Psychodiagnostik bei Sexualstraftätern

Instrumente und Methoden der Kriminaldiagnostik


Essay, 2018

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 PSYCHISCHE ST ÖRUNGEN BEI SEXUALSTRAFTÄTERN

3 DIAGNOSTIK VON SEXUALSTRAFT ÄTERN

4 SCHLUSSTEIL

1 Einleitung

Besonderes Augenmerk auf die Diagnostik, Behandlung und Prognose von Sexualstraftätern wird immer wieder bei außergewöhnlichen Delikten gelegt. Forensisch tätige Psychologen und Psychiater fühlen sich Angesicht dessen auf ihrem Gebiet oft nicht ausreichend ausgebildet (vgl. Fegert, Häßler & Schläfke 2005: S. 77). Im Laufe des Gerichtsverfahrens wird heutzutage hinter die Taten geschaut und die Motive des Täters ergründet, seine kritischen Lebensabschnitte näher beleuchtet und eventuelle seelische Störung ausfindig gemacht, um seine Schuldfähigkeit zu klären – mit dem langfristigen Ziel der Resozialisierung, gegebenenfalls mithilfe von Unterstützung in Forme einer Therapie. Dies war nicht immer in unserer Geschichte so, denn früher wurden psychische Erkrankungen bei kriminellen Delikten, wie eben Sexualstraftaten, gar nicht als Ursache in Erwägung gezogen. Erst in den 1960ern Jahren gelangen psychische Erkrankungen mehr in den Fokus bei der Erforschung von Sexualstraftätern (vgl. Jost 2008: S. 55 ff.).

Zu Unrecht zu Freiheitsstrafen verurteilte Personen werden streng genommen ihrer Freiheit beraubt. Ihnen wird das Recht genommen, ihre Würde zu wahren und sich persönlich frei zu entfalten. Es ist die Aufgabe des Staates dieses Gut zu schützen – von daher ist Freiheitsentzug ohne ausreichende Legitimation in unserer Gesellschaft nicht zurechtfertigen. Der verbeugende Freiheitsentzug zum Schutz und Wohle anderer ist nur gerechtfertigt, wenn eine Rückfallwahrscheinlichkeit diagnostiziert wird (vgl. Fegert, Häßler & Schläfke 2005: S. 33 ff.).

Die folgende Arbeit wird sich mit dieser Thematik beschäftigen. Zunächst wird auf verschiedene psychische Störungen und die für die Untersuchung relevanten Symptome dieser eingegangen, die häufig bei Sexualstraftätern diagnostiziert wird. Anschließend werden die Grundlagen der Kriminaldiagnostik, deren diagnostischen Instrumente sowie Methoden behandelt und in Bezug auf die Begutachtung von Sexualstraftätern gesetzt. Zum Schluss werden die relevantesten Punkte in einem Schlussteil festgehalten.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnung gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

2 Psychische Störungen bei Sexualstraftätern

Der Begriff „Sexualstraftäter“ kommt aus der Kriminologie und stellt somit keine psychische Diagnose dar. Bevor eine Begutachtung oder eine Behandlung durchgeführt wird, muss im ersten Schritt eine gründliche psychiatrische, somatische wie auch kriminologische Diagnose durchgeführt werden. Einerseits werden dadurch psychiatrische sowie körperliche Störungen erkannt, andererseits andere kriminalprognostische Faktoren ermittelt. Unter Sexualstraftätern sind vor allem Persönlichkeitsstörungen wie zum Beispiel antisoziale, narzisstische oder Borderline - Störung und ebenso schizoide, ängstlich - vermeidende Störungen und Intelligenzminderungen und Impulsstörung zu finden (vgl. Fegert, Häßler & Schläfke 2005: S. 77).

Abweichendes Sexualverhalten ist schwer zu erfassen, da sich medizinische, psychiatrische und psychologische Erwägungen mit gesellschaftlicher Voreingenommenheit sowie strafrechtlicher Normierung sowohl überlappt als auch vermengt und widerspricht. Bei der Beurteilung aus forensisch - psychiatrischer Sicht werden folgende zwei Zentralfragen beleuchtet:

1. „Wann wird abweichendes Sexualverhalten pathologisch oder krankhaft?“
2. „Wann wird abweichendes Sexualverhalten strafbar, das heißt welches Sexualverhalten wird kriminalisiert?“

Durch diese Fragen werden auch die Grenzen normaler Sexualität erörtert (vgl. Müller & Nedopil 2012: S. 242).

Die sexuellen Präferenzstörungen sind nach der ICD-10 wie folgt definiert:

- „Es liegen wiederholt auftretende, intensive sexuelle Impulse und Fantasien vor, die sich auf ungewöhnliche Gegenstände oder Aktivitäten beziehen.“
- „Der beziehungsweise die Betroffene handelt entsprechend diesen Impulsen und Fantasien oder fühlt sich durch sie deutlich beeinträchtigt.“
- „Diese Präferenz besteht seit mindestens sechs Monaten.“

Im DSM-IV werden die im ICD-10 aufgelisteten sexuellen Präferenzstörungen unter der Begrifflichkeit „Paraphilien“ aufgeführt (vgl. Fegert, Häßler & Schläfke 2005: S. 78).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Störungen der Sexualpräferenz (ICD-10) oder Paraphilien (DSM-IV)

Entgegen der allgemeinen Annahme, bei Sexualstraftätern handle es sich stets um fremde Personen, befindet sich der Großteil der Sexualstraftaten im Bekannten-, Freunde und sogar Familienkreis des Opfers. Dies trifft vor allem auf sexuellen Missbrauch zu. Die Begrifflichkeit des sexuellen Missbrauchs ist, auch in der Fachliteratur, unklar definiert. Es wird von fünf Merkmalen ausgegangen:

1. Eine sexuelle Handlung (mit und ohne Körperkontakt)
2. Eine Abhängigkeitsbeziehung (Altersunterschied, körperliche Überlegenheit, erziehungs- oder arbeitsbedingte Abhängigkeit, ...)
3. Die Bedürfnisbefriedigung des Mächtigeren (sexuelle Bedürfnisse, narzisstische Bedürfnisse, ...)
4. Mangelnde Empathie des Täters
5. Gebot der Geheimhaltung (durch zum Beispiel Drohung, Versprechen, ...)

Die forensische Begutachtung der Sexualstraftäter ergibt sich dabei weniger aus dem begangenen Delikt, sondern aus dem Erfahrungswert, dass der Täter häufig unter einer Persönlichkeits-, Verhaltens- oder neurotische Störung leiden. Hierbei werden die oben genannte Störung der Sexualpräferenzen aus dem ICD-10 beziehungsweise die Paraphilien aus dem DSM-IV zur Schuldfähigkeitsbeurteilung genommen (vgl. Jost 2008: S. 176 f.).

Im Folgenden wird auf drei ausgewählte Störungen der Sexualpräferenz, vor allem auf die Merkmale, welche für die Diagnostik interessant sind, eingegangen.

- Exhibitionismus: Unter dem Begriff Exhibitionismus wird ein sexuell motiviertes Entblößen oder Demonstrieren von männlichen, meist erigierten Geschlechtsteilen in der Gegenwart von weiblichen Personen verstanden. Homosexueller Exhibitionismus kommt so gut wie nicht vor. Die Opfer sind in der Regel Kinder oder jugendliche Mädchen (vgl. Jost 2008: S. 177). Bei den Tätern ist manchmal eine aggressive Tendenz zu beobachten. In den häufigsten Fällen ist das Ziel jedoch das Beeindrucken oder Erschrecken des Opfers. Etwa 20% aller Sexualdelikte sind Fälle des Exhibitionismus. Damit ist es das zweithäufigste Sexualdelikt. Obwohl Übergriffe nicht vorkommen, hat eine Studie ergeben, dass etwa 25% der Exhibitionisten im Laufe ihres Lebens tätlich werden (vgl. Müller & Nedopil 2012: S. 246).

Fetischismus: Unter Fetischismus wird die sexuelle Erregung und Befriedigung durch unbelebte Objekte verstanden. Für Fetischisten stellen dabei die Objekte einen Ersatz für den menschlichen Körper dar (vgl. Müller & Nedopil 2012: S. 246). Straftaten, welche aus dem Fetischismus resultieren, sind häufig Diebstähle von Gegenständen (zum Beispiel Kleidungsstücke von bekannten oder auch unbekannten Personen), welche als Fetisch benutzt werden. Es gilt die Annahme, die Gründe für fetischistisches Verhalten lägen in der Persönlichkeitsstruktur, welche vor allem durch Gehemmtheit und Tabuisierungen von Leiblichkeit sowie Sexualität in der Sozialisation des Betroffenen auffällig ist (vgl. Jost 2008: S. 177).

Sadismus und Sadomasochismus: Bei dem Sadismus oder Sadomasochismus wird die sexuelle Erregung und Befriedigung durch das Zufügen von Schmerzen und Demütigungen erreicht. Wichtig dabei ist, dass die Begriffe nur verwendet werden, wenn diese Praktiken die Hauptquelle der Erregung ist, da diese gängig ausgeführt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Verdacht auf sadistische Tatmotivation

Für die forensische Relevanz ist das fehlende Einverständnis des Partners wichtig (vgl. Müller & Nedopil 2012: S. 248 f.). Oft haben Vergewaltigungen und Tötungsdelikte eine sadistische Motivation und arten häufig in Deliktserien und Handlungssteigerungen aus, da der Täter nur so Befriedigung erlangen kann. Sadismus zielt auf die totale Beherrschung (inklusive Demütigung und Schmerzzufügung) des Opfers ab. Dabei ist die Sexualität der Täter in den meisten Fällen mit einem gewissen Gefühl der Omnipotenz verbunden. Der Sadomasochismus gilt als kriminologisch schwerwiegendste Deviation (vgl. Jost 2008: S. 178).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Verdacht auf sadistische Tatmotivation II

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Psychodiagnostik bei Sexualstraftätern
Untertitel
Instrumente und Methoden der Kriminaldiagnostik
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V908766
ISBN (eBook)
9783346195630
ISBN (Buch)
9783346195647
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Diagnostik, Psychodiagnostik, Kriminalpsychologie, Forensische Psychologie, Sexualstraftaten, Sexualstraftäter
Arbeit zitieren
Duc Minh Vu (Autor), 2018, Psychodiagnostik bei Sexualstraftätern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/908766

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