Lebensweltorientierung in Bezug auf das Sinus-Modell für jugendliche Lebenswelten

Wie ticken Jugendliche?


Hausarbeit, 2020

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärungen
2.1 Lebenswelt
2.2 Alltag

3 Lebenswelten von Jugendlichen
3.1 Soziale Milieus
3.2 Sinus-Milieus
3.3 Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen
3.3.1 Konservativ-Bürgerliche
3.3.2 Adaptiv-Pragmatische
3.3.3 Prekäre
3.3.4 Materialistische Hedonisten
3.3.5 Experimentalistische Hedonisten
3.3.6 Sozialökologische
3.3.7 Expeditive

4 Das Konzept der Lebensweltorientierung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Jeder Mensch ist anders. Jeder Mensch sieht die Welt mit seinen eigenen Augen, anhand der eigenen Erfahrungen. Sie unterscheiden sich in vielen verschiedenen Bereichen voneinander und ticken anders.

Doch wie ticken Jugendliche? Dies erforschen Studien unterschiedlicher Institute in regelmäßigen Abständen. Eine dieser Institute, die dieser Frage auf den Grund geht, ist das Sinus-Institut, das seit vielen Jahren jugendliche Lebenswelten erkundet.

In dieser Hausarbeit wird die 2016 erschienene Sinus-Jugendstudie zu den Lebenswelten von 14 bis 17 jährigen Jugendlichen dargestellt und dabei Bezug auf das Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch genommen.

Die Lebensweltorientierung bezeichnet ein Handlungskonzept der Sozialen Arbeit. Dieses Konzept spielt in der Sozialpädagogik, insbesondere der Kinder- sowie Jugendhilfe, eine große Rolle.

Im ersten Teil der Arbeit werden die relevanten Begriffe Lebenswelt und Alltag erklärt. Im Anschluss daran, werden die Lebenswelten der Jugendlichen vorgestellt. Darin wird auf den Begriff der sozialen Milieus sowie Sinus-Milieus eingegangen. Im weiteren Verlauf des Kapitels folgt dann die Darstellung der verschiedenen Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen. Infolgedessen wird das Konzept der Lebensweltorientierung nach Hans Thiersch präsentiert. Abschließend folgt das Fazit.

Es wird zwischen dem Begriff „Lebenswelt“ und „Alltagswelt“ gewechselt, da Thiersch die Begriffe Lebenswelt und Alltagswelt synonym geraucht.

2 Begriffsbestimmung

2.1 Lebenswelt

„Unter dem Begriff ‚Lebenswelt‘ wird in seiner alltagssprachlichen Bedeutung die Beschreibung einer objektiv gegebenen räumlichen Umwelt, in der sich eine Person bewegt, sowie gegebenenfalls der sozialen Kontakte, die sie innerhalb dieser Räume pflegt, gefasst.“ (Steckelberg 2010, 33) Somit handelt es sich weitgehend um die Orte, in denen ein Mensch lebt und sich aufhält, also das räumliche und soziale Umfeld der Person (vgl. ebd.).

Um den Begriff Lebenswelt näher zu verdeutlichen, wird zunächst auf die drei Ebenen der Rekonstruktion der Lebenswelt dargestellt (vgl. Grunwald, Thiersch 2011, 936).

Zum ersten führt Thiersch auf, dass die Lebenswelt „ein beschreibendes, phänomenologisches orientiertes Konzept“, (ebd.) ist. „Der Mensch wird nicht abstrakt als Individuum gesehen, sondern in einer Wirklichkeit, in der er sich immer schon vorfindet.“ (ebd.)

Der Mensch versucht die Situationen/Zustände zu meistern, in denen er sich befindet. Diese Zustände sind in Raum, Zeit und soziale Beziehungen gegliedert (vgl. ebd.).

„Die Frage nach dem Raum meint, dass es wichtig ist, wo und wie Menschen wohnen, wo sie arbeiten und wohin sie sich mit Freunden zurückziehen können, was der Stadtteil bietet, in dem sie wohnen.“ (Thiersch 2017, 7) Des Weiteren fragt sie auch nach dem Umgang mit den Sozialen Medien der Menschen. Wie Menschen sich ihre Zeit einteilen, nutzen und mit spezifischen Aufgaben zurechtkommen, ist auf die Zeit bezogen.

Die Frage nach sozialen Beziehungen meint, das Hinterfragen, welchen Menschen man vertrauen kann, in welchen Beziehungen man sich umgibt (vgl. ebd.).

Zum Zweiten ist die das Konzept nach Thiersch, ein „historisch soziales Konzept“ (Grundwald, Thiersch 2011, 937). „Es geht um das Doppelspiel von Vorder- und Hintergrund, von lebensweltlichen Bewältigungsmustern und sozialen und gesellschaftlichen Strukturen, die sich in den Bewältigungsaufgaben repräsentieren.“ (ebd.) Demnach soll man den Menschen in seinen Deutungs- und Handlungsmustern sowie allgemeinen Lebensmustern, im konkreten Alltag, sehen.

Abschließend beschreibt Thiersch das Konzept der Lebenswelt als „ein kritisches normatives Konzept“ (ebd.). Der Autor stellt dar, dass Lebensweltliche Bewältigungsmuster und Lebenswelten als Ausdruck der Erfahrung eines wesentlichen Widerspruchs und Kampfes in diesem Widerspruch aufgefasst werden (vgl. ebd.). „Lebenswelt, als normativ-kritisches Konzept verstanden, sieht die Menschen im Widerspruch der selbstverständlichen Entlastungen, der bornierten Pragmatik.“ (Grundwald, Thiersch 2004, 21)

Lebenswelt bezeichnet die Wirklichkeit, in der der Mensch lebt. Die Lebenswelt ist die Vergangenheit, die man erlebt hat, die Erfolge und Misserfolge, die sozialen Beziehungen, der Raum in dem man Lebt sowie die Ressourcen und Schwierigkeiten mit denen der Mensch lebt. Um in dieser Lebenswelt ein aktives Leben zu führen, müssen eine Vielzahl an individuellen Aufgaben bewältigt werden, beispielsweise überlebensnotwendige Aufgaben, wie Lebensmittelbeschaffung und eine Unterkunft zu haben, der Alltag.

2.2 Alltag

„Alltag meint als Alltäglichkeit eine spezifische Form des Weltverhältnisses, des Zugangs zur Wirklichkeit, einen allgemeinen Modus des Lebens in dem Menschen sich immer schon vorfinden.“ (Thiersch 2015, 336) Laut Thiersch (2015, 336) wird der Mensch also nicht bloß als Individuum gesehen, sondern in einer Wirklichkeit, in der er sich vorfindet und mit der er sich auseinandersetz.

Hans Thiersch teilt den Begriff Alltag in die Ausdrucksweisen Alltäglichkeit und Alltagswelten (bzw. Lebenswelten; siehe 2.1) ein. Alltäglichkeit ist die Erfahrung der Wirklichkeit für die Menschen. Die Dimensionen der Alltäglichkeit sind der Raum, die Zeit und die sozialen Beziehungen und ihr Zusammenspiel versichert den Menschen, dass es ihre Welt ist (vgl. Thiersch 2015, 337).

Des Weitern führt Thiersch an, dass Alltäglichkeit „immer auch Ausdruck eines Hungers nach besseren, gelingenderen Lebensverhältnissen, in denen Menschen sich in gerechteren Verhältnissen als Subjekt ihres Lebens zu erfahren hoffen“, ist (Thiersch 2015, 338).

Nach Thierschs Aussage sind Alltäglichkeit und Alltagswelten von Gesellschaft beschränkt sind, da sie „die Bühne [sind], auf der in den unmittelbaren eigenen Erfahrungen und Bewältigungsaufgaben Probleme und Aufgaben angegangen werden, die durch die politische, gesellschaftliche und historische Situation geprägt sind […].“ (ebd.).

In der Alltäglichkeit, den Bewältigungsstrukturen und Herausforderungen, die den Alltag bestimmen, finden Menschen ihre Identität. Sie weist entweder auf ein Leben, welches bewältigt wird hin oder deutet auf eines, welches sich in Problemen verfängt und scheitert. Der Alltag ist durch Macht, Unterdrückung und Angst geprägt. Dem Autor zufolge verfängt sich der Mensch in der Komplexität, der Bewältigungsaufgaben und bleibt in der nicht vorhandenen Strukturiertheit seiner räumlichen und zeitlichen Verhältnisse und sozialer Bezüge hängen (vgl. Thiersch 2015, 339). Die Konsequenzen, die daraus folgen können, sind Verhaltensmuster, „die für Menschen unglücklich und für die Gesellschaft unzumutbar sind“ (ebd.)

3 Lebenswelten von Jugendlichen

Für die Autoren der Sinus- Jugendstudie handelt es sich bei dem Begriff Lebenswelt „[…] um real existierende Gruppierungen mit gemeinsamen Sinn- und Kommunikationszusammenhängen in ihrer Alltagswelt, mit vergleichbaren handlungsleitenden Konzepten des im Leben Wertvollen und Wichtigen sowie ähnlichen Vorstellungen von Lebensqualität und Lebensweise.“ (Calmbach et. al. 2016, 30).

Laut Calmbach et. al. (2016, 30) ist der Lebenswelten-Begriff treffender als der Begriff soziale Milieus, da die Entwicklung von Jugendlichen noch nicht vollständig abgeschlossen ist.

3.1 Soziale Milieus

„Milieus sind Gruppen Gleichgesinnter mit ähnlichen Grundwerten und Prinzipien der Lebensführung, die sich durch erhöhte Binnenkommunikation und Abgrenzung gegenüber anderen Gruppen auszeichnet.“ (Barth, Flaig 2012, 12)

„Milieuspezifische Wertorientierungen drücken sich in spezifischen Alltagspraktiken und Lebensstilen aus.“ (Barth, Flaig 2012, 13) Oft werden die Begriffe Milieu und Lebensstil miteinander vermischt, jedoch ist es wichtig sie deutlich auseinanderzuhalten. So umfassen Soziale Milieus „relativ stabile Gruppenzugehörigkeit auf der Basis relativ beständiger Werthaltungen“ (ebd.), sprich „Wertorientierungen, Lebensstile und Ästhetische Präferenzen“ (Calmbach et. al. 2016, 29), während Lebensstile bloß vorübergehende Präferenzen meinen, wie zum Beispiel den Kleidungsstil (vgl. Barth, Flaig 2012, 13 f.).

Ferner wird die Gesellschaft auch heute noch in Ober-, Mittel- und Unterschicht eingeteilt und hat sich in den letzten Jahrtausenden verändert (vgl. Barth, Flaig 2012, 13).

Doch wie entstehen soziale Milieus? „Nach Hradil (2006, S. 5) entstehen soziale Milieus ‚in der praktischen Auseinandersetzung mit aktuellen Lebensbedingungen und historischen Hinterlassenschaften‘. Dabei spielen Herkunftsfamilie bzw. Herkunftsmilieu eine zentrale Rolle […].“ (Barth, Flaig 2012, 14) So entwickeln sich im Jugendalter erste Milieupräferenzen, die von den Ressourcen des Elternhauses, also dem ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapital (vgl. Bourdieu 1987), sowie der individuellen Interpretation der gegenwärtigen gesellschaftlichen Leitwerten geprägt ist. Je nachdem, welche wichtigen und prägenden Entscheidungen und Ereignisse in der Laufbahn (z.B. Berufs-, Partnerwahl) eintreffen, bestätigt oder verändert sich die erste Milieupräferenz. Schließlich stabilisiert sich im jungen Erwachsenenalter die Milieuzugehörigkeit. Natürlich kann sich diese im weiteren Verlauf des Lebens auch verändern. Die Veränderung der Milieuzugehörigkeit hängt jedoch von verschiedenen Einflüssen ab, wie der Veränderung der sozialen Lage (z.B. aufgrund von Karriereanpassungen oder sozialen Segregationsprozessen) oder der Veränderung der Grundwerte (z.B. wegen dem Einfluss des/der Ehepartners/Ehepartnerin oder des Wertwandels) (vgl. Barth, Flaig 2012, 15-16).

3.2 Sinus-Milieus

Das Sinus-Institut erforscht seit 40 Jahren den Wertewandel und die Lebenswelten der Menschen. Daraus entstanden schließlich die Sinus-Milieus (vgl. Barth, Flaig 2012, 18).

„Der Milieubegriff von Sinus orientiert sich an der Lebensweltanalyse von Gesellschaften.“ (Barth, Flaig 2012, 18) In diesem Modell werden Menschen, abhängig von der Lebenssituation und der Lebensart, in vielfältige Milieus zugeordnet. Menschen werden in Gruppen Gleichgesinnter eingeteilt. Zum einen betrachtet man die soziale Lage, in der sich die Personen befinden (z.B. Hintergrund, gesellschaftliche Umgebung der Person) und zum anderen auch die sogenannte normative Grundorientierung (Wertorientierungen) (vgl. ebd.).

Dadurch, dass der Ansatz der Milieuforschung auf die Jugendforschung übertragen wurde, wird die Vielfalt jugendlicher Lebenswelten und Lebenslagen in Deutschland besonders deutlich (vgl. Calmbach et. al. 2016, 8).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Lebensweltorientierung in Bezug auf das Sinus-Modell für jugendliche Lebenswelten
Untertitel
Wie ticken Jugendliche?
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V914896
ISBN (eBook)
9783346213235
ISBN (Buch)
9783346213242
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bezug, jugendliche, lebenswelten, lebensweltorientierung, sinus-modell
Arbeit zitieren
Jennifer Nubukpo (Autor), 2020, Lebensweltorientierung in Bezug auf das Sinus-Modell für jugendliche Lebenswelten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914896

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Lebensweltorientierung in Bezug auf das Sinus-Modell für jugendliche Lebenswelten



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden