Seit dem 01.05.2004 sind die mittelosteuropäischen (MOE) Länder Polen, Tschechien, Slowakei sowie Ungarn Mitglieder der Europäischen Union (EU). Die Osterweiterung der EU, in diesem Zusammenhang sind ebenso Estland, Lettland und Litauen sowie ab dem 01.01.2007 auch Rumänien und Bulgarien zu nennen, verschärft die Frage nach der Vereinbarkeit der nationalstaatlichen Wohlfahrtsstaatlichkeit mit dem EU-europäischen Binnenmarkt und erschwert die Möglichkeit einer gesamteuropäischen Sozialpolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“
2.1 Inhalte
2.2 Rezeption und Kritik
3. Exkurs: Die wirtschaftliche Entwicklung der MOE-Länder
3.1 Wirtschaftliche Entwicklungsunterschiede und strukturelle Defizite
3.2 Wirtschaftliche Folgen der europäischen Integration
4. Der Arbeitsmarkt innerhalb der mittelosteuropäischen Wohlfahrtsstaaten
4.1 Problembenennung
4.2 Wohlfahrtsstaatliche Interventionen im Arbeitsmarkt
I) Vermeidung des Arbeitskräfteabbaus
II) Negative Angebotspolitik
III) Einkommenssicherung durch Arbeitslosenversicherungen und Sozialhilfe
IV) Aktive Arbeitsmarktpolitik
5. Einordnung in die drei Welten Esping-Andersens
6. Wohin bewegen sich die mittelosteuropäischen Wohlfahrtsstaaten?
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einordnung der Wohlfahrtsstaaten mittelosteuropäischer Länder (MOE) in die klassische Systematik von Gøsta Esping-Andersen. Ausgehend von der wirtschaftlichen Transformation nach 1989 und den Herausforderungen durch den EU-Beitritt analysiert der Autor die Rolle staatlicher Interventionen auf dem Arbeitsmarkt, um zu klären, inwieweit diese Länder als hybride Modelle oder als spezifische Ausprägungen des liberalen Wohlfahrtsstaats zu begreifen sind.
- Analyse der Wohlfahrtsmodelle nach Esping-Andersen
- Wirtschaftliche Ausgangslage und Transformationskosten der MOE-Länder
- Staatliche Arbeitsmarktpolitik und soziale Sicherungsmechanismen
- Zukunftsperspektiven der sozialen Sicherung im Kontext der EU-Integration
Auszug aus dem Buch
4.2 Wohlfahrtsstaatliche Interventionen im Arbeitsmarkt
Bei den hier aufgeführten Interventionen geht es um staatliche Arbeitsmarktregulierungen zur sozialen Absicherung der Arbeitnehmer, die entweder die Integration in das Beschäftigungssystem fördern oder alternative Formen der Einkommenserzielung eröffnen.
I) Vermeidung des Arbeitskräfteabbaus
a) rechtliche Regulierung von Massenentlassungen
Um der mit der zu Tage tretenden offenen Arbeitslosigkeit seit der Marktöffnung 1989 fertig zu werden, wurden zunächst in allen MOE-Ländern Gesetze zur Regelung von Massenentlassungen zum Schutz der Arbeitnehmer verabschiedet. Diese Gesetze verpflichteten die Arbeitgeber bei anstehenden Massenentlassungen die betrieblichen Gewerkschaftsorgane zu konsultieren sowie den Arbeitnehmern eine Abfindung in Höhe von bis zu sechs Monatsgehältern (Ungarn) zu zahlen. Ziel der Gesetze war es, die Arbeitgeber durch hohe Kosten zu zwingen, Entlassungen als letztes Mittel zur Verbesserung der Kostenstruktur zu begreifen. Im Falle von Massenentlassungen sollten die Arbeiter und Angestellten finanziell weich gebettet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Herausforderungen der EU-Osterweiterung für die nationale Wohlfahrtsstaatlichkeit und führt in die theoretische Debatte um die Typologisierung der post-kommunistischen Staaten ein.
2. „Die drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“: Dieses Kapitel erläutert die drei Prinzipien von Esping-Andersen (Dekommodifizierung, Stratifizierung, Arrangement) und stellt die drei klassischen Wohlfahrtsmodelle dar.
3. Exkurs: Die wirtschaftliche Entwicklung der MOE-Länder: Hier werden die strukturellen Defizite und die wirtschaftlichen Transformationsprozesse in den MOE-Ländern sowie die Folgen der europäischen Integration analysiert.
4. Der Arbeitsmarkt innerhalb der mittelosteuropäischen Wohlfahrtsstaaten: Das Kapitel bietet eine detaillierte Betrachtung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, von Massenentlassungsschutz über negative Angebotspolitik bis hin zu aktiver Arbeitsmarktpolitik.
5. Einordnung in die drei Welten Esping-Andersens: Hier erfolgt der Versuch, die untersuchten Länder in die von Esping-Andersen definierten Modelle einzuordnen und als "institutionelle Hybride" oder liberale Modelle zu diskutieren.
6. Wohin bewegen sich die mittelosteuropäischen Wohlfahrtsstaaten?: Das abschließende Kapitel diskutiert die zukünftigen Pfade der MOE-Wohlfahrtsstaaten im Kontext supranationaler europäischer Vorgaben und der zunehmenden Marktorientierung.
Schlüsselwörter
Wohlfahrtsstaat, Esping-Andersen, MOE-Länder, Arbeitsmarkt, Dekommodifizierung, Stratifizierung, EU-Osterweiterung, Transformation, Sozialpolitik, Arbeitslosigkeit, institutionelle Hybride, aktiver Arbeitsmarkt, Marktintegration, soziale Sicherung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wohlfahrtsstaatlichkeit in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn nach der Wende 1989 und deren Einordnung in die theoretische Typologie der "drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus" nach Esping-Andersen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der wirtschaftlichen Entwicklung nach 1989, den Auswirkungen der EU-Integration und insbesondere den staatlichen Interventionen auf dem Arbeitsmarkt.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, welchem der Wohlfahrtsmodelle von Esping-Andersen die mittelosteuropäischen Länder am nächsten kommen und wie ihre Rolle zwischen marktwirtschaftlicher Orientierung und sozialstaatlicher Absicherung zu beschreiben ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende politikwissenschaftliche Analyse, die theoretische Modelle auf die empirische Situation der untersuchten MOE-Länder anwendet und deren strukturelle Transformation bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die wirtschaftliche Lage, die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen – wie Frühverrentung, Lohnpolitik und aktive Arbeitsmarktmaßnahmen – sowie deren sozialpolitische Konsequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wohlfahrtsstaat, MOE-Länder, Transformation, Arbeitsmarktpolitik, Esping-Andersen und EU-Osterweiterung sind die zentralen Begriffe.
Warum wird die Arbeitsmarktpolitik zur Einordnung herangezogen?
Der Autor wählt den Arbeitsmarkt, da hier die sozialen Folgen der Transformation besonders deutlich sichtbar sind und die vorhandene Literatur eine fundierte Einordnung in die Systematik ermöglicht.
Was sind laut dem Autor "institutionelle Hybride"?
Es handelt sich um Wohlfahrtsstaaten, die Merkmale verschiedener Modelle kombinieren, da sie nach der Wende 1989 weder das sozialdemokratische noch das korporatistische Modell in Reinform übernehmen konnten oder wollten.
- Citar trabajo
- Tobias Winzer (Autor), 2006, Die mittelosteuropäischen Wohlfahrtsstaaten und Esping-Andersens „drei Welten des Wohlfahrtskapitalismus“, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91976