„Murnau – Manila – Minsk“, so ist die Jubiläumsschrift zum 50jährigen Bestehen des Goethe-Instituts in Anspielung auf seine globale Verbreitung tituliert. Das Goethe-Institut ist einer der wichtigsten Kulturmittler der Bundesrepublik Deutschland. Mit ihm und den anderen deutschen Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland als Träger der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt sich vorliegende Arbeit.
Um Organisation, Strukturen und Zielsetzungen der deutschen Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland zu begreifen, müssen zunächst sowohl die bundesrepublikanische Kulturpolitik als auch die Außenpolitik verstanden sein. Dementsprechend gliedert sich die Arbeit.
Im zweiten Kapitel der Arbeit wird zunächst auf die Begrifflichkeiten „Kultur“ und „Bildung“ eingegangen. Im darauf folgenden Kapitel wird die Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern hinsichtlich der Kulturpolitik dargestellt, unter besonderer Berücksichtigung des Föderalismus.
Das vierte Kapitel widmet sich dann der deutschen Außenpolitik, ihren Ziele und ihren normativen Vorgaben. Anschließend wird in Kapitel fünf speziell auf die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des Auswärtigen Amtes eingegangen, bevor Kapitel sechs die wichtigsten deutschen Bildungseinrichtungen im Ausland näher beleuchtet.
Wegen seiner herausstehenden Rolle als Kulturmittler wird schließlich das Goethe-Institut stellvertretend ausführlicher dargestellt. Unter anderem wird die Frage nach möglichen Zukunftsperspektiven aufgeworfen, bevor im letzten Kapitel ein kurzes Fazit gezogen wird.
Als Quellen dienten zum einen Bücher und Zeitschriften zu den Themen „Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik“, „Außenpolitik“ und „deutsche Bildungspolitik“, zum anderen war eine ganze Reihe von Informationen auch oder ausschließlich online zu finden, insbesondere zu den Kultur- und Bildungseinrichtungen selbst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zu den Begriffen „Bildung“ und „Kultur“
3 Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland
4 Deutsche Außenpolitik
4.1 Kompetenzverteilung
4.2 Normative Postulate
5 Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik als „Dritte Säule der Außenpolitik“
5.1 Einordnung in die Außenpolitik des Bundes
5.2 Ziele und Aufgaben der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
6 Deutsche Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland
6.1 Deutscher Akademischer Austauschdienst
6.2 Alexander von Humboldt-Stiftung
6.3 Institut für Auslandsbeziehungen (IfA)
6.4 Zentralstelle für das Auslandsschulwesen
6.5 Weitere Einrichtungen
7 Das Goethe-Institut als wichtigster Träger auswärtiger Kulturpolitik
7.1 Geschichte und Entwicklung des Goethe-Instituts
7.2 Ziele und Strukturen des Goethe-Instituts
7.3 Quo vadis Goethe-Institut? – Problemsichten und Ausblick
8 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Rolle und Struktur deutscher Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland als zentrale Instrumente der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Ziel ist es, die Einbettung dieser Organisationen in den rechtlichen und politischen Rahmen der Bundesrepublik zu analysieren und die aktuellen Herausforderungen, insbesondere des Goethe-Instituts, zu bewerten.
- Grundlagen der deutschen Kultur- und Außenpolitik
- Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern
- Strukturen bedeutender Mittlerorganisationen (DAAD, Alexander von Humboldt-Stiftung, IfA)
- Operative Umsetzung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
- Zukunftsperspektiven und Sparmaßnahmen im Kultursektor
Auszug aus dem Buch
7.3 Quo vadis Goethe-Institut? – Problemsichten und Ausblick
Entscheidend für die weitere Zukunft des Goethe-Instituts dürften zwei Faktoren sein: Mittelzuwendungen aus dem Bundeshaushalt und weltpolitische Entwicklungen.
Trotz eines spürbaren Bewusstseinswandels in Politik und Öffentlichkeit, verbunden mit der – zumindest vorgeblichen – Gleichberechtigung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als „Dritte Säule der Außenpolitik“ sind die zur Verfügung stehenden Gelder in den vergangenen Jahren deutlich weniger geworden. Betrug der Haushalt des Goethe-Instituts im Jahre 1999 noch umgerechnet 249 Mio. Euro, waren es 2005 nur noch 85 Prozent, nämlich 213 Mio. Euro. Sogar das Auswärtige Amt konstatiert, dass die Kultur- und Bildungspolitik durch die Haushaltskonsolidierung des Bundes nicht unberührt bleibt. Die finanzielle Lage des Goethe-Instituts ist mittlerweile so prekär, dass die Mitgliederversammlung eine Resolution an die zuständigen Politiker verfasst hat, in der die Fähigkeit des Goethe-Instituts zur Erfüllung seiner Aufgaben im Sprach- und Kulturbereich infrage gestellt und eine Erhöhung der Zuwendungen gefordert wird.
Da trotz dieser Resolution in Zukunft eher Kürzungen erwartet werden können, wird auch eine Konzentration der Tätigkeiten notwendig werden. Problematisch dabei ist aber, dass nur ca. ein Drittel der Gelder überhaupt für Projekte zur Verfügung stehen, der Rest ist für Betriebsmittel bestimmt. Obwohl das derzeit entstehende Defizit struktureller Art ist, also hauptsächlich bedingt durch Mieten, Personalkosten etc., wird an den Projektmitteln gekürzt, was das Goethe-Institut auf Dauer zum Arbeiter ohne Werkzeug macht – mit ausreichend guter Infrastruktur, um Sprachkurse durchzuführen, dafür aber ohne Kulturarbeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Bedeutung des Goethe-Instituts und Darlegung der Themenstruktur sowie der methodischen Vorgehensweise der Arbeit.
2 Zu den Begriffen „Bildung“ und „Kultur“: Definition und Abgrenzung der zentralen Begriffe innerhalb des politischen Kontexts.
3 Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland: Erläuterung der Kompetenzverteilung unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Föderalismus.
4 Deutsche Außenpolitik: Analyse der Kompetenzen und normativen Postulate, die das Handeln des Bundes im außenpolitischen Bereich bestimmen.
5 Die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik als „Dritte Säule der Außenpolitik“: Einordnung der Kulturpolitik in den Gesamtzusammenhang der Außenpolitik sowie Vorstellung der vier Hauptziele.
6 Deutsche Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland: Vorstellung wichtiger Mittlerorganisationen wie DAAD, Alexander von Humboldt-Stiftung und der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.
7 Das Goethe-Institut als wichtigster Träger auswärtiger Kulturpolitik: Detaillierte Betrachtung der historischen Entwicklung, Struktur und der aktuellen Finanzierungsproblematik des Goethe-Instituts.
8 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung zur zukünftigen Handlungsfähigkeit der Kulturinstitutionen im Kontext politischer Konsolidierungsanstrengungen.
Schlüsselwörter
Auswärtige Kulturpolitik, Bildungspolitik, Goethe-Institut, DAAD, Kulturmittler, Außenpolitik, Bundesrepublik Deutschland, Föderalismus, Kulturhoheit, Mittlerorganisationen, Haushaltskonsolidierung, Projektmittel, Spracharbeit, Deutschlandbild, Internationale Beziehungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das deutsche System der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und wie die entsprechenden staatlichen Institutionen diese Aufgaben im Ausland operativ umsetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die politische Einordnung der Kulturarbeit als "Dritte Säule" der Außenpolitik, die institutionelle Struktur wichtiger Mittlerorganisationen und die Herausforderungen durch knappe öffentliche Mittel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Organisation, die Strukturen und die aktuellen Zielsetzungen der deutschen Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Ausarbeitung, die auf Literaturrecherche, der Analyse von Dokumenten (Grundgesetz, Rahmenverträge) und der Auswertung von Statistiken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der politischen Rahmenbedingungen (Kultur- und Außenpolitik), die Vorstellung der wichtigsten Akteure und eine vertiefende Fallstudie zum Goethe-Institut.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Kulturmittler, Auswärtige Kulturpolitik, Kompetenzverteilung, Haushaltskonsolidierung und das Goethe-Institut als zentrale Institution.
Warum wird das Goethe-Institut in einem eigenen Kapitel separat behandelt?
Aufgrund seiner herausragenden Stellung und seiner im Vergleich zu anderen Mittlerorganisationen zentralen Rolle als weltweit agierender Kulturträger wird ihm innerhalb der Arbeit ein eigener Fokus gewidmet.
Was bedeutet der Begriff "Dritte Säule der Außenpolitik" im Text?
Er beschreibt die Einordnung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als gleichberechtigtes Handlungsfeld neben der Sicherheitspolitik und der Außenwirtschaftspolitik.
Was ist die Kernproblematik des Goethe-Instituts in der heutigen Zeit?
Das Institut steht vor der Herausforderung, trotz sinkender finanzieller Zuwendungen und einer notwendigen Haushaltskonsolidierung weiterhin effektiv Kulturarbeit zu leisten, ohne zu einer reinen Sprachschule zu verkümmern.
Welche Auswirkungen haben Sparmaßnahmen konkret auf das Goethe-Institut?
Die Kürzungen bei den Projektmitteln führen dazu, dass zwar die Grundinfrastruktur für Sprachkurse erhalten bleibt, der Spielraum für künstlerische und dialogorientierte Projekte jedoch massiv eingeschränkt wird.
- Quote paper
- Mathias Purr (Author), 2006, Deutsche Kultur- und Bildungseinrichtungen im Ausland als Mittler der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91010