Walter Benjamins Theorien in Bezug auf den Nationalsozialismus


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Zielsetzung

2. Hauptteil
2.1 Historische Einordnung
2.2 Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit
2.3 Leni Riefenstahl
2.4 Analyse zu Triumph des Willens
2.5 Die Inszenierung des Politischen
2.6 Der Film als Medium der Propaganda
2.7 Emotionale Manipulation in „Triumph des Willens“

3. Schluss
3.1 Fazit

Literaturverzeichnis

Primärliteratur:

Sekundärliteratur:

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Grundlage für die folgende Hausarbeit im Fach Medienphilosophie bildet der im Jahr 1936 erschienene Text „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ von Walter Benjamin. Anhand der von ihm verfassten Thesen, die in den folgenden Kapiteln analysiert und zusammengefasst werden, untersucht diese Arbeit folgendes Thema:

Walter Benjamins These der Ästhetisierung der Politik: Wie der Nationalsozialismus den Film missbraucht, am Beispiel von Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“.

Nach einer kurzen historischen Einordnung und Vorstellung des zentralen Philosophen Walter Benjamin, wird zunächst sein Text zusammengefasst und seine, für die Beantwortung des oben genannten Themas bedeutenden, Thesen analysiert. Darauf folgt eine kurze Vorstellung der NS-Regisseurin Leni Riefenstahl sowie eine Analyse ihres als Beispiel herangezogenen Propagandafilmes „Triumph des Willens“. Im Anschluss erfolgt eine Überprüfung und kritische Auseinandersetzung von Benjamins Thesen anhand des zuvor analysierten Filmes in Bezug auf die Inszenierung des Politischen, dem Film als Medium für Propagandazwecke und die emotionale Manipulation innerhalb des Filmes. Die in dieser Arbeit gewonnen Erkenntnisse werden in einem abschließenden Fazit zusammengefasst.

1.2 Zielsetzung

Zielsetzung der Hausarbeit ist es einen Blick auf die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft zu werfen und dabei in Hinblick auf die analysierten Thesen einzuschätzen, wie Propaganda im nationalsozialistischen Deutschland funktioniert hat und vor allem mit welchen Mitteln. Dabei soll insbesondere herausgefunden werden, ob die von Benjamin verfassten Thesen auf die historische Wirklichkeit übertragbar und darüber hinaus gültig sind. Die Hausarbeit soll eine grobe Begründung liefern, wie es die Nationalsozialisten mit Hilfe der Medien schaffen konnten Millionen von Menschen zu manipulieren und zu ihren Zwecken zu mobilisieren.

2. Hauptteil

2.1 Historische Einordnung

Am 15. Juli 1892 wird Walter Benjamin als Sohn eines Antiquitäten- und Kunsthändlers in Berlin geboren und wächst in den Folgejahren in einem „großbürgerlichen jüdisch-assimilierten Elternhaus auf“ (Harders 2014).

Nach seinem Schulabschluss beginnt Benjamin ein Studium im Bereich Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg und setzt dieses nach Ende des ersten Weltkrieges in München fort. Nach seiner Promotion und mehreren Veröffentlichungen emigriert er 1933 nach Paris, wo er 1936 auch sein wahrscheinlich berühmtestes Werk „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ verfasst (vgl. Harders 2014). Zu diesem Zeitpunkt sind die Nationalsozialisten bereits an der Macht und die Deportation der jüdischen Bevölkerung Alltag. Als 1939 der zweite Weltkrieg beginnt und 1940 auch Frankreich besetzt wird, entschließt sich Benjamin in die USA zu emigrieren, wartet jedoch vergeblich auf die Erteilung eines Visums. Am 27. September nimmt er sich aus Angst vor Auslieferung an die Gestapo mit einer Überdosis Morphium das Leben (vgl. Harders 2014).

2.2 Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

„Das Kunstwerk ist grundsätzlich immer reproduzierbar gewesen“ (Benjamin 1963: 10), so beginnt Walter Benjamin den Hauptteil seines im Jahr 1936 erschienen Textes „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Denn alles von Menschenhand Geschaffene, konnte seit jeher auch immer von Menschen nachgemacht werden. Doch worauf Benjamin in seinem Text eigentlich eingehen möchte, ist nicht die manuelle, sondern die technische Reproduktion von Kunst, die sich im Verlauf der Geschichte stetig weiterentwickelt und „mit wachsender Intensität durchsetzt“ (Benjamin 1963: 10). Benjamin führt uns deshalb zunächst durch die verschiedenen Techniken der Reproduktion, die innerhalb der Geschichte aufkamen, begonnen bei den Griechen und ihren Guss- und Prägeverfahren, über den Holzschnitt, bis hin zur Entstehung der Schrift und des Druckes. In ihm sieht Benjamin erstmals eine „ungeheure Veränderung“ (Benjamin 1963: 10) für die Literatur. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dann „erreicht die Reproduktionstechnik eine grundsätzlich neue Stufe“ (Benjamin 1963: 10), denn durch die Lithographie wird es erstmals möglich Grafiken massenweise zu vervielfältigen und sie täglich neu zu illustrieren, bis sie schließlich durch die Fotografie abgelöst wird. Denn mit der Fotografie verlagert sich die Schaffung des Kunstwerkes von der Hand auf das Auge. Das Auge erfasst schneller, als die Hand zeichnen kann und beschleunigt damit die Reproduktion noch einmal um ein Vielfaches (vgl. Benjamin 1963: 11). In der Fotografie sieht Benjamin auch die Begründung des Tonfilms, war die Reproduktion des Tons bereits im vorherigen Jahrhundert entstanden, so war es nun möglich Bilder so schnell aufzunehmen, wie der Mensch spricht (vgl. Benjamin 1963: 11).

Damit hatte die technische Reproduktion einen Standard erreicht, bisherige Kunstwerke vollständig abbilden zu können und gleichzeitig entstand mit ihr eine neue Form der Kunst: die Filmkunst (vgl. Benjamin 1963: 11).

Doch Benjamin sieht in der Reproduktion nicht nur positive Aspekte. Denn auch der besten Reproduktion fehlt „sein einmaliges Dasein an dem Orte, an dem es sich befindet“ (Benjamin 1963: 11). Wovon Benjamin spricht, nennt er auch „Hier und Jetzt“ (Benjamin 1963: 11). Denn für Benjamin macht eben diese Einmaligkeit „den Begriff seiner Echtheit“ (Benjamin 1963: 12) eines Kunstwerkes aus, die sich mittels physikalischer und chemischer Analysen bestimmen lassen (vgl. Benjamin 1963: 12).

Auch hier sieht er einen Unterschied zwischen der manuellen und technischen Reproduktion. Bewahrt ein Kunstwerk bei manueller Reproduktion zu mindestens noch seine Autorität, ist dies bei technischen Verfahren nicht der Fall. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die technische Reproduktion selbständiger ist, als die Manuelle. Sie kann neue Blickwinkel auf ein Kunstwerk schaffen, zum Beispiel durch Vergrößerungen oder Zeitlupenaufnahmen. Zum anderen ist die technische Reproduktion nicht ortsgebunden und macht es dadurch möglich Kunstwerke an jeden Ort der Welt zu bringen (vgl. Benjamin 1963: 12). Benjamin beschreibt es so: „Die Kathedrale verläßt ihren Platz um in dem Studio eines Kunstfreundes Aufnahme zu finden; das Chorwerk, das in einem Saal oder unter freiem Himmel exekutiert wird, läßt sich in einem Zimmer vernehmen“ (Benjamin 1963: 13).

Benjamin sieht also nicht nur negative Aspekte, er stellt aber fest, dass das Einmalige, oder wie er es nennt, die Aura, durch die technische Reproduktion verkümmert. Die Reproduktion ist für ihn auch eine Ablösung aus einer Tradition. „An die Stelle des einmaligen Vorkommens [setzt sie] sein massenweises“ (Benjamin 1963: 13). Denn für Benjamin ist die Originalität eines Kunstwerkes, nur dann gewährleistet, wenn es ein Ritual in sich trägt, also einen Moment der Erschaffung (vgl. Benjamin 1963: 13). In Zusammenhang mit diesem Ritual steht auch der Kult Wert eines Kunstwerkes, der sich durch die Reproduktion hin zu einem Ausstellungswert entwickelt. Was Benjamin meint, ist, dass die Bedeutung eines Kunstwerkes, vor der Möglichkeit seiner technischen Reproduzierbarkeit, immer von einem immateriellen Kult Wert abhängig war. Mit ihr tritt an seine Stelle jedoch der materielle Wert, also der Ausstellungswert eines Kunstwerkes (vgl. Benjamin 1963: 18f.). Denn „mit der Emanzipation der einzelnen Kunstübungen aus dem Schoße des Rituals wachsen die Gelegenheiten zur Ausstellung ihrer Produkte“ (Benjamin 1963: 20).

Aber nicht nur die Kunst und ihre Werte, sondern auch die Wahrnehmung und Rezeptionsweise der Menschen haben sich laut Benjamin mit der technischen Produktion weiter verändert. War bisher die eigene Interpretation gefordert, ist die Bedeutung durch Bilderunterschriften oder Bildabfolgen heute bereits festgelegt (vgl. Benjamin 1963: 21). Der Film wird dadurch zur vielleicht am einfachsten verständlichen Form der Kunst und ist nicht länger nur für die Elite zugänglich. Darin sieht Benjamin auch den Unterschied zwischen Bühnenschauspieler und Filmschauspieler. Während der Bühnenschauspieler seinem Publikum direkt gegenübersteht und die Möglichkeit hat auf es zu reagieren, präsentiert der Filmdarsteller seine Leistung nur durch die Apparatur, nämlich die Kamera (vgl. Benjamin 1963: 24f.). Damit ist die Filmkunst die erste Form, bei der der Mensch „in die Lage [kommt], zwar mit seiner gesamten lebendigen Person aber unter Verzicht auf deren Aura wirken zu müssen“ (Benjamin 1963: 25). Denn laut Benjamin ist die Aura immer an das Hier und Jetzt gebunden und kann nicht abgebildet werden. Auf das Fehlen dieser Aura antwortet der Film mit der Erfindung einer künstlichen „personality“ (Benjamin 1963: 28), die man auch als Starkult bezeichnen kann.

Als Ursache dieser Entwicklung sieht Benjamin die Massenkultur. Er sieht die Gesellschaft vor allem von zwei Bedürfnissen geprägt. „Nämlich: Die Dinge sich räumlich und menschlich ,näherzubringen' ist ein genauso leidenschaftliches Anliegen der Massen wie es ihre Tendenz zur Überwindung des Einmaligen jeder Gegebenheit durch die Aufnahme von deren Reproduktion ist“ (Benjamin 1963: 15).

Benjamin sieht in der Technik des Films aber auch eine erhebliche Möglichkeit der Manipulation. So werden im Filmstudio einzelne Sequenzen aufgenommen, später bearbeitet, zu einem Ablauf zusammengesetzt und durch eine Apparatur präsentiert (vgl. Benjamin 1963: 27). Dem Zuschauer bleibt dadurch auch die Möglichkeit verfehlt sich in den Schauspieler hinein zu fühlen. Was er stattdessen tut, ist sich in den Apparat einzufühlen und dessen Haltung zu übernehmen. Er nimmt den Schauspieler so wahr, wie ihn die Kamera interpretiert (vgl. Benjamin 1963: 24).

Benjamin stellt auch fest, dass die Apparatur, die die Leistung des Schauspielers präsentiert, „nicht gehalten [ist], diese Leistung als Totalität zu respektieren“ (Benjamin 1963: 24). Er will damit zum Ausdruck bringen, dass Kameramann und Cutter, immer noch Einfluss auf die Leistung nehmen können und der Film damit kein originales Abbild der ursprünglichen Leistung mehr darstellt (vgl. Benjamin 1963: 24).

Besonders in der Politik, speziell dem Faschismus, sieht Benjamin eine Möglichkeit für den Missbrauch des Films. Er bezeichnet es folgendermaßen: „Der Faschismus läuft folgerecht auf eine Ästhetisierung des politischen Lebens hinaus. Der Vergewaltigung der Massen, die er im Kult eines Führers zu Boden zwingt, entspricht die Vergewaltigung einer Apparatur, die der Herstellung von Kultwerten dienstbar macht“ (Benjamin 1963: 42). Egal ob massenmediale Propaganda, verharmloste Kriegsdarstellung oder die Inszenierung des Führerkults, im Film sieht Benjamin die Gefahr, der Verschönerung und Verdeckung von Tatsachen, die stattdessen in einen ästhetischen Zusammenhang zum Zweck der Mobilisierung von Massen gestellt werden (vgl. Benjamin 1963: 42f.).

Im folgenden Teil wird deshalb untersucht, ob man Benjamins Theorie auf die Filmkunst der Nationalsozialisten übertragen und bestätigen kann. Als Beispiel dient hierfür, der von Leni Riefenstahl produzierte und im Jahr 1935 veröffentlichte Propagandafilm „Triumph des Willens“.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Walter Benjamins Theorien in Bezug auf den Nationalsozialismus
Hochschule
Design Akademie Berlin
Note
1,0
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V914110
ISBN (eBook)
9783346232878
ISBN (Buch)
9783346232885
Sprache
Deutsch
Schlagworte
walter, benjamins, theorien, bezug, nationalsozialismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Walter Benjamins Theorien in Bezug auf den Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914110

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Walter Benjamins Theorien in Bezug auf den Nationalsozialismus



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden