Die Schlacht bei Pharsalos. Dargestellt durch Caesar und Lucan


Hausarbeit, 2017

14 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Fragestellung und Vorgehen
1.2. Die Schlacht von Pharsalos in der Forschungsliteratur

2. Hauptteil
2.1. Quellenkritik
a) Caesar: Bürgerkrieg / Bellum Civile
b) Lucan: Bürgerkrieg / Bellum Civile
2.2. Vergleich der Quellen

3. Fazit

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1. Quellen
4.2. Literatur

1. Einleitung

Die Schlacht bei Pharsalos ist bezeichnend für die entscheidende Wendung im römischen Bürgerkrieg zwischen den Kontrahenten Gaius Iulius Caesar und Gnaeus Pompeius Magnus. Der Bürgerkrieg, wie auch die Schlacht bei Pharsalos selbst, stellt ein oft literarisch verwendetes Ereignis dar, was an der Vielzahl von Überlieferungen sichtbar wird. Das Thema dieser Arbeit soll es sein, ausgesuchte Literatur über die Schlacht bei Pharsalos miteinander zu vergleichen. Dazu bediene ich mich an Caesars Bürgerkrieg1 und Lucans Bürgerkrieg2. Da es möglich wäre, noch mehr antike Literatur beizuziehen, möchte ich hier darauf verweisen, dass dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde, weshalb ich bewusst darauf verzichte. Die Quelle Caesars zu verwenden, empfinde ich als sehr naheliegend, da er selbst Protagonist dieser Schlacht war. Lucans Quelle bietet sich als Gegenposition zu Caesars Beschrieb der Schlacht an, was mich dazu bewegte, Lucans Epos als Vergleich zu Caesars Quelle zu nutzen.

1.1. Fragestellung und Vorgehen

Die Frage, „Was sind die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Caesars Bürgerkrieg und Lucans Bürgerkrieg in der Darstellung der Schlacht bei Pharsalos?“, wird mich durch die Arbeit begleiten und soll am Ende beantwortet werden. Anfangs werde ich die Schlacht in der Forschungsliteratur anhand einiger Beispiele kurz darstellen. Im Hauptteil werde ich die jeweiligen Quellen kurz vorstellen und deren relevanten Ereignisse und Aussagen zusammenfassen und interpretieren, damit ich diese miteinander vergleichen kann. Der Vergleich soll einer chronologischen Struktur folgen. Im Fazit werde ich meine Erkenntnisse zusammenfassen und mich in einer Deutung der Resultate versuchen. Speziell bei Lucan werde ich über die dichterische Sprache des Epos hinwegsehen und mich auf die inhaltlichen Aussagen zur Schlacht beziehen, um diese mit der sachlicheren Sprache der Quelle Caesars gleichsetzen zu können. Ich werde kaum auf das Thema Epos bei Lucan eingehen. Das Augenmerk soll auf den Vergleich der beiden Werke auf inhaltlicher Eben gelegt werden. Ebenfalls möchte ich darauf verzichten, die Darstellungen der Reden von Pompeius und Caesar zu vergleichen, wie dies beispielsweise Marie Wuensch bereits dargestellt hat,3 da ein genauer Wortlaut einer Rede aus der Antike kaum verlässlich Überliefert werden kann.

1.2. Die Schlacht von Pharsalos in der Forschungsliteratur

Der Ablauf der Schlacht wird nicht bloss in Antiken Quellen verschieden dargestellt, auch in der modernen Forschung ist man sich nicht darüber einig, an welchem antiken Autor man sich orientieren soll. Viele Forschungsbeiträge versuchen eine Synthese aus den verschiedenen antiken Erzählungen zu erstellen, die schlussendlich so plausibel wie möglich erscheint.

Die Voraussetzungen der Schlacht scheinen uns faktisch gegeben zu sein: Irgendwo in der Nähe von Pharsalos in Thessalien, am 9. August 48 v. Chr., soll Pompeius Magnus von Julius Caesar trotz zahlenmässig überlegenem Heer besiegt worden sein.4 Die Forschungsliteratur beruft sich vor allem auf literarische Hinterlassenschaften, denn die Schlacht wurde vielfach beschrieben. Namentlich sind «Caesar, De bello civili 3, 82 – 99; Plutarch, Pompeius 70 – 73; Plutarch, Caesar 40 – 46; Appian, Bella civilia 2, 66 – 82; Cassius Dio 41, 51 – 63; Lucan 6, 314 – 7, 872»5 zu nennen, welche in der Antike die Schlacht ausführlich niedergeschrieben haben. Oft wird in der Forschungsliteratur geschildert, dass Pompeius zum Kampfe bei Pharsalos gedrängt wurde und er somit nicht mehr freier Herr seiner Entscheidung war,6 manche Fachliteratur benennt dies sogar als einen der Hauptgründe, weshalb Pompeius die Schlacht schlussendlich verlor.7 Auch bereits ältere Forschung sprach davon, dass Pompeius sich von den Optimaten überzeugen liess.8 Andere Forschungsliteratur möchte sich nicht auf einen Standpunkt festsetzen und lässt den eigentlichen Grund dafür, weshalb Pompeius trotzdem angriff, offen.9

Die Erklärung, weshalb Caesar als Sieger vom Feld ging, wird indes verschieden erläutert. So wird die Erfahrung Caesars Soldaten genannt,10 ebenso Caesars taktisches Geschick,11 Pompeius habe einen Nervenzusammenbruch erlitten und sei deshalb vom Feld geflohen12 und oft wird die Unterschätzung der caesarianischen Truppen durch die Optimaten als Argument erwählt.13

2. Hauptteil

2.1. Quellenkritik

a) Caesar: B ürgerkrieg / Bellum Civile

Quelleninhalt:

Für Caesar kam das Ausrücken des pompeianischen Heeres unerwartet, doch waren seine Truppen zum Kampf bereit. Pompeius entschloss sich «auf das Drängen all seiner Anhänger zum Entscheidungskampf»14. Die Aufstellung des pompeianischen Heeres wird folgendermassen beschrieben: «Auf dem linken Flügel standen die beiden Legionen, die Caesar zu Beginn ihres Zerwürfnisses auf Senatsbeschluss abgetreten hatte […]. Dort hielt sich auch Pompeius persönlich auf. Im Zentrum stand Scipio mit den syrischen Legionen. Die kilikische Legion, verstärkt durch spanische Cohorten […], war auf dem rechten Flügel. […] Die übrigen hatte er zwischen das Zentrum und die beiden Flügel gestellt und so volle 110 Cohorten zusammengebracht. Dies ergab 45'000 Mann […]. Die restlichen 7 Cohorten hatte er ins Lager und die nahen Stützpunkte als Besatzungen gelegt. Den rechten Flügel stützte ein Bach mit steilen Ufern, weshalb er auch seine ganze Reiterei sowie alle Bogenschützen und Schleuderer dem linken Flügel zugeteilt hatte.»15 Da Caesars Armee vor Dyrrachium bereits schwere Verluste erlitten hatte, führte er zwei Legionen zusammen, um daraus fast eine zu bilden. Sein Heer bestand aus 80 Cohorten die eine Gesamtstärke von 22'000 Mann ausmachte. Zum Schutz des Lagers liess Caesar sieben Cohorten zurück. Auf dem linken Flügel übernahm Antonius, der rechte Flügel unterstand P. Sulla und das Zentrum leitete Cn. Domitius. Caesar stellte sich direkt gegenüber von Pompeius auf. Caesar reagierte auf dem Schlachtfeld selbst auf die Aufstellung von Pompeius, denn er fürchtete, dass sein rechter Flügel der Reiterei von Pompeius unterlegen war. So zog Caesar sechs Cohorten aus der dritten Reihe ab und bildete daraus eine verborgene vierte Reihe als Verteidigung gegen die Kavallerie des Pompeius. Caesar hält in der Ansprache nochmals hervor, dass er nach Frieden sehnte, doch seine Gegenüber dies verwehrten. Heldenhaft stürmte Crastinus mit 120 weiteren Männer voraus. Pompeius liess nicht zum Ansturm aufrufen. C. Triarius drängte Pompeius dazu, standhaft den Gegner abzuwarten und auflaufen zu lassen, was Pompeius aber ohne Einsicht seinen Männern befahl. Caesar tadelt dieses Verhalten, denn ein Feldherr müsse seiner Kampfeslust folgen. Da die caesarianischen Truppen erfahren waren, machten sie auf halbem Wege halt, als sie sahen, dass die pompeianischen Truppen nicht anstürmten. Nach kurzer Pause, um nicht ausser Atem beim Feind anzukommen, stürmten sie wieder vor. Beide Parteien warfen ihre Spiesse und griffen danach zum Schwert. Die Reiterei und die Fernkämpfer von Pompeius schwärmten aus und griffen Caesars rechte Flanke an. Caesar gab der vierten Linie das Zeichen, welche die Reiterei des Pompeius schlugen und so die Fernkämpfer ohne Schutz liessen, welche nun niedergemacht wurden. Diese vierte Linie kämpfte sich auf die linke Flanke der Pompeianer vor und griffen den Gegner im Rücken an. Die dritte Linie Caesars, welche bisher noch auf ihrem Platz verweilte, wurde nun auch zum Ansturm ausgeschickt, um die abgekämpften abzulösen. Die Pompeianer hielten diesem Zweifronten Angriff nicht stand und wandten sich zur Flucht. Pompeius selbst flüchtete bereits panisch, als er das Versagen seiner Kavallerie sah, denn er hat sein Vertrauen des Sieges auf diese Truppen gebaut. Er floh ins Lager in sein Feldherrenzelt ohne jeglichen Glauben an den Sieg. Caesar liess von den flüchtenden Pompeianern nicht ab und so stürmten die caesarianischen Truppen das pompeianische Lager. Das Lager wurde vor allem von Thrakern mit allen Mitteln verteidigt, doch konnten diese den Ansturm der caesarianischen Truppen nicht aufhalten.

Quelleninterpretation:

Wie jede Quelle ist auch das Bellum Civile kritisch zu betrachten. Diese «Erzählung des Bürgerkrieges» sollte auf die damaligen Zeitgenossen meinungsbildend wirken, Caesars Argumentationen wurden dazu mit Bedacht gewählt.16 Caesar verfolgte die Absicht seine «res gestae» zu vermitteln.17 Bedacht werden sollte auch, dass Caesar Politiker und Feldherr war und kein Historiker. Adcock macht eine klare Differenzierung zwischen «historia» und «commentarii».18 Adcock geht auch davon aus, dass das Werk einen anderen Namen trug und der Name des «Bellum Civile» nachtragend von Gegnern dem Werk zugeschrieben wurde. Das genaue Datum der Abfassung des Bellum Civile kann nicht bestimmt werden. Dazu werden verschiedene Ansichten vertreten, unter anderem die Vorstellung, Caesar habe die Geschehnisse unmittelbar niedergeschrieben, Caesar habe seine Schriften erst in Ägypten verfasst oder auch die Vorstellung, dass er Dokumentation unmittelbar verfasste und diese später noch überarbeitete. Dasselbe Problem stellt sich zur Frage, ob Caesar das Bellum Civile selbst verfasst hat oder nicht.19 Caesars Bellum Civile mag subjektiv geprägt sein und mag vielleicht dem literarischen Zweck der Propaganda dienen, doch können seine Ereignisberichte mit Hilfe anderer Quellen aus dieser Zeit überprüft werden. Das Ergebnis solcher Überprüfungen besagt, dass Caesar keine groben Verfälschungen von Tatsachen vornimmt.20 Diese «Richtigkeit» ist wichtig für den folgenden Vergleich der Quellen von Caesar und Lucan. Zu beachten ist bei Caesar ebenfalls, dass er höhere Entitäten nicht in den Bericht zur Schlacht in Pharsalos miteinbezieht. «Caesar berichtet nur das Faktische»21, ist eine passende Beschreibung von Caesars Bericht zur Schlacht bei Pharsalos.

[...]


1 Caes. civ. 3.

2 Lvcan. 7.

3 Wuensch, 1930, 9-10.

4 CAH IX², 433.

5 Baltrusch, 2004, 105.

6 Christ, 1984, 366. Und weitere: CAH IX², 433. Losehand 2005, 83. Meier 1982, 474.

7 Baltrusch, 2004, 105.

8 Meyer, 1922, 315.

9 Dahlheim, 2005, 166.

10 Ebd., S. 166. Und: Meier, 1982, 475.

11 Christ, 1984, 366. Und weitere: Dahlheim, 2005, 166. Meier, 1982, 475.

12 Baltrusch, 2004, 105.

13 Ebd., S. 105. Und weitere: Christ, 1984, 365. CAH IX², 433. Meyer, 1922, 316–317.

14 Caes. civ. 3, 86, 1.

15 Caes. civ. 3, 88, 1-6.

16 Caesar, 1984, 374.

17 Adcock, Göttingen 1959, 65.

18 Adcock, 1959, 10.

19 Caesar, 1984, 375-376. Otto Schönenberger nennt dazu einige Vertreter der verschiedenen Ansichten. Dazu auch: Adcock, 1959, 62-64.

20 Caesar, 1984, 380.

21 Meier, 1982, 477.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Schlacht bei Pharsalos. Dargestellt durch Caesar und Lucan
Hochschule
Universität Basel  (Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1.5
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V913633
ISBN (eBook)
9783346217226
ISBN (Buch)
9783346217233
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Caesar, Pompeius, Lucan, Pharsalos, Schlacht, Bürgerkrieg, Antike, Rom, Republik, Römische Republik
Arbeit zitieren
David Di Santo (Autor), 2017, Die Schlacht bei Pharsalos. Dargestellt durch Caesar und Lucan, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/913633

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