Diese Hausarbeit untersucht die Fragestellung, inwieweit die antike Tragödie "Die Perser" des Dramendichters Aischylos eine getreue Darstellung um das Geschehen der Schlacht von Salamis wiedergibt. Als Grundlage für das Verfahren des Vergleichs werden der Historiker Herodot und seine Historien verwendet. Ferner wird erörtert, inwieweit Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Berichten der beiden Autoren existieren. Ziel ist, die Intention des Stückes zu erforschen und sie in den Kontext des zeitgenössischen Athens einzuordnen. Ebenso soll untersucht werden, inwieweit beide Autoren voneinander profitierten.
Für den Verfasser ist es wichtig in Betracht zu ziehen, ob und inwieweit eine getreue Darstellung der Schlacht von Salamis in "Die Perser", acht Jahre nach dem originalen Schauplatz, von Bedeutung ist. In der Forschungsliteratur, die als Grundlage dieser Hausarbeit dient, werden bis dato vor allem einzelne Schwerpunkte im Drama zum Vergleich mit den Historien diskutiert — so zum Beispiel die Anzahl der athenischen und persischen Schiffe bei Salamis als auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Autoren Aischylos und Herodot. Für die Fragestellung des Verfassers sind vor allem die Werke von Birger Hutzfeldt und Christian Meier hervorzuheben, die zusammen einen Querschnitt von der Darstellung der Perser bis hin zum Sinn und Zweck einer Tragödie bilden. Mithilfe der Veröffentlichungen Helmut Löfflers und Michael Krewets wurde dieser Hausarbeit die kritische Auseinandersetzung Herodots hinzugefügt.
Mit 95 km2 Landmasse ist Salamis das größte Eiland im Sardonischen Golf. Bekannt sei sie vor allem durch ihre Vielfältigkeit der Buchten und Kaps, die rings um die Insel mit ihrer langen Küstenlinie verstreut sind. Als die Perserkriege ausbrechen, bietet sie anfänglich den fliehenden Athenern einen Schutzort vor den angreifenden Barbaren, die bereits 2.300 km von ihrer Hauptstadt Susa entfernt seien. Durch die verborgenen Häfen, die in tiefen Buchten versteckt gelegen sind, wurde so aus einem einstigen Rückzugsgebiet der Ort für eine phänomenale Seeschlacht, die bis heute ein Symbol für die Freiheit Griechenlands und Ausgangspunkt für verschiedene Mythen ist. Sie sei nicht nur der Wendepunkt des griechischen Nationalgefühls — die Schlacht von Salamis sei ein Wendepunkt in der gesamten europäischen Geschichtsschreibung.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Quellenkapitel
III. Die Analyse der Tragödie »Die Perser« im Vergleich zu Herodots Historien
i. Die persischen Krieger bei Aischylos
ii. Die Figur der persischen Königin, »Atossa«
iii. Die Schlacht bei Salamis
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht die Fragestellung, inwieweit die antike Tragödie »Die Perser« des Aischylos eine historisch getreue Darstellung der Schlacht bei Salamis liefert, indem sie das Stück systematisch mit den Aufzeichnungen des Historikers Herodot vergleicht.
- Kritische Gegenüberstellung von literarischer Tragödie und historiographischer Quelle
- Analyse der Darstellung persischer Charaktere und politischer Konzepte
- Untersuchung von Identitätskonstruktionen und Entfremdungseffekten
- Bewertung des Einflusses des Dramatikers Aischylos auf die historische Überlieferung des Herodot
Auszug aus dem Buch
III.III. DIE SCHLACHT BEI SALAMIS
Das genaue Kampfgeschehen wird bei beiden Autoren nicht sehr breitflächig beschrieben. Aischylos’ Tragödie weicht ab, indem er den Boten sagen lässt, dass dieser ein Zeuge der Schlacht wäre. Herodot berichtet jedoch, dass Xerxes seine Beobachtung dem Boten übergeben hätte. Dennoch ähneln sich die Darstellungen der Autoren sehr. Beide berichten, dass es einen geheimen Gesandten gab, der zu den Persern gekommen wäre und sie darüber aufgeklärt hätte, dass die Griechen demnächst fliehen würden. Wer dieser Bote war und von wem er geschickt wurde, bleibt bei Aischylos offen — Herodot benennt jedoch den Namen »Sikinnos«, den Themistokles sandte. In beiden Darstellungen glauben die Perser nun der »[…] List […]« und bereiten sich auf eine mögliche Kampfhandlung vor, sie wollen die Griechen umstellen, sie besiegen und jene »[…] erschlagen […]«, die nicht bereits im Meer ertrunken wären. Bei Tagesanbruch, nach Aischylos, erklänge der Hellenen Siegesgeschrei und sie wären plötzlich mit ihren Schiffen aufgetaucht. Der Tragödiendichter benennt 300-310 griechische, die 1207 persischen gegenüberstehen. Herodot spricht hingegen von 380 griechischen Schiffen, geht aber mit 1207 persischen einher. In der Forschung ist eine lebhafte Diskussion darüber entstanden, wie viele Schiffe es nun wirklich gewesen wären. Die Überlieferungen der beiden Autoren stimmen dann erneut darin überein, wenn berichtet wird, dass es die Griechen sind, die zuerst angreifen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand, die Tragödie »Die Perser«, und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Übereinstimmung mit Herodots historischen Aufzeichnungen.
II. Quellenkapitel: Dieses Kapitel liefert eine biographische und ideologische Einordnung der beiden Hauptautoren Aischylos und Herodot, um ihre jeweiligen Erzählperspektiven und Intentionen kritisch zu bewerten.
III. Die Analyse der Tragödie »Die Perser« im Vergleich zu Herodots Historien: Der Hauptteil vergleicht detailliert die Darstellung persischer Akteure, die Rolle der Atossa und den konkreten Ablauf der Schlacht von Salamis in beiden Werken.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Aischylos' Tragödie eine stark idealisierte und fiktionalisierte Darstellung bietet, die Herodots historische Erzählung maßgeblich mitgeprägt haben könnte.
Schlüsselwörter
Aischylos, Herodot, Schlacht von Salamis, Die Perser, Historien, Atossa, Xerxes, Antike, Geschichtsschreibung, Fiktionalität, Entfremdungseffekt, Perserkriege, Dramaturgie, Identität, Athen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Untersuchung der antiken Tragödie »Die Perser« von Aischylos im Vergleich zu den Historien von Herodot, um zu prüfen, wie historisch getreu das Drama die Schlacht bei Salamis wiedergibt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die literarische Darstellung des Perserreichs, die Inszenierung der griechischen Identität und die kritische Analyse der historischen Verlässlichkeit antiker Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Intention des Dramatikers Aischylos zu ergründen und festzustellen, inwieweit das Stück als getreue Quelle oder primär als politisch-ideologische Inszenierung des damaligen Athens zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine vergleichende literaturwissenschaftliche und historische Analyse vorgenommen, die durch eine kritische Auseinandersetzung mit einschlägiger Forschungsliteratur gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die persischen Krieger, die dramatische Figur der Königin Atossa sowie den konkreten Ablauf der Schlacht bei Salamis in beiden überlieferten Werken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aischylos, Herodot, Salamis, Perserkriege, Fiktionalität, Identität und historische Quellenkritik.
Warum spielt der "Entfremdungseffekt" bei Aischylos eine Rolle?
Aischylos nutzt diesen Effekt durch die Verwendung orientalischer Begriffe und Namen, um eine klare Distanz zwischen den "Barbaren" und den Griechen zu schaffen und die dramatische Inszenierung zu schärfen.
Welche Bedeutung hat die Figur der Atossa für die Argumentation?
Atossa wird als kluge, weise Königin dargestellt, die durch ihre Träume und ihr Verhalten als Objekt des Verständnisses für die Unbesiegbarkeit der Griechen fungiert, obwohl ihr Name im Werk nie explizit genannt wird.
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- Marcel J. Paul (Autor), 2019, Die Schlacht von Salamis in der Berichterstattung des Aischylos' und Herodots, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/908871