Diese Bachelorarbeit thematisiert Rückstellungen nach HGB bei Industrieunternehmen und Versicherungsunternehmen und vergleicht diese miteinander.
Zur Erreichung der Zielsetzung wird der folgende Untersuchungsaufbau gewählt: Im zweiten Kapitel werden zunächst die theoretischen Grundlagen für Industrie- und Versicherungsunternehmen gelegt. Anschließend erfolgen im dritten Kapitel eine allgemein geltende Ausführungen zu Rückstellungen. Auf dieser Grundlage werden in Kapitel vier die handelsrechtlichen Rückstellungen sowohl für Industrie- als auch Versicherungsunternehmen näher erläutert. Darauf aufbauend folgen die versicherungsspezifischen Rückstellungen in Kapitel fünf. Bei den Rückstellungen wird neben der Funktion ebenfalls hinsichtlich des bilanziellen Ansatzes und der Bewertung Bezug genommen, um hieraus bilanzpolitische Schlüsse ziehen zu können. Ein Fazit im sechsten Kapitel rundet die Arbeit ab.
Rückstellungen finden im Rahmen eines Jahresabschlusses von Unternehmen innerhalb der Bilanz Anwendung. Gleichzeitig zählen Rückstellungen zu den umstrittensten Bilanzpositionen und sind Bestandteil beinahe jeder Betriebsprüfung, da sie oftmals bilanzpolitisch eingesetzt werden. Bilanzpolitische Handlungen beeinflussen gezielt Daten und Fakten innerhalb der Bilanz.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Industrieunternehmen
2.1.1 Unternehmensgegenstand
2.1.2 Rechnungslegung und Jahresabschluss
2.1.3 Einführung zur Bilanz
2.2 Versicherungsunternehmen
2.2.1 Unternehmensgegenstand
2.2.2 Rechnungslegung und Jahresabschluss
2.2.3 Einführung zur Bilanz
3 Rückstellungen
3.1 Zweck und Bedeutung
3.2 Abgrenzung zu anderen Bilanzpositionen der Passivseite
3.3 Rückstellungen nach HGB
3.3.1 Zugangsbewertung
3.3.2 Folgebewertung
3.3.3 Abzinsung
3.4 Rückstellungen nach Steuerrecht
3.5 Rückstellungen nach IFRS
4 Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen
4.1 Rückstellungen für ungewisse Verbindlichkeiten
4.1.1 Pensionsrückstellungen
4.1.2 Steuerrückstellungen
4.2 Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
4.3 Rückstellungen für unterlassene Instandhaltung
4.4 Rückstellungen für unterlassene Abraumbeseitigung
4.5 Rückstellungen für Gewährleistungen ohne rechtliche Verpflichtung
5 Versicherungstechnische Rückstellungen bei Versicherungsunternehmen
5.1 Beitragsüberträge
5.2 Rückstellungen für Beitragsrückerstattung
5.3 Deckungsrückstellungen
5.4 Rückstellungen für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle
5.5 Schwankungsrückstellung und ähnliche Rückstellungen
5.6 Sonstige versicherungstechnische Rückstellungen
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, ein fundiertes Verständnis für die Bilanzierung von Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen zu entwickeln. Dabei wird insbesondere untersucht, ob Versicherungsunternehmen aufgrund der notwendigen Bildung versicherungstechnischer Rückstellungen über größere bilanzpolitische Gestaltungsspielräume verfügen als Industrieunternehmen.
- Vergleichende Analyse der Rückstellungsbildung nach HGB in Industrie- und Versicherungsunternehmen.
- Untersuchung der handelsrechtlichen, steuerrechtlichen und IFRS-basierten Anforderungen an Rückstellungen.
- Analyse spezifischer Rückstellungsarten wie Pensions-, Steuer-, Instandhaltungs- und versicherungstechnische Rückstellungen.
- Beurteilung bilanzpolitischer Handlungsspielräume in beiden Unternehmensarten.
- Gegenüberstellung von Bewertungsverfahren und deren Auswirkungen auf den Jahresabschluss.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Pensionsrückstellungen
Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen werden für vom Unternehmen erteilte Zusagen zur betrieblichen Altersversorgung und ähnlichen Verpflichtungen an Mitarbeiter gebildet. In der Praxis sind keine Beispiele für ähnliche Verpflichtungen bekannt, da sämtliche aus der Altersversorgung stammende ungewisse Verbindlichkeiten zu den Pensionsrückstellungen gezählt werden. Es handelt sich um Rechtsansprüche von Versorgungsberechtigten (Pensionäre oder Anwärter) aus betrieblicher Altersversorgung, wobei mit dem künftigen Eintritt des Versorgungsfall zu rechnen sein muss. Da bei Verpflichtungen aus Altersversorgungen die Höhe und der Zeitpunkt der Zahlung an Versorgungsberechtigte unsicher ist, sind anstelle von Verbindlichkeiten Rückstellungen zu passivieren.
Handelsrechtlich ist eine Unterscheidung von Alt- und Neuzusagen sowie mittelbare und unmittelbare Verpflichtungen von Bedeutung. Die Zusagen beziehen sich auf einen Zeitpunkt, die Verpflichtungen dagegen auf den Durchführungsweg. Für Altzusagen besteht gem. Art. 28 Abs. 1 Satz 1 EGHGB ein Wahlrecht, für Neuzusagen hingegen eine Pflicht zur Passivierung. Altzusagen liegen vor, wenn Versorgungsberechtigte den Rechtsanspruch vor dem 01.01.1987 erlangt haben. Neuzusagen liegen entsprechend vor, wenn der Rechtsanspruch ab dem 01.01.1987 erlangt wird. Eine vor dem 01.01.1987 mittelbare Zusage, die durch Umwandlung nach dem 31.12.1986 zu einer unmittelbaren Zusage wird, ist als Altzusage einzuordnen. Zusätzlich besteht für mittelbare Pensionsverpflichtungen gem. Art. 28 Abs. 1 Satz 2 EGHGB ein Passivierungswahlrecht. Mittelbare Pensionsverpflichtungen sind Zusagen, die von externen Versorgungsträgern (bspw. Pensionskassen oder Direktversicherungen) bewilligt und erfüllt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen ein und definiert die Zielsetzung der Thesis hinsichtlich möglicher bilanzpolitischer Spielräume.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden die Grundlagen zur Geschäftstätigkeit und zur Rechnungslegung in Industrie- und Versicherungsunternehmen dargelegt, die als Basis für das Verständnis der anschließenden Rückstellungsthematik dienen.
3 Rückstellungen: Dieses Kapitel erläutert den Begriff und den Zweck von Rückstellungen, grenzt sie von anderen Bilanzpositionen ab und behandelt die Bewertung nach HGB, Steuerrecht und IFRS.
4 Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen: Hier wird der Rückstellungskatalog des HGB auf die spezifischen Anwendungsfälle beider Branchen angewendet, wobei der Schwerpunkt auf Verbindlichkeitsrückstellungen liegt.
5 Versicherungstechnische Rückstellungen bei Versicherungsunternehmen: Dieses Kapitel widmet sich den versicherungsspezifischen Rückstellungen, die aufgrund der speziellen Geschäftstätigkeit von Versicherungsunternehmen erforderlich sind, um deren Leistungsfähigkeit langfristig zu sichern.
6 Zusammenfassung und Fazit: Das letzte Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die bilanzpolitischen Gestaltungsspielräume bei der Rückstellungsbildung in den untersuchten Branchen.
Schlüsselwörter
Rückstellungen, HGB, Industrieunternehmen, Versicherungsunternehmen, Jahresabschluss, Bilanzpolitik, Verbindlichkeiten, versicherungstechnische Rückstellungen, Deckungsrückstellung, Pensionsrückstellungen, Steuerrückstellungen, Drohverlustrückstellung, Rechnungslegung, Bewertungsgrundsätze, Abzinsung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Bilanzierung von Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen nach handelsrechtlichen Vorschriften (HGB) und beleuchtet dabei insbesondere die Unterschiede und bilanzpolitische Möglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition und der Zweck von Rückstellungen, deren Ansatz und Bewertung nach HGB sowie die spezifischen Anforderungen im Bereich der Industrie- und der Versicherungswirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu beurteilen, ob Versicherungsunternehmen durch die Bildung spezieller versicherungstechnischer Rückstellungen über größere bilanzpolitische Gestaltungsspielräume verfügen als Industrieunternehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturgestützte, rechtsvergleichende Analyse der einschlägigen handelsrechtlichen Bestimmungen sowie der einschlägigen Fachliteratur, um die Rückstellungsbildung und deren bilanzielle Auswirkungen systematisch darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine allgemeine Systematik der Rückstellungen, eine detaillierte Analyse der Rückstellungen für Industrieunternehmen sowie eine umfassende Betrachtung der versicherungstechnischen Rückstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Rückstellungen, Bilanzpolitik, HGB, versicherungstechnische Rückstellungen, Jahresabschluss sowie der Vergleich zwischen Industrie- und Versicherungsunternehmen.
Welche Bedeutung haben die versicherungstechnischen Rückstellungen für Versicherungsunternehmen?
Sie sind von essenzieller Bedeutung, da sie die Verpflichtungen aus Versicherungsverträgen abbilden und sicherstellen müssen, dass das Versicherungsunternehmen seine Leistungen gegenüber den Versicherten dauerhaft erfüllen kann.
Warum sind Pensionsrückstellungen im HGB besonders relevant?
Pensionsrückstellungen sind bedeutend, da sie langfristige Verpflichtungen aus der betrieblichen Altersversorgung abbilden und für Altzusagen spezifische Passivierungswahlrechte bestehen, die bilanzpolitische Einflüsse ermöglichen.
Wie unterscheiden sich Drohverlustrückstellungen in der Steuerbilanz von der Handelsbilanz?
Handelsrechtlich besteht ein Passivierungsgebot für Drohverlustrückstellungen, während diese in der Steuerbilanz aufgrund von § 5 Abs. 4a EStG nicht gebildet werden dürfen.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2020, Handelsrechtliche Rückstellungen bei Industrie- und Versicherungsunternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915918