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Mehr soziale Gerechtigkeit durch Bildung?

Die Aktualität des Habitus-Konzepts von Pierre Bourdieu

Title: Mehr soziale Gerechtigkeit durch Bildung?

Term Paper , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Bjoern Cebulla (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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In Deutschland wird die spätere soziale Lage in der Gesellschaft maßgeblich durch den Bildungsstand bestimmt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ein enger Zusammenhang zwi-schen Bildungsstand und Erfolg auf dem Arbeitsmarkt festzustellen ist (vgl. OECD 2007, S. 5 f.). Darüber hinaus bestätigen die Ergebnisse der PISA-Studien (Baumert et al. 2000; Prenzel et al. 2004; Prenzel et al. 2007) ungleiche Bildungschancen für Kinder unterschiedlicher sozialer und regionaler Herkunft. Vor diesem Hintergrund kommt dem engen Zusammenhang zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft eine besondere Bedeutung zu. Es stellt sich die zentrale Frage, mit welchen Mechanismen die soziale Ungleichheit trotz einer breiteren Teilhabe an Bildung durch die Bildungsverläufe reproduziert wird.
In der vorliegenden Arbeit soll die Hypothese überprüft werden, dass die frühkindliche Sozialisation in der Familie und die unbewusste Selektivität der Lehrer entsprechend des Habituskonzepts von Pierre Bourdieu einen wichtigen Beitrag zur Erklärung der „sozialen Vererbung“ von Bildungserfolgen im heutigen Deutschland leisten können. Als zentrales Problem bzgl. des engen Zusammenhangs zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft wird dabei die frühe Selektion im deutschen Bildungssystem herausgearbeitet. Um diese Hypothese zu überprüfen werden im Folgenden zunächst die Probleme der sozialen Selektivität des Bildungssystems herausgearbeitet werden. Anschließend wird das Habituskonzept Bourdieus vorgestellt werden. Daraufhin soll anhand der drei PISA-Studien überprüft werden, inwieweit das Habituskonzept dazu beitragen kann, die Selektivität des deutschen Bildungssystems zu erklären. Dabei wird deutlich, dass die frühkindliche Sozialisation in der Familie und die un-bewussten Habituserwartungen der Lehrer als Erklärung für die Kontinuität von Bildungsbenachteiligung herangezogen werden können

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Soziale Selektivität des Bildungswesens

3 Das Habituskonzept Bourdieus als Erklärungsansatz der Reproduktion sozialer Ungleichheit

3.1 Die frühkindliche Sozialisation des Habitus

3.2 Unbewusste Habituserwartungen der Lehrkräfte

3.3 Hypothese zur Überprüfung des Zusammenhangs von Habituskonzept, sozialer Selektion und Reproduktion im Bildungswesen

4 Empirische Überprüfung der Hypothese anhand der PISA-Studien

5 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit das Habituskonzept von Pierre Bourdieu dazu beitragen kann, die Mechanismen der sozialen Selektion und die damit verbundene Reproduktion von Bildungsungleichheit im deutschen Bildungssystem zu erklären.

  • Analyse der sozialen Selektivität an den Gelenkstellen des Bildungswesens
  • Einfluss der frühkindlichen Sozialisation auf den schichtspezifischen Habitus
  • Rolle unbewusster Habituserwartungen von Lehrkräften bei der Bildungsempfehlung
  • Empirische Validierung der Hypothesen durch PISA-Studien-Daten

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

Knapp 40 Jahre nach der Bildungsexpansion erlebt die Diskussion um Chancengleichheit im Bildungswesen infolge der Veröffentlichung der PISA-Studien eine Renaissance. Nicht nur das im internationalen Vergleich unterdurchschnittliche Abschneiden der deutschen Schüler ist bemerkenswert, sondern auch die Tatsache, dass in keinem anderen untersuchten Land der Zusammenhang von Bildungserfolg und sozialer Herkunft so eng miteinander verknüpft ist wie in Deutschland (vgl. Loeber & Scholz 2003, S. 250). Im Zuge der Bildungsexpansion der 1960er Jahre sollte durch den Ausbau des sekundären und tertiären Bereiches des Bildungswesens mehr Chancengleichheit hinsichtlich des Zugangs zu Bildung geschaffen werden.

Während 1960 lediglich 6 % eines Jahrgangs die Abiturprüfung ablegte, ist dieser Anteil im Jahr 2006 um das Fünffache auf 31 % gestiegen (vgl. Prenzel et al. 2007, S. 329). Dennoch bleibt eine soziale Selektivität bestehen. Im Jahr 2006 haben Fünfzehnjährige aus der oberen Dienstklasse eine fast viermal höhere Chance ein Gymnasium zu besuchen als gleichaltrige Jugendliche aus Arbeiterfamilien (vgl. Prenzel et al. 2007, S. 330). Dies verdeutlicht das paradoxe Ergebnis der Bildungsexpansion, die zwar die Bildungsbeteiligung aller Schichten erhöht hat, es jedoch nicht geschafft hat, die Selektivität beim Zugang zu Bildung zu beseitigen (vgl. Geißler 2006, S. 286).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der sozialen Selektivität des deutschen Bildungssystems ein und formuliert die zentrale Hypothese zur Untersuchung der Bildungsungleichheit.

2 Soziale Selektivität des Bildungswesens: Hier werden die strukturellen Probleme der Selektionsfunktion und die Bedeutung der Gelenkstellen im Bildungssystem für die Entstehung sozialer Disparitäten erläutert.

3 Das Habituskonzept Bourdieus als Erklärungsansatz der Reproduktion sozialer Ungleichheit: Dieses Kapitel stellt das theoretische Fundament dar, wobei insbesondere die frühkindliche Sozialisation und die unbewusste Erwartungshaltung von Lehrkräften beleuchtet werden.

4 Empirische Überprüfung der Hypothese anhand der PISA-Studien: Die theoretischen Ansätze werden hier anhand empirischer Daten aus den PISA-Studien auf ihre Erklärungsrelevanz für das deutsche Bildungssystem geprüft.

5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert bildungspolitische Handlungsoptionen zur Reduzierung von Bildungsungleichheiten.

Schlüsselwörter

Habitus, soziale Selektivität, Bildungsungleichheit, Pierre Bourdieu, PISA-Studien, Bildungsbeteiligung, soziale Herkunft, Bildungsbenachteiligung, Gelenkstellen, Lehrerempfehlung, Reproduktion, kulturelles Kapital, Chancengleichheit, Sozialisation, Schullaufbahn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft, dem schichtspezifischen Habitus und dem schulischen Erfolg im deutschen Bildungssystem.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Selektivität, der Wirkung des Habituskonzepts von Bourdieu und der empirischen Analyse von Bildungschancen.

Was ist die zentrale Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, mit welchen Mechanismen die soziale Ungleichheit trotz breiterer Bildungsbeteiligung reproduziert wird.

Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?

Die Arbeit kombiniert eine theoretische Herleitung auf Basis von Bourdieu mit einer empirischen Überprüfung anhand der Daten der PISA-Studien.

Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?

Behandelt werden die frühkindliche Sozialisation, unbewusste Habituserwartungen von Lehrkräften und deren Einfluss auf Bildungsempfehlungen.

Welche Begriffe beschreiben die Arbeit am besten?

Die zentralen Charakteristika sind Habitus, soziale Selektivität, Reproduktion sozialer Ungleichheit und PISA-Studien.

Wie beeinflussen Lehrkräfte die soziale Selektion?

Lehrkräfte bewerten nicht nur die Leistung, sondern unbewusst auch den Habitus und die sozioökonomischen Ressourcen der Schüler, was zu einer Bevorzugung bildungsnaher Schichten führen kann.

Welche Bedeutung hat das Gymnasium in diesem Kontext?

Das Gymnasium fungiert oft als Ankerpunkt für den „Bildungsbonus“, wobei Kinder aus oberen Schichten trotz vergleichbarer Leistung bessere Chancen auf eine Gymnasialempfehlung haben.

Welche Rolle spielt die frühkindliche Sozialisation?

Sie legt den Grundstein für den Familienhabitus, der bereits vor der Schulzeit über kulturelle Gewohnheiten und Bildungsnähe entscheidet.

Welche Reformvorschläge werden im Fazit genannt?

Es wird u.a. für längeres gemeinsames Lernen, den Ausbau von Ganztagsschulen und eine Sensibilisierung der Lehrerausbildung plädiert.

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Details

Title
Mehr soziale Gerechtigkeit durch Bildung?
Subtitle
Die Aktualität des Habitus-Konzepts von Pierre Bourdieu
College
Carl von Ossietzky University of Oldenburg
Grade
1,3
Author
Bjoern Cebulla (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V92190
ISBN (eBook)
9783638060462
ISBN (Book)
9783640781133
Language
German
Tags
Mehr Gerechtigkeit Bildung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bjoern Cebulla (Author), 2008, Mehr soziale Gerechtigkeit durch Bildung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92190
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