Die Identität einer Stadt lebt aus der Beziehung zwischen „Dichte und Nutzungsvielfalt, dem Kontrast von Tradition und Moderne und dem Gegenüber von vertrautem Altbekannten und unerwartetem Neuen“ . Diese Kraftfelder veränderten sich durch die ökonomische Entwicklung in den vergangenen Jahren, der öffentlichen Finanznot und den grundlegenden Entwicklungen im Handel. Die Aufzählung der Probleme, die die gegenwärtige Situation beschreiben – zunehmender Wettbewerb der Städte untereinander, Funktionsverlagerungen in die Peripherie, Versorgungsprobleme, Konzentrationsprozesse im Handel, unterlassene Investitionen, zunehmende Mobilität der Kunden, unzureichendes Parkplatzangebot, mangelnde Sicherheit und Sauberkeit, Verfall von Grundstückswerten, uneinheitliche Ladenöffnungszeiten, hohe Denkmalschutzauflagen – wird länger und länger. Immer mehr Rahmenbedingungen lassen eine prosperierende Zukunft der Innenstädte in weiter Ferne erscheinen.
Entstanden sind vielfach innerstädtische Monokulturen, ohne eigene Identität, und damit für den Konsumenten beliebig austauschbar. Konsumenten, die in der Innenstadt einkaufen, suchen vor allem den Erlebniskauf, der sich besonders durch die Einkaufsatmosphäre ausdrückt.
Aus dieser Problemsicht ergeben sich verschiedene Fragen, denen in dieser Arbeit nachgegangen werden soll:
• Welche Faktoren beeinflussen die Einkaufstättenwahl des Konsumenten?
• Welche Bedeutung und Probleme hat der Handel in der Innenstadt?
• Welche Initiativen gibt es, um die Zukunft des Standortes Innenstadt zu sichern?
• Wo liegen die Vor- und Nachteile der einzelnen Initiativen?
• Welche Initiativen eignen sich zur Revitalisierung des Standortes Innenstadt?
Das Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Initiativen, die die Zukunft des Standorts Innenstadt sichern sollen, darzustellen und ihre Eignung zur Revitalisierung zu untersuchen. Zunächst werden als Grundlage für das weitere Verständnis in Kapitel zwei Begriffe definiert und eine Analyse zur betriebtypenspezifischen Einkaufsstättenwahl betrachtet. Im Kapitel drei werden die verschiedenen Initiativen zur Verbesserung der Attraktivität beleuchtet und in Kapitel vier dann ihre Eignung zur Revitalisierung der Innenstadt analysiert. In der Schlussbetrachtung soll noch ein kurzer Ausblick auf die zu erwartende weitere Entwicklung stattfinden.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Definitionen
2.1.1 Standort Innenstadt
2.1.2 Nahversorger
2.2 Theoretische Analyse betriebstypenspezifischer Einkaufsstättenwahl
3. Initiativen zur Verbesserung der Attraktivität der Innenstadt
3.1 Innerstädtische Shopping-Center
3.1.1 Entwicklung und Typologie
3.1.2 Chancen, Risiken und Probleme
3.2 Stadtmarketing
3.2.1 Akteure, Motive und Ziele
3.2.2 Chancen, Risiken und Probleme
3.3 Events
3.4 Politische Initiativen
3.4.1 Flächenumnutzung
3.4.2 Planungsrecht
3.4.3 Verkehrspolitik
3.5 Business Improvement Districts
4. Kritischer Vergleich ausgewählter Maßnahmen zur Revitalisierung
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, verschiedene Initiativen zur Stärkung der Innenstadt darzustellen und ihre Eignung zur Revitalisierung kritisch zu untersuchen, um der zunehmenden Funktionsverlagerung und Verödung entgegenzuwirken.
- Analyse der Faktoren, die die Einkaufsstättenwahl des Konsumenten beeinflussen.
- Untersuchung der Bedeutung und Probleme des innerstädtischen Einzelhandels.
- Evaluierung von Maßnahmen wie Shopping-Centern, Stadtmarketing, Events und Business Improvement Districts.
- Kritischer Vergleich der Maßnahmen anhand von Kriterien wie Innenstadtbelebung und Standortimage.
Auszug aus dem Buch
3.1 Innerstädtische Shopping-Center
Shopping-Center können als konzeptionell geplante Agglomerationsformen des Einzelhandels definiert werden. Mit ihrem Angebot decken sie ein umfassendes Spektrum an Konsumäußerungen ab. Sie sind weltweit das momentan erfolgreichste Konzept des Einzelhandels. Shopping-Center bieten dem Konsumenten in Bezug auf ihre Angebotsstruktur eine Möglichkeit des Multi-Purpose- und One-Stopp-Shopping.
Mit Beginn des vorigen Jahrhunderts entstanden Warenhäuser in den Innenstädten, ab Mitte des 19. Jahrhunderts zusätzlich Passagen und Galerien. Als Passage wird ein „zwischen belebten Straßen hindurchgeführten, glasüberdachten Verbindungsgang, der auf beiden Seiten gesäumt ist von Reihen einzelner Läden“ bezeichnet. Diese Form innerstädtischer Einkaufszentren gewinnt im Rahmen der Revitalisierung der Innenstädte wieder an Bedeutung. Der österreichische Architekt Victor Gruen legte den Grundstein für das erste Shopping-Center in den 20er Jahren in den USA.
In Deutschland sind mittlerweile fünf Generationen von Shopping-Centern festzustellen. Relativ große Center mit architektonisch anspruchsloser Bauweise, angesiedelt auf der „grünen Wiese“ charakterisieren die erste Generation (1964-1973). Als Magnetbetriebe dienen ausschließlich Kauf- und Warenhäuser. Die zweite Generation (1973-1982) ist durch die Entwicklung innerstädtischer Standorte gekennzeichnet. In der dritten Generation (1982-1992) wird deutlich häufiger in der Innenstadt angesiedelt. Die Architektur ist durch Corporate Identity und Image geprägt. Bei der vierten Generation (1992-2001) laufen viele Entwicklungen parallel ab. Zum einen werden immer mehr Galerien und Passagen in der Innenstadt und in den neuen Bundesländern zunehmend Shopping-Center in den Randlagen gebaut. Zum anderen entsteht ein Trend zur Revitalisierung der älteren Center. Die Objekte sind besonders durch einzelne Gestaltungsmittel, wie begrünte Ruhe- und Verweilzonen sowie Glasatrien, die das natürliche Raumerleben beim Konsumenten hervorrufen sollen gekennzeichnet. In der jüngsten Generation (seit 2001) werden vorwiegend standortadäquate Objekte gebaut mit individuellen und ästethisierten architektonischen Konzepten, einem vielfältigem Branchenmix und professionell gemanagt. Neue Shopping-Center entstehen in mittelgroßen Städten ab 70.000 Einwohnern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel beschreibt die aktuelle schwierige Situation der Innenstädte durch Wettbewerb und Funktionsverluste und formuliert die Forschungsfragen sowie das Ziel der Untersuchung.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden Definitionen zum Standort Innenstadt sowie zur Nahversorgung geklärt und die betriebstypenspezifische Einkaufsstättenwahl theoretisch analysiert.
3. Initiativen zur Verbesserung der Attraktivität der Innenstadt: Dieses Kapitel stellt verschiedene Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt vor, darunter Shopping-Center, Stadtmarketing, Events, politische Initiativen und Business Improvement Districts.
4. Kritischer Vergleich ausgewählter Maßnahmen zur Revitalisierung: Die zuvor genannten Maßnahmen werden anhand von verschiedenen Kriterien wie Innenstadtbelebung, Image und Infrastruktur in einer Übersichtstabelle bewertet und einander gegenübergestellt.
5. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine erfolgreiche Revitalisierung der Innenstadt nur durch einen kooperativen, interdisziplinären Prozess und eine starke Markenpositionierung gelingen kann.
Schlüsselwörter
Innenstadt, Einzelhandel, Stadtmarketing, Shopping-Center, Revitalisierung, Standortentscheidung, Konsumentenverhalten, Business Improvement Districts, Stadtentwicklung, Standortattraktivität, Nahversorgung, Handelsmarketing, Infrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Stadtplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung verschiedener Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Attraktivität und Zukunftsfähigkeit von Innenstädten als Versorgungszentren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung innerstädtischer Einzelhandelsstandorte, der Einfluss von Stadtmarketing, politische Rahmenbedingungen wie das Planungsrecht sowie neue Organisationsformen wie Business Improvement Districts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, verschiedene Initiativen darzustellen, die die Zukunft der Innenstadt sichern sollen, und deren Eignung für eine effektive Revitalisierung der Standorte zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse sowie einen kritischen Vergleich ausgewählter Maßnahmen anhand von Entscheidungskriterien, um die Wirkungsgrade der Konzepte zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Initiativen zur Verbesserung der Attraktivität, wie Shopping-Center, Stadtmarketing und BIDs, sowie deren anschließende kritische Bewertung in einem Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Innenstadt, Einzelhandel, Standortentscheidung, Revitalisierung, Stadtmarketing, Shopping-Center und Business Improvement Districts.
Warum ist das Stadtmarketing ein so wichtiges Instrument?
Stadtmarketing fungiert als Kommunikationsplattform und Impulsgeber, um die Stadt als Marke zu positionieren und Akteure zu einer kooperativen Entwicklung zu bewegen.
Was sind die Hauptkritikpunkte an innerstädtischen Shopping-Centern?
Kritisiert werden oft die falsche Integration in den Mikrostandort, eine einseitige Autoorientierung und die Gefahr, dass sie bestehende 1A-Lagen durch die Verschiebung von Kundenströmen veröden lassen.
Welche Rolle spielen Business Improvement Districts (BIDs)?
BIDs sind privatwirtschaftlich initiierte Modelle zur Aufwertung des öffentlichen Raumes, die durch eine zuverlässige Finanzierung eine Stärkung von Geschäftsquartieren ermöglichen.
Warum ist die Kooperation der Akteure entscheidend für die Zukunft der Innenstadt?
Da die Herausforderungen vielfältig sind, kann die Renaissance der Innenstadt nur interdisziplinär durch die Zusammenarbeit von Wirtschaft, Politik, Verwaltung und weiteren Akteuren gelingen.
- Quote paper
- Vanessa Breunig (Author), 2007, Die Zukunft des Standortes Innenstadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91686