Im vorliegenden Essay möchte ich zuerst die Grundzüge von Rousseaus Konzeption des Gesellschaftsvertrages und des daraus hervorgehenden Staates vorstellen. Anschließend werfen wir einen kurzen Blick auf die Thesen von Rawls, der als moderner Vertragstheoretiker an Rousseau anknüpfte und betrachten zuletzt beispielhaft zwei Aspekte unseres modernen Gemeinwesens vor dem Hintergrund ihrer Theorien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rousseaus Konzeption des Gesellschaftsvertrages und des Staates
3. John Rawls: Moderne Vertragstheorie und der Schleier des Nichtwissens
4. Analyse beispielhafter Aspekte im modernen Gemeinwesen
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, die Vertragstheorien von Jean-Jacques Rousseau und John Rawls zu skizzieren, deren Kernkonzepte des Gesellschaftsvertrags, des Gemeinwillens sowie der Gerechtigkeit als Fairness gegenüberzustellen und deren Relevanz für das heutige politische System der Bundesrepublik Deutschland kritisch zu reflektieren.
- Die Grundzüge der Vertragstheorie von Jean-Jacques Rousseau
- Die Konzeption der Gerechtigkeit als Fairness nach John Rawls
- Vergleich der Souveränitätsmodelle und Staatsverständnisse
- Anwendung theoretischer Denkimpulse auf aktuelle gesellschaftliche Strukturen
Auszug aus dem Buch
Rousseaus Konzeption des Gesellschaftsvertrages und des Staates
Bei Rousseau begegnet uns erneut der große Dreischritt aus Naturzustand, Vertragsschluss und Staatlichkeit. Laut ihm erfolge der Ausgang aus dem Naturzustand aufgrund der vernünftigen und freien Entscheidung aller Gesellschaftsmitglieder, wäre ihnen doch bewusst, dass ihr Ziel der Selbsterhaltung nur so langfristig zu gewährleisten sei. In seinem Gedankenexperiment entscheiden sich die Menschen aus einer Situation völliger Gleichheit heraus dafür, all ihre Interessen dem Gemeinwohl unterzuordnen – dies führe einerseits zur Bündelung ihrer Kräfte und sichere andererseits die individuelle Freiheit eines jeden.
Hobbes und Locke beantworteten die Frage nach eventuellen Individualrechten der Bürger gegenüber dem Staat sehr unterschiedlich und auch Rousseau brachte hier einen eigenen Aspekt mit ein: Da der Souverän sich nur aus seinen einzelnen Mitgliedern konstituiere, also eine aus allen Bürgern bestehende Gesamtkörperschaft sei, wolle und könne er keinem von ihnen schaden. Sein oberstes Interesse richte sich deshalb auf das Wohl der Allgemeinheit, weshalb er immer so handeln würde, wie es für das Gemeinwesen am besten sei. Dabei darf dieser bei Rousseau so zentrale Gemeinwille nicht mit dem Gesamtwillen, im Sinne der Summe aller Einzelinteressen, verwechselt werden.
Die Frage, wie besagter Gemeinwille gefunden werden kann, wird nicht in aller Klarheit beantwortet, weshalb sie bis heute einen der umstrittensten Diskussionspunkte in der Rezeption der rousseauschen Theorie darstellt. Rousseau schrieb seinerzeit lediglich, dass der Gemeinwille unter bestimmten Umständen zwar fehlbar sein könne, normalerweise aber den Willen aller angemessen verkörpere, denn nehme man „von ebendiesem das Mehr und das Weniger weg, das sich gegenseitig aufhebt, so bleibt als Summe der Unterschiede der Gemeinwille“ (Rousseau 1977 [1762]: 31).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Relevanz der klassischen Vertragstheorien dar und formuliert das Ziel der Untersuchung unter Einbeziehung eines Zitats von Rousseau.
2. Rousseaus Konzeption des Gesellschaftsvertrages und des Staates: Der Abschnitt erläutert Rousseaus Modell des Naturzustands, den Gemeinwillen als zentrales Element und die Rolle der Gesamtkörperschaft als Souverän.
3. John Rawls: Moderne Vertragstheorie und der Schleier des Nichtwissens: Hier wird Rawls' Theorie der Gerechtigkeit als Fairneß beleuchtet, wobei das Gedankenexperiment des Urzustands und der „Schleier des Nichtwissens“ im Zentrum stehen.
4. Analyse beispielhafter Aspekte im modernen Gemeinwesen: Dieses Kapitel überträgt die theoretischen Ansätze auf das politische System Deutschlands, insbesondere mit Blick auf Repräsentation, Bürgerbeteiligung und soziale Gerechtigkeit.
Schlüsselwörter
Gesellschaftsvertrag, Jean-Jacques Rousseau, John Rawls, Gemeinwille, Souveränität, Gerechtigkeit als Fairneß, Naturzustand, Urzustand, Schleier des Nichtwissens, Vertragstheorie, Politische Theorie, Demokratie, Partizipation, Gemeinwohl, Rechtsstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Vertragstheorien von Jean-Jacques Rousseau und John Rawls und untersucht, wie deren Konzepte auf moderne Staatsformen angewendet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Souveränität, der Gemeinwille, Gerechtigkeitskonzepte in einer fairen Gesellschaft und die Kritik am bestehenden Repräsentationssystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Ansätze beider Philosophen zu vergleichen und zu prüfen, inwiefern sie heute als Maßstab für die Legitimität politischer Ordnungen dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse und den Vergleich philosophischer Primärtexte sowie eine vergleichende Anwendung auf aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen der Bundesrepublik Deutschland.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Rousseaus Gemeinwillenskonzept und Rawls' „Schleier des Nichtwissens“ erläutert und anschließend in Bezug auf die deutsche Demokratie und soziale Gerechtigkeit diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Souveränität, Gerechtigkeit, Urzustand und direkte Demokratie.
Wie unterscheidet Rousseau den Gemeinwillen vom Gesamtwillen?
Der Gemeinwille zielt auf das Wohl der Allgemeinheit ab, während der Gesamtwillen lediglich die bloße Summe der individuellen Einzelinteressen darstellt.
Warum hält Rawls den „Schleier des Nichtwissens“ für notwendig?
Er dient dazu, dass Individuen bei der Gestaltung einer gerechten Gesellschaftsordnung nicht nach moralisch irrelevanten Faktoren wie sozialem Status oder persönlichen Vorzügen entscheiden, sondern nach rein moralischen Grundsätzen.
- Arbeit zitieren
- Ariatani Wolff (Autor:in), 2020, Die Grundzüge des Gesellschaftsvertrags von Rousseau und der Theorien von Rawls, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914124