren Aufgaben zu unterstiitzen. (vgl. Kron 2019, S. 1) Privilegiertere Familien haben zudem die Moglichkeit auf einen zusatzlichen Zugang zu Bildung zuriickzugreifen. Sie konnen Nachhilfeunterricht bezahlen, zusatzliche Lehrbiicher zur Unterstiitzung beschaffen und die Kinder haben oft uneingeschrankten Zugang zum Internet. Auch dies stellt eine Bildungsbenachteiligung der fmanziell schwacheren Familien dar. Die Mittel fur zusatzliche Lernhelfer oder Nachhilfe sind in armen Familien meist nicht gegeben. AuBerdem mussen sich mehrere Mitglieder einer Familie einen Computer oder Laptop teilen, sofern uberhaupt einer vorhanden ist.

Wahrend die Kinder privilegierterer Familien oftmals mit Problemen wie dem Druck einen gewissen Status der Familie zu erhalten zu kampfen haben, sieht das bei Kindern niedrigerer sozialer Herkunft anders aus. Neben den Problemen mit der Finanzierung von Hilfsmitteln und den niedrigeren MaBstaben des Umfeldes haben sie oft auch Probleme psychologischer Natur. Das schichtspezifische Selbstbewusstsein ist bei armeren Kindern dadurch gekennzeichnet, dass sie oftmals ein geringeres Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufweisen. In Folge dessen trauen sie sich im Unterricht und im schulischen Werdegang weniger zu als Kinder einer hoheren Schicht. (vgl. Becker 2012, S. 1)

Doch nicht nur die Kinder und ihr direktes Umfeld senken die Erwartungen an ihren Bildungsweg. Auch Lehrerinnen und Lehrer sind bei der Benotung und Beurteilung der Kinder davon beeinflusst, aus welchem sozialen Umfeld diese kommen und welche Bildungsherkunft doit gegeben ist. Dies geschieht in den allermeisten Fallen unabsichtlich. Dennoch haben Studien ergeben, dass beispielsweise arme Kinder oder Kinder mit Migrationshintergrund fur die gleiche Leistung schlechter benotet werden als ihre Mitschuler und Mitschulerinnen. Dies hat einen psychologischen Hintergrund und ist zuriickzufuhren auf unterbewusstes Schubladendenken. (vgl. Kronig2012, S. 55 ff)

Zu guter Letzt fehlt den armeren Familien das Geld, urn den Kindern nach der schulischen Laufbahn zusatzlich ein Studium zu finanzieren. Zwar gibt es die Moglichkeit Studiengelder wie beispielsweise BAfoG zu beantragen, aber auch das reicht oftmals zur Finanzierung von Grundbedarf und zusatzlichem Studium nicht aus. Zudem stellt sich wahrend der Schullaufbahn fur viele die Frage, ob ein Abitur uberhaupt notwendig sei, wenn ein Studium ohnehin nicht finanziert werden konne. Ein guter Realschulabschluss, eine friihe Ausbildung und ein friiher Einstieg ins Berufsleben, sowie eine friihere fmanzielle Unabhangigkeit, wird in solchen Fallen bei der Planung des Werdegangs oftmals vorgezogen. (vgl. Himmelrath 2017, S. 1)

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Details

Titel
Armut regional. Der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungsungleichheit innerhalb einer Stadt
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V903860
ISBN (eBook)
9783346206664
ISBN (Buch)
9783346206671
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsungleichheit, Kinderarmut, Armut, Chancenungleichheit, Bildungswissenschaften, Segregation, Bildungschancen
Arbeit zitieren
Sontje Neldner (Autor), 2019, Armut regional. Der Zusammenhang zwischen Armut und Bildungsungleichheit innerhalb einer Stadt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903860

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