Die folgende Hausarbeit behandelt zu Beginn die Vorstellung der Methode der strukturierten Kontroverse und dessen Idee zur Ausgestaltung. Anschließend analysiert sie umsetzbare Gelingensbedingungen und widmet sich abschließend möglichen Problemen und Verbesserungsvorschlägen.
Die Methode der Strukturierten Kontroverse ist eine Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit konträren Sichtweisen im Unterricht zu fördern. Darüber hinaus werden die SchülerInnen in der Ausbildung sozialer Kompetenzen bestärkt und die Wertschätzung unter den Lernenden gefördert. Besonders geeignet ist die Methode daher für gesellschaftswissenschaftliche Fächer, wie den Geschichts- oder Gemeinschaftskundeunterricht.
Aus diesem Grund bezieht sich die vorliegende Arbeit auf eine Unterrichtsausgestaltung für das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft. Dabei ist zu beachten, dass nach dem „Beutelsbacher Konsens“ kontrovers diskutierte Themen auch im Unterricht kontrovers bleiben und den SchülerInnen ersichtlich gemacht wird, dass es zu keiner abschließenden Lösungsfindung kommen soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Vorstellung der Unterrichtseinheit
2.1 Darstellung der Methode Strukturierte Kontroverse
2.2 Umsetzung der Methode am gewählten Beispiel
3 Umsetzung von Gelingensbedingungen effektiven kooperativen Lernens
4 Möglicherweise auftretende Probleme und Lösungsmöglichkeiten
4.1 Verbesserungsvorschläge an der Methode
4.2 Verbesserungsvorschläge an der Umsetzung
5 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Methode der "Strukturierten Kontroverse" als effektives Instrument für den gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht vorzustellen und ihre praktische Umsetzung exemplarisch anhand der Debatte über die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre zu erläutern. Dabei wird untersucht, unter welchen Gelingensbedingungen kooperatives Lernen in diesem Kontext erfolgreich gestaltet werden kann und wie auftretende Herausforderungen durch gezielte methodische Anpassungen bewältigt werden können.
- Theoretische Grundlagen und Phasenmodell der Strukturierten Kontroverse.
- Konzeption einer Unterrichtseinheit für das Fach Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft.
- Analyse von Gelingensbedingungen für kooperative Lernprozesse.
- Strategien zur Förderung von Partizipation und demokratischer Meinungsbildung.
- Reflexion über die Rolle der Lehrkraft bei der Moderation kontroverser Themen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Darstellung der Methode Strukturierte Kontroverse
Die Strukturierte Kontroverse ist eine kooperative Lernform, welche 1993 von D.W. Johnson & R.T. Johnson entwickelt wurde. Im Wesentlichen werden zu einer kontrovers diskutierbaren Fragestellung Argumente für die Pro- und Contra-Seite gesammelt und am Ende ein Konsens gebildet. Als Voraussetzung für jene Lernform muss es also möglich sein, einen umstrittenen Standpunkt zum Thema einnehmen zu können. Der Einsatz der Methode ist ab Klassenstufe 6 möglich und setzt voraus, dass die SchülerInnen über bestimmte kommunikative Kompetenzen verfügen. Dazu gehören u.a. aktives Zuhören, das Präsentieren von Positionen, überzeugendes Argumentieren, das Vertreten einer Meinung oder die Fähigkeit sich Fehler einzugestehen. Diese Kompetenzen können aber auch gemeinsam eingeübt werden.
Nach Johnson & Johnson läuft die Strukturierte Kontroverse in fünf Phasen ab. Nachdem die SchülerInnen in Vierergruppen eingeteilt und jeweils zwei Paare der These und Antithese zugewiesen werden, recherchieren sie für ihren Standpunkt und bereiten ihre Position vor. In dieser ersten Lernphase besteht die Aufgabe der SchülerInnen darin, Experte für einen Standpunkt zu werden. In der zweiten Phase, die als Vermittlungsphase bezeichnet wird, präsentieren die SchülerInnen ihre Position dem anderen Paar. Wichtig dabei ist, dass sich jeder Schüler an der Präsentation beteiligt und die Argumente der anderen Seite überzeugend nahegebracht werden. Das zuhörende Paar hat währenddessen die Aufgabe dem Argumentationsgang zu folgen, sich Notizen zu machen und eventuelle Unverständlichkeiten anzusprechen. Die dritte Lernphase ist dafür gedacht, dass die SchülerInnen eine offene Diskussion in ihrer Vierergruppe führen. Dabei gilt es, die eigene Position glaubwürdig und stichhaltig zu vertreten und Gegenangriffe abzuwehren. Darauffolgend findet in der vierten Phase ein radikaler Perspektivwechsel statt. Nun werden die Positionen getauscht und es wird die andere Meinung vertreten. Noch nicht genannte Informationen sollen ergänzt werden. Im Vordergrund steht die Bemühung, das Thema aus beiden Perspektiven gleichzeitig zu betrachten. Dieser Versuch ist sogleich Voraussetzung für die letzte Phase der Strukturierten Kontroverse: Die Gruppe hat den Auftrag sich auf eine gemeinsame begründete Position zu einigen, mit der jedes Gruppenmitglied einverstanden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung intellektueller Konflikte für die Lernmotivation und führt die Methode der Strukturierten Kontroverse als Mittel zur Förderung demokratischer Diskussionskultur ein.
2 Vorstellung der Unterrichtseinheit: Dieses Kapitel beschreibt das theoretische Phasenmodell der Methode und konkretisiert dessen Anwendung anhand der Debatte zur Herabsetzung des Wahlalters in einer 9. Klasse.
3 Umsetzung von Gelingensbedingungen effektiven kooperativen Lernens: Hier werden organisatorische Rahmenbedingungen sowie motivationale Faktoren analysiert, die für den Erfolg kooperativer Lernprozesse innerhalb der Methode notwendig sind.
4 Möglicherweise auftretende Probleme und Lösungsmöglichkeiten: Das Kapitel reflektiert potenzielle Schwierigkeiten bei der Durchführung und bietet konstruktive Verbesserungsvorschläge für die methodische Planung und die praktische Umsetzung im Unterricht.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Strukturierte Kontroverse ein wertvolles, aber von einer moderierenden Lehrkraft abhängiges Format zur Förderung kommunikativer Kompetenzen darstellt.
Schlüsselwörter
Strukturierte Kontroverse, kooperatives Lernen, Unterrichtsgestaltung, Gemeinschaftskunde, Wahlalter 16, politisches System, Partizipation, soziale Interdependenz, Perspektivwechsel, moderierter Unterricht, Gruppenarbeit, argumentative Kompetenz, Schülermotivation, Konsensbildung, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Konzeption und praktischen Umsetzung der "Strukturierten Kontroverse" als kooperative Lernform im politikwissenschaftlichen Unterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Förderung von Diskussionsfähigkeit, die Auseinandersetzung mit kontroversen gesellschaftspolitischen Themen sowie die Gestaltung kooperativer Lernprozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Lehrkräften einen strukturierten Leitfaden an die Hand zu geben, wie kontroverse Debatten im Unterricht produktiv und unter Berücksichtigung des Beutelsbacher Konsenses geführt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer didaktischen Aufarbeitung theoretischer Ansätze zum kooperativen Lernen (insb. von Johnson & Johnson) und überträgt diese in einen praxistauglichen Unterrichtsentwurf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Beschreibung, die konkrete Unterrichtsplanung zum Thema Wahlalter 16 sowie die Analyse von Gelingensbedingungen und Optimierungsmöglichkeiten für den Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Strukturierte Kontroverse, kooperatives Lernen, Partizipation, politische Bildung und Konsensbildung beschreiben.
Warum eignet sich das Thema "Wahlalter 16" besonders für diese Methode?
Das Thema ist hochgradig kontrovers, für die Schüler der 9. Klasse unmittelbar lebensweltrelevant und bietet ausreichend Raum für eine argumentative Auseinandersetzung aus Pro- und Contra-Perspektiven.
Welche Rolle kommt der Lehrkraft bei dieser Methode zu?
Die Lehrkraft agiert primär als Moderator und Regulierer, um den Schülern den Raum für selbstständiges, freies Arbeiten und eine eigenständige Konsensfindung zu lassen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Die Methode der strukturierten Kontroverse am Beispiel der Herabsetzung des politischen Wahlalters, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906689