„Qualität rettet Leben“ - diesen Slogan in dem Qualitätssiegel des Malteser Hilfsdienstes hat sicherlich schon jeder Rettungsdienstmitarbeiter gehört oder gelesen. So wie die Begriffe „Qualität“, Qualitätsmanagement“, „ISO 9001:2000“ und „Qualitätssicherung“. Auch scheint es in der heutigen Zeit schick zu sein, den Rettungsdienst nach ISO 9001:2000 zertifizieren zu lassen.
Jeder Mitarbeiter im Rettungsdienst, der sich für seine Arbeitsumfeld interessiert, wird sich in diesem Zusammenhang sicherlich einmal Fragen was hinter den Begriffen steckt. In meinen ersten Überlegungen zu dieser Studienarbeit wollte ich ausschließlich auf diese Fragen eine Antwort liefern. Bei den Recherchen zum Thema „Qualität im Rettungsdienst“ fiel mir die Schweiz auf. Das Rettungswesen in der Schweiz unterscheidet sich in wesentlichen Punkten kaum von dem in Deutschland. Umso erstaunlicher ist es, dass die dortigen Bemühungen zur Qualitätssicherung einen anderen Ansatz haben, der zugleich erfolgreicher ist. Dies veranlasste mich, die Problematik breiter und grundsätzlicher zu betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.2 Methodik
2 DAS GESUNDHEITSWESEN
2.1 Aufgabe
2.2 Grundlagen
2.2.1 Sozialgesetzbuch
2.2.2 Grundstruktur
2.2.3 Finanzierung, Gesundheitsausgaben
2.3 Gesundheitsreform
2.3.1 Ziel
2.3.2 Sachverständigenrat
2.3.3 Verpflichtung zur Qualitätssicherung
2.3.4 Institutionen der Qualitätssicherung
2.4 Exkurs: Historischer Abriss zur Qualitätssicherung
3 DER RETTUNGSDIENST
3.1 Grundlagen
3.1.1 Aufgabe
3.1.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
3.1.3 Infrastruktur und Leistungsfähigkeit
3.1.4 Auswirkungen der Gesundheitsreform
3.2 Qualität im Rettungsdienst
3.2.1 Qualitätsbegriff
3.2.2 Qualitätsdimensionen nach Donabedian
3.2.3 Rechtliche Forderung
4 EXTERNE QUALITÄTSSICHERUNG IM RETTUNGSDIENST
4.1 Ausgangslage
4.2 Leinsweiler Gespräche
4.3 Strukturqualität
4.3.1 Notruf
4.3.2 Rettungsmittel
4.3.3 Hilfsfrist
4.3.4 Qualifikation des ärztlichen Rettungsdienstpersonals
4.3.5 Qualifikation des nichtärztlichen Rettungsdienstpersonals
4.4 Prozessqualität
4.4.1 Notrufabfrage
4.4.2 Leitlinien, Richtlinien
4.4.3 Fortbildung des Rettungsdienstpersonals
4.5 Ergebnisqualität
4.5.1 Dokumentation
4.5.2 Analysen
4.5.3 Tracer-Diagnosen
5 INTERNE QUALITÄTSSICHERUNG IM RETTUNGSDIENST
5.1 Ausgangslage
5.2 Begriffsdefinitionen
5.2.1 Management
5.2.2 Qualitätsmanagement
5.3 Rettungsdienst ein Dienstleistungsunternehmen
5.4 Prozessmanagement
5.5 QM-System nach DIN EN ISO 9001:2000
5.5.1 Aufbau
5.5.2 Prozessmodell
5.5.3 Forderungen
5.6 Qualitätsmanagement – Nutzen für den Rettungsdienst ?
5.6.1 Kundenorientierung - ein Problem ?
5.6.2 Kundenzufriedenheit- ein Messproblem ?
5.6.3 Effizienz – ein Nebeneffekt !
6 QUALITÄTSSICHERUNG IM SCHWEIZER RETTUNGSDIENST
6.1 Grundlagen
6.1.1 Organisation
6.1.2 Krankenversicherungsgesetz
6.1.3 Gebührenverordnung
6.2 Institutionen zur Qualitätssicherung
6.2.1 Gesundheitsdirektorenkonferenz
6.2.2 Interverband für Rettungswesen
6.3 Maßnahmen zur Qualitätssicherung
6.3.1 Richtlinien
6.3.2 Qualitätsmanagement
7 SCHLUSSWORT
10 ANHANG
10.1 Kernforderungen für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems der präklinischen Notfallmedizin (Forderungen aus dem Qualitätsmanagement Workshop 1994)
10.2 Zusammenfassung der Ergebnisse des Interdisziplinären Symposions „Qualitätsmanagement im Rettungsdienst“ im Ostseebad Dierhagen 2001
10.3 Verordnung über die Qualitätssicherung im Rettungsdienst (Bundesland Hessen)
10.4 Auszug aus der „Vereinbarung zwischen der Schweizerischen Sanitätsdirektorenkonferenz und dem Interverband für Rettungswesen über das Erbringen von Dienstleistungen im Rettungswesen durch den IVR und die Finanzierung dieser Leistungen durch die Kantone“
10.5 Auszug aus der „Richtlinie zur Anerkennung von Rettungsdiensten“
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Studienarbeit ist es, einen fundierten Überblick über Hintergründe, aktuelle Inhalte und alternative Ansätze der Qualitätssicherung im Rettungsdienst zu vermitteln, um die Diskrepanz zwischen steigendem Kostendruck und der notwendigen Sicherung einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung aufzuzeigen.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Qualitätssicherung im deutschen Rettungsdienst.
- Untersuchung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität anhand wissenschaftlicher Dimensionen.
- Vergleich der deutschen Situation mit effektiven Qualitätssicherungsmodellen in der Schweiz.
- Bewertung von Instrumenten wie Qualitätsmanagement (ISO 9001:2000), Indikatoren und Tracer-Diagnosen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Qualitätsbegriff
Mit dem Begriff „Qualität“ werden heutzutage ganz unterschiedliche Wertvostellungen assoziiert. Der Japaner Masaaki Imai, einer der großen Vordenker des Qualitätsmanagements, äußerte sich zum Begriff „Qualität“ einmal so: „Es gibt so viele Definitionen der Qualität wie Leute, die sie definieren und es besteht keine Einigkeit darüber, was Qualität ist oder sein sollte"25. In der internationalen Fachsprache ist der Qualitätsbegriff laut Norm ISO 9000:2001 wie folgt definiert:26
„Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale (An)forderungen erfüllt“
Anmerkung 1: Die Benennung `Qualität` kann zusammen mit Adjektiven wie schlecht, gut oder ausgezeichnet verwendet werden.
Anmerkung 2: `Inhärent` bedeutet im Gegensatz zu `zugeordnet` `einer Einheit innewohnende`, insbesondere als ständiges Merkmal
Ins Umgangssprachliche übersetzt bedeutet es - die „realisierte Beschaffenheit einer Einheit bezüglich Qualitätsanforderungen an diese“27.
Diese allgemein gültige Definition bestimmt aber nicht ausreichend die Qualität im Rettungsdienst. Für einen brauchbaren Ansatz wird ein Qualitätsziel benötigt und ein Instrument zur Messung des erzielten Ergebnisses. Die Zielvorstellungen stehen dabei in Abhängigkeit von Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel Gesetzesvorgaben. Das angestrebte Ziel ist, mit den vorhandenen Ressourcen bei geringstem Kostenaufwand die höchst erreichbare Qualität zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Relevanz von Qualitätsmanagement im Rettungsdienst und Formulierung der grundlegenden Fragestellungen der Arbeit.
2 DAS GESUNDHEITSWESEN: Analyse der grundlegenden Strukturen, der Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens und der Auswirkungen der Strukturreformen.
3 DER RETTUNGSDIENST: Untersuchung der rettungsdienstlichen Aufgaben, der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Auswirkungen der Gesundheitsreform auf diesen spezifischen Sektor.
4 EXTERNE QUALITÄTSSICHERUNG IM RETTUNGSDIENST: Erläuterung externer Kontrollinstrumente wie Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität sowie der Einsatz von Tracer-Diagnosen.
5 INTERNE QUALITÄTSSICHERUNG IM RETTUNGSDIENST: Betrachtung von Qualitätsmanagementsystemen (ISO 9001:2000), Prozessmanagement und der Messung von Kundenzufriedenheit.
6 QUALITÄTSSICHERUNG IM SCHWEIZER RETTUNGSDIENST: Analyse der schweizerischen Ansätze zur Qualitätssicherung und Vergleich mit deutschen Standards.
Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Rettungsdienst, Qualitätsmanagement, ISO 9001:2000, Gesundheitsreform, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Strukturqualität, Hilfsfrist, Notfallmedizin, Kundenzufriedenheit, Effizienz, Tracer-Diagnosen, Rettungswesen, Patientenversorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Aspekte, Hintergründe und Methoden der Qualitätssicherung im Rettungsdienst in Deutschland und stellt diese modernen Ansätzen, insbesondere aus der Schweiz, gegenüber.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Einordnung des Rettungsdienstes in das Gesundheitswesen, die Unterscheidung zwischen interner und externer Qualitätssicherung sowie die Anwendung von QM-Systemen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein Überblick über die Qualitätssicherung, um Lücken in der aktuellen deutschen Umsetzung aufzuzeigen und alternative Ansätze zur Verbesserung der Versorgungsqualität zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf einer umfassenden Internet-Recherche und der Auswertung von Behördenquellen, Fachbeiträgen und rechtlichen Dokumenten, um den aktuellen Stand der Diskussion abzubilden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, vergleicht QM-Modelle wie die ISO 9001:2000 und diskutiert die Herausforderungen bei der Messung von Kundenzufriedenheit im Rettungsdienst.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Qualitätssicherung, Qualitätsmanagement, Rettungsdienst, Gesundheitsreform, Hilfsfrist und Effizienzsteigerung.
Warum wird der Rettungsdienst in Deutschland oft als "untransparent" wahrgenommen?
Aufgrund der Vielzahl an unterschiedlichen Fachbüchern, Meinungen und regional heterogenen Regelungen fehlt es dem Laien oft an einem einheitlichen Verständnis der Abläufe.
Wie unterscheidet sich die Qualitätssicherung in der Schweiz von der in Deutschland?
Die Schweiz nutzt ein einfacheres System, das ohne hohen bürokratischen Aufwand eine flächendeckende Qualitätssicherung ermöglicht, gestützt auf verbindliche Richtlinien des Interverbandes für Rettungswesen.
Warum ist das Qualitätsziel im Rettungsdienst schwer zu messen?
Da die Gesundheit des Patienten als Ganzes betrachtet werden muss, korreliert ein schnelles Eintreffen nicht immer zwangsläufig mit einem verbesserten Gesundheitszustand des Patienten, was die Erfolgskontrolle erschwert.
Welche Rolle spielt die Hilfsfrist bei der Qualitätssicherung?
Die Hilfsfrist dient als zentraler Zeitabschnitt und Planungsmaß für die Strukturqualität, ist jedoch aufgrund mangelnder einheitlicher Definitionen zwischen den Bundesländern in ihrer Vergleichbarkeit eingeschränkt.
- Quote paper
- Peter Janakiew (Author), 2005, Qualitätssicherung im Rettungsdienst, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91630