Terrorismus. Ein religiöses Problem?

Terrorismus im Islam, Judentum und in der White Supremacy


Hausarbeit, 2020

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terrorismus
2.1 Definition und Bedeutung
2.2 Zahlen und Fakten

3 Terrorismus und Religion
3.1 Terrorismus im Islam
3.2 Terrorismus im Judentum
3.3 Terrorismus in der White Supremacy

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Terrorismus ist im 21. Jahrhundert so präsent wie nie zuvor. In das Leben der meisten Menschen ist der Terror am 11. September 2001 getreten, als das World Trade Center Ziel eines grausamen und abstoßenden Angriffs wurde. Es starben knapp 3000 Menschen. Menschen mit Familien, mit Freunden. Menschen die zur Arbeit gingen oder einfach nur zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Als diese Menschen am Morgen aufstanden, wussten sie nicht, das Ihnen nur wenige Stunden zum Leben blieben. Ihre Liebsten wussten nicht, dass sie ihnen zum letzten Mal in die Augen sehen, sich das letzte Mal küssen oder sich das letzte Mal von ihnen verabschieden würden. Für die Totgeweihten war es ein Tag wie jeder andere.

Doch warum das alles? Wem hatten diese Menschen etwas getan? Wer nahm sich das Recht heraus über ihr Leben zu entscheiden? Wer nahm sich das Recht heraus so viele Leben zu zerstören? Wer sorgte dafür, dass Söhne ohne ihre Väter aufwuchsen? Al-Quaida, eine religiös-motivierte Terrororganisation unter der Leitung von Osama Bin Laden. Ihr Ziel: Die Zerstörung US-amerikanischer Wahrzeichen, ganz besonders die Zerstörung des World Trade Center als Symbol des kapitalistischen Westens und dabei die Ermordung tausender Ungläubiger. Alles im Namen Allahs. Denn genau das sei sein Wille.

Terrorismus ist heutzutage schwer von Religionen zu trennen. Aus diesem Grund stellt sich die Frage: Ist Terrorismus ein religiöses Problem? In dieser Arbeit soll zunächst der Begriff des Terrorismus erläutert werden. Danach sollen Zahlen und Fakten die Aktualität des Terrorismus im 21. Jahrhundert verdeutlichen. Ein Blick auf die Religionen soll infolgedessen aufzeigen, dass Terrorismus und Religion schon immer eng miteinander verbunden waren. Zum Schluss soll eine Behandlung des Terrorismus im Islam, im Judentum und in der christlichen „White Supremacy“ die Frage klären, ob Terrorismus nun ein religiöses Problem sei oder nicht.

2 Terrorismus

2.1 Definition und Bedeutung

Terrorismus. Ein Wort, das die Medien beherrscht. Dem Terrorismus werden viele Taten untergeordnet, ob das nun die Anschläge des 11. September oder der Anschlag auf Charlie Hebdo ist. Doch was bedeutet Terrorismus eigentlich? Terror kommt vom lateinischen „terror“, also Angst und Schrecken. Es wurde Teil des Begriffs „terror cimbricus“, welcher 105 v. Chr. von den alten Römern verwendet wurde, um die Angst und Panik zu beschreiben, die auftrat, wenn sie sich auf den Angriff eines gewaltigen Kriegerstamms einstellten. Terror ist ein Gefühl intensiver überwältigender Angst und genau das brachte Maximilien Robespierre den Menschen in Frankreich. Während der französischen Revolution, genau genommen nach der Hinrichtung von Ludwig XVI., wurde Robespierre de facto zum Führer der französischen Regierung ernannt. Er nutzte seine neu gewonnene Macht um seine politischen Feinde, die Feinde der Jakobiner hinzurichten. Dies stellte sich als eine der blutigsten Zeiten der französischen Geschichte heraus. Dabei kam zumeist die Guillotine zum Einsatz und die Menschen lebten in Angst und Verzweiflung. Diese Zeitspanne des Terrors, die ungefähr ein Jahr anhielt, bevor Robespierre gestürzt und hingerichtet wurde, wurde in Anlehnung an „terror cimbricus“ als Terrorherrschaft bezeichnet. Danach wurde das Wort „Terrorist“ benutzt, um eine Person zu beschreiben, die Macht durch Androhung von Gewalt missbraucht. Ein britischer Journalist schuf das Wort „terrorism“, zu Deutsch Terrorismus, um die Taten Robespierre zu beschreiben und drei Jahre später wurde es in das Oxford Englisch Dictionary aufgenommen (Crime Museum, 2017).

Heutzutage gibt es verschiedene Definitionsversuche des Wortes Terrorismus. Nach Definition der Verfassungsschutzbehörden Deutschlands ist Terrorismus der nachhaltig geführte Kampf für politische Ziele, die mit Hilfe von Anschlägen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in §129a Abs. 1 StGB genannt sind, oder durch andere Straftaten, die zur Vorbereitung solcher Straftaten dienen (Bundesamt für Verfassungsschutz, kein Datum). Das Federal Bureau of Investigation, die zentrale Sicherheitsbehörde der Vereinigten Staaten definiert Terrorismus als ungesetzlichen Zwang oder Gewalt gegen Menschen oder Eigentum zur Einschüchterung einer Regierung, der Zivilbevölkerung oder eines Teils dieser, um politische oder gesellschaftliche Ziel zu erreichen (Bundeszentrale für politische Bildung, 2016). Nach dem Zweiten Periodischen Sicherheitsbericht der Bundesregierung vom 15. November 2006 ist Terrorismus nicht Ausdruck einer eigenen Kultur, er ist vorerst ein exorbitantes politisches Kampfmittel. Terrorismus stellt sich als Strategie des Kampfes dar, die Staatsgewalt beziehungsweise die Besatzungsmacht herauszufordern und damit Solidarisierungswellen in den Bevölkerungsgruppen zu provozieren. Dabei ist das unmittelbare Ziel nicht der Sieg, sondern an erster Stelle die Verbreitung von Angst und Schrecken (Bundestag, 2009).

Es kristallisiert sich heraus, dass Terrorismus zusammengefasst, die gewaltsame Durchsetzung von Zielen, politisch oder nicht, insbesondere durch Verbreitung von Angst und Schrecken ist. Dabei ist dieser im 21. Jahrhundert durch die Globalisierung umso wirkungsvoller. Noch vor 200 Jahren hätte ein Terroranschlag in Frankreich, nicht dieselbe Wirkung gehabt wie heute. Durch die Globalisierung ist die Welt kleiner und greifbarer geworden. Was in anderen Ländern passiert, betrifft den Rest der Welt viel mehr. Dazu kommt, dass über das Internet, Nachrichten und Videos viel schneller verbreitet und abgerufen werden können. Somit wird der Schrecken durch die Taten von Terroristen sehr viel effektiver verbreitet.

Doch wenn man von Terrorismus spricht, muss man zwischen weltlichem und religiösem Terrorismus unterscheiden. Weltlicher Terrorismus zielt darauf ab, ein gesellschaftliches, politisches System zu verändern. Als Beispiel könnte man hier Anhänger des Rechtsterrorismus nennen, wie unter anderem bei den Anschlägen in Halle und Hanau. Am 9. Oktober 2019, dem jüdischen Feiertag Jom Kippur, versucht der Rechtsextremist Stephan Balliet in eine Synagoge einzudringen um die dort versammelten Juden zu ermorden, während er den Vorgang über eine Helmkamera livestreamt. Da es ihm aber nicht gelingt, sich Zugang zur Synagoge zu verschaffen, bricht er den Vorgang ab. Er erschießt eine zufällig vorbeilaufende Passantin, die sich über den von ihm durch Molotowcocktails und Handgranaten verursachten Lärm, beschwert. Dananch steigt er in sein Fahrzeug, fährt zu einem Dönerimbiss und erschießt einen Gast. Auf der Flucht und mit anschließendem Schusswechsel mit der Polizei, verursacht er einen Unfall und muss zu Fuß flüchten, kann jedoch von zwei Polizisten festgenommen werden (Merkur, 2020). Am 19. Februar 2020 gibt der Deutsche Tobias Rathjen in Hanau vor und innerhalb von Shisha-Bars Schüsse ab. Es sterben neun Menschen durch seine Hand, sechs weitere werden verletzt. Danach fährt er zu der Wohnung seiner Eltern und erschießt erst seine Mutter und dann sich selbst (Spiegel, 2020). Diese Taten sind Akte des Hasses und der Gewalt.

Nicht dass es beim religiösen Terrorismus anders ist, nur wird dort versucht, die Taten durch den Willen Gottes, Allahs oder wem auch immer, zu rechtfertigen. Als am 7. Januar 2015 im Redaktionsraum der Zeitschrift Charlie Hebdo elf Menschen, als Antwort auf eine Reihe von Mohammed-Karikaturen, getötet wurden, war dies zweifelsohne ein religiös motivierter terroristischer Akt. Al-Quaida gab den Tod des Herausgebers und Chefredakteurs Charlie Hebdos, Stéphane Charbonnier, bereits im März 2013 in Auftrag, um die Ehre des Propheten Mohammed wieder herzustellen (Zeit Online, 2015).

2.2 Zahlen und Fakten

Terrorismus ist besonders im 21. Jahrhundert ein weltweites Problem. Die bisher verheerendsten terroristischen Anschläge, waren die des 11. September 2001, als vier koordinierte Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten auf das World Trade Center und das Pentagon erfolgten. Ein weiteres Ziel sollte das Weiße Haus sein. Das Flugzeug stürzte allerdings in der Nähe der Stadt Pittsburgh ab, da die Passagiere sich gegen die Entführer wehrten. Bei diesen Anschlägen starben mehr als 3.000 Menschen, doppelt so viele wurden verletzt (Bundeszentrale für politische Bildung, 2009). Insgesamt ist in den letzten Jahren die Häufigkeit der terroristischen Anschläge besonders in westlichen Demokratien stark angewachsen. In den Jahren 2015 bis 2017 gab es viele Tote und Verletzte durch die Taten von Terroristen. Da wäre zum Beispiel der Anschlag auf Charlie Hebdo 2015, auf dem Breitscheidplatz 2016 oder während des Ariana Grande Konzerts in Manchester 2017. Im Jahr 2018 gab es weltweit 8.093 Terroranschläge (Statista, 2019), dabei starben 32.836 Menschen (Statista, 2019). Die meisten Terroranschläge im Jahr 2018 ereigneten sich in Afghanistan und es gab rund 7.400 Todesopfer. Dicht dahinter folgt Syrien. Insgesamt forderten die Taten der Terrororganisation Taliban 2018 die meisten Opfer, sie verübten aber auch die meisten Anschläge (Statista, 2020). Laut einer Umfrage des Statista Research Department aus dem Juni 2017 rechneten 80 Prozent der in Deutschland Befragten in nächster Zeit mit einem Terroranschlag (Statista, 2020).

Am 28. Juli 2017 ist es dann soweit. Ein Toter, sechs Verletzte. In einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek sticht ein Sympathisant des „Islamischen Staates“ mit einem Messer wahllos auf die sich dort befindlichen Kunden ein. Hierbei stirbt ein 50-jähriger Mann und sechs weitere Menschen zwischen 19 und 64 Jahren werden verletzt. Beim Täter handelte es sich um einen ausreisepflichtigen Ausländer, welcher aber mangels nicht vorhandener Papiere nicht angeschoben werden konnte (Zeit Online, 2017).

3 Terrorismus und Religion

Das Zusammenspiel von Religion und Terrorismus ist keineswegs ein neuerlicher Trend, der erst im letzten Jahrhundert aufgetaucht ist. In den Jahren 66 bis 73 nach Christus, kämpfte eine jüdische Sekte unter dem Namen „Zeloten“, gegen die Besetzung durch das Römische Reich (Hoffman, 2008, S. 139). Hierbei führten sie politische Morde aus, bei denen sie die „sica“, einen altertümlichen Dolch benutzten. Dabei trat ein Zelot aus der Anonymität eines überfüllten Marktplatzes hervor, um einem römischen Legionär vor den Augen aller Anwesenden, zu ermorden. Zu der Zeit hatte dies einen ähnlichen Effekt, wie heutzutage die Verbreitung durch Nachrichtensender oder das Internet. Es war eine Botschaft an ein breiteres Publikum, also an die römische Besatzungsmacht und die sie unterstützenden Juden. Zusätzlich sollen die Zeloten sogar eine primitive Form von chemischer Kriegsführung angewandt haben. So vergifteten sie unter anderem die Kornspeicher der Römer und behinderten die Wasserversorgung Jerusalems (Hoffman, 2008, S. 140). Im 17. Jahrhundert terrorisierte ein religiöser Kult, die „Thugs“, Indien. Sie dienten der Hindugöttin des Terrors und der Zerstörung und töteten an bestimmten Tagen unschuldige Reisende als rituelle Opfergabe für Kali, ihre Hindugöttin. Dabei sollen sie jährlich knapp 800 Menschen getötet haben (Hoffman, 2008, S. 140).

Der bis heute größte und schockierendste, religiös motivierte Terrorakt, ist der des 11. September 2001, bei dem mehr als 3.000 Menschen ums Leben kamen. Doch es fällt auf, dass die gravierendsten Terroranschläge, in dem Jahrzehnt vor den Anschlägen des 11. September, ohne Ausnahme, religiöse Beweggründe hatten. Bei einem Giftgasanschlag durch eine apokalyptische, japanische Sekte, verlieren in Tokio am 20. März 1995, 13 Menschen ihr Leben und es gibt etwa 6.000 Verletzte. Die Täter öffnen in 5 verschiedenen U-Bahn- Zügen insgesamt elf Beutel mit Sarin, ein tödliches Giftgas und verlassen die Züge anschließend wieder. Die Täter wurden im Juli 2018, nach mehr als 23 Jahren im Todestrakt, hingerichtet (Welt, 2020). Am 7. August 1998 verübt das Terrornetzwerk Al-Quaida erstmals einen Anschlag unter der Leitung von Osama Bin Laden. Als Ziel für zwei parallel geplante Bombenanschläge sind US-Botschaften in Kenia und in Tansania ausgewählt. Durch zwei Autobomben gibt es mehr als 200 Tote und mindestens 4.500 Verletzte (Spiegel, 2018). Der erste islamistische Anschlag auf US-amerikanischem Boden gilt dem World Trade Center am 26. Februar 1993. In einer Tiefgarage unter dem Gebäude explodiert eine Autobombe. Hierbei sterben sechs Menschen, 1.000 werden verletzt. Die Idee, das World Trade Center als Symbol des kapitalistischen Westens zu zerstören, ist geboren (Süddeutsche Zeitung, 2018). Am 17. November 1997 werden am Hatschepsut-Tempel im Tal der Könige 62 Besucher, hauptsächlich Touristen, von sechs, mit Kalaschnikows und Messern bewaffneten, islamistischen Ägyptern, getötet. Sie tragen Uniformen der Polizei, in ihren Sporttaschen, sind ihre Waffen versteckt. Sie schlagen an einem Tag zu, der in der Regel immer gut besucht ist. Im Tempel selbst, lassen sie die Touristen niederknien, bevor sie sie niederstechen. Die Flucht der Attentäter stellt sich als sehr halbherzig dar. Ihr Ziel besteht eher darin, sich selbst zu opfern. So geschieht es dann auch. Alle sechs Mörder sterben (Welt, 2017). Als Racheakt und Reaktion auf den Abriss der Babri-Moschee, ein islamisches Heiligtum in Indien, wird die Stadt Bombay, heute Mumbai, am 12. März 1992 von 13 Bomben, die schnell hintereinander explodieren, erschüttert. Es sterben 257 Menschen, 1.400 werden verletzt. Es ist der erste terroristische Anschlag in der indischen Metropole und hat bis heute eine Reihe weiterer Terrorakte nach sich gezogen (BBC News, 2015). 1994, Jahre vor der Flugzeugentführung am 11. September 2001, versuchen islamische Terroristen, die zur algerischen Bewaffneten Islamischen Gruppe gehören, ein Flugzeug der Air France in ihre Gewalt zu bringen. Sie können durch eine Spezialeinheit gestoppt werden und es gibt keine zivilen Opfer. Doch das Ziel der Terroristen, das Flugzeug im Stadtkern von Paris zum Absturz zu bringen, sorgt mit Blick auf den 11. September für einen bitteren Beigeschmack. In Algerien selbst habe der Terror durch islamische Extremisten seit 1992 100.000 Tote gefordert (Hoffman, 2008, S. 147).

Es wird deutlich, dass religiös motivierter Terrorismus im Gegensatz zu weltlichem Terrorismus, sehr viel effizienter ist. Die Terrorakte sind viel gezielter und ziehen weit mehr Opfer nach sich. 1998 bis 2004 waren nur sechs Prozent der terroristischen Anschläge religiös motiviert, jedoch verursachten diese 30 Prozent der Todesopfer. Das Terrornetzwerk Al-Quaida verübte in eben diesem Zeitraum nur 0,1 Prozent der Anschläge, jedoch war es für ganze 19 Prozent der in dieser Zeit durch Terrorismus getöteten Menschen verantwortlich (Hoffman, 2008, S. 147). Dies liegt auch besonders daran, dass religiöse Terroristen in Gewalt eine von Gott gebotene Pflicht sehen, die durch politische oder moralische Schranken nicht aufgehalten werden kann, da Gott über allem steht. Es geht Ihnen um die Auslöschung so vieler Ungläubiger wie möglich. Doch all dies funktioniert nur durch das Gutheißen von Geistlichen, damit gar keine Zweifel an Gottes Willen mehr bleiben können (Hoffman, 2008, S. 148). Dabei gelten die religiösen „Feinde“, also zum Beispiel Christen oder Andersgläubige, als „Ungläubige“, als „Hunde“ oder als „menschlicher Schmutz“. Sie werden entmenschlicht und somit sind keinerlei Hemmungen mehr vorhanden. So stellt es kein Problem mehr dar, alle „gottlosen Hunde“ abzuschlachten.

3.1 Terrorismus im Islam

Terrorismus wird häufig mit dem Islam verbunden. Jeder kennt den Islamischen Staat, Al-Quaida oder die Hamas. Durch ihre Gewalttaten sind sie in den Medien westlicher Länder, so wie den restlichen Ländern dieser Welt präsent. Meistens gehen die Terroristen dabei in Form von Selbstmordanschlägen vor. Doch was eigentlich als Sünde gilt, wird von Geistlichen unterstützt und als Märtyrertum ausgelegt. Der letzte Premierminister der Iranischen Republik, Hussein Mussawi erklärte nach den Selbstmordanschlägen auf die Hauptquartiere der US-Marines und der französischen Fallschirmjäger 1983 in Beirut, dass eben dieser Angriff ein Gott wohlgefälliges Tun darstellt. Er stellte die Kamikazekämpfer als Helden dar, die nun unter dem Schutz des Allmächtigen und der Engel stünden (Hoffman, 2008, S. 153). Auch die Terroristen, die 1993 das World Trade Center in New York in die Luft sprengen wollten, holten sich vorher den Segen eines muslimischen Geistlichen, bevor sie den Angriff planten, auch wenn sie sich nicht selbst töteten.

Der Terrorismus im Islam ist in der Regel gnadenlos und unverhandelbar. Der Iman Sheikh Ahmad Ibrahim Yassin, Gründer der Hamas, erklärte in einer Predigt im Jahre 1987, dass der Krieg der Hamas sich nicht nur gegen Israel, sondern gegen alle Juden richte. So beherrschen sechs Millionen „Abkömmlinge von Affen“, hierbei meint er Juden, alle Staaten dieser Welt und eben diese Juden sollen bis auf den Letzten vernichtet und ausgelöscht werden (Hoffman, 2008, S. 154). Bin Laden erläutert die Situation nach dem 11. September 2001 wie folgt: Die Welt sei durch diese Ereignisse in zwei Lager gespalten, das der Gläubigen und das der Ungläubigen. Jeder Muslim hat nun alles zu tun, um seiner Religion zum Sieg im Krieg der Religionen dieser Welt zu verhelfen. Bin Laden stellt den Krieg der USA gegen den Terrorismus als Sache des Glaubens und der Religion dar, die Feindschaft zwischen den Muslimen und den Ungläubigen sei nicht zu vergessen. Aus diesem Grund ruft er die Muslime dazu auf, sich miteinander zu verbinden (Hoffman, 2008, S. 155). Außerdem stellt sich die Wiederherstellung des panislamischen Kalifats, für Bin Laden als wichtigstes Ziel dar. Der Panislamismus ist das Streben nach der Vereinigung aller islamischen Völker. Diese Vereinigung soll dann von einem Kalifen, einem islamischen Herrscher als Nachfolger Mohammeds, regiert werden. Früher bestand eine solche Vereinigung in Form des Osmanischen Reichs. Das osmanische Kalifat wurde aber 1924 endgültig durch die Türkei aufgelöst und somit auch weitestgehend die panislamistischen Ideen (Bundeszentrale für politische Bildung, 2018).

Ayman al-Zawahiri, der Stellvertreter Bin Ladens, stellte fest, dass die Schaffung eines islamischen Staates im Herzen der islamischen Welt, kein einfaches Vorhaben, aber die Hoffnung der muslimischen Nation sei, ihr verlorenes Kalifat wieder aufleben zu lassen und zu alter Stärke zurück zu finden. Die Vereinigten Staaten von Amerika versuchen dabei angeblich gezielt, dieses Vorhaben zu vereiteln. Somit sind sie der Feind, der sich gegen den Islam stellt und die Feinde der Al-Quaida, also anti-islamische Regime im Nahen und Mittleren Osten, unterstützt, damit diese an der Macht bleiben. Dabei sind für die Al-Quaida alle Amerikaner Ziele, egal ob es sich um Uniformträger oder Zivilisten handelt (Hoffman, 2008, S. 159-160).

Abu Bakr al-Baghdadi war bis zu seinem Tod im Oktober 2019 in Syrien, Anführer der dschihadistisch-salafistischen Terrororganisation Islamischer Staat, auch IS genannt. Zu Beginn des Ramadans am 29. Juli 2014, rief er in Mossul das Kalifat aller Muslime weltweit aus. Dabei wurde die Organisation von „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ in nur noch „Islamischer Staat“ umbenannt. Das Ziel ganz klar: Ein Islamischer Staat, ähnlich den panislamischen Phantasien Bin Ladens. Verbreitet wurde diese Audiobotschaft über Twitter, andere soziale Medien und über dschihadistische Websites (Baden-Württemberg Landesamt für Verfassungsschutz, 2016).

Der Islamische Staat herrschte auf dem Höhepunkt seiner Macht über mehr als acht Millionen Menschen. Dabei standen weite Teil Syriens und des Iraks unter der Kontrolle der Terrororganisation. Im Sommer 2017 verlor sie ihre irakische Hochburg Mossul und drei Monate später die syrische Stadt Rakka. Nachdem der IS militärisch geschlagen war, brachte sich ihr Anführer, Abu Bakr al-Baghdadi, bei einem Einsatz von US-Spezialkräften in aussichtsloser Lage selbst um (Spiegel, 2020). Dies verdeutlicht einmal mehr das Verständnis und Wissen, welches Terroristen vom Islam und Koran haben. Im Islam ist die Selbsttötung nicht nur verboten, sie gilt als große Sünde. In der vierten Sure des Koran, also dem Kapitel des Koran, steht geschrieben, dass es verboten sei sich selbst zu töten und wer dies tue, werde im Höllenfeuer brennen. Der Prophet Mohammed selbst soll die Selbsttötung verurteilt haben. So soll, wer sich selbst erdrosselt, sich in der Hölle weiterhin erdrosseln. Für erstechen und vergiften gilt dasselbe. Es heißt, wer sich selbst das Leben nimmt, dem verwehre Allah das Paradies, da er ihm zuvorgekommen ist. Einige muslimische Theologen vertreten die Meinung, eine Selbsttötung im Kampf wäre erlaubt und damit werden Selbstmordattentate auch gerechtfertigt. Der Suizid von Abu Bakr al-Baghdadi fällt folglich auch unter die Kategorie der Selbsttötung im Kampf (Welt, 2016).

Laut einem Uno-Bericht arbeiten die Dschihadisten im Irak und in Syrien an ihrer Rückkehr. Sie führen Guerilla-Attacken durch und rufen ihre Kämper zum Ausbruch aus Internierungslagern auf. Internierungslager sind von Rebellen aufgebaute Lager, in denen ehemalige Kämpfer des Islamischen Staates festgehalten werden. Das Ziel dieser Lager ist es, die Gesinnung der dort Festgehaltenen zu ändern und diese zu resozialisieren. Ansonsten ist der Islamische Staat nur noch im Untergrund vertreten und ein Schatten seiner selbst (Spiegel, 2020).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Terrorismus. Ein religiöses Problem?
Untertitel
Terrorismus im Islam, Judentum und in der White Supremacy
Autor
Jahr
2020
Seiten
17
Katalognummer
V906385
ISBN (eBook)
9783346220929
ISBN (Buch)
9783346220936
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islam, judentum, problem, supremacy, terrorismus, white
Arbeit zitieren
Denis Riffel (Autor), 2020, Terrorismus. Ein religiöses Problem?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906385

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