Die Wiederherstellung von ordo (Ordnung) durch "gevüegiu kündekeit" im "Klugen Knecht" des Strickers


Essay, 2004

7 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ein schwankhaftes Mære

ordo – Die göttliche Ordnung

Fazit

Bibliographie

Einleitung

Das Thema des Mære Der Kluge Knecht des Stickers ist das Gelingen durch ein einmaliges Versagen eines ansonsten zuverlässigen Knechts, den Herrn des Knechts darauf aufmerksam zu machen, dass dessen Ehefrau ein Verhältnis mit dem Pfarrer hat, ohne dass der Knecht seine Rolle als Untergebener verletzen und den Bauern bloßstellen muss.[1]

In dieser Arbeit werde ich zunächst kurz auf die Textgattung des Klugen Knechts eingehen und anschließend die Wiederherstellung von ordo durch gevüegiu kündekeit charakterisieren.

Ein schwankhaftes Mære

Achnitz' beschreibt ein Mære als »eine in Reimpaarversen abgefasste, fiktive, weltliche, mit menschlichem Personal arbeitende Erzählung mittleren Umfangs.«[2] Die didaktisch-exemplarische Funktion der Mæren soll die Identifikation des Rezipienten mit einer der Figuren und den damit verbundenen Erkenntnisgewinn bewirken.[3] Die Mæren des Strickers werden »dominiert vom komischen, schwank-haften Typus; Kern der Figurenkonstellation ist meist die Ehe.«[4] Nach dem Reallexikon basiert ein Schwank

»auf dem Konflikt weniger, zumeist nur zweier (menschlicher) Figuren mit jeweils möglichen Verbündeten, deren Auseinandersetzung motiviert ist durch die Besetzung mit Angehörigen unterschiedlicher [...] geschlechtlicher oder sozialer (im Mittelalter meist ständischer) Zugehörigkeit; es ergeben sich [...] kombinatorische Möglichkeiten und eine Zuspitzung auf [...] rechtliche Normen gesellschaftlich definierter Gruppierungen (Adel, Bauern, [...], Ehe etc.). Die Auseinandersetzung ist nach typischen Verlaufsformen geregelt; dominant ist der Versuch der einen Figur, die andere in ihren Rechten durch Lüge, Betrug, Täuschung zu schädigen, worauf eine Gegenaktion der geschädigten Figur erfolgen kann. Die erzählerische Perspektive und die Verteilung von Wissen steuern die Sympathieverteilung des Rezipienten zugunsten der siegreichen Figur.«[5]

Aus diesem Grund bezeichne ich den Klugen Knecht als ein schwankhaftes Mære[6].

[...]


[1] vgl. Achnitz, Wolfgang: Ein mære als Bîspel. Strickers Verserzählung >Der kluge Knecht<. In: Germanistische Mediävistik. Hg. von Volker Honemann und Tomas Tomasek. Münster 1999. S. 177.

[2] ebd. S. 185.

[3] vgl. ebd. S. 189, 190.

[4] Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte. Hg. von Harald Fricke u.a. 3., neubearbeitete Auflage. Berlin/New York 2000. Band II. Stichwort: Mære. S. 518.

[5] ebd. Band III. Stichwort: Schwank. S. 408

[6] ebd. Band III. Stichwort: Schwank. S. 408

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Die Wiederherstellung von ordo (Ordnung) durch "gevüegiu kündekeit" im "Klugen Knecht" des Strickers
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1
Autor
Jahr
2004
Seiten
7
Katalognummer
V91234
ISBN (eBook)
9783638046602
ISBN (Buch)
9783656754473
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stricker, Der kluge Knecht
Arbeit zitieren
Sarah Müller (Autor), 2004, Die Wiederherstellung von ordo (Ordnung) durch "gevüegiu kündekeit" im "Klugen Knecht" des Strickers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91234

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